Die Verschränkung von Film und Literatur in "Lucía y el sexo" soll hinsichtlich zweier literarischer Strömungen genauer untersucht werden, die besonders oft in einem Atemzug mit Medems Filmen genannt werden, deren Unterscheidung in vielen Schriften zu seinem Oeuvre meist jedoch nicht eindeutig ist oder gar nicht stattfindet. Es handelt sich um den Realismo Mágico und den Surrealismus, die beide als zentrale Tendenzen die spanischsprachige Literaturgeschichte geprägt haben.
"Lucía y el sexo" ist nicht nur deshalb von besonderem Interesse, da er sich explizit mit dem Thema der Schriftlichkeit beschäftigt, sondern auch, da er die Komplexität der vorangehenden Werke noch steigert und viele bisher verwendeten filmischen Motive in gewisser Weise in sich vereint.
Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, inwiefern Medems Werk Analogien zu diesen Strömungen aufweist und folglich festzustellen, ob es sich lediglich um Parallelen bzw. referentielle Bezüge handelt oder ob dabei eine Analogie besonders hervorsticht. Dazu sollen beide Begriffe erklärt, für den Rahmen dieser Arbeit eingegrenzt und voneinander unterschieden werden, um vor diesem Hintergrund am Beispiel von "Lucía y el sexo" literarische Referenzen bezüglich beider Gattungen aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Zielsetzung der Hausarbeit
2. Realismo Mágico
2.1 Begriffserklärung
2.2 Realismo Mágico in Lucía y el sexo
2.2.1 Narration
2.2.2 Mise-en-scène
2.2.3 Kamera und Montage
3. Surrealismus
3.1 Begriffserklärung
3.2 Surrealistische Bezüge im vorliegenden Film
3.2.1 Narration
3.2.2 Mise-en-scène
3.2.3 Kamera und Montage
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk des Regisseurs Julio Medem, insbesondere den Film "Lucía y el sexo", hinsichtlich seiner narrativen und formalen Analogien zu den literarischen Strömungen des Realismo Mágico und des Surrealismus. Dabei wird analysiert, inwieweit diese Einflüsse die Verschränkung von Realität und Fiktion sowie die zyklische Erzählstruktur des Films bestimmen.
- Analyse der Autoreferenzialität und Medienreflexivität im Werk von Julio Medem.
- Untersuchung der narrativen und formalen Gemeinsamkeiten mit dem Realismo Mágico.
- Erörterung surrealistischer Stilmittel und deren Bedeutung für die Traum- und Bewusstseinsebene.
- Vergleichende Analyse der Verschränkung von Filmrealität und literarischer Fiktion.
- Deutung der Rolle von Sexualität als zentrales Motiv und Antriebsfaktor der Handlung.
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Mise-en-scène
Der Mond als häufiges Symbol in der Mise-en-scène lässt sich nicht nur mit dem Realismo Mágico in Verbindung bringen, sondern könnte ebenfalls ein surrealistisches Merkmal sein. Im filmischen Kontext lässt es sich kaum vermeiden, bei der Aufnahme eines Mondes an die berühmte Szene aus Buñuels Un chien andalou (Luis Buñuel, FR 1929) zu denken, in der der Mond mit dem Auge der Frau assoziiert wird, welches schließlich von einer Rasierklinge durchtrennt wird. Dass vor dem Mond zunächst Wolkenfäden herziehen, die dann mit der Rasierklinge assoziiert werden und sich auch im vorliegenden Film oft ähnliche Wolkenfäden vor dem Mond bewegen, untermalt diese bildliche Parallele (vgl. TC 01:41:26). Auch Sandra Strigl erkennt hier eine Anspielung auf den surrealistischen Filmemacher durch die „vorherrschende Kreisform“ (Strigl 2007: 183) in beiden Werken.
Ein weiteres surrealistisch anmutendes Element ist die helle Farbigkeit, die insbesondere die Atmosphäre auf der Insel prägt und einen Großteil der Vorgänge in ein weißes Licht taucht, welches wie eine kontinuierliche Relativierung oder Negation der Realität wirkt und somit den Eindruck erweckt, das Geschehen fände ausschließlich in einer surrealen Welt statt, beispielsweise im Traum oder in der unterbewussten Gedankenwelt von Lorenzo oder auch Lucía.
Denkt man an die Bedeutung von Spiegeln in der Psychoanalyse – vor allem bei Lacan – lassen sich hier auch Argumente für die Verwendung dieser Symbolik in einem surrealistischen Kontext über Narzissmus und Selbsterkenntnis anführen (vgl. Strigl 2007: 136–138).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zielsetzung der Hausarbeit: Einführung in das Werk von Julio Medem und die zentrale Fragestellung bezüglich der Einflüsse von Realismo Mágico und Surrealismus.
2. Realismo Mágico: Theoretische Abgrenzung der Strömung und Analyse ihrer spezifischen narrativen und formalen Manifestationen in "Lucía y el sexo".
3. Surrealismus: Untersuchung der surrealistischen Wurzeln, Techniken wie psychischer Automatismus und deren Anwendung auf die Erzählweise und Bildgestaltung des Films.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Analogien, die aufzeigt, dass der Film moderne Strukturen beider Strömungen vereint, ohne sich einseitig festzulegen.
Schlüsselwörter
Julio Medem, Lucía y el sexo, Realismo Mágico, Surrealismus, Filmwissenschaft, Narratologie, Mise-en-scène, Autoreferenzialität, Traumsequenzen, zyklische Erzählung, Medienreflexivität, Symbolik, Psychoanalyse, Montage, Fiktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Spielfilm "Lucía y el sexo" von Julio Medem auf seine Verbindungen zu den literarischen und filmischen Traditionen des Realismo Mágico und des Surrealismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Verschränkung von Realität und Fiktion, die Rolle des Autors bzw. Schreibens, die Darstellung von Sexualität sowie die zyklische Zeitwahrnehmung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob Medems Werk lediglich referentielle Parallelen zu den genannten Strömungen aufweist oder ob sich grundlegende Analogien in der filmischen Struktur feststellen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse der Narration, der Mise-en-scène sowie der Kameraarbeit und Montage durchgeführt, ergänzt durch theoretische Literatur zu den literarischen Strömungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Realismo Mágico und des Surrealismus, jeweils unterteilt in Narration, Mise-en-scène und Kamera/Montage.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Autoreferenzialität, zyklische Temporalität, Mise en abyme, psychischer Automatismus und die Verknüpfung von Traumbildern mit der filmischen Realität.
Welche Rolle spielt die Insel im Film?
Die Insel fungiert als magischer Ort, der sich dem gewöhnlichen Raum entzieht, eine zyklische Dynamik besitzt und einen Rückzugsort für die Figuren darstellt.
Wie beeinflusst die Figur des Lorenzo das Verständnis des Films?
Lorenzo fungiert als Schöpfer von Fiktion; seine Rolle als Drehbuchautor verwischt die Grenzen zwischen seiner tatsächlichen Lebensrealität und den von ihm geschriebenen Erzählungen.
Was bedeutet das Symbol der "Löcher" im Film?
Die Löcher dienen als zyklische Elemente, die es den Charakteren ermöglichen, ihre Geschichte zu verändern, stehen aber auch für die Gefahr des Verlusts im eigenen Unterbewussten.
- Arbeit zitieren
- Janina Isabel Weida (Autor:in), 2016, Literarische Bezüge in "Lucía y el sexo". Realismo mágico und Surrealismus in Julio Medems Werk, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/541855