Ausgangspunkt dieser Arbeit sind im Allgemeinen die Probleme bezüglich des ökonomischen Handelns und der Koordination ökonomischer Aktivitäten und im Speziellen Innovationen in der ökonomischen Sphäre.
Dabei soll es hier um die von einigen Autoren beschriebene und viel diskutierte institutionelle Einbettung des ökonomischen Handelns und die daraus resultierenden Folgen für Innovationen gehen.
Ich werde im Folgenden kurz einen Ansatz von Hall und Soskice vorstellen, indem ich auf ihre Unterscheidung von „liberal market economies“ und „coordinated market economies“ eingehe und auf die daraus resultierenden Folgen für Innovationen aufmerksam mache. Anschließend soll es um die von den beiden Autoren herausgearbeitete Unterscheidung zwischen radikalen und inkrementalen Innovationen gehen, die ich im Zusammenhang mit einigen Beispielen, wie das Patentaufkommen, unterschiedliche soziale Sicherungen und Qualifikationen näher untersuchen werde. Danach werde ich auf einige Schwächen des Ansatzes, wie der methodologische Nationalismus, der verfolgte Dualismus, die Vernachlässigung der Dynamik und vor allem die institutionellen Komplementaritäten, aufmerksam machen, die auch mit den zwei Formen der Innovation in Bezug gesetzt werden können. Abschließend soll der Frage nachgegangen werden, ob ökonomisches Handeln und damit Innovationen auf eine Divergenz, eine Konvergenz oder eine Hybridisierung hinauslaufen.
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung der Arbeit
2. Varieties of Capitalism
3. Radikale und inkrementale Innovationen
4. Patentaufkommen, soziale Sicherung und Qualifikation
5. Schwächen des Ansatzes
6. Konvergenz, Divergenz oder Hybridisierung?
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der institutionellen Einbettung ökonomischen Handelns, wobei insbesondere der Zusammenhang zwischen verschiedenen nationalen Kapitalismusmodellen und den daraus resultierenden Innovationsformen im Fokus steht.
- Unterscheidung zwischen Liberal Market Economies (LME) und Coordinated Market Economies (CME)
- Analyse der Innovationsformen: radikale vs. inkrementale Innovationen
- Einfluss von Patentaufkommen, sozialer Sicherung und Qualifikation auf Innovation
- Kritische Würdigung des Ansatzes von Hall und Soskice
- Diskussion über Konvergenz, Divergenz und Hybridisierung wirtschaftlicher Systeme
Auszug aus dem Buch
3. Radikale und inkrementale Innovationen
Radikale Innovationen sind nach Hall und Soskice wesentliche Veränderungen der Produktlinie oder im Produktionsprozess und die Entwicklung von völlig neuen Produkten. Sie sind zum einen in schnell fortschreitenden Technologien, wie Biotechnologie, Halbleiterentwicklung und Softwareentwicklung und zum anderen für den Erfolg komplexer systembasierter Produkte, wie Telekommunikation wichtig. Inkrementale Innovationen dagegen zeichnen sich durch fortwährende, kleine Verbesserungen in bereits bestehenden Produktlinien oder Produktionsprozessen aus. Sie sind wichtig für die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit von Investitionsgütern, wie Werkzeugmaschinen, Motoren und spezialisierte Transportmittel. Es stellt sich jetzt die Frage, welche institutionellen Umstände dafür verantwortlich sind, dass er eine oder andere Innovationstyp vorherrscht.
Beginnen wir mit den radikalen Innovationen in LMEs. Die industriellen Beziehungen in LMEs sind nur schwach ausgeprägt. Dies hat zur Folge, dass keine Arbeitsplatzsicherheit und damit ein Zwang zur Profilierung innerhalb eines Unternehmens besteht. Auch ist durch die fehlende Arbeitsplatzsicherheit eine hohe Mobilität von Arbeitern gegeben, die dazu führt, dass Personen mit spezifischem Wissen nach Bedarf gekauft und wieder entlassen werden können. Diese beiden Bedingungen fördern also radikale Innovationen. Zur Ausbildung kann Folgendes vermutet werden: In LMEs können keine inkrementalen Innovationen stattfinden, da die nur allgemein ausgebildeten Personen nicht ohne weiteres in der Lage sind, Produkte mit höchster Qualität noch zu verbessern. Dagegen werden aber radikale Innovationen gefördert, weil diese Personen noch „unvoreingenommen“ sind, also nicht an alten Techniken, Vorstellungen und Traditionen haften.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung der Arbeit: Diese Einleitung erläutert den Ausgangspunkt der Untersuchung bezüglich der institutionellen Einbettung ökonomischen Handelns und führt das Konzept von Hall und Soskice ein.
