Die Trockenräume der Erde nehmen insgesamt eine Fläche von 48 Mio. km² ein. Dies entspricht ungefähr 36 % der Festlandsregionen. Charakteristisch für diese Gebiete sind eine Verdunstung, die höher ist als die jährliche Niederschlagsmenge. Folglich können je nach Temperatur und Windverhältnissen Gebiete mit unterschiedlichen Niederschlagsmengen arid sein. Diese Gebiete der Erde sind einer akuten Gefährdung durch den Desertifikationsprozess ausgesetzt. Insgesamt sind weltweit Gebiete mit über 3,6 Mrd. ha Fläche, das entspricht ungefähr der Fläche Nord- und Südamerikas zusammen, in 110 Staaten mit einer Gesamtbevölkerung von ca. 1 Mrd. Menschen von Trockenheit und Desertifikation bedroht (DICHORÈ, 2002, 20).
Dabei gehen jährlich um die 6 Mio. ha Land unwiederbringlich verloren. Weitere 21 Mio. ha werden in solch einem Maße degradiert, dass eine landwirtschaftliche Nutzung unwirtschaftlich geworden ist. Insgesamt gehen pro Jahr ca. 24 Mrd. t Oberboden (entspricht in etwa der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche der USA) irreversibel verloren. Die dadurch entstehenden jährlichen Einkommensverluste werden auf ca. 42. Mrd. US-$. Da Desertifikation durch menschliche Aktivitäten bzw. durch menschliche Passivität hervorgerufen worden ist, sollte durch ein verändertes Verhalten auch ein Aufhalten oder zumindest eine Verlangsamung der Desertifikationsprozesse möglich sein (UNEP 1987, 1).
Diese Arbeit beginnt mit der geographischen Verbreitung der Trockenräume auf der Erde. Dabei werden auch die Zusammenhänge zwischen der Verbreitung der Trockenräume mit unterschiedlichen Klimaten herausgestellt. Danach folgt eine Erörterung der Ursachen von Desertifikation. Am Ende werden Gegenmaßnahmen vorgestellt, die der (Fortschreitung der) Desertifikation entgegenwirken sollen. Als Schlussfazit wir die Arbeit mit einem Ausblick in die Zukunft beendet. Ziel der Arbeit ist es, einen allgemeinen, einführenden Überblick über die Probleme und Ursachen der Desertifikation zu geben und die Einflüsse des Klimas darzulegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zum Begriff der Desertifikation
1.2 Definitionen
1.3 Entwicklung und Stand der Forschung
2 Degradation – Desertifikation
3 Die geographische Verbreitung der Trockenräume der Erde
4 Der geomorphologische Formenschatz der Trockenräume der Erde
5 Klimatische Bedingungen
5.1 Geomorphologie und Klimagenese
5.2 Die Bedeutung der Niederschläge
5.3 Der Strahlungshaushalt
5.4 Auswirkungen globaler Klimaschwankungen
6 Ursachen der Desertifikation
6.1 Klimatische Ursachen
6.2 Anthropogen bedingte Ursachen
6.2.1 Überweidung
6.2.2 Überanbau
6.2.3 Entwaldung
6.2.4 Versalzung
7 Stufen der Desertifikation
8 Indikatoren der Desertifikation
8.1 Pedologische Indikatoren
8.2 Vegetationsindikatoren
8.3 Hydrologische Indikatoren
8.4 Morphodynamische Indikatoren
8.4.1 Dünenbildung
8.4.2 Fluviale Aktivität
9 Gegenmaßnahmen/Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit liefert einen einführenden Überblick über die Ursachen und Probleme der Desertifikation sowie die komplexen Einflüsse des Klimas auf diesen Prozess. Ziel ist es, ein Verständnis für die Degradation von Trockengebieten zu schaffen und die Rolle menschlicher Aktivitäten im Vergleich zu natürlichen Klimaschwankungen zu beleuchten.
- Geographische Verbreitung und klimatische Grundlagen von Trockenräumen
- Differenzierung zwischen Degradation und Desertifikation
- Analyse der anthropogenen und klimatischen Ursachen der Wüstenbildung
- Untersuchung von Indikatoren zur Bestimmung des Desertifikationsgrades
- Diskussion von Gegenmaßnahmen und Rehabilitierungsansätzen
Auszug aus dem Buch
1.1 ZUM BEGRIFF DER DESERTIFIKATION
Das Wort Desertifikation wurde erstmals von AUBREVILLE (1949) in seiner Veröffentlichung „Climats, forêts et désertification de l’Afrique tropicale“ benutzt. Die Aufmerksamkeit der United Nations gilt seit 1952, mit der Gründung des UNESCO Arid Zone Programme, den Trockengebieten der Erde (THOMAS & MIDDLETON 1994, 2).
