Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten des erziehenden Sportunterrichts. Zunächst wird der Begriff "Erziehung" definiert und die Herkunft des Konzepts des erziehenden Unterrichts geklärt. Weiter wird auf den Doppelauftrag des schulischen Sportunterrichts, sowie pädagogische Perspektiven und Methoden eingegangen. Abschließend werden Argumente für das Konzept angeführt, eine Kritik formuliert und Grenzen gezogen.
Der Begriff der Erziehung ist durch verschiedene Merkmale gekennzeichnet, die alle ein intendiertes Ziel verfolgen: Den zu Erziehenden zu einer emanzipierten, selbstständig denkenden und handelnden Person zu erziehen. Der Prozess der Erziehung ist stets zielorientiert und gilt als soziales Handeln, in dem der Erzieher und der zu Erziehende aufeinander reagieren und sich gegenseitig beeinflussen.
Mit seinem zielgerichteten Handeln wirkt der Erzieher bewusst auf das Verhalten des zu Erziehenden ein und hat damit die Intention, sein Verhalten langfristig zu beeinflussen. Dabei werden soziale Lernprozesse herbeigeführt, die das Verhalten des Zöglings dauerhaft verändern sollen.
Inwiefern das Verhalten geprägt wird, ist von der Wertvorstellung und Erziehungszielen des Erziehers abhängig. Je nachdem, um welche Zielsetzung es dem Erzieher in seinem Handeln geht, werden automatisch gewisse Werte und Erwartungen an die Umwelt vermittelt. Dementsprechend wird Erziehung auch als Sozialisations- und Enkulturationshilfe gesehen. Während des gesamten Prozesses stehen Erzieher und zu Erziehender in einer persönlichen und zwischenmenschlichen Beziehung zueinander.
Inhaltsverzeichnis
1 Begriffsbestimmung „Erziehung“
2 Erziehender Unterricht (Herkunft des Konzepts)
3 Erziehender Sportunterricht
3.1 Doppelauftrag des schulischen Sportunterrichts
3.2 Merkmale/Prinzipien erziehenden Sportunterrichts
3.3 Pädagogische Perspektiven
3.4 Methoden, mehrperspektivischen Sportunterricht durchzuführen
4 Argumente für das Konzept
5 Grenzen/Kritik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Konzept des „erziehenden Sportunterrichts“ auseinander, um dessen theoretische Grundlagen, methodische Umsetzungsmöglichkeiten sowie die damit verbundenen Potenziale und Herausforderungen im schulischen Alltag zu analysieren. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich dabei mit der Frage, wie durch eine gezielte pädagogische Gestaltung des Sportunterrichts nicht nur motorische Kompetenzen gefördert, sondern auch eine ganzheitliche Erziehung der Schüler im Sinne einer emanzipierten Persönlichkeitsentwicklung gelingen kann.
- Grundlagen und Begriffsbestimmung von Erziehung
- Historische Herkunft und Weiterentwicklung des Konzepts
- Struktur des Doppelauftrags des Sportunterrichts
- Didaktische Prinzipien wie Mehrperspektivität und Reflexion
- Pädagogische Perspektiven und deren methodische Umsetzung
- Kritische Reflexion der zeitlichen und strukturellen Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
3.4 Methoden, mehrperspektivischen Sportunterricht durchzuführen
Die unterrichtspraktische Realisierung erfolgt nach dem Prinzip des mehrperspektivischem Vermittlungsansatzes. Der Sport in der Schule soll nämlich unter verschiedenen Perspektiven betrachtet und ausgeübt werden. Hierfür gibt es drei grundlegende didaktische Dimensionen. Diese dienen zur methodischen Durchführung des mehrperspektivischen Sportunterrichtes und lauten: Akzentuieren, Kontrastieren und Integrieren (Balz & Neumann, 2001). Akzentuieren bedeutet, dass die Aufmerksamkeit auf eine pädagogische Perspektive gelenkt wird. Mit Kontrastieren ist gemeint, dass eine Bewegungsform unter unterschiedlichen Bedeutungen erfahren wird, wobei der Kontrast betont wird. Als Beispiel kann man den Langlauf anführen. Einmal laufen die Schüler unter der pädagogischen Perspektive der Leistung und einmal unter der pädagogischen Perspektive der Gesundheit. Die Schüler erfahren somit die Sportart unter verschiedenen pädagogischen Perspektiven. Integrieren bedeutet das gleichzeitige Erleben von mindestens zwei pädagogischen Perspektiven.
Es wird eine Potentialausschöpfung des erziehenden Sportunterrichts erzielt, wenn die Schüler in der Lage sind, über einen längeren Zeitraum immer wieder und ganz gezielt mit der ganzen Brandbreite der pädagogischen Perspektiven des Sports in der Schule konfrontiert und diese ihnen bewusst gemacht werden (Bauer, 2005).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Begriffsbestimmung „Erziehung“: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Erziehung als zielorientiertes soziales Handeln und unterscheidet dabei zwischen funktionalen und intentionalen Einflüssen auf den Zögling.
