Es scheint unterschiedliche Auffassungen über die Relevanz von Nachhaltigkeitsberichterstattung zu geben. Diese Projektarbeit hat das Ziel, mithilfe einer multiplen Regressionsanalyse zu untersuchen, von welchen Einflussfaktoren die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher Unternehmen abhängen könnte.
Während Wissenschaftler in ökologisch verantwortungsvoll wirtschaftenden Unternehmen die einzige Möglichkeit sehen, die Erderwärmung zu regulieren, glauben Shareholder an Überrenditen durch Green Investing: Spätestens zur Jahrtausendwende erreichte das Thema Nachhaltigkeit in Folge menschlich verursachter, globaler Umweltkatastrophen und eines wachsenden Bewusstseins über die Auswirkungen des Klimawandels die deutschen Großunternehmen. Um den gesellschaftlichen Interessen gerecht zu werden, ist nach EU-Verordnung 2014/95/EU seit 2017 jedes große börsennotierte Unternehmen der Europäischen Union mit mehr als 500 Beschäftigten verpflichtet, einen sogenannten nicht-finanziellen Bericht zu veröffentlichen, der bestimmte Informationen zum jeweiligen ethischen, sozialen und ökologischen Wirtschaften enthält.
Während einige Unternehmen längst aufwendige Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen und deren Wert für das eigene Renommee erkannt haben, ist dies für andere Neuland. So veröffentlichten im Jahr 2019 beispielsweise 71 % der M-DAX-Unternehmen einen gesonderten Nachhaltigkeitsbericht; 12 % publizierten ausschließlich die nicht-finanzielle Erklärung, deren Bekanntmachung ihnen nach deutschem Recht in § 315b HGB als Umsetzung der neuen EU-Verordnung vorgeschrieben wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Wachsende Relevanz der Nachhaltigkeitsberichterstattung
2. Methodik zur Analyse der Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung
2.1 Inhaltsanalyse
2.1 Stichprobenauswahl
3. Hypothesenentwicklung
4. Aktueller Stand der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Deutschland
4.1 Deskriptive Statistik
4.2 Multiple Regressionsanalyse
5. Diskussion und Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels einer multiplen Regressionsanalyse, welche Einflussfaktoren die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher Unternehmen bestimmen. Dabei wird analysiert, ob Kennzahlen wie die Mitarbeiterzahl, das EBIT oder der CO2-Ausstoß einen signifikanten Einfluss auf den Umfang der publizierten Berichte haben.
- Analyse der Relevanz und Quantität von Nachhaltigkeitsberichten
- Empirische Untersuchung von M-DAX-Unternehmen
- Einsatz multipler Regressionsmodelle zur Hypothesenprüfung
- Messung der Berichtsquantität durch Wortanzahl
- Diskussion von Determinanten der Unternehmensberichterstattung
Auszug aus dem Buch
2.1 Inhaltsanalyse
Um die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen messen zu können, ist eine Inhaltsanalyse erforderlich. Es ist zu bestimmen, welche Berichtsinhalte von Unternehmen als Nachhaltigkeitsberichterstattung ausgelegt werden können. Hierzu zählen folgende drei Berichtsformen, welche dementsprechend in die Analyse mit einbezogen werden: Gesonderte Nachhaltigkeitsberichte, im Geschäftsbericht integrierte Nachhaltigkeitsberichte sowie nicht-finanzielle Erklärungen.
Zunächst wird zur Ermittlung der Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung des jeweiligen Unternehmens der am meisten spezifizierte, publizierte Bericht über Nachhaltigkeit herangezogen. Sofern ein Unternehmen also sowohl im Geschäftsbericht als auch in einem gesonderten Nachhaltigkeitsbericht über ethische, soziale oder ökologische Themen berichtet, wird nur letzterer herangezogen, da die im Geschäftsbericht enthaltenen Informationen einer Zusammenfassung der ausführlichen Informationen des gesonderten Nachhaltigkeitsberichtes dienen.
