Das Gastmahl oder die cena recta, wie man sie im alten Rom nannte, wird in der Forschung oftmals als "Ziel des ganzen Tages" aus Sicht eines Klienten betrachtet. Hier wird mit schönen Speisen, Unterhaltung und der Nähe zum Patron gelockt. Vergessen wird hier aber auch oft, dass sich dieses aus verschiedenen Perspektiven nicht immer als erfreulichen Ersatz für die sportulae gesehen wurde.
So soll diese Hausarbeit versuchen, die Schattenseiten der cenae rectae zu beleuchten und verwendet hierfür die Epigramme von Martial, der mit seinen Epigrammen eine zwar übertriebene und stark zynische Darstellung der römischen Gesellschaft gibt, damit aber durchaus eine gewisse Teilwahrheit über das Leben im antiken Rom entnommen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Schmackhaftes Bankett oder ekelerregende Zurschaustellung? – Zu Gegenstand und Methodik der wissenschaftlichen Untersuchung
2. Die cena und soziale „Bindungswesen“
2.1 Der Stand aktueller Forschung zu Begriffsdefinitionen und dem sozialen Kontext
2.2 Die cena im Allgemeinen – Sitzordnungen, Speisekarte und weitere Tätigkeiten während dem Bankett
2.3 Die Rolle des Gastmahls bei Nahverhältnissen zur Zeit Martials
3. Cena Recta statt sportula publica: Ein guter Ersatz?
3.1 Ungleiche Bewirtung beim Abendessen (Mart. 3, 60)
3.2 Ein Gastmahl ohne Bewirtung (Mart. 1, 43)
3.3 Die beiden Martialepigramme im Vergleich mit anderen: Martials Kritik an Patrone seiner Zeit
4. Demonstrationen sozialer Hierarchien während der römischen cena – Die Ergebnisse der Untersuchung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der römischen cena als Instrument zur Demonstration sozialer Hierarchien in den Patron-Klienten-Beziehungen der frühen Kaiserzeit, wobei die Epigramme des Dichters Martial als zentrale Quellengrundlage dienen.
- Analyse der cena im historischen und sozialen Kontext der frühen Kaiserzeit.
- Untersuchung der cena recta als funktionaler Ersatz für die sportula.
- Kritische Quellenarbeit anhand ausgewählter Epigramme Martials zur Darstellung ungleicher Bewirtung.
- Diskussion der Motive wie Geiz und soziale Selbstprofilierung der Patrone.
- Einordnung der Forschungsergebnisse in das zeitgenössische „Bindungswesen“ des antiken Roms.
Auszug aus dem Buch
3.1 Ungleiche Bewirtung beim Abendessen (Mart. 3, 60)
Das vorliegende Epigramm des Dichters Marcus Valerius Martialis ist die Nummer 60 aus seinem liber tertius und wird aus der Ich-Perspektive des lyrischen Ichs erzählt und ist zehn Verse lang. Es ist an einen gewissen Ponticus gerichtet, der einen Klienten zum Essen geladen hat. Dieser Klient ist wiederum verärgert über die Behandlung durch Ponticus, der voraussichtlich den Patron des lyrischen Ichs darstellen soll. Grund für die Kritik ist Ungleichheit zwischen dem Essen des lyrischen Ichs und dem des Ponticus, welcher sich selbst besseres Essen serviert, laut Aussage des lyrischen Ichs. Dabei vergleicht es mehrere seiner Speisen mit denen seines Gastgebers, die sich qualitativ unterscheiden. So bekommt das lyrische Ich zum Beispiel „nur“ die Saupilze (suillos), während Ponticus Champignons (boleti) isst. Dies ist ein gutes Beispiel für einen Qualitätsunterschied sind, da die boleti unter den Pilzen am beliebtesten waren. Vor allem zur Zeit Martials, der die boleti sogar den Trüffeln vorzog. Selbsterklärend ist der Vergleich zwischen den „gesättigenden“ (saturata) Austern (ostrea) aus dem Lukrinersee, welche als sehr wertvoll galten und die „in den Mund schneidenden“ (inciso […] ore mihi) Miesmuscheln (mitulus), welche aufgrund ihrer scharfen Kanten schon weniger wertvoll wirken.
Eine weitere Kernstelle markiert die rhetorische Frage gegen Ende des Epigramms, an der das lyrische Ich seinen Gastgeber Ponticus fragt, „warum er ohne ihn esse, während er doch eigentlich mit ihm essen soll“. Dabei soll dieses sine te ceno wahrscheinlich die Distanz zwischen Gast und Gastgeber darstellen, die durch das verschiedene Essen erzeugt wird und stark kritisiert, da es laut dem lyrischen Ich eigentlich anders sein solle. So plädiert es im nächsten Vers darauf, dass es doch das Gleiche wie Ponticus essen solle. Im gleichen Vers wird auf den Wegfall der sportula verwiesen, um wahrscheinlich die Notwendigkeit äquivalenten Essens noch einmal zu unterstreichen. Das lyrische Ich beschreibt nämlich, dass es ihm nützen solle, dass es keine sportula mehr gibt, da es ihm wahrscheinlich sonst nur schade (non est prosit).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Schmackhaftes Bankett oder ekelerregende Zurschaustellung? – Zu Gegenstand und Methodik der wissenschaftlichen Untersuchung: Einführung in die Thematik der cena als zentrales soziales Ereignis und Darlegung der methodischen Vorgehensweise anhand Martials Epigrammen.
2. Die cena und soziale „Bindungswesen“: Klärung der Begrifflichkeiten wie cena recta und sportula sowie Einordnung der Patron-Klient-Beziehungen in den sozialen Kontext der Zeit.
3. Cena Recta statt sportula publica: Ein guter Ersatz?: Analytischer Hauptteil, der mittels konkreter Epigramme die Diskrepanz zwischen der Erwartung an eine cena und der tatsächlichen Bewirtungspraxis untersucht.
4. Demonstrationen sozialer Hierarchien während der römischen cena – Die Ergebnisse der Untersuchung: Synthese der Ergebnisse, die das Gastmahl als Ort der Hierarchiefestigung durch Machtdemonstration und soziale Ausgrenzung bestätigt.
Schlüsselwörter
Martial, Cena, Cena recta, Patron, Klient, Patronage, Sportula, Bindungswesen, Römische Gesellschaft, Soziale Hierarchie, Epigramme, Antikes Rom, Tischkultur, Bewirtung, Convivium.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, inwiefern römische Patrone das abendliche Gastmahl (cena) nutzten, um ihre soziale Überlegenheit gegenüber ihren Klienten durch ungleiche Bewirtung zu demonstrieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die römische Gastmahlkultur, die ökonomischen und sozialen Aspekte der Patron-Klienten-Beziehung sowie die Analyse literarischer Quellen als Spiegel gesellschaftlicher Probleme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, ob die cena als Mittel zur sozialen Hierarchisierung diente und inwieweit Martials Epigramme als Beleg für die Kritik an der ungleichen Behandlung bei Tisch taugen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine quellenkritische Analyse angewandt, bei der ausgewählte Epigramme Martials in den historischen Kontext eingeordnet und mit zeitgenössischen Erkenntnissen der Altertumswissenschaft verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der detaillierten Interpretation zweier spezifischer Epigramme, die unterschiedliche Formen der Gästediskriminierung bei Tisch und deren mögliche Motive (Geiz, Statusangst) beleuchten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über die Begriffe Patronage, Cena recta, soziale Hierarchien, antike Tischkultur und Martials Satire definieren.
Welche Rolle spielt die „Sportula“ in der Argumentation?
Die sportula dient als historischer Referenzpunkt, da ihr Verbot und die Hinwendung zur cena recta den Druck auf die Patrone erhöhte, ihre soziale Stellung nunmehr im privaten Gastmahl zu inszenieren.
Wie bewertet der Autor die Glaubwürdigkeit der Epigramme?
Der Autor stuft die Epigramme zwar als satirische Überzeichnung ein, sieht sie jedoch als wertvolle Indikatoren für real existierende soziale Spannungen und Alltagsphänomene im Rom des 1. Jahrhunderts n. Chr.
- Arbeit zitieren
- Rico Göbel (Autor:in), 2019, Demonstration hierarchischer Ordnung? Die soziale Darstellung der Patrone der frühen Kaiserzeit bei einer 'cena recta' im Spiegel von Martials Epigrammen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/590963