Wie wurden die Häretiker von der Kirche zur Zeit des Römischen Reiches im 1.-4. Jahrhundert betrachtet? Eine Analyse des Streits von Alexander von Alexandrien und Arius. Zudem wird eine chronologische Zusammenfassung der Ereignisse rund um das Konzil von Nizäa vorgenommen und der Werdegang des Arianismus durch die Augen der Kirche beleuchtet.
In der Zeit um 300 n. Chr. kamen in der Kirche verschiedene Auffassungen der Lehre zum Vorschein. Dadurch entstanden Streitigkeiten und Konflikte zwischen Priestern und Bischöfen sowie weiteren Figuren in der Kirche. Das wohl prominenteste Beispiel zu dieser Zeit, war der Streit zwischen den Anhängern der Dreieinigkeitslehre und deren Gegnern, die der Meinung waren, dass die Trinität im Gegensatz zum Monotheismus steht. An der Spitze der Häretiker mit dieser Auffassung stand Arius der diese Auffassung vertrat. So wurde er und sein Gefolge und die Gegner der Dreieinigkeit Arianer genannt. Der lauteste Gegner der Arianer war Alexander von Alexandrien, der Bischof der Stadt Alexandrien und frommer Christ, der die Dreieinigkeit als vollkommene Wahrheit betrachtete.
Diese Arbeit wird sich mit dem Streit zwischen Alexander und Arius befassen. Anhand des Briefes, den Alexander von Alexandrien an Alexander von Konstantinopel schrieb und zwei weiteren Berichten, werde ich die geschichtlichen Ereignisse um den Streit grob skizzieren. Ich werde ausschließlich die Sicht der Gegner der Arianer beleuchten und nicht die Sicht der Arianer selbst. Hierbei wird Alexander von Alexandrien im Fokus stehen, jedoch werden auch zum Teil die Schriften von Athanasius beleuchtet. Ebenfalls werde ich die Auffassung von Alexander von Konstantinopel, die bei dem Tod des Arius eine Rolle spielt, erörtern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Streit zwischen Alexander von Konstantinopel und Arius
2.1 Beschreibung des Arianismus
2.2 Die Position von Alexander von Alexandrien
2.3 Bewandtnis des Briefes
2.4 Die Auseinandersetzung mit der Lehre des Arianismus
3. Chronologische Abfolge der Ereignisse
3.1 Absetzung des Arius durch Alexander Erzbischof von Alexandrien
3.2 Das Konzil von Nizäa
3.3 Der Tod des Arius
4. Beantwortung der Leitfrage
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Einstellung der Kirche gegenüber Häretikern im frühen 4. Jahrhundert, wobei der Fokus insbesondere auf dem Konflikt zwischen Alexander von Alexandrien und Arius liegt. Anhand ausgewählter zeitgenössischer Korrespondenzen und Berichte wird untersucht, wie die kirchliche Führung auf die Lehren des Arianismus reagierte und welche Rolle diese Ablehnung in der kirchengeschichtlichen Entwicklung spielte.
- Historische Einordnung des Arianismus
- Die kirchenpolitische Rolle des Briefwechsels von Alexander von Alexandrien
- Der Verlauf und die Auswirkungen des Konzils von Nizäa
- Die Rolle von Glaubensbekenntnissen in der innerkirchlichen Auseinandersetzung
- Die kritische Reflexion des Umgangs mit abweichenden theologischen Meinungen
Auszug aus dem Buch
2.4 Die Auseinandersetzung mit der Lehre des Arianismus
Nun stellt sich die Frage, warum Alexander, die Auffassung der Arianer grundsätzlich ablehnt. Zum einen gab er Beispiele, warum diese gefährlich wären und das sie in seinen Augen heuchlerische und listige Methoden benutzen um ihre Ansicht zu verbreiten und das Christentum zu diffamieren. Jedoch zum anderen geht er im Hauptteil des Briefes konkreter darauf ein, warum er auch die Ansichten der Arianer (dem Wiederspruch der Dreieinigkeit und dem Monotheismus) vehement ablehnt.
Er beginnt damit die Hauptargumente des Arianismus zu wiederlegen. Zuerst verweist er auf Johannes der schrieb: „Der eingeborne Sohn, der im Schoße des Vaters ist7.“16. Alexander interpretiert den Satz somit, dass Johannes zeigen wollte, dass Sohn und Vater nicht zu trennen sind.
