Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern Anreizsysteme den Gesundheitszustand der Mitarbeiter beeinflussen können.
Um diese Frage zu beantworten, werden zunächst Einflussgrößen des menschlichen Verhaltens wie Motive, Motivation und Anreize dargelegt. Dann werden generell einzelne Anreizsysteme ausgeführt um anschließend das Anwesenheitsanreizsystem, als mögliche negative Einwirkung auf die Gesundheit zu betrachten. Darüber hinaus werden die höheren Kosten betrachtet, die für das Unternehmen entstehen können, wenn kranke Arbeitnehmer trotzdem arbeiten kommen.
Im ersten Halbjahr 2016 erreichten die Krankmeldungen in Deutschland den höchsten Stand seit 20 Jahren. Mehr als jeder dritte Arbeitnehmer meldete sich mindestens einmal krank und "im Schnitt dauerte die Erkrankung mehr als zwölf Tage." Diese krankheitsbedingten Fehlzeiten stellen für die Betriebe und für die Volkswirtschaft insgesamt einen erheblichen Kostenfaktor dar. Doch abgesehen von den direkten Kosten werden auch indirekte Kosten wie Know-How-Verluste oder verminderte Produktivität verursacht.
Im Interesse eines Unternehmens müssen diese immensen Kosten minimiert oder gar vermieden werden. Zunächst muss angeschnitten werden, wie sich Menschen motivieren lassen können, um es gegebenenfalls auf die Arbeitswelt zu übertragen und die Arbeitnehmer durch die richtigen Anreizsysteme die Motive anzusprechen, die dafür sorgen die Produktivität zu steigern und bestenfalls die Fehlzeiten zu verringern.
Dabei kann ein Anreiz materieller oder immaterieller Natur sein. Entscheidend ist, dass das Unternehmen Anreize anbietet, wodurch die Motive der Mitarbeiter so angesprochen werden, dass das gewünschte Verhalten eintritt, welches den Erfolg des Unternehmens maximiert. Denn Anreizsysteme haben sich hinsichtlich Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterbindung bewährt, aber ob Anwesenheitsanreizsysteme wie ein Gesundheitsbonus bzw. Anwesenheitsprämie den die Daimler AG und Amazon anbieten geeignet ist um Fehlzeiten (auch langfristig) zu minimieren muss kritisch untersucht werden.
Und wenn kurzfristig die Fehlzeiten minimiert werden und die Arbeitnehmer angespornt werden zur Arbeit zu kommen, die sonst motivationsbedingt gelegentlich krankfeiern, ist trotzdem zu untersuchen, wie fatal die Folgen sind, wenn kranke Arbeitnehmer aufgrund der Prämie sich zur Arbeit zwingen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Motiv, Motivation und Anreiz
3. Anreizsysteme in Unternehmen
3.1 Anreizsysteme zur Mitarbeitergewinnung
3.2 Anreizsysteme zur Mitarbeiterbindung
3.3 Anwesenheitsanreize
4. Nudge
5. Anwesenheits-Anreizsysteme bei Daimler und Amazon
6. Präsentismus und seine Folgen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, inwieweit Anwesenheits-Anreizsysteme wie Gesundheitsprämien tatsächlich zur Senkung betrieblicher Fehlzeiten beitragen können oder ob sie kontraproduktive Auswirkungen auf die Gesundheit der Mitarbeiter haben. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, ob solche Anreize den Gesundheitszustand der Belegschaft negativ beeinflussen, indem sie kranke Mitarbeiter dazu verleiten, trotz Krankheit zur Arbeit zu erscheinen.
- Grundlagen der Motivation und Anreizsysteme
- Methoden der Mitarbeitergewinnung und -bindung
- Das Konzept des "Nudging" in der betrieblichen Praxis
- Analyse von Anwesenheitsprämien bei Daimler und Amazon
- Folgen von Präsentismus für Unternehmen und Mitarbeiter
Auszug aus dem Buch
4. Nudge
Der Begriff Nudge kommt vom englischen Verb „to nudge“ und bedeutet „sanft schubsen“43 Diese Nudges, die eine bestimmte Zielgruppe zu einem bestimmten Verhalten verleiten sollen, werden von Entscheidungsarchitekten getätigt. Ein Entscheidungsarchitekt ist jemand, der aufgrund seiner Position das Umfeld organisiert, in dem Menschen Entscheidungen treffen.44 Hierbei kann es sich um alltägliche und banale Entscheidungen, wie die zwischen Eltern und Kinder oder Entscheidungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit weitreichenden wirtschaftlichen Folgen oder Folgen für die Umwelt handeln.