Seit dem Jahre 1977 spricht man in Zusammenhang mit der “lokalen oder regionalen Ausweitung von Wüstenflächen“ (MENSCHING 1990, 7) nicht mehr von Verwüstung: Auf der Weltwüstenkonferenz (UNCOD, United Nations Conference on Desertification) in Nairobi wurde der Begriff Desertifikation offiziell eingeführt. Er setzt sich zusammen aus den Worten „desert“ (Wüste) und „ficare“ (lat. für „machen“). Aufgrund der Erkenntnis, dass der Mensch mit seinen falschen Bodenbewirtschaftungsweisen verantwortlich für die Ausbreitung von Wüsten ist, wurde damals auch die Grundlage für viele Ressourcenschutzprojekte geschaffen (DICHORÈ 2002, 21; THOMAS & MIDDLETON 1994, 2). Obwohl der Begriff Desertifikation in seiner heutigen Verwendung die Kenntnis über einen erheblichen Anteil menschlicher Schädigungen am Ökosystem beinhaltet, bleibt „der Ursachenkomplex Klima/Mensch [..] in seiner Interaktion“ vielfach unklar (BRUNK 2000, 9).
Mittlerweile wird Desertifikation als eines der größten Umweltprobleme der letzten drei Jahrzehnte angesehen und spielt auch eine große politische Rolle. Außerdem ist Desertifikation ein häufiges und beliebtes Thema in der Welt der (akademischen) Forschung geworden (THOMAS & MIDDLETON 1994, 3).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der Desertifikation, die weltweite Bedrohung von Trockenräumen und die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit.
2 Degradation – Desertifikation: Abgrenzung der Begriffe und Erläuterung der Rolle anthropogener Eingriffe in arid-semiaride Ökosysteme.
3 Die geographische Verbreitung der Trockenräume der Erde: Darstellung der weltweiten Zonen von Trockengebieten und deren Klassifikation.
4 Der geomorphologische Formenschatz der Trockenräume der Erde: Erörterung der klimatischen und morphologischen Entwicklung der Reliefs in ariden Zonen.
5 Klimatische Bedingungen: Analyse der Rolle von Niederschlägen, Strahlungshaushalt und globalen Klimaschwankungen auf die Desertifikationsprozesse.
6 Ursachen der Desertifikation: Untersuchung der klimatischen Einflüsse sowie der anthropogenen Faktoren wie Überweidung, Überanbau, Entwaldung und Versalzung.
7 Stufen der Desertifikation: Differenzierung verschiedener Schweregrade der Wüstenbildung nach DREGNE.
8 Indikatoren der Desertifikation: Aufschlüsselung pedologischer, vegetationskundlicher, hydrologischer und morphodynamischer Anzeichen für den Desertifikationsprozess.
9 Gegenmaßnahmen/Fazit: Zusammenstellung von Strategien zur Bekämpfung der Desertifikation und Ausblick auf notwendige Monitoring-Systeme.
Schlüsselwörter
Desertifikation, Landdegradation, Trockenräume, Aridität, Klimaschwankungen, anthropogene Ursachen, Bodenversalzung, Bodenerosion, Überweidung, Überanbau, Ökosystem, Monitoring, Geomorphologie, Niederschlagsvariabilität, Ressourcenmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen wissenschaftlichen Überblick über das Phänomen der Desertifikation, ihre Entstehung, Ursachen und die Auswirkungen auf die betroffenen Regionen der Erde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen umfassen die geographische Verbreitung von Trockenräumen, die klimatischen Bedingungen sowie die differenzierte Betrachtung anthropogener Einflüsse wie Überweidung oder Versalzung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen einleitenden Überblick über die Probleme und Ursachen der Desertifikation zu geben und die komplexen Wechselwirkungen zwischen Klima und menschlichem Handeln zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung geomorphologischer und klimatischer Fachdaten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen der Desertifikation, führt eine Klassifizierung der Schweregrade ein und definiert Indikatoren, an denen der Fortschritt der Degradation abgelesen werden kann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Desertifikation, Landdegradation, Aridität, anthropogene Ursachen und ökologische Rehabilitierung charakterisiert.
Wie unterscheiden sich primäre und sekundäre Bodenversalzung?
Die primäre Bodensalinität hat geogene Ursachen, während die sekundäre Salinität durch menschliches Handeln, insbesondere durch fehlerhafte Bewässerungsmethoden, hervorgerufen wird.
Warum sind Wanderdünen ein Indikator für sehr schwere Desertifikation?
Wandernde Sandflächen und Dünen weisen darauf hin, dass der Boden seine schützende Pflanzendecke komplett verloren hat, was ein Endstadium der Landschaftsdegradation darstellt.
Welche Rolle spielen El Niño-Ereignisse bei der Desertifikation?
El Niño-Ereignisse führen zu Verschiebungen in der atmosphärischen Zirkulation, die in betroffenen Regionen wie Indien oder Afrika zu ausbleibenden Niederschlägen und somit zu Trockenperioden führen können.
- Arbeit zitieren
- Lars Wartenberg (Autor:in), 2006, Desertifikation, Desertation und Dürren. Ursachen und Wirkungen von Problemen der Trockenräume der Erde, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/53903