Viele Männer sind der Meinung sie müssten Helden sein und ihr Leben als Einzelkämpfer meistern. „Der Mann steht vor einem Berg von Ansprüchen an seine Stärke, sein Stehvermögen, seine Durchsetzungskraft.“ Dieser Leistungsdruck ängstigt Männer und macht eine absolute Mehrheit von ihnen zu Verlierern, denn erfolgreich im männlichen Sinne können nur ganz wenige sein. Die Verlierer suchen einen Ausgleich, etwas mit dem sie ihren Frust kompensieren können, zum Beispiel versuchen sie über ihre Frauen, Kinder oder Untergebenen zu herrschen.
Die versteckten Ängste und ihre Verzweiflung, die Erwartungen von den Eltern, Umwelt und den Frauen nicht erfüllen zu können, lassen sie aggressiv werden und treiben sie immer mehr in ihre männliche Isolation. Da sie ihren Gefühlen nicht trauen, verkehren sich ihre inneren Wünsche nach Geborgenheit und Schutz ins Gegenteil => sie werden zu harten, scheinbar gefühlslosen Männern, die vorgeben vor nichts Angst zu haben… In meiner Hausarbeit werde ich versuchen, den Einfluss der Helden auf die Männerwelt zu behandeln. Ich werde versuchen, die Eigenschaften und die Symbolik von Helden zu beschreiben und darzulegen inwiefern diese Gestalten die Männerwelt bis zur heutigen Zeit beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition
3. Ursprung und Entwicklung des Heldentums
3.1. Antike Helden
3.1.1. Mythologie
3.1.2. Religion
3.1.3. Märchen
3.2. Moderne Helden
3.2.1. Politik
3.2.2. Fernsehen
3.2.3. Sport
4. Hinter der Maske
4.1. Männertypen und –bilder
4.1.1. Der traditionelle Mann
4.1.2. Mann werden
4.1.3. Der neue Mann
4.1.4. Helden mal anders
5. Schlussbemerkung
6. Quellen
Zielsetzung und Themen
Diese Hausarbeit untersucht den Einfluss des Heldenmythos auf das männliche Selbstverständnis und die gesellschaftlichen Erwartungen an Männer. Das Ziel ist es, die Symbolik des Heldentums zu analysieren und aufzuzeigen, wie diese Rollenbilder die Identitätsentwicklung von Männern bis heute prägen und inwieweit sie als Maske für Unsicherheit und Gefühle dienen.
- Historische und moderne Wurzeln des Heldentums
- Die psychologische Belastung durch traditionelle Männlichkeitsideale
- Transformation vom klassischen Helden zum "neuen Mann"
- Die Rolle von Riten und Leistungsdruck bei der männlichen Identitätsfindung
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Der traditionelle Mann
„Echte Männer werden gemacht, nicht geboren…“ heißt es in „Mythos Mann“ von David D. Gilmore. Der Mythos des Helden gilt für die meisten traditionellen Männer als Richtlinie oder Idealbild eines „echten“ oder „richtigen“ Mannes.
Von einem richtigen Mann wird erwartet, dass er vor allem willensstark, selbstsicher, aktiv und dominant sein muss, aber auf keinen Fall ängstlich. Der traditionelle Mann ist seines eigenen Körpers entfremdet. Seinen Körper betrachtet und benutzt er häufig als bloßes Werkzeug, um von sich selbst entfremdete Ziele zu erreichen (z.B. Status, Macht, Prestige, Geld). Seinem Körper - und damit sich selbst - widmet er nur wenig oder gar keine Aufmerksamkeit. Wenn er sich schon absichtsvoll körperlich betätigt, muss es mindestens gleich der Berlin-Marathon oder ein Trekking auf den Mount Everest sein, was mit Gesundheit so viel zu tun hat, wie eine Autowaschanlage mit Zähneputzen. Die Teilnahme an solchen strapaziösen Veranstaltungen passt aber gut mit dem Bild zusammen, das ein Held von sich selber haben könnte. Er muss etwas leisten, viel leisten, um anerkannt zu werden - das ist das eigentliche Ziel, für das er wochenlang vor dem Marathon trainiert. Wenn er dann nur als 33.459-ter Läufer von über 50.000 gestarteten Läufer ins Ziel kommt, ist er nicht etwa froh, die Strecke geschafft zu haben, sondern er hadert damit nicht unter die ersten 100 gekommen zu sein. Es reicht ihm nicht, einfach ans Ziel zu kommen, sondern er muss sich auch von dem Rest deutlich abgrenzen können um heldenhaft zu sein.