Ein Nudge kann im ersten Blick klein und unscheinbar sein, doch die Wirkung, das Verhalten einer Zielgruppe in eine bestimmte Richtung zu lenken hingegen sehr effektiv. Hierzu ein Beispiel aus der Herrentoilette des Amsterdamer Flughafens Schiphol, wo in allen Urinalen das Bild einer schwarzen Fliege angebracht worden ist, was dazu geführt hat, dass die Verschmutzung um 80% abgenommen hat, da seit Anbringung dieser schwarzen Fliegen nun versucht wird darauf zu zielen.45
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigenden Krankmeldungen in Deutschland und die daraus resultierenden Kosten für Unternehmen, was die Notwendigkeit von Anreizsystemen zur Fehlzeitenreduktion begründet.
2. Motiv, Motivation und Anreiz: In diesem Kapitel werden die psychologischen Grundlagen von Motiven und Motivation sowie die Rolle von Anreizen bei der Verhaltenslenkung dargelegt.
3. Anreizsysteme in Unternehmen: Es wird erörtert, wie Unternehmen verschiedene Anreize zur Mitarbeitergewinnung und -bindung einsetzen, um die Produktivität zu sichern.
4. Nudge: Dieses Kapitel erläutert das Konzept des libertären Paternalismus und wie durch gezielte, sanfte Anreize Verhaltensänderungen ohne Zwang erreicht werden können.
5. Anwesenheits-Anreizsysteme bei Daimler und Amazon: Die praktischen Umsetzungen von Gesundheitsprämien bei Daimler und Amazon werden auf ihre Zielsetzung und ihre Anreizwirkung untersucht.
6. Präsentismus und seine Folgen: Das Kapitel befasst sich mit den negativen Auswirkungen, wenn Mitarbeiter trotz Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen, insbesondere im Hinblick auf Fehlerraten und Gesundheitsrisiken.
7. Fazit: Das Fazit zieht eine kritische Bilanz und stellt fest, dass Anwesenheitsprämien zwar kurzfristig Fehlzeiten senken können, aber langfristig durch Präsentismus und Zielkonflikte schädlich für die Mitarbeiterbindung wirken.
Schlüsselwörter
Nudging, Anreizsysteme, Fehlzeiten, Motivation, Mitarbeiterbindung, Gesundheit, Präsentismus, Absentismus, Betriebswirtschaft, Anwesenheitsprämie, Unternehmensführung, Zielkonflikt, Arbeitszufriedenheit, Gesundheitsmanagement, Motiv.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit analysiert die Wirksamkeit und die potenziellen negativen Folgen von Anwesenheits-Anreizsystemen in Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Motivationstheorien, Mitarbeiterbindung, der Nudge-Theorie sowie den gesundheitlichen und ökonomischen Auswirkungen von Präsentismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob die finanzielle Belohnung für Anwesenheit den Gesundheitszustand der Mitarbeiter beeinträchtigt, indem sie zur Arbeit trotz Krankheit motiviert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis von Literaturanalysen und der Untersuchung aktueller betrieblicher Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die psychologischen Grundlagen, die Theorie des Nudgings, die konkrete Ausgestaltung von Prämien bei Daimler und Amazon sowie die Problematik des Präsentismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nudging, Anreizsysteme, Präsentismus, Absentismus und Mitarbeiterbindung.
Warum wird das Konzept des "Nudging" in Bezug auf Daimler und Amazon genannt?
Das Nudging dient als theoretischer Rahmen, um zu verstehen, wie Unternehmen durch "sanftes Schubsen" (in Form von Boni) das Verhalten der Mitarbeiter bezüglich ihrer Anwesenheit steuern.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf Gesundheitsprämien?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Gesundheitsprämien kritisch zu betrachten sind, da sie das Risiko erhöhen, dass kranke Mitarbeiter zur Arbeit erscheinen, was langfristig die Gesundheit der Belegschaft und das Unternehmensergebnis schädigen kann.
- Arbeit zitieren
- Hatem Aouni (Autor:in), 2017, Nudging auf Kosten der Gesundheit. Präsentismus und seine Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/583409