Die Bücherverbrennung
Als das Regime befahl, Bücher mit schädlichem Wissen
Öffentlich zu verbrennen, und allenthalben
Ochsen gezwungen wurden, Karren mit Büchern
Zu den Scheiterhaufen zu ziehen, entdeckte
Ein verjagter Dichter, einer der besten, die Liste der
Verbrannten studierend, entsetzt, dass seine
Bücher vergessen waren. Er eilte zum Schreibtisch
Zornbeflügelt, und schrieb einen Brief an die
Machthaber.
Verbrennt mich! schrieb er mit fliegender Feder,
verbrennt mich!
Tut mir das nicht an! Lasst mich nicht übrig! Habe ich
nicht immer die Wahrheit berichtete In meinen Büchern?
Und jetzt
Werd ich von euch wie ein Lügner behandelt!
Ich befehle euch,
Verbrennt mich!
(Bertolt Brecht)
Inhaltsverzeichnis
1. anstatt eines Vorwortes…
2. Ein historischer Abriss
2.1. Verbrennung katholischer Schriften
2.2. Die Bücherverbrennung Martin Luthers
2.3. Die Bücherverbrennung beim Burschenschaftsfest auf der Wartburg
3. Die Bücherverbrennung am 10.Mai 1933
3.1. Die schwarzen Listen
3.2. Die verbotenen Autoren
4. Autoren im Exil
5. Lion Feuchtwanger im Exil
5.1. Biographischer Abriss
5.2. Der Roman- Zyklus „Der Wartesaal“
5.3. Lion Feuchtwangers „Exil“
5.4. Zusammenfassung
6. Verbrannt, verboten, verbannt. Vergessen?
7. anstatt eines Schlusswortes…
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Zensur als ein Mittel, um geistige Entfaltung gezielt zu unterbinden. Dabei wird analysiert, wie historische Bücherverbrennungen, insbesondere im Kontext des Nationalsozialismus 1933, dazu instrumentalisiert wurden, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen und Künstler in die Emigration zu treiben, wobei Lion Feuchtwanger als zentrales Fallbeispiel dient.
- Historische Kontinuität von Bücherverbrennungen in Deutschland
- Mechanismen der nationalsozialistischen Zensur und „Schwarze Listen“
- Die Auswirkungen von Berufsverbot und Exil auf Schriftsteller
- Lion Feuchtwangers „Wartesaal“-Trilogie als künstlerische Auseinandersetzung mit dem Exil
- Die langfristigen Folgen von Zensur für das kulturelle Gedächtnis
Auszug aus dem Buch
5.2. Lion Feuchtwangers Roman-Zyklus „Der Wartesaal“
Durch sein zunehmendes politisches Engagement rückte Feuchtwanger immer mehr in die Schusslinie der Nationalsozialisten und galt als einer ihrer Hauptfeinde. Dies zeigt sich besonders im folgenden Zitat:
„Als er am 21. Januar 1931 in der linken Berliner Zeitung Welt am Abend auf die Umfrage „Wie bekämpfen wir den Nationalsozialismus?“ schrieb „Man hat den Eindruck, Berlin sei eine Stadt von lauter Emigranten. […] Das Dritte Reich bedeutet Ausrottung der Wissenschaft, der Kunst, des Geistes“, antworteten die Nazis in Der Angriff: „Heil und Sieg, Herr Feuchtwanger, und gute Reise. Sie sind ein blendender Prophet.“
Verstärkt wurde dieser Hass auch wegen des Romans „Erfolg“, den Feuchtwanger 1930 verfasst. In ihm wird die schlimme Zeit des Wartens auf den sich ankündigenden Krieg geschildert.
Im November 1932 machte Feuchtwanger eine Vortragsreise durch die USA, wo er von der Machtergreifung der Nazis am 31. 01. 1933 überrascht wurde. An eine Rückkehr nach Deutschland war für ihn nicht mehr zu denken. Mit seiner Frau Marta zog er nach Sanary- sur- mer in Südfrankreich.
SA- Männer drangen in sein Berliner Haus ein, verwüsteten sein Eigentum, verbrannten seine Werke, bürgerten ihn aus, beschlagnahmten sein Haus und Vermögen und erkannten ihm seinen Doktortitel ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. anstatt eines Vorwortes…: Das Kapitel bietet einen emotionalen Einstieg in das Thema durch das Gedicht „Die Bücherverbrennung“ von Bertolt Brecht.
2. Ein historischer Abriss: Es werden verschiedene frühere Fälle von Bücherverbrennungen, etwa zur Zeit Martin Luthers und beim Wartburgfest 1817, als Mittel zur Unterdrückung von abweichenden Meinungen dargestellt.
3. Die Bücherverbrennung am 10.Mai 1933: Dieser Abschnitt beschreibt die systematische Zensur und die landesweite Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 sowie die Erstellung Schwarzer Listen.
4. Autoren im Exil: Hier wird der Druck auf Schriftsteller thematisiert, die nach der Machtübernahme der Nazis zur Flucht ins Exil gezwungen wurden, um ihre künstlerische Identität zu bewahren.
5. Lion Feuchtwanger im Exil: Anhand der Biografie und insbesondere der „Wartesaal“-Trilogie wird verdeutlicht, wie Feuchtwanger als Exilautor die Nöte und die literarische Arbeit unter dem Druck des Faschismus verarbeitete.
6. Verbrannt, verboten, verbannt. Vergessen?: Das Fazit setzt sich kritisch mit der langfristigen Wirkung der Zensur und der Gefahr des Vergessens auseinander, die bis in die heutige Zeit reicht.
7. anstatt eines Schlusswortes…: Das Kapitel schließt mit einem Zitat von John Milton ab, das die Bedeutung des Schutzes von Büchern als Träger der Vernunft unterstreicht.
Schlüsselwörter
Zensur, Bücherverbrennung, Nationalsozialismus, Exil, Lion Feuchtwanger, Wartesaal-Trilogie, Schwarze Listen, Geistige Entfaltung, Antifaschismus, Schriftsteller, Literatur, 1933, Politische Unterdrückung, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Zensur als Mittel der Machtausübung durch den Nationalsozialismus, insbesondere am Beispiel der Bücherverbrennungen von 1933 und deren Auswirkungen auf die betroffenen Schriftsteller.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Einordnung von Zensurpraktiken, der Organisation der Bücherverbrennung 1933, der Lebenssituation von Autoren im Exil und dem künstlerischen Schaffen unter politischem Druck.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Zensur die geistige Entfaltung hemmt und welche Konsequenzen dies für die Autoren und die Gesellschaft hatte und weiterhin hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, bei der historische Berichte, Briefe und literarische Werke (insbesondere von Lion Feuchtwanger) in den historischen Kontext eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den historischen Kontext der Zensur, den Ablauf der Bücherverbrennung 1933, die Situation der Autoren im Exil und stellt Lion Feuchtwanger als exemplarisches Fallbeispiel für die künstlerische Auseinandersetzung mit dieser Epoche vor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zensur, Bücherverbrennung, Nationalsozialismus, Exil, Lion Feuchtwanger und geistige Entfaltung sind die zentralen Begriffe.
Warum wird Lion Feuchtwanger als Fallbeispiel gewählt?
Feuchtwanger verdeutlicht in seiner Biografie und durch seinen Romanzyklus „Der Wartesaal“ exemplarisch die drastischen Veränderungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Schriftstellern durch das NS-Regime.
Welche Bedeutung kommt dem Romanzyklus „Der Wartesaal“ zu?
Die Romane „Erfolg“, „Die Geschwister Oppermann“ und „Exil“ dienen Feuchtwanger als Medium der kritischen Reflexion über das Deutschland zwischen den Weltkriegen und den Exilalltag.
Wie bewertet die Autorin die heutige Relevanz des Themas?
Die Autorin warnt vor dem Vergessen und betont, dass Zensur und Bücherverbrennungen ein Zeichen der Schwäche einer Regierung sind, weshalb es wichtig bleibt, diese Ereignisse im kollektiven Gedächtnis zu bewahren.
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- Monique Schwertfeger (Author), 2004, Zensur als Mittel gegen die geistige Entfaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/58452