Dieser Arbeit liegt der Gedanke zu Grunde, dass die dreigeteilte Vormittagsschule, die isoliert im Viertel liegt, die an sie gestellten Aufgaben nicht erbringen kann.
Als Ansatz der Korrektur wird das angelsächsische Modell der „Community Education“, welches transformiert im deutschsprachigen Raum als „Offene Schule“ oder „Öffnung der Schule“ bekannt ist aufgegriffen.
Der in diesem Werk praktizierte Ansatz soll die bekannten Elemente der Ganztagsschule mit den Möglichkeiten der „Community“ vereinen und damit zu einer Schule führen, die ihren Schülern eine Ganztagsbetreuung anbietet, die aber nicht in Form von Beschäftigungsangeboten realisiert wird, sondern vielmehr ein spielerisches Lernen verbunden mit der umliegenden Gemeinde bewerkstelligt. Im Ergebnis der Bemühungen wird die Schule im Viertel verwurzelt, die Bewohner fühlen sich ihren Schülern nicht nur verbunden, sondern liefern je nach Qualifizierung auch selbst Bildungsinhalte. Im Gegenzug öffnet sich die Schule und das Schulgebäude nach außen. Im theoretischen Ideal wird die Schule der Ort im Viertel, in dem Bildungs- und Freizeitangebote für alle Nachbarn bereitgestellt werden, dies selbstverständlich auch nach dem regulären Schulende, am Abend und am Wochenende.
Sinn aller Aktivitäten innerhalb dieses entwickelten Ansatzes ist die lebensnahe Bildung, verbunden mit Kompetenzen wie „life-ling-learning“. Erreicht werden soll vor allem aber, dass die Absolventen der unterschiedlichen Schulen in der Lage sind, den neuen Anforderungen (in Ausbildung oder Studium) zu entsprechen bzw. über Fähigkeiten verfügen sich bestimmte Inhalte selbständig und selbstgesteuert anzueignen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Community Education
2.1 Vorbetrachtung
2.2 Historische Wurzeln
2.2.1 Großbritannien
2.2.1.1 Henry Morris
2.2.1.2 Plowden – Report 1967
2.2.1.3 Eric Midwinter
2.2.1.4 Merkmale von Community Schools
2.2.2 Vereinigte Staaten von Amerika
2.2.2.1 John Dewey
2.2.2.2 Frank Manley und Charles Stuart Mott
2.3 Zusammenfassung Community Education
3 Definitions- und Klassifikationsversuche der Community Education
3.1 Der konzeptorientierte Ansatz von Ashcroft 1975
3.2 Der praxisorientierte Ansatz nach Clark 1985
3.3 Differenzierung nach Handlung
3.4 Historisch – analytischer Ansatz
3.5 Differenzierung durch Modellbildung nach Buhren
3.5.1 Demokratisches Modell
3.5.2 Life – long – learning – Modell
3.5.3 Das kompensatorisch - reformorientierte Modell
3.5.4 Das gesellschaftsverändernde Modell
3.6 Aktive und passive Community Education nach Baecker
3.7 Zusammenfassung Definitions- und Klassifikationsversuche
4 Konzeptuelle Merkmale
4.1 Community Development
4.2 Life - long Learning
4.3 Multicultural Approach
5 Community Education in Deutschland
5.1 Das Konzept wird populär
5.2 Handlungsfelder der Community Education in Deutschland
5.2.1 Handlungsfeld Jugend – und Kulturarbeit
5.2.2 Handlungsfeld Gemeinwesen
5.2.3 Handlungsfeld Schule
5.2.3.1 Überblick
5.2.3.2 Öffnung der Schule
5.2.3.3 Umsetzung des Konzepts an alternative Schulen
5.2.3.4 Voraussetzung der Öffnung
5.2.3.5 Öffnung des Unterrichts
5.2.4 Praxis der Öffnung
5.2.5 Rahmenkonzept Gestaltung des Schullebens und Öffnung von Unterricht
5.2.5.1 Handlungsfelder GÖS
5.3 Zusammenfassung „Öffnung der Schule und Öffnung des Unterrichts“
6 Die Ganztagsschule
6.1 Allgemeines
6.2 Aufgaben der Ganztagsschule nach dem Deutschem Bildungsrat (1968)
6.3 Organisationsformen und -merkmale der Ganztagsschule
6.4 Kritik am Konzept der Ganztagsschule
6.5 Zusammenfassung
7 „Die geöffnete Ganztagsschule“
7.1 Gemeinsamkeiten
7.2 Differenzen
7.3 Konsens
8 Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Konzept der „Community Education“ als Lösungsansatz für aktuelle organisatorische und pädagogische Probleme der deutschen Ganztagsschule dienen kann, mit dem Ziel, theoretische Grundlagen für eine erfolgreiche Verknüpfung beider Ansätze zu legen.
- Historische Entwicklung und Einordnung der Community Education (Großbritannien/USA)
- Analyse von Klassifikationsansätzen und konzeptuellen Merkmalen
- Übertragbarkeit und Praxis der „Öffnung von Schule“ im deutschen Bildungssystem
- Vergleich der Konzepte Ganztagsschule und Community Education (Gemeinsamkeiten/Differenzen)
- Ableitung von Konsensmöglichkeiten für die „geöffnete Ganztagsschule“
Auszug aus dem Buch
2.2.1.1 Henry Morris
Als Vater und Vordenker der Community Education wird Henry Morris genannt. Dieser war in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts Chief Education Officer in der Grafschaft Cambridgeshire. Bedingt wird dessen Engagement vor allem durch die sich rasch ändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Wirtschaft siedelt sich in oder nahe von Städten an, wird vor allem im städtischen Umfeld die Schullandschaft massiv ausgebaut, die ländlichen Regionen hingegen werden zunehmend vernachlässigt. Diese Nichtbeachtung führt in den folgenden Jahren zu einer stark ansteigenden Landflucht. Vor allem junge Menschen suchen ihr Glück in den Städten. Die Verarmung der Dörfer, sowohl sozial als auch kulturell, nimmt zu. Die städtisch geprägten Menschen besitzen eine Reihe von Kenntnissen, die in der Industriestadt hilfreich, auf dem Land jedoch fast ohne jeglichen Wert sind. Somit werden die Rückkehrer zu Außenseitern und verlassen nicht selten die ländliche Region erneut.