Weiterhin geht er darauf ein, dass eine Wahrheit die in der Heiligen Schrift geschrieben ist durch Menschen nicht wiederlegt oder begründet werden soll. Hier zitiert er: „Was zu schwierig für dich ist, das untersuche nicht, und was dir zu hoch ist, das erforsche nicht9.“17 und untermauert diese Aussage damit. Desweitern untermauert Alexander dieses Grundprinzip durch ein Gespräch welches Gott mit Abraham führte. Darin ging es darum, dass Abraham Gott fragte: „Den [S. 12] Sand des Meeres und die Tropfen des Regens, spricht der Herr, wer wird sie zählen12?”18. Gott gab Abraham zu verstehen, dass dieses Unterfangen unmöglich sei und aus diesem Grund gar nicht versucht werden sollte. Aus diesem Gespräch leitet Alexander von Alexandrien ab, dass die Ergründung wie der Sohn geschaffen wurde unmöglich sei und deswegen gar nicht erst versucht werden sollte, sondern die heiligen Texte der Bibel ohne zu hinterfragen angenommen werden müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die kirchengeschichtliche Ausgangslage um 300 n. Chr. ein und definiert die methodische Herangehensweise an den Streit zwischen Alexander von Alexandrien und Arius.
2. Der Streit zwischen Alexander von Konstantinopel und Arius: Dieses Kapitel analysiert die inhaltlichen Differenzen, die Positionierung Alexanders und die strategische Bedeutung der überlieferten Korrespondenz.
3. Chronologische Abfolge der Ereignisse: Hier werden die Eskalation des Konflikts, die Absetzung des Arius, das Konzil von Nizäa sowie der umstrittene Tod des Arius chronologisch dokumentiert.
4. Beantwortung der Leitfrage: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse und zieht ein Fazit über die negative Haltung der Kirche gegenüber abweichenden theologischen Auffassungen.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Erkenntnisse zusammen, bewertet die Einseitigkeit der verwendeten Quellen und hinterfragt kritisch den Umgang der Kirche mit Dissens.
Schlüsselwörter
Arianismus, Dreieinigkeit, Trinität, Alexander von Alexandrien, Arius, Konzil von Nizäa, Häresie, Kirchengeschichte, Konstantin I., Athanasius, Glaubensbekenntnis, Theologie, Christentum, Dogmen, Exkommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den theologischen und kirchenpolitischen Streit zwischen dem Bischof Alexander von Alexandrien und dem Priester Arius im frühen 4. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung um die Trinitätslehre, die Rolle der kirchlichen Autorität gegenüber Häretikern und der Einfluss kaiserlicher Entscheidungen auf kirchliche Dogmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Einstellung der Kirche gegenüber abweichenden religiösen Lehren auf Basis zeitgenössischer Dokumente zu analysieren und deren Legitimation kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische Analyse, die sich primär auf Briefe Alexanders von Alexandrien sowie Aufzeichnungen des Athanasius stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Beschreibung des Arianismus, die Analyse der persönlichen und konspirativen Motive der Akteure sowie die chronologische Darstellung der Verbannung und des Konzils von Nizäa.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Arianismus, Trinität, Häresie, Konzilsgeschichte und kircheninterne Machtstrukturen.
Wie bewertet die Autorin oder der Autor die Quellenlage?
Es wird explizit darauf hingewiesen, dass die Quellen einseitig sind, da sie fast ausschließlich von Gegnern des Arianismus stammen, was eine objektive Berichterstattung erschwert.
Welche Bedeutung hatte der Tod des Arius für die damalige Kirche?
Für die Gegner des Arianismus wurde der plötzliche Tod des Arius als göttliches Urteil gegen seine Lehre und als Bestätigung der Rechtgläubigkeit gewertet.
Warum war das Konzil von Nizäa für den Konflikt so entscheidend?
Das Konzil sollte den Streit auf kaiserliche Initiative hin schlichten und durch die Definition eines offiziellen Glaubensbekenntnisses die Einheit der Kirche unter der Trinitätslehre erzwingen.
Wie lautet die abschließende Einschätzung zum Umgang mit Häresie?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die totale Ablehnung alternativer Auslegungen durch die Kirche damals zwar herrschend war, eine kritische Hinterfragung jedoch – besonders aus heutiger Sicht – als legitim und bereichernd betrachtet werden könnte.
- Quote paper
- Tim Blawat (Author), 2020, Die Einstellung der Kirche gegenüber Häretikern. Eine Analyse anhand des Streits des Arius und Alexander von Alexandrien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/539318