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Das Wasser in Friedrich de la Motte-Fouques Undine

Titel: Das Wasser in Friedrich de la Motte-Fouques  Undine

Hausarbeit (Hauptseminar) , 1996 , 21 Seiten , Note: Sehr gut

Autor:in: Ute Hennig (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Jahr 1811 erschien im „Frühlingsheft" der von Friedrich de la Motte-Fouqué von 1811 - 1814 herausgegebenen Zeitschrift „Jahreszeiten" seine Erzählung „Undine". Als Vorlage diente neben der Lebensgeschichte des Barons das 1566 postum veröffentlichte „Über de nymphis, sylphis, pygmaeis et salamandris et de caeteris spiritibus" des Arztes und Natur¬philosophen Philippus Aureolus Paracelsus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, ge¬nannt Paracelsus. Wie viele Romantiker, die sich gegen aufklärerische Gedanken sträubten, befasste sich auch Fouqué mit Paracelsus' „Naturphilosophie“, einer „Schrift über die Ele-mentargeister, die Sagenstoff mit naturphilosophischen Überlegungen und poetischen Ele¬menten verbindet [ ... ]“. Es entstand eine überaus erfolgreiche Erzählung, die weitere Auto¬ren bis in dieses Jahrhundert zu Bearbeitungen des Stoffes anregte.

Undine stammt nicht ohne Grund aus dem Wasser: Dem Wasser wurden in seiner Unerklärbarkeit von vielen Kulturen zahlreiche Götter und Dämonen zugeordnet, die verschiedene Funktionen erfüllten und entsprechend angebetet wurden. Viele dieser Gottheiten und Fabelwesen gaben im Laufe der Jahrhunderte, zum Teil nach ihrer Entmythi¬sierung, Anlass zur dichterischen Gestaltung. Diese reicht von Homers „Odyssee" und der Begegnung des Helden mit den Sirenen über mittelalterliche Sagen wie die „Melusine" bis hin zu den zahlreichen Wasserfrauen-Erzählungen des 19. und 20. Jahrhunderts.

Ziel dieser an der Universität Bamberg im literaturwissenschaftlichen Seminar „Die schöne Leiche“ entstandenen Arbeit ist es, einen Überblick über die Bedeutung des Wassers für die Erzählung „Undine" zu geben. Was bei Paracelsus' Elementargeister-Theo¬rien und mit dem speziellen Interesse der Romantiker am Phänomen „Wasser" beginnt, führt weiter zu kulturgeschichtlichen und psychologischen Hintergründen der „Wasserfrauen-Erzäh¬lungen". Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Zusammen¬hang von Wasser, Weiblichkeit und damit verbundenen männlichen Vorstellungen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Elementargeister

2.1 Paracelsus' Elementargeister-Vorstellungen

3. Der Naturbegriff in der Romantik

4. Die Wassermetaphorik in "Undine"

5. Wasser und Weiblichkeit

5.1 Der Ursprung des "weiblichen Wassers"

5.2 Die Nymphen

5.2.1 Die Nymphe Undine

5.3 Das Wasser und das Unbewußte

6. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die symbolische und funktionale Bedeutung des Wassers in Friedrich de la Motte Fouqués Erzählung „Undine“. Dabei wird erforscht, wie das Element Wasser als verbindendes und zugleich trennendes Prinzip zwischen der Naturwelt und der menschlichen Gesellschaft fungiert, insbesondere unter dem Aspekt der Geschlechterrollen und psychologischer Projektionen.

  • Die Rolle von Paracelsus' Elementargeister-Vorstellungen für Fouqués literarische Konzeption.
  • Die romantische Auffassung von Natur und deren Gegensatz zur rationalisierten Welt.
  • Die Wassermetaphorik als Spiegel für das Seelenleben und die Unvereinbarkeit von Mensch und Natur.
  • Der Zusammenhang zwischen dem Wasser, der weiblichen Identität und männlichen Projektionen.

Auszug aus dem Buch

Die Wassermetaphorik in "Undine"

Hauptperson in Fouqués Erzählung ist das Wasser, verkörpert durch den Elementargeist Undine. Fouqué beschreibt ihre Erscheinung oder ihr Auftreten vielfach mit diesem Element zugeordneten Begriffen. Undine, die Frau mit „seeblauen Augenhimmeln“31, kündigt ihr erstes Erscheinen in der Erzählung mit einem Wasserschwall gegen das Hüttenfenster an. Huldbrand und der alte Fischer hatten schon "bisweilen ein Plätschern am niedrigen Fensterlein vernommen, als spritze jemand Wasser dagegen“32. Vor und während der Trauung verhält sie sich ruhig und still, aber danach „war es, als schäumten alle die wunderlichen Grillen, welche in ihr hausten, um so dreister und kecklicher auf der Oberfläche hervor“33. Undine springt nach der Beleidigung durch Huldbrand auf der Donau nicht in den Fluß - sie „verströmte“34 darin und war bald „in die Donau ganz verronnen“35. Sie wird mit ihrem Element eins.