2 Erziehender Unterricht (Herkunft des Konzepts): Hier werden die historischen Ursprünge des erziehenden Unterrichts bei J. F. Herbart beleuchtet sowie die Weiterentwicklung hin zu einem offeneren, schülerzentrierten Konzept durch Autoren wie Ramseger, Balz und Neumann.
3 Erziehender Sportunterricht: Dieses Kapitel führt das Konzept in den Kontext des Sportunterrichts ein und thematisiert den Wandel von der bloßen „Erziehung zum Sport“ hin zur „Erziehung durch Sport“.
3.1 Doppelauftrag des schulischen Sportunterrichts: Das Kapitel erläutert die Synthese aus der Vermittlung sportlicher Kompetenzen und der pädagogischen Persönlichkeitsbildung als ganzheitliche Aufgabe des Fachs.
3.2 Merkmale/Prinzipien erziehenden Sportunterrichts: Es werden zentrale Prinzipien wie Mehrperspektivität, Erfahrungsorientierung, Reflexion und Wertorientierung vorgestellt, die das Handeln im Unterricht leiten sollen.
3.3 Pädagogische Perspektiven: Basierend auf Lehrplankonzeptionen werden sechs konkrete Perspektiven aufgeführt, die der Lehrkraft als Handlungsrahmen zur Gestaltung des Sportunterrichts dienen.
3.4 Methoden, mehrperspektivischen Sportunterricht durchzuführen: Die drei didaktischen Dimensionen Akzentuieren, Kontrastieren und Integrieren werden als methodisches Werkzeug zur Umsetzung des Mehrperspektivitätsansatzes erläutert.
4 Argumente für das Konzept: Das Kapitel begründet die Notwendigkeit des erziehenden Sportunterrichts mit dessen Beitrag zur Gesundheitsförderung, Persönlichkeitsbildung und sozialen Interaktionsfähigkeit der Schüler.
5 Grenzen/Kritik: Kritisch beleuchtet werden die zeitlichen Restriktionen des Schulalltags und die Herausforderung, komplexe Erziehungsziele innerhalb knapper Zeitfenster qualitativ hochwertig zu verfolgen.
Schlüsselwörter
Erziehender Sportunterricht, Doppelauftrag, Sportdidaktik, Mehrperspektivität, Persönlichkeitsentwicklung, Erfahrungsorientierung, Gesundheitsförderung, Reflexion, Wertorientierung, Pädagogische Perspektiven, Unterrichtsmethodik, Schulsport, Handlungsorientierung, Sozialisation, Enkulturation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das fachdidaktische Konzept des erziehenden Sportunterrichts und untersucht, wie Sportlehrkräfte durch gezielte methodische Ansätze über die reine Vermittlung motorischer Fähigkeiten hinaus zur Persönlichkeitsbildung ihrer Schüler beitragen können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Feldern zählen die theoretische Herleitung des Begriffs „Erziehung“, die Konkretisierung des schulischen Doppelauftrags sowie die praktischen Methoden zur Umsetzung von Mehrperspektivität und Wertorientierung im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Konzept des erziehenden Sportunterrichts zu durchdringen, dessen pädagogische Notwendigkeit zu begründen und gleichzeitig die realen Grenzen in der schulischen Umsetzung kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der zentrale sportdidaktische Ansätze und Konzepte führender Pädagogen wie Kurz, Neumann, Balz und Beckers zusammengeführt und theoretisch reflektiert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Konzepts, die Definition von Prinzipien und pädagogischen Perspektiven sowie die methodische Darstellung, wie verschiedene Perspektiven im Unterricht akzentuiert und integriert werden können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie „Erziehender Sportunterricht“, „Doppelauftrag“, „Mehrperspektivität“, „Persönlichkeitsentwicklung“ und „Gesundheitsförderung“ geprägt.
Inwiefern beeinflusst der „Doppelauftrag“ die Sportstunde?
Der Doppelauftrag zwingt Lehrkräfte dazu, Sportunterricht als ganzheitliche Einheit zu denken: Einerseits sollen Wissen und motorische Fertigkeiten vermittelt werden, andererseits müssen gezielt soziale Werte und Reflexionskompetenzen gefördert werden.
Warum wird die „Öffnung des Unterrichts“ als wichtig erachtet?
Die Öffnung des Unterrichts ermöglicht es den Schülern, durch Selbst- und Mitbestimmung aktiv am Lernprozess teilzunehmen, was ihre Selbstständigkeit fördert und den Transfer des Gelernten in den außerschulischen Lebensalltag erleichtert.
Welches Problem besteht bei der Umsetzung des Konzepts?
Ein Hauptproblem ist der enge Zeitrahmen im Schulalltag; die umfangreichen und langfristigen Erziehungsziele des Konzepts geraten häufig in Konflikt mit den vorgegebenen, eng getakteten Stundenplänen und kurzfristigen Leistungsanforderungen.
- Arbeit zitieren
- Dennis Nüsse (Autor:in), 2019, Aspekte und Argumente für den erziehenden Sportunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/539879