Im England der 1920-er Jahre ist daher eine Ausweitung des Schulwesens unabdingbar. Die Intention Morris’ ist es deshalb, die Bedingungen der Bevölkerung der ländlichen Regionen, hier zunächst in seiner eigenen Grafschaft, das kulturelle und soziale Leben, zu verbessern. Damit einhergehend soll die Qualität der Bildungsangebote genauso steigen wie die Qualität der ländlichen Gemeinschaft. Zur Lösung dieser Problematik sollen Zentren geschaffen werden, die für die umliegenden Dörfer als Schule, als Freizeiteinrichtung und als Mittelpunkt der sozialen Dienste und politischen Aktivitäten fungieren sollen. Die Schule bietet sich als Lokalität an, da jedes Mitglied der Community dort kürzer oder länger verweilt, da die Räumlichkeiten am Nachmittag zur Verfügung stehen und die Finanzierung abgesichert ist. Der Gründung der so genannten „Village School“ ist somit der Weg geebnet. Anders als zum Beispiel in Deutschland besitzen die örtlichen Autoritäten in Großbritannien, in diesem Fall Morris selbst, weitgehend freie Hand bei der Gestaltung der Schule in der Grafschaft. Nur deshalb kann dieser seine Ideen ohne größere Hürden überwinden zu müssen umsetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Krise des deutschen Schulwesens und führt die „Community Education“ als möglichen Lösungsansatz ein.
2 Community Education: Dieses Kapitel stellt die historischen Entstehungslinien und die Hauptvertreter des Konzepts in Großbritannien und den USA vor.
3 Definitions- und Klassifikationsversuche der Community Education: Hier werden verschiedene theoretische Ansätze und Modellbildungen zur Systematisierung der Community Education analysiert.
4 Konzeptuelle Merkmale: Das Kapitel extrahiert und erläutert drei zentrale Prinzipien, die dem Konzept der Community Education Struktur verleihen.
5 Community Education in Deutschland: Hier wird die Adaption des Konzepts in Deutschland sowie dessen praktische Umsetzung, insbesondere durch das Konzept der „Öffnung der Schule“, betrachtet.
6 Die Ganztagsschule: Dieses Kapitel analysiert das Zielgebiet der Untersuchung, die Ganztagsschule, unter Berücksichtigung ihrer Aufgaben, Organisationsformen und Kritik.
7 „Die geöffnete Ganztagsschule“: Der Hauptteil vergleicht die Konzepte der Ganztagsschule und der Community Education, um Gemeinsamkeiten und Konsensmöglichkeiten aufzuzeigen.
8 Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt das Potenzial der Community Education zur Lösung schulischer Probleme.
Schlüsselwörter
Community Education, Ganztagsschule, Öffnung der Schule, Schulentwicklung, Gemeinwesenarbeit, Bildungsreform, lebenslanges Lernen, Community Development, soziale Kompetenz, Partizipation, schulische Selektion, Schulalltag, schulpädagogische Innovation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial der „Community Education“ als Strategie, um organisatorische und pädagogische Herausforderungen der deutschen Ganztagsschule zu bewältigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind die historische Entwicklung der Community Education, deren verschiedene Klassifikationsmodelle, der Transfer dieses Ansatzes nach Deutschland („Öffnung der Schule“) sowie die spezifische Verzahnung mit dem Konzept der Ganztagsschule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, theoretische Grundlagen zu erarbeiten und Handlungsstrategien abzuleiten, wie eine „geöffnete Ganztagsschule“ durch das Einbinden von Community-Prinzipien praktikabler und effektiver gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, durch die historische Ansätze rekapituliert, Klassifikationsmodelle (z.B. nach Ashcroft, Buhren, Clark) ausgewertet und in einem vergleichenden Analyserahmen für den deutschen Kontext zusammengeführt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung der Community Education, deren Anwendung auf den deutschen Schulkontext (Öffnung der Schule) und den detaillierten Vergleich von Gemeinsamkeiten und Differenzen zur Ganztagsschule.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Wichtige Begriffe sind Community Education, Ganztagsschule, Öffnung der Schule, Gemeinwesenarbeit, soziale Partizipation und die Bewältigung bildungspolitischer Strukturprobleme.
Warum ist das Konzept des „dual use“ für diese Arbeit so bedeutend?
Das „dual use“ Prinzip beschreibt die effiziente gemeinsame Nutzung von schulischen Ressourcen (Räume, Personal) durch die Schule und das Gemeinwesen, was eine wesentliche Schnittstelle zwischen Community Education und Ganztagsschule bildet.
Welche Bedeutung haben die „Satelliten“ im Rahmen der schulischen Öffnung?
Satelliten sind schulische Außenstellen oder genutzte Flächen im Stadtteil, die als Brücke zum realen Leben fungieren und Orte für außerunterrichtliche Aktivitäten bieten, die innerhalb der Schule selbst nicht realisierbar wären.
- Arbeit zitieren
- Andreas Glück (Autor:in), 2004, Community Education als Lösungsvorschlag zur Problematik der Ganztagsschule, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/55275