2. Varieties of Capitalism: Dieses Kapitel stellt die Unterscheidung zwischen liberalen und koordinierten Marktwirtschaften anhand verschiedener institutioneller Merkmale wie industrieller Beziehungen und Finanzierung dar.
3. Radikale und inkrementale Innovationen: Hier werden die Zusammenhänge zwischen den jeweiligen Kapitalismusformen und den vorherrschenden Innovationstypen analysiert.
4. Patentaufkommen, soziale Sicherung und Qualifikation: Das Kapitel liefert empirische Beispiele und theoretische Überlegungen zur Stützung der Innovations-These, insbesondere unter Berücksichtigung von Ausbildungssystemen.
5. Schwächen des Ansatzes: Diese Sektion kritisiert den methodologischen Nationalismus, den verfolgten Dualismus sowie die statische Sichtweise des Konzepts institutioneller Komplementaritäten.
6. Konvergenz, Divergenz oder Hybridisierung?: Abschließend wird diskutiert, ob wirtschaftliche Systeme auf eine Angleichung, Auseinanderentwicklung oder eine Hybridisierung zusteuern.
Schlüsselwörter
Varieties of Capitalism, radikale Innovationen, inkrementale Innovationen, institutionelle Komplementaritäten, Liberal Market Economies, Coordinated Market Economies, ökonomisches Handeln, institutionelle Einbettung, Patentaufkommen, soziale Sicherung, Qualifikation, methodologischer Nationalismus, Hybridisierung, Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der institutionellen Einbettung ökonomischen Handelns und der Frage, wie nationale institutionelle Rahmenbedingungen Innovationsprozesse beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Typologie von Kapitalismusmodellen (LME vs. CME), die Unterscheidung zwischen radikalen und inkrementalen Innovationen sowie die Auswirkungen von Institutionen wie Ausbildung und Finanzierung auf diese Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen nationalen Wirtschaftsstrukturen und der Spezialisierung auf bestimmte Innovationstypen kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob die Theorie von Hall und Soskice empirisch haltbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Literaturanalyse sowie die theoretische Auseinandersetzung mit dem Ansatz der "Varieties of Capitalism", ergänzt durch empirische Patentdaten und eine kritische Diskussion aktueller Kapitalismuskritik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Kapitalismus-Typen, die theoretische Herleitung der Innovationstypen, eine empirische Überprüfung anhand von Patentaufkommen und sozialen Sicherungssystemen sowie eine methodische Kritik am zugrunde liegenden Modell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind "Varieties of Capitalism", "radikale vs. inkrementale Innovationen", "institutionelle Komplementaritäten" sowie die Diskussion um eine mögliche "Hybridisierung" der Systeme.
Inwiefern beeinflusst das Ausbildungssystem laut Arbeit die Innovationskraft?
Allgemeine Qualifikationen fördern in LMEs die radikale Innovationskraft, während in CMEs industriespezifische Qualifikationen die Basis für inkrementale, kontinuierliche Verbesserungen bilden.
Warum hält der Autor den Ansatz der institutionellen Komplementaritäten für zu statisch?
Der Autor argumentiert, dass Institutionen stetigem Wandel unterworfen sind, was das Konzept der starren Komplementarität in Frage stellt, da Systeme sich anpassen müssen, anstatt starr zu bleiben oder zu kollabieren.
- Quote paper
- Carlo Cerbone (Author), 2005, Ökonomisches Handeln im institutionellen Kontext und radikale vs. inkrementale Innovationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/57251