In kaum einer Erzählung wird so viel geweint. Vom Naturreich entfernt, drückt Undine ihre Zugehörigkeit zu diesem Element durch „Wasser aus ihrem Inneren" aus. Nach dem Erhalt der Seele durch die Trauung brach sie „in einen reichen Strom der wehmütigsten Tränen aus“36. In ihren Augen „37schwamm es wie ein zartes, besorgliches Geheimnis“ und zum Schluß wird Huldbrand - beschrieben mit dem schönsten Satz der ganzen Erzählung - von seiner Frau in Tränen erstickt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einführung beleuchtet die kulturgeschichtliche Faszination des Menschen für das Phänomen Wasser und führt in die Fragestellung der Arbeit ein.

2. Die Elementargeister: Hier wird der theoretische Unterbau durch Paracelsus' Lehren über Elementarwesen dargelegt, die für Fouqué als Inspirationsquelle dienten.

2.1 Paracelsus' Elementargeister-Vorstellungen: Dieses Kapitel analysiert spezifisch die Unterscheidung zwischen Geistmenschen und Menschen aus Fleisch und Blut.

3. Der Naturbegriff in der Romantik: Der Abschnitt erläutert, wie Romantiker das Verhältnis zwischen Natur, Gefühl und der poetischen Realität definierten.

4. Die Wassermetaphorik in "Undine": Untersuchung der verschiedenen Arten, wie das Element Wasser die Figur Undine und ihr Handeln im Kontext der Erzählung symbolisiert.

5. Wasser und Weiblichkeit: Dieses Kapitel diskutiert die Projektion von Naturvorstellungen und Männlichkeitsphantasien auf die weibliche Wassergestalt.

5.1 Der Ursprung des "weiblichen Wassers": Erläuterung der Verbindung zwischen animistischen Weltbildern, Geburtsmetaphorik und der Rolle der Wasserfrau.

5.2 Die Nymphen: Darstellung des mythologischen Hintergrunds von Nymphen als Mittlerfiguren in der abendländischen Literatur.

5.2.1 Die Nymphe Undine: Konkrete Analyse der literarischen Figur Undine als Mischwesen und ihre Entwicklung im Verlauf der Erzählung.

5.3 Das Wasser und das Unbewußte: Verbindung der flüssigen Natur des Wassers mit den psychologischen Konzepten von Traum und Unterbewusstsein.

6. Zusammenfassung: Ein resümierender Blick auf die Bedeutung des Wassers als unbezwingbares, faszinierendes Phänomen und Spiegel männlicher Projektionen.

Schlüsselwörter

Undine, Fouqué, Wasser, Romantik, Elementargeister, Weiblichkeit, Paracelsus, Wassermetaphorik, Naturphilosophie, Mythos, Nymphen, Unbewusstsein, Literaturwissenschaft, Geschlechterrollen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Elements Wasser in der Erzählung „Undine“ von Friedrich de la Motte Fouqué unter kulturwissenschaftlichen und psychologischen Gesichtspunkten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die romantische Naturauffassung, die Paracelsus'sche Lehre der Elementargeister sowie das Verhältnis von Wasser, Weiblichkeit und männlicher Wahrnehmung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Wasser als literarischer Code für die Unvereinbarkeit zwischen Natur und menschlicher Gesellschaft eingesetzt wird.

Welche wissenschaftliche Methodik kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär literarische Texte mit philosophischen und kulturgeschichtlichen Quellen in Beziehung setzt.

Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?

Der Hauptteil behandelt die historische Herleitung der Elementargeister, die Analyse der Wassermetaphorik in Fouqués Werk sowie die Symbolik der Verbindung von Wasser und weiblicher Identität.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Besonders prägend sind Begriffe wie „Elementargeister“, „Wassermetaphorik“, „romantische Naturauffassung“ und „Projektion des Weiblichen“.

Welche Rolle spielt Paracelsus für die Interpretation?

Paracelsus dient als fundamentale Quelle, da Fouqué seine Naturphilosophie als Vorlage für die Beschaffenheit und das Wesen der Undine nutzte.

Warum wird das Wasser im Kontext der Romantik als „unbewusst“ bezeichnet?

In der Romantik wurde das Fließen und Wirbeln des Wassers als Parallele zum menschlichen Traumzustand und zum Wirken der unterbewussten Triebe interpretiert.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Wasser in Friedrich de la Motte-Fouques Undine
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Fachbereich Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar Die schöne Leiche
Note
Sehr gut
Autor
Ute Hennig (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1996
Seiten
21
Katalognummer
V5646
ISBN (eBook)
9783638134590
ISBN (Buch)
9783640208265
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Undine Romantik Fouque
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ute Hennig (Autor:in), 1996, Das Wasser in Friedrich de la Motte-Fouques Undine, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/5646
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Leseprobe aus  21  Seiten
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