Die Fragestellung dieser Seminararbeit lautet: Sind Gründe für den Einstieg in der Zwangsprostitution in der Schweiz soziale
Probleme? Welche Hilfestellungen kann die Soziale Arbeit als Prävention und zum Ausstieg anbieten?
Um Prostitution, Zwangsprostitution und Menschenhandel spezifischer unterscheiden zu können, sind die Begriffe in dieser Arbeit genauer erklärt. Gründe für den Einstieg in die Zwangsprostitution werden in Kontext zu sozialen Problemen des systemischen Paradigmas von Silvia Staub Bernasconi gestellt. Weil die Diskussion über Menschenhandel und Zwangsprostitution immer wieder die Werte und Rechte der Menschen touchiert, ist in der Arbeit ein Bezug zu den Menschenrechten gestellt. Für die Soziale Arbeit gibt es in Bezug zur Zwangsprostitution viele Tätigkeitsfelder. Es ist sowohl Einzelfallhilfe als auch Präventionsarbeit zu leisten und den Betroffenen auch eine Hilfe zum Ausstieg aus den Zwangskontexten anzubieten.
Eine Studie des Bundes weist darauf hin, dass es in der Schweiz etwa 600 Bordelle gibt mit ca. 6000 Prostituierten. Laut dieser Studie sei Zwangsprostitution rar. Dennoch gibt es Fälle, die klare Ansätze von Menschenhandel und von sogenannten Sexsklavinnen aufzeigen. Aufgrund eines Umdenkens der Polizei hofft der Bundesrat auf mehr aufgedeckte Straftaten. Bei der Opfersuche müssen Professionelle tätig sein, da die Opfer häufig traumatisiert sind, widersprüchliche Aussagen machen und über Erinnerungslücken verfügen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Aufbau
1.2 Fragestellung
2 Begriffserklärungen
2.1 Prostitution
2.1.1 Prostitution und die Gleichheit vor dem Gesetz
2.1.2 Schweizerische Regulierung der Prostitution
2.2 Zwangsprostitution
2.3 Menschenhandel
2.3.1. Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung
2.3.2 Menschenhandel zum Zweck zur Ausbeutung der Arbeitskraft
3. Soziale Probleme als Gegenstand der Sozialen Arbeit
4 Soziale Probleme von Zwangsprostituierten
4.1 Gründe für den Einstieg in die Zwangsprostitution in der Schweiz
4.2 Individuelle Ausstattungsprobleme von Zwangsprostituierten
4.3 Interaktionsprobleme von Zwangsprostituierten
4.4 Macht- und Gewalterfahrungen von Zwangsprostituierten
5 Menschenrechte und Zwangsprostitution
5.1 Menschenrechte als Grundlage
5.2 Relevante Menschenrechte für Zwangsprostituierte
6 Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession
6.1 Das Triplemandat der Sozialen Arbeit
6.2 Der Berufskodex Soziale Arbeit Schweiz von Avenir Social
7 Die Funktion der Sozialen Arbeit bei der Hilfestellung für Zwangsprostituierte
7.1 Die Funktion der Sozialen Arbeit nach Silvia Staub-Bernasconi
7.2 FIZ Makasi Opferschutz
8 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Zwangsprostitution in der Schweiz aus der Perspektive der Sozialen Arbeit. Das Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern soziale Probleme den Einstieg in die Zwangsprostitution begünstigen, welche Menschenrechte dabei verletzt werden und welche Interventionsmöglichkeiten Sozialarbeitende zur Prävention sowie zur Unterstützung beim Ausstieg anbieten können.
- Analyse der Ursachen für den Einstieg in die Zwangsprostitution unter Einbezug sozioökonomischer Faktoren.
- Erarbeitung der Relevanz der Menschenrechte im Kontext der Prostitution und Zwangsprostitution.
- Anwendung des Triplemandats der Sozialen Arbeit nach Silvia Staub-Bernasconi.
- Darstellung konkreter Hilfsangebote und Interventionsstrategien, wie sie etwa durch die Fachstelle FIZ Makasi implementiert werden.
- Professionalisierung der Beratungshaltung unter Anwendung klientenzentrierter Ansätze nach Carl C. Rogers.
Auszug aus dem Buch
2.2 Zwangsprostitution
Diese Form der Prostitution ist schwierig zu definieren. Katrin Kähler unterscheidet zwischen freiwillig ausgeübter und erzwungener Prostitution und deren Wechselbeziehung. Frauen entscheiden sich teilweise freiwillig für die Prostitution, weil sie keinen anderen Ausweg mehr sehen. So mag der Entscheid für eine Tätigkeit im Sexgewerbe in Armut, Flucht, Gewalt, Drogenabhängigkeit oder aus schwierigen familiären Verhältnissen gründen. Daher ist es erste Priorität zwischen erzwungener Prostitution und Menschenhandel durch eine fremde Krafteinwirkung zum Zweck sexueller Ausbeutung zu unterscheiden. Die Entscheidung ist demnach gewissermassen doch erzwungen. Die Grenze zu ziehen zwischen freiwillig ausgeübter Prostitution und Zwangsprostitution ist trotz juristischen Vorgaben schwierig. Auch wenn eine Prostituierte ihren Beruf freiwillig ausübt, kann sie in unterdrückende Situationen gelangen. (Kähler, 2015, S. 197-199)
Nach dem Bericht des Bundesrates über Zwangsprostitution und Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung müssen für die Ausführung von Zwangsarbeit drei Bedingungen erfüllt sein.
1. Die Arbeit ist lediglich eine Dienstleistung und wird nicht aufgrund einer Pflicht des Staates ausgeführt.
2. Die Arbeitgebenden drohen mit Sanktionen bei Arbeitsverweigerung.
3. Die Arbeit oder Dienstleistungen werden unfreiwillig ausgeführt.
(Bericht des Bundesrats, 2015, S. 51)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Prostitution und Zwangsprostitution in der Schweiz ein und erläutert den Aufbau sowie die Forschungsfragen der Arbeit.
2 Begriffserklärungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Fachbegriffe wie Prostitution, Zwangsprostitution und Menschenhandel und beleuchtet deren rechtliche Einordnung.
3. Soziale Probleme als Gegenstand der Sozialen Arbeit: Hier wird der theoretische Rahmen nach Silvia Staub-Bernasconi erläutert, um soziale Probleme als Gegenstand professioneller Interventionen zu verstehen.
4 Soziale Probleme von Zwangsprostituierten: In diesem Teil werden die vielfältigen sozialen Belastungen von Zwangsprostituierten, von Ausstattungsproblemen bis hin zu Machtasymmetrien, detailliert analysiert.
5 Menschenrechte und Zwangsprostitution: Dieses Kapitel verknüpft die Situation der Betroffenen mit der universellen Geltung und dem Schutz von Menschenrechten.
6 Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession: Hier wird die Rolle der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession anhand des Triplemandats und des Berufskodex von Avenir Social legitimiert.
7 Die Funktion der Sozialen Arbeit bei der Hilfestellung für Zwangsprostituierte: Dieser Abschnitt beschreibt konkrete Interventionsmöglichkeiten, Beratungsansätze und die Rolle spezialisierter Fachstellen wie FIZ Makasi.
8 Schlusswort: Das Schlusswort fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und reflektiert die Beantwortung der Ausgangsfrage.
Schlüsselwörter
Zwangsprostitution, Menschenhandel, Soziale Arbeit, Menschenrechte, Sexindustrie, Ausbeutung, Interventionsmöglichkeiten, Opferschutz, Triplemandat, Empowerment, Klientenzentrierte Beratung, Machtasymmetrien, Sozialprobleme, Migration, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Zwangsprostituierten in der Schweiz und untersucht, wie die Soziale Arbeit diese Menschen wirksam unterstützen und schützen kann.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Zwangsprostitution, den damit verbundenen sozialen Problemen, der Bedeutung der Menschenrechte und den spezifischen Interventionsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob soziale Probleme der Grund für den Einstieg in die Zwangsprostitution sind und wie die Soziale Arbeit hierbei präventiv oder unterstützend wirken kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Seminararbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich aktueller sozialwissenschaftlicher Theorien, insbesondere dem Modell von Silvia Staub-Bernasconi, basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen der Zwangsprostitution, die individuelle Betroffenheit, die menschenrechtliche Dimension und die berufsethischen Grundlagen der Sozialen Arbeit in diesem Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Zwangsprostitution, Menschenhandel, Menschenrechte, Sozialarbeit, Interventionsmöglichkeiten und Opferschutz charakterisiert.
Warum ist die Arbeit gerade auf Frauen in der Zwangsprostitution fokussiert?
Die Arbeit fokussiert sich auf Frauen, da Studien zeigen, dass ein Großteil der in der Schweiz in diesem Sektor tätigen Personen weiblich ist und Frauen im Kontext der Prostitution besonders stark von Zwang und Gewalt betroffen sind.
Was zeichnet die Grundhaltung aus, die Sozialarbeitende in der Beratung von Zwangsprostituierten einnehmen sollten?
Die Beratung sollte auf dem klientenzentrierten Ansatz nach Carl C. Rogers basieren, welcher durch Empathie, unbedingte Wertschätzung und Kongruenz geprägt ist.
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- Janina Somm (Author), 2019, Zwangsprostitution in der Schweiz. Hintergründe und mögliche Hilfestellungen durch Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/583883