Welche Chancen und Grenzen haben die betroffenen Schülerinnen und Schüler ihrer persönlichen Ansicht nach? Wie kommen sie mit ihrer Mehrsprachigkeit in der Schule zurecht und in welchen alltäglichen Lebenssituationen kommt es zu den verschiedenen Sprachgebräuchen?
Die Mehrsprachigkeit ist in Deutschland weit verbreitet. In den deutschen Großstädten wie Hamburg und Essen sind bis zu 1/3 der Grundschüler mehrsprachig. Die meisten dieser Kinder wachsen lebensweltlich zweisprachig auf. Das heißt, dass bei ihnen zu Hause in der Familie eine andere Sprache gesprochen wird als in der Gesellschaft. Die Mehrsprachigkeit assoziieren viele Menschen mit einer besonderen Kompetenz. Doch einige sind hingegen der Ansicht, dass mehrsprachige Kinder oftmals Defizite in der deutschen Sprache haben und integriert werden müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufbau der Arbeit
3. Die Sprachentwicklung
4. Der Spracherwerb
5. Auswirkungen der Mehrsprachigkeit
5.1 Auswirkungen der Mehrsprachigkeit auf die kognitiven Fähigkeiten
5.2 Auswirkungen der Mehrsprachigkeit auf die sprachlichen Fähigkeiten
5.3 Auswirkungen der Mehrsprachigkeit in der Schule
5.3.1 Der interkulturelle Unterricht
6. Besondere Sprachmerkmale bei Mehrsprachigen
6.1 Interfernzen
6.2 Code-switching
6.3 Code-mixing
7. Praxisteil – Die Befragung
7.1. Die Antworten der Schülerinnen und Schüler
7.2 Die Auswertung der Befragung
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Chancen und Grenzen des Sprachgebrauchs bei Mehrsprachigkeit, insbesondere im Hinblick auf die subjektive Wahrnehmung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie mehrsprachige Schüler ihre Sprachkompetenzen im Alltag und in der Schule erleben und welche Rolle Sprachmischungen in ihrer Kommunikation einnehmen.
- Sprachentwicklung und Spracherwerbsverläufe bei Kindern
- Kognitive und sprachliche Auswirkungen von Mehrsprachigkeit
- Interkultureller Unterricht als pädagogische Ressource
- Phänomene des Sprachkontakts: Interferenzen, Code-Switching und Code-Mixing
- Empirische Untersuchung der subjektiven Wahrnehmung bei Jugendlichen
Auszug aus dem Buch
6. Besondere Sprachmerkmale bei Mehrsprachigen
Mehrsprachige Individuen besitzen in ihrer Sprache oftmals charakteristische Besonderheiten. Im Folgenden werden nun die Interferenzen, das Code-mixing und das Code-switching vorgestellt.
6.1 Interfernzen
Ein Phänomen sind die sogenannten Interferenzen. Dabei überträgt das Kind die Strukturmerkmale einer Sprache auf die andere Sprache (vgl. Zellerhof 2010, S.39). Stattfinden kann dies auf allen sprachlichen Ebenen. Somit kann es zu grammatikalischen, lexikalischen und lautlichen Fehlern kommen (vgl. Keim 2013, S.19). Es besteht die Meinung, dass hierbei das stärkere Sprachsystem das schwächere beeinflusst. Dies kann zu einigen Fehlern im Sprachgebrauch führen. Zu den lautlichen Interferenzen gehören der Sprachrhythmus, die Phonologie und die Intonation. Wenn eine zweisprachige Person in einer Sprache einen Akzent hat, dann ist dies dadurch bedingt, dass ein Phonem aus dem Lautinventar der schwachen Sprache mit einem Phonem aus dem Lautinventar der stärkeren Sprache identifiziert wird. Triarchi-Hermann (2006): „Dieses Phonem unterwirft sich bei der Reproduktion den phonetischen Regeln der Erstsprache.“ Lexikalische Interferenzen kommen häufig zustande, wenn es semantische Ähnlichkeiten zwischen den Wörtern gibt. Durch grammatikalische Interferenzen werden nicht sehr schwierige Strukturen der ersten Sprache oder der starken Sprache auf die zweite Sprache transportiert. Dadurch kann es unter anderem zu falschen Artikeln, Präpositionen, Adverbien und Adjektiven kommen (vgl. Triarchi-Hermann 2006, S.38). Da die Interferenzen durch die Sprachentwicklung bedingt sind, vergehen sie größtenteils mit der Zeit (vgl. Triarchi-Hermann 2006, S.35).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Verbreitung von Mehrsprachigkeit an deutschen Schulen ein und formuliert die zentrale Fragestellung zur subjektiven Wahrnehmung der Schüler.
2. Aufbau der Arbeit: Es wird ein Überblick über den methodischen Aufbau der Hausarbeit gegeben, der von theoretischen Grundlagen bis hin zur empirischen Befragung reicht.
3. Die Sprachentwicklung: Dieses Kapitel erläutert die physiologischen und kognitiven Voraussetzungen der kindlichen Sprachentwicklung ab der Fötalphase bis zum Kleinkindalter.