Dieser Männertyp klammert sich verzweifelt an ein heldenhaftes Männerbild, indem er durch sein Verhalten geradezu nach Bewunderung und Ansehen bettelt. Darüber hinaus sieht er das Dasein der Frauen nur darin, den Mann anzuhimmeln, zu befriedigen und zu bedienen. Allerdings hat dieses Verhalten keineswegs etwas mit Heldenhaftigkeit zu tun, sondern ist nur ein Zeichen für völlige Hilflosigkeit. Carol Lee schreibt in ihrem Buch „Hilflose Helden“, „dass man als Held von gestern nicht mit Problemen von morgen fertig wird.“ Im Vergleich zu anderen Männertypen, findet man beim traditionellen Mann die stärkste Neigung zu Gewalt. Eigentlich logisch, denn letztlich tut er sich selbst Gewalt an, wenn er versucht, als eine Art Clint Eastwood-Verschnitt durchs Leben zu gehen: hart, aufrecht, ausdruckslos, abgeschnitten von einem wesentlichen Teil seiner Person – seinen Gefühlen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Ambivalenz des Heldenbegriffs anhand literarischer Zitate und erläutert den Leistungsdruck, dem sich viele Männer unterworfen fühlen.
2. Definition: In diesem Kapitel wird der Begriff Held historisch und inhaltlich als Person definiert, die durch außergewöhnliche Stärke oder Taten bewundert wird.
3. Ursprung und Entwicklung des Heldentums: Hier werden die Wurzeln des Heldenbildes von der antiken Mythologie über religiöse Figuren bis hin zu modernen Repräsentanten in Politik, Fernsehen und Sport nachgezeichnet.
4. Hinter der Maske: Das Kapitel analysiert verschiedene Männertypen, die Konstruktion von Männlichkeit durch Rituale sowie die Entstehung des neuen Mannes im Vergleich zum traditionellen Ideal.
5. Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung reflektiert den Wandel der Geschlechterrollen und betont, dass der Mythos vom starken Mann tief in der Gesellschaft verwurzelt ist und nur durch gemeinsames Bemühen aufgebrochen werden kann.
6. Quellen: Auflistung der verwendeten Literatur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Helden, Männlichkeit, Identität, Rollenbilder, Leistungsdruck, Mythologie, Traditioneller Mann, Neuer Mann, Sozialethik, Männerwelt, Identifikation, Geschlechterrollen, Patriarchat, Heldenmythos, Emotionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung des Heldenbildes für die moderne Männerwelt und wie dieses Idealbild als Maske für innere Unsicherheiten fungieren kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des Heldentums, die Typologie von Männerbildern sowie die psychologischen Auswirkungen von Männlichkeitsriten und gesellschaftlichen Erwartungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Heldenvorbildern auf das männliche Selbstverständnis zu beschreiben und aufzuzeigen, wie diese Gestalten die Männerwelt bis in die Gegenwart beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Studien und Diskursen zu Männlichkeit, Geschlechterrollen und Mythologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Wurzeln (Antike, Religion, Märchen), moderne Ausprägungen (Politik, Medien, Sport) sowie verschiedene Männertypen und die Problematik traditioneller Rollenmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Helden, Männlichkeit, Rollenbilder, Leistungsdruck und den Wandel vom traditionellen hin zum neuen Mann.
Warum wird der "traditionelle Mann" oft als "halber Mann" bezeichnet?
Weil er emotional inkompetent ist, seine Gefühle unterdrückt und in sozialen oder familiären Belangen oft stark von seiner Partnerin abhängig bleibt, während er nach außen hin Autarkie vortäuscht.
Wie unterscheidet sich Achilles in der Darstellung des Autors von anderen Kriegshelden?
Der Autor zeigt Achilles als einen Helden, der trotz seiner Stärke menschliche Schwächen wie Trauer um Feinde und Freunde zuließ, was ihn als komplexere, wenn auch gefangene Figur in seinem eigenen Mythos ausweist.
- Arbeit zitieren
- Karl-Heinz Konnerth (Autor:in), 2004, Helden und Männlichkeit. Oder: Helden als Maske der Männlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/59170