Wie genau der Pygmalion-Effekt in der Personalführung funktionieren soll, welche Risiken und welche Nutzen daraus entstehen können, soll in dieser Arbeit behandelt werden. Des Weiteren wird auf die Bedeutung der Zielsetzung in Verbindung mit dem Pygmalion-Effekt und der Personalführung eingegangen. Neben den theoretischen Hintergründen und aktuellen Bezügen zu diesen Themen werden anschließend in der Diskussion die Erkenntnisse dieser Arbeit kritisch hinterfragt und evaluiert.
„Mitarbeiter können alles: wenn man sie weiterbildet, wenn man ihnen Werkzeuge gibt, vor allem aber, wenn man es ihnen zutraut“ (Hans Olaf Henkel). Wenn es nach dem deutschen Politiker und ehemaligen Manager Hans Olaf Henkel geht, so scheint es relativ einfach zu sein, gute und produktive Mitarbeiter zu beschäftigen. Neben Weiterbildungsmöglichkeiten und den richtigen Werkzeugen soll es das Wichtigste sein, dass man den Mitarbeitern Vertrauen schenkt und ihnen zutraut, etwas zu leisten.
Auch wenn diese Denkweise etwas unwissenschaftlich und sehr simpel klingen mag, so wurde dieser Zusammenhang zwischen Erwartung einer Führungskraft und der Leistung der Mitarbeiter bereits mehrfach empirisch untersucht. 1968 führten Rosenthal und Jacobson unter dem Namen „Pygmalion in the Classroom“ die erste Studie zum Erwartungs-Leistungs-Zusammenhang durch, damals bezogen auf das Lehrer-Schüler-Verhältnis. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Erwartungen eines Lehrenden mit den Leistungen der Schüler zusammenhängen. Dies ist der sogenannte Pygmalion-Effekt. Unter anderem beschäftigte sich auch Livingston (2009) mit diesem Pygmalion-Effekt und übertrug ihn in den Personalführungsbereich, wobei hierbei Führungskräfte an Stelle der Lehrenden eintraten und Mitarbeiter an Stelle der Schüler.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung
2.1 Führung (Personalführung)
2.2 Ziel und Zielsetzung
3 Der Pygmalion-Effekt
3.1 Der Ursprung
3.2 Selbsterfüllende Prophezeiung
3.3 Der Pygmalion-Effekt in der Personalführung
3.4 Risiken und Nutzen
4 Arbeits- und organisationspsychologische Aspekte des Pygmalion-Effekts
4.1 Arbeitszufriedenheit
4.2 Zielsetzung in der Personalführung
5 Diskussion und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Führungserwartungen auf die Mitarbeiterleistung unter Berücksichtigung des Pygmalion-Effekts. Dabei wird analysiert, wie positive oder negative Erwartungen als selbsterfüllende Prophezeiung wirken und welche Rolle die Zielsetzung für den Unternehmenserfolg spielt.