4. Der Spracherwerb: Hier werden die verschiedenen Erwerbsverläufe, wie simultaner und sukzessiver Zweitspracherwerb, theoretisch differenziert.
5. Auswirkungen der Mehrsprachigkeit: Dieses Kapitel analysiert die kognitiven und sprachlichen Potenziale sowie die Herausforderungen von Mehrsprachigkeit im schulischen Kontext.
5.1 Auswirkungen der Mehrsprachigkeit auf die kognitiven Fähigkeiten: Es wird dargestellt, wie die Aktivierung multipler Sprachsysteme das sogenannte executive control system trainiert und zu kognitiven Vorteilen führt.
5.2 Auswirkungen der Mehrsprachigkeit auf die sprachlichen Fähigkeiten: Das Kapitel behandelt die sprachliche Flexibilität, aber auch Risiken wie den Semilingualismus bei mangelnder Förderung.
5.3 Auswirkungen der Mehrsprachigkeit in der Schule: Es wird die bildungspolitische Problematik der Benachteiligung von Migrantenkindern trotz der inhärenten Vorteile von Mehrsprachigkeit erörtert.
5.3.1 Der interkulturelle Unterricht: Hier wird der Ansatz vorgestellt, die Vielfalt der Sprachen als Ressource und Chance für ein wertschätzendes, mehrperspektivisches Lernen zu begreifen.
6. Besondere Sprachmerkmale bei Mehrsprachigen: Dieses Kapitel definiert und erklärt die sprachlichen Kontaktphänomene, die im Rahmen der Hausarbeit als Schwerpunkte fungieren.
6.1 Interfernzen: Es wird analysiert, wie Strukturmerkmale einer Sprache auf eine andere übertragen werden, was häufig als vorübergehendes Entwicklungsphänomen auftritt.
6.2 Code-switching: Dieser Abschnitt beschreibt den bewussten oder unbewussten Wechsel zwischen Sprachen im Redefluss als kommunikative Strategie.
6.3 Code-mixing: Hier wird der punktuelle Einbau einzelner Wörter einer anderen Sprache in den Satzbau thematisiert.
7. Praxisteil – Die Befragung: Dieses Kapitel stellt die Methodik und Zielsetzung der mündlichen Befragung von vier Schülern zur subjektiven Einschätzung ihrer Mehrsprachigkeit dar.
7.1. Die Antworten der Schülerinnen und Schüler: Die Aussagen der Probanden werden hier ungefiltert wiedergegeben, um ihre persönlichen Sichtweisen und Erfahrungen abzubilden.
7.2 Die Auswertung der Befragung: Abschließend werden die Schülerantworten theoretisch eingeordnet und mit den zuvor beschriebenen Phänomenen wie der "relief strategy" in Bezug gesetzt.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Diskrepanz zwischen den wissenschaftlich belegten Vorteilen der Mehrsprachigkeit und der oft negativen subjektiven Wahrnehmung der betroffenen Jugendlichen zusammen.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Spracherwerb, Erstsprache, Zweitsprache, kognitive Fähigkeiten, Schule, Interkulturalität, Interferenzen, Code-Switching, Code-Mixing, Sprachförderung, Migrationshintergrund, Identität, subjektive Wahrnehmung, Sprachgebrauch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Chancen und Herausforderungen, die mit Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem einhergehen, und beleuchtet dabei sowohl theoretische Aspekte als auch die subjektiven Erfahrungen von Schülern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Sprachentwicklung, die kognitiven und sprachlichen Auswirkungen von Zweisprachigkeit, schulische Förderansätze sowie spezifische Sprachkontaktphänomene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den wissenschaftlich belegten kognitiven Vorteilen von Mehrsprachigkeit und der oft defizitorientierten Eigenwahrnehmung der befragten Jugendlichen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Neben einer fundierten Theoriearbeit basierend auf Fachliteratur führt die Autorin eine qualitative Befragung von vier Schülern der Realschule durch, um deren persönliche Perspektive abzubilden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Sprachentwicklung und Mehrsprachigkeit, eine Analyse der schulischen Situation sowie eine detaillierte Betrachtung von Interferenzen, Code-Switching und Code-Mixing.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem Kernbegriff Mehrsprachigkeit prägen Begriffe wie Code-Switching, interkultureller Unterricht, Sprachförderung und die subjektive Identitätsentwicklung der Schüler das Profil der Arbeit.
Wie bewerten die befragten Schüler ihre eigene Mehrsprachigkeit?
Interessanterweise nehmen die befragten Jugendlichen ihre Mehrsprachigkeit im schulischen Kontext oft nicht als Vorteil wahr, sondern verbinden sie teilweise mit schlechteren Leistungen oder einer niedrigen sozialen Wertschätzung ihrer Herkunftssprachen.
Welchen Stellenwert nimmt der interkulturelle Unterricht ein?
Die Arbeit plädiert dafür, Mehrsprachigkeit als Ressource zu begreifen und diese durch interkulturelle Unterrichtsansätze aktiv in den Lehrprozess zu integrieren, anstatt sie als Problemfall zu betrachten.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Mehrsprachigkeit in der Schule. Chancen und Grenzen des mehrsprachigen Sprachgebrauchs, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/541510