Des Weiteren werden vorrangig Berichte über jene Geschäftsjahre berücksichtigt, die im Jahr 2018 abgeschlossen wurden. Wenn jedoch für das Geschäftsjahr, welches im Jahr 2017 abgeschlossen wurde, ein gesonderter Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht wurde und für das in 2018 abgeschlossene Geschäftsjahr bisher ausschließlich eine nicht-finanzielle Erklärung erschien, wird der gesonderte Nachhaltigkeitsbericht für das in 2017 abgeschlossene Geschäftsjahr verwendet, da davon auszugehen ist, dass auch für das nächste Geschäftsjahr noch ein gesonderter Nachhaltigkeitsbericht erscheinen wird und man dem Unternehmen ansonsten nicht gerecht würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wachsende Relevanz der Nachhaltigkeitsberichterstattung: Dieses Kapitel erläutert den gesellschaftlichen und regulatorischen Druck auf Unternehmen, Nachhaltigkeitsaspekte zu veröffentlichen, und leitet die Forschungsfrage ab.
2. Methodik zur Analyse der Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung: Hier werden die wissenschaftliche Vorgehensweise, die Messung der Berichtsquantität via Wortzählung sowie die Auswahlkriterien für die M-DAX-Stichprobe definiert.
3. Hypothesenentwicklung: Auf Basis theoretischer Annahmen werden drei Nullhypothesen zu den Zusammenhängen zwischen Unternehmensgröße, Gewinn, CO2-Ausstoß und der Berichtsquantität hergeleitet.
4. Aktueller Stand der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Deutschland: Dieses Kapitel präsentiert die deskriptive Statistik der Stichprobe und führt die multiple Regressionsanalyse zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen durch.
5. Diskussion und Würdigung: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, Limitationen der Untersuchung aufgezeigt und ein Ausblick auf weiterführende Forschungsansätze gegeben.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeitsberichterstattung, M-DAX, Regressionsanalyse, Unternehmensberichterstattung, Nachhaltigkeit, GRI, Unternehmensgröße, EBIT, CO2-Emissionen, Inhaltsanalyse, Stakeholder, Berichtspflicht, Quantität, empirische Forschung, ESG.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Faktoren den Umfang der Nachhaltigkeitsberichterstattung bei Unternehmen im M-DAX beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Quantität der Berichterstattung, die Einflussnahme von Finanzkennzahlen und die methodische Erfassung dieser Daten mittels Regressionsanalyse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob Unternehmensgröße, Ertragslage (EBIT) oder Umweltbelastung (CO2) einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Wortanzahl in Nachhaltigkeitsberichten haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Inhaltsanalyse der Berichte durchgeführt, deren Ergebnisse anschließend in einer multiplen Regressionsanalyse statistisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition der Variablen, der Stichprobenauswahl, der Ableitung von Hypothesen und der statistischen Überprüfung des Regressionsmodells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Nachhaltigkeitsberichterstattung, M-DAX, Regressionsanalyse und Inhaltsanalyse kennzeichnen.
Warum wurde der M-DAX als Stichprobe gewählt?
Der M-DAX bildet die mittelständisch geprägte deutsche Wirtschaft besser ab als der DAX-30 und bietet eine repräsentative Auswahl an Unternehmen mit Nachhaltigkeitsaktivitäten.
Welche Auswirkung hat das EBIT laut der Studie auf die Berichterstattung?
Die Studie konnte zeigen, dass ein höherer Gewinn (EBIT) einen signifikant positiven Einfluss auf die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung hat.
Warum sind die Ergebnisse laut Autor nur "mit Vorsicht zu genießen"?
Der Autor weist darauf hin, dass Quantität nicht gleich Qualität ist und dass das gewählte Regressionsmodell einen großen Teil der Varianz durch subjektive Faktoren (Störterm) nicht erklären kann.
- Arbeit zitieren
- Lukas Sieverding (Autor:in), 2019, Einflussfaktoren auf die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/538994