Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen sexistischer Witze in Hinblick auf Lann Hornscheidts Sprachtheorie. Lann Hornscheidt arbeitet im Bereich der Genderforschung und Sprachanalyse und fordert einen kreativen Sprachgebrauch, der Menschen in Bezug auf Gendereinschränkungen sensibilisieren soll. In diesem Zusammenhang vertritt Hornscheidt eine konstruktivistische Sprachauffassung, in der Sprache abhängig von gesellschaftlichen Machtübereinkünften ist und Wirklichkeit konstituiert. Es spielt also eine Rolle, welche Worte wir verwenden und aus welcher Perspektive wir diese äußern.
Diese Arbeit argumentiert, dass demnach Witze nicht einfach nur "Witze" sind, die jemanden zum Lachen bringen sollen, sondern achtsam durchdacht werden müssen, weil sie einen Einfluss auf die Wirklichkeit haben. Äußert man sexistische Frauenwitze beispielsweise aus einer weiß ableisierten männlichen Position, so kann dies zur Reproduktion von Machtstrukturen führen, in denen jene Männer privilegiert und Frauen diskriminiert werden.
Witze in Bezug auf Gender müssen nicht immer negativ behaftet sein. Diese können angewandt werden, um traditionelle Denkweisen aufzulockern und somit Zweigenderung infrage zu stellen. Dies ist möglich, wenn man sich seiner eigenen sozialen Positionierung und strukturellen Machtverhältnissen bewusst wird und daraus reflektierte Handlungen ableitet. Um die Argumente in der Arbeit zu stützen, wird auf verschiedene Beispielwitze eingegangen und diese anhand von Hornscheidts Sprachauffassung analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lann Hornscheidt
2.1 Zur Person
2.2. Sprachauffassung
2.3. Diskriminierungen und Machtverhältnisse
3. Sexistische Witze und Auswirkungen
3.1 Einführung
3.2 Negative Behaftung
3.3 Positive Rolle
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen sexistischer Witze unter Berücksichtigung der konstruktivistischen Sprachtheorie von Lann Hornscheidt, um aufzuzeigen, wie Sprache Machtverhältnisse konstituiert und wie Witze entweder diskriminierend wirken oder zur kritischen Reflexion gesellschaftlicher Normen beitragen können.
- Konstruktivistische Sprachauffassung nach Lann Hornscheidt
- Reproduktion von Machtstrukturen durch Sprache und Witze
- Kritische Analyse geschlechtsspezifischer Stereotype
- Bedeutung der sozialen Positionierung bei sprachlichen Handlungen
- Potential von Witzen als Mittel zur Dekonstruktion der Zweigenderung
Auszug aus dem Buch
3.3 Positive Rolle
Witze in Bezug auf Gender, können durchaus auch eine positive Wirkung haben, wenn sie als kritische Verortungen verwendet werden. Eine kritische Verortung ist für Hornscheidt eine Eigenschaft einer Handlung, die zustande kommt, wenn jemand aus seiner eigenen sozialen Positionierung kritisch reflektierte Handlungen ableitet. Ist man in Bezug auf seine Positionierung privilegiert, so führt man Contra-Handlungen aus, ist man diskriminiert, führt man Anti-Handlungen aus.23
Wie können nun solche Witze als kritische Verortung fungieren? Ist diesem Zusammenhang lässt sich das „Inkongruenzprinzip“ gut anwenden. Dieses Prinzip besagt, dass ein Witz lustig ist, weil er Vorstellungen umstellt, die man zuvor aufgebaut hat.24 Beispielsweise könnte man den Witz: „Was ist eine Frau, die ihre Intelligenz verloren hat? Witwe!“ in den Witz: „Was ist ein Mann, der seine Intelligenz verloren hat? Witwer!“, umwandeln. Letzterer basiert auf dem Inkongruenzprinzip, da in Witzen besonders Frauen als unintelligent bezeichnet werden. Zwar hat auch der Witwer-Witz eine sexistische Bedeutung, jedoch erzielt er eine ganz andere Wirkung. Er reproduziert nicht das strukturelle Machtverhältnis, in welchem ableisierte weiße Männer privilegiert sind und Frauen diskriminiert werden. Vielmehr lockert er Stereotype und Rollenbilder und wirkt empowernd, weil er, von Frauen geäußert, eine anti-sexistisch, kritisch verortete Handlung bewirkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die sprachtheoretische Perspektive von Lann Hornscheidt ein und stellt die These auf, dass Witze nicht bloß Unterhaltung, sondern handlungsmächtige Konstrukte sind, die Machtstrukturen reproduzieren oder aufbrechen können.
2. Lann Hornscheidt: Dieses Kapitel erläutert Hornscheidts Persönlichkeit, das Konzept der „Exit Gender“-Sprachform und die Abkehr von einem instrumentellen hin zu einem konstruktivistischen Sprachverständnis.
3. Sexistische Witze und Auswirkungen: Hier wird analysiert, wie Witze als Machtinstrumente dienen, um Zweigenderung und Diskriminierung zu festigen, aber auch, wie sie unter bestimmten Bedingungen als „kritische Verortung“ empowernd wirken können.
4. Schluss: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Wirkung eines Witzes stets vom Kontext und der sozialen Positionierung der sprechenden Person abhängt und dass Witze als Werkzeug zur Dekonstruktion von Gendergrenzen dienen können.
Schlüsselwörter
Lann Hornscheidt, konstruktivistische Sprachauffassung, sexistische Witze, Machtverhältnisse, Genderforschung, Zweigenderung, Sprachhandlung, kritische Verortung, Inkongruenzprinzip, soziale Positionierung, Diskriminierung, Empowerment, Entsprachlichung, Dispositiv, Diskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen sexistischer Witzeerzählung und gesellschaftlichen Machtstrukturen auf Basis der Sprachtheorie von Lann Hornscheidt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt Sprachanalyse, Genderforschung, Machtverhältnisse in der Kommunikation und die soziologische Bedeutung von Humor.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Witze keine neutralen Äußerungen sind, sondern maßgeblich zur Konstitution der Wirklichkeit beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analytische Methode angewandt, welche die konstruktivistische Sprachtheorie von Lann Hornscheidt auf konkrete Beispiele für Witze und Werbeaussagen anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zu Hornscheidts Werk sowie eine differenzierte Untersuchung der negativen und positiven Auswirkungen von geschlechtsbezogenen Witzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sprachhandlung, Machtstrukturen, konstruktivistische Sprachauffassung, kritische Verortung und Zweigenderung.
Warum spielt die soziale Positionierung des Erzählers eine Rolle?
Da Sprache laut Hornscheidt nicht neutral ist, reproduziert der Witz die Privilegien oder die Diskriminierungserfahrung der Person, die ihn äußert.
Was bedeutet der Begriff „kritische Verortung“ im Kontext der Arbeit?
Es bezeichnet eine reflektierte sprachliche Handlung, bei der eine Person sich ihrer gesellschaftlichen Position bewusst wird und durch gezielte Aussagen versucht, Machtverhältnisse aufzubrechen.
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- Anonym (Author), 2019, Auswirkungen sexistischer Witze in Hornscheidts Sprachauffassung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/583535