Michel Foucault, der Sexualität in "Der Wille zum Wissen", dem ersten Band aus der Reihe "Sexualität und Wahrheit", im Zusammenhang mit seiner Theorie der Macht und des Subjektes untersucht, versteht das Begehren als gemacht, geformt und verändert.
Auch Herbert Marcuse geht in seiner Theorie der Entsublimierung in "Der eindimensionale Mensch" und "Triebstruktur und Gesellschaft" von einer beeinflussten Sexualität in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft aus.
Die Arbeit beschäftigt sich vergleichend mit beiden Auffassungen von Begehren und Sexualität und arbeitet die Gemeinsamkeiten heraus. Diese finden sich beispielsweise in der Annahme eines "Verblendungszusammenhanges" oder im Hinblick auf positive, produktive Formen von Macht.
Am Ende steht als Alternative, sowohl bei Foucault als auch bei Marcuse, eine erweiterte Erotik, die vom Körper und den Lüsten ausgeht.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Sexualität und Begehren bei Michel Foucault
2.1. Sexualität als Ansatzpunkt für die Untersuchung von Macht und Wissen
2.2. Anreizung statt Unterdrückung
2.3. Macht und Lust
2.4. Scientia sexualis gegen ars erotica
2.5. In der Repressionshypothese gefangen?
3. Sexualität bei Herbert Marcuse
3.1. Unterworfenes Lustprinzip in „Triebstruktur und Gesellschaft“
3.2. Unfreie Bedürfnisse und unfreie Befriedigung
3.3. „Der eindimensionale Mensch“: Sexualität bleibt systemkonform
4. Gemeinsamkeiten zwischen Foucault und Marcuse
4.1. Frankfurter Schule und Poststrukturalismus
4.2 Totalitäre Machtformen
4.3 Verblendungszusammenhang
4.4. Deformierte Sexualität
4.5. Repression
4.6. Positive Formen der Macht
4.7. Auswege und Gegenentwürfe
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konzepte von Sexualität und Begehren bei Michel Foucault und Herbert Marcuse, um Gemeinsamkeiten und theoretische Überschneidungen zwischen Poststrukturalismus und Kritischer Theorie aufzuzeigen. Es wird der Frage nachgegangen, wie Machtmechanismen in der modernen Gesellschaft das Begehren generieren und einschränken, und ob beide Denker Ansätze zur Befreiung der Erotik formulieren.
- Analyse des Sexualitätsverständnisses bei Foucault („Der Wille zum Wissen“)
- Untersuchung der Triebtheorie und Kapitalismuskritik bei Marcuse
- Vergleich der Macht- und Unterdrückungsmechanismen
- Diskussion von Gegenentwürfen zur systemkonformen Sexualität
- Bewertung des Poststrukturalismus als Erweiterung der Kritischen Theorie
Auszug aus dem Buch
2.3. Macht und Lust
Bis zum 18. Jahrhundert steht nach Foucault die Sexualität um die Formation Ehe im Mittelpunkt. Während des Übergangs zum 19. Jahrhundert, hat sich das Interesse mehr in Richtung Sexualität von Irren, Kranken und Kriminellen verschoben. Die Justiz übergibt die Fälle der Medizin, die ihrerseits Normen aufstellt. Sie beginnt die Verwaltung und Kartierung des Trieblebens. Die Instrumente einer „Hermeneutik des Begehrens“ werden definiert. Macht dringt nach Foucault mithilfe von vier Strategien in den Leib ein:
1. Durchdringung des Körpers: Am Beispiel der kindlichen Sexualität und ihrer Kontrolle zeigt Foucault, dass nicht wirklich mit dem Verschwinden des kindlichen Begehrens gerechnet wird, sondern dass der kindliche Körper als „Zielscheibe“ erhalten bleibt. Zahlreiche Institutionen von Eltern bis Pädagogen umstellen das Kind.
2. Die Einschließung von Sexualität in die Körper: Sexualität ist nicht mehr nur das, was jemand „tut“, sondern dient als Mittel zur Spezifikation von Individuen. Jemand ist homo-, bi- oder heterosexuell. Alle Handlungen sind letztendlich von der jeweiligen Sexualität geprägt und lassen sich auf sie zurückführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die Themenstellung sowie Darlegung der Motivation und der gewählten Primärliteratur von Foucault und Marcuse.
2. Sexualität und Begehren bei Michel Foucault: Untersuchung der genealogischen Machttheorie, des Sexualitätsdispositivs und der Kritik an der Repressionshypothese.
3. Sexualität bei Herbert Marcuse: Analyse der Triebtheorie, des Leistungsprinzips und der Vorstellung einer entsublimierten, systemkonformen Sexualität.
4. Gemeinsamkeiten zwischen Foucault und Marcuse: Vergleich der methodischen Ansätze, der Machtformen, der Begriffe von Verblendung und der Möglichkeiten zur Befreiung.
5. Schlusswort: Fazit der Arbeit, das die These stützt, dass der Poststrukturalismus die Kritische Theorie in Bezug auf die Analyse des Begehrens sinnvoll ergänzt.
Schlüsselwörter
Sexualität, Begehren, Michel Foucault, Herbert Marcuse, Machttheorie, Poststrukturalismus, Kritische Theorie, Repressionshypothese, Lustprinzip, Leistungsprinzip, Subjektivierung, Dispositiv, Entsublimierung, Erotik, Triebstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Perspektiven von Foucault und Marcuse auf Sexualität und Begehren, um zu prüfen, wie Macht das individuelle Leben strukturiert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Macht, Triebunterdrückung, gesellschaftlicher Konformität und die Frage nach Möglichkeiten für ein befreites Begehren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Parallelen zwischen dem Poststrukturalismus und der Kritischen Theorie im Hinblick auf ihre Kapitalismus- und Machtkritik herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Die Autorin wählt einen vergleichenden, deskriptiven Ansatz unter Einbeziehung philosophischer Primär- und ausgewählter Sekundärliteratur.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Sexualitätsmodelle bei Foucault und Marcuse sowie eine direkte Gegenüberstellung dieser Ansätze.
Was zeichnet die Arbeit inhaltlich aus?
Sie verknüpft die „positive Macht“ nach Foucault mit Marcuses Kapitalismuskritik, um zu zeigen, dass beide Denker Sexualität als durch gesellschaftliche Strukturen generiert verstehen.
Wie bewertet die Autorin Foucaults „ars erotica“?
Sie versteht sie als eine erstrebenswerte, wenn auch schwer zu definierende Alternative zur westlichen „scientia sexualis“ und zur durch Macht deformierten Sexualität.
Inwiefern sehen beide Autoren Sexualität als politisch?
Beide kommen zu dem Schluss, dass Sexualität kein privates Gut ist, sondern aktiv durch ökonomische und institutionelle Strukturen (z.B. den Produktionsapparat) geformt wird.
Was bedeutet der Begriff „Eindimensionalität“ bei Marcuse?
Er beschreibt den Zustand, in dem die Gesellschaft die Triebkraft des Eros auf eine rein systemkonforme, sexuelle Befriedigung reduziert und so das Potential für echte Freiheit unterdrückt.
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- Elisa Hempel (Author), 2004, Begehren und Sexualität bei Michel Foucault und Herbert Marcuse, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/58489