Während der Alltag einer Frau vor ein paar Jahrzehnten ausschließlich aus dem Haushalt, Kinder gebären und Erziehung bestand, ist der heutige Alltag zunehmend vom Business geprägt. Dass die Rolle der Frau einen Wandel durchlaufen hat, ist kaum noch zu bestreiten. Doch wie kann man sich die Gegebenheiten im 17. Jahrhundert vorstellen? Um diese Frage zu beantworten werde ich die Rolle der Frau am Beispiel der Leonora in "El celoso extremño" analysieren. Dabei wird vor allem auf ihre Veränderung und Entwicklung eingegangen.
Anfänglich werden die Forschungsrichtungen der Gender Studies untersucht, welche sich mit dem Zusammenhang zwischen Kultur, Gesellschaft und Wissenschaft befassen. Um im weiteren Verlauf eine Verbindung zwischen den Gender Studies und der Literatur herstellen zu können, wird das Geschlecht in der Literatur im Allgemeinen betrachtet. Da der Fokus in dieser Hausarbeit auf der weiblichen Person liegt, werden das Bild und die Rolle der Frau in der Gesellschaft begutachtet. Dabei wird sowohl auf die Ehe als auch auf die moralischen Modelle und die Realität eingegangen.
Um im weiteren Verlauf alle genannten Aspekte zu berücksichtigen, erfolgt zunächst eine kurze Vorstellung der Novelle "el celoso extremño" Daran schließt sich die Analyse der Frau bei Cervantes, in diesem Fall der Leonora, an. Außerdem wird hierbei die Rolle Loaysas hinsichtlich der Entwicklung der Leonoras analysiert, bevor im Fazit die festgestellten Ergebnisse zusammengefasst werden.
“On ne naît pas femme: on le devient.”
[Man ist nicht als Frau geboren, man wird es.]
Simone de Beauvoir, Le deuxieme sexe (1949)
Mit diesem Satz bringt die französische Schriftstellerin Simone de Beauvoir zum Ausdruck, dass nicht alleine biologische, sondern ebenfalls gesellschaftliche und kulturelle Aspekten das Genus bedingen. Ebenso wird damit deutlich, dass ein Mensch, in diesem Fall eine Frau, eine Entwicklung zur Frau selbst erlebt, wie es bei Leonora in el celoso extremño möglicherweise der Fall ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gender Studies
3. Das Geschlecht in der Literatur
4. Das Bild der Frau
4.1 Die Rolle der Frau in der Gesellschafft
4.2 Sittliche Ordnung und Realität
5 Die Ehe
6. El celoso extremeño
6.1 Die Frau bei Cervantes
7. Loaysa
7.1 Die Veränderung Leonoras und der Einfluss Loaysas
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der weiblichen Hauptfigur Leonora in Miguel de Cervantes' Novelle "El celoso extremeño" vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und moralischen Normen des 17. Jahrhunderts sowie unter Anwendung geschlechtertheoretischer Ansätze.
- Analyse des Frauenbildes und der soziokulturellen Stellung der Frau im 17. Jahrhundert
- Anwendung von Gender Studies zur Interpretation literarischer Rollenbilder
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Ehe, Eifersucht und individueller Freiheit
- Darstellung der Transformation Leonoras von einer passiven, fremdbestimmten Figur zu einer handelnden Identität
- Evaluation der Rolle Loaysas als Katalysator für Leonoras persönliche Entwicklung
Auszug aus dem Buch
6.1 Die Frau bei Cervantes
In el celoso extremño wird Leonora als sehr hübsches und junges Mädchen bezeichnet. Sie hat keinerlei Mitspracherecht, da ihre Eltern über die Hochzeit mit Carrizales entscheiden. Dadurch nimmt sie zunächst keine aktive Rolle einund es wird für sie bzw. über sie hinweg bestimmt.
„Once Leonora enters Carrizales house, she is described as being simple and childlike, not because of stupidity, but rather because of lack of experience due to age.“ (vgl. Donato, 1986, S.16).
Durch dieses Zitat wird die Naivität der Leonora deutlich, die sich jedoch nicht durch Dummheit, sondern mangels an Erfahrungen als Folge ihres Alters hervortut. Sie wird in das Haus von Carrizales eingesperrt und hinter zweiter Türen sowie einem Vorgarten verschlossen. Ihr Essen erhält sie durch eine Drehtür und ihre Maße für den Schneider werden lediglich geschätzt und nicht ausgemessen. Somit findet man die moralischen Modelle des 17. Jahrhunderts auch in Cervantes Novelle wieder vor. Leonora, in diesem Fall die Frau, fungiert als Ehefrau und lebt hinter verschlossenen Türen. Sie handelt im Sinne ihres Mannes und zeigt anfangs keine Absichten aus dem Haus zu entfliehen. Dieses Verhalten ist nicht nur der Zeit entsprechend, sondern gleichzeitig auf ihr Alter und die damit zusammenhängende Naivität zurückzuführen. Ihre Eltern sagen der Hochzeit trotz großem Altersunterschied zu, da der Einfluss des Geldes von Carrizales überwiegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema durch ein Zitat von Simone de Beauvoir und Erläuterung der Relevanz der Frauenrolle in der Literatur des 17. Jahrhunderts.
2. Gender Studies: Definition und theoretische Grundlagen der Gender Studies sowie deren Anwendung in der Literaturwissenschaft.
3. Das Geschlecht in der Literatur: Untersuchung, wie literarische Texte geschlechtsspezifische Aspekte behandeln und welche ideologiekritischen Fragen dabei eine Rolle spielen.
4. Das Bild der Frau: Darstellung der gesellschaftlichen und religiösen Stellung der Frau im 17. Jahrhundert, unterteilt in Rollenbilder und sittliche Realität.
5 Die Ehe: Analyse der Ehe als ökonomisches und gesellschaftliches Konstrukt am Beispiel von Carrizales und Leonora.
6. El celoso extremeño: Vorstellung der Novelle und des Autors Miguel de Cervantes sowie Einordnung in den historischen Kontext.
6.1 Die Frau bei Cervantes: Detaillierte Betrachtung der Leonora als junge, fremdbestimmte Figur innerhalb der patriarchalischen Struktur.
7. Loaysa: Einführung des Charakters Loaysa und Beschreibung seines Versuchs, in die abgeschirmte Welt des Hauses einzudringen.
7.1 Die Veränderung Leonoras und der Einfluss Loaysas: Analyse des Wendepunkts, an dem Leonora durch den Einfluss von Loaysa eine aktive Rolle einnimmt.
8. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung Leonoras und Bestätigung der einleitenden These über die soziale Konstruktion des Frau-Seins.
Schlüsselwörter
Gender Studies, Literatur, El celoso extremeño, Leonora, Cervantes, Frauenrolle, 17. Jahrhundert, Patriarchat, Ehe, Eifersucht, Transformation, Geschlechterkonstruktion, Loaysa, Identität, Sozialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Rolle und die psychologische Entwicklung der weiblichen Hauptfigur Leonora in Cervantes' Novelle „El celoso extremeño“ vor dem historischen Hintergrund des 17. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind Gender Studies, die gesellschaftliche Stellung der Frau im 17. Jahrhundert, die Bedeutung der Ehe als soziales Konstrukt sowie die literarische Darstellung von Weiblichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Leonora von einer passiven, durch elterliche und eheliche Vorgaben geprägten Figur zu einer Person wird, die eigene, selbstbestimmte Entscheidungen trifft.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Anwendung theoretischer Konzepte der Gender Studies, um die kulturelle Konstruktion von Geschlecht in der Novelle zu entschlüsseln.
Was ist der inhaltliche Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Gender-Begriffs, das zeitgenössische Bild der Frau, die Dynamik der Ehe sowie eine detaillierte Textanalyse der Novelle und des Einflusses der Figur Loaysa.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gender Studies, Transformation, Patriarchat, Cervantes, Geschlechterkonstruktion und Leonora charakterisieren.
Warum spielt die Figur Loaysa eine so entscheidende Rolle für Leonora?
Loaysa fungiert als externer Auslöser, der durch seinen Eindringversuch in die isolierte Welt der Leonora die bestehenden moralischen und gesellschaftlichen Strukturen aufbricht und so den Entwicklungsprozess Leonoras initiiert.
Was bedeutet die Schlussfolgerung bezüglich des Simone de Beauvoir Zitats?
Die Autorin bestätigt mit dem Zitat „Man ist nicht als Frau geboren, man wird es“, dass Leonoras Identitätswandel zeigt, wie stark gesellschaftliche Normen eine Frau formen, bis sie lernt, in eigenem Interesse zu handeln.
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- Anonym (Author), 2019, Die Rolle und Entwicklung der Frau in "El celoso extremeño" am Beispiel der Leonora, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/542222