Finn E. Kydland und Edward C. Prescott haben 2004 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für ihre Beiträge zur dynamischen Makroökonomik erhalten. Als Begründung für die Preisvergabe wurden von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften nur zwei gemeinsame Arbeiten genannt. Dieses ist erstaunlich, da die meisten Auszeichnungen mit mehreren Veröffentlichungen im Zusammenhang stehen. Zum einen war es ein Aufsatz von 1977 mit dem Thema „ Rules Rather than Discretion: The Inconsistency of Optimal Plans“, der im Journal of Political Economy erschienen ist und in Kapitel 3 näher erläutert werden soll. Der zweite bedeutende Beitrag ist ihr 1982 in der Econometrica veröffentlichter Artikel mit dem Thema: „Time to Build and Aggregate Fluctuations“, mit dem sich Kapitel 4 beschäftigt. Die beiden Veröffentlichungen hatten einen starken Einfluss auf die Wirtschaftspolitik vieler Länder. In Kapitel 5 sollen diese Einflüsse an einigen Beispielen deutlich gemacht und die Probleme der Modelle von Kydland und Prescott aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lebenslauf
3. Die Inkonsistenz von optimalen Plänen
3.1 Konsistente Politik
3.2 Der Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit
4. Die dynamischen Kräfte der Konjunkturzyklen
4.1 Kritik an den konventionellen aggregierten Investitionstechnologien
4.2 Das Modell
4.3 Test des Modells
5. Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die wissenschaftlichen Beiträge von Finn E. Kydland und Edward C. Prescott zur dynamischen Makroökonomie, insbesondere im Hinblick auf die Zeitinkonsistenz wirtschaftspolitischer Entscheidungen und die Ursachen von Konjunkturzyklen.
- Zeitinkonsistenz bei optimalen wirtschaftspolitischen Plänen
- Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit
- Kritik an neoklassischen Investitionstheorien
- Entwicklung des dynamischen Modells der Konjunkturzyklen
- Empirische Überprüfung des Modells an US-Wirtschaftsdaten
Auszug aus dem Buch
3.1 Konsistente Politik
In ihrem Aufsatz „Rules Rather than Discretion“ von 1977 haben Kydland und Prescott untersucht, ob es für eine Volkswirtschaft optimal ist, wenn eine Regierung an bestimmten Regeln festhält oder ob sie eher flexibel entscheiden soll, was besser in der jeweils gegenwärtigen Situation ist.
Die beiden sind zu dem Ergebnis gekommen, dass durch eine diskretionäre Politik die Zielfunktion einer Volkswirtschaft nicht maximiert wird. Das wirtschaftliche Resultat kann jedoch dadurch verbessert werden, indem man sich an einige politische Regeln hält. Der Grund dafür ist, dass die Entscheidungen der privaten Wirtschaftssubjekte nicht nur von den vergangenen und gegenwärtigen eigenen und politischen Handlungen abhängen, sondern auch von den Erwartungen, die sie in die zukünftige Politik besitzen. Zum Beispiel könnte ein Regierungswechsel die Erwartungen der Bevölkerung in eine ganz andere Richtung ändern. Wenn eine Regierung versucht, in jeder Situation die Volkswirtschaft zu stabilisieren, hat dieses nach Kydland den entgegengesetzten Effekt, dass es zur wirtschaftlichen Instabilität beiträgt.
Kydland und Prescott folgten Lucas in der Annahme, dass die Erwartungen der privaten Wirtschaftssubjekte rational sind. Von Friedman und Phelps übernahmen sie dagegen die Überlegung, dass diese Erwartungen wichtige Determinanten wirtschaftlicher Ergebnisse sind. In den Fällen, die Kydland und Prescott untersucht haben, zeigte sich, dass die bevorzugte Politik konsistent, aber suboptimal war. Die optimale Politik war dagegen inkonsistent. Konsistenz bedeutet hier, dass immer diejenige politische Entscheidung gewählt wird, die im betreffenden Zeitpunkt die beste ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die Bedeutung der Forschungsarbeit von Kydland und Prescott, die 2004 mit dem Nobelpreis gewürdigt wurde.
2. Lebenslauf: Dieses Kapitel zeichnet den akademischen Werdegang von Finn E. Kydland nach, beginnend mit seiner Kindheit in Norwegen bis hin zu seiner Forschungstätigkeit in den USA.
3. Die Inkonsistenz von optimalen Plänen: Das Kapitel erläutert das Konzept der Zeitinkonsistenz und zeigt auf, warum diskretionäre Politik oft suboptimal ist und wie sich dies auf die Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit auswirkt.
4. Die dynamischen Kräfte der Konjunkturzyklen: Hier werden traditionelle Investitionstheorien kritisiert und das neue, dynamische Modell von Kydland und Prescott zur Erklärung von Konjunkturzyklen inklusive dessen empirischer Testung vorgestellt.
5. Kritische Würdigung: Das Abschlusskapitel bewertet den Einfluss der Theorien auf die Zentralbankpolitik und diskutiert die Stärken und Schwächen der getroffenen Modellannahmen.
Schlüsselwörter
Dynamische Makroökonomie, Finn E. Kydland, Edward C. Prescott, Zeitinkonsistenz, Wirtschaftspolitik, Konjunkturzyklen, Phillips-Kurve, Inflation, Arbeitslosigkeit, Investitionsverhalten, Real Business Cycle Theory, rationale Erwartungen, Geldpolitik, Wirtschaftsmodell, Preisstabilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die zentralen wissenschaftlichen Arbeiten von Finn E. Kydland und Edward C. Prescott, für die sie den Nobelpreis erhielten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Zeitinkonsistenz wirtschaftspolitischer Pläne sowie der Analyse dynamischer Konjunkturzyklen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die theoretischen Ansätze der Autoren und deren Auswirkungen auf das Verständnis wirtschaftspolitischer Handlungsspielräume verständlich darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die ökonomische Modelle der Autoren vorstellt und deren empirische Anwendung auf US-Wirtschaftsdaten diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Zeitinkonsistenz (Kapitel 3) und die Erläuterung des Modells für dynamische Konjunkturzyklen sowie dessen Testung (Kapitel 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Zeitinkonsistenz, Konjunkturzyklen, Dynamische Makroökonomie und Geldpolitik.
Warum kritisieren Kydland und Prescott konventionelle Investitionstheorien?
Sie halten diese für unzureichend, da sie unter anderem eine unrealistische Verbindung zwischen Schattenpreisen des Kapitals und Investitionsaktivität annehmen sowie die zeitliche Verzögerung bei der Projektrealisierung ignorieren.
Was bedeutet "Zeitinkonsistenz" im Kontext der Geldpolitik?
Es bedeutet, dass eine Regierung zwar eine optimale Politik ankündigt, aber einen Anreiz hat, diese später zu brechen, sobald private Akteure ihre Erwartungen bereits angepasst haben, was langfristig zu ineffizienten Ergebnissen wie hoher Inflation führen kann.
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- Christian Körte (Author), 2005, Finn E. Kydland 'For their contributions to dynamic macroeconomics", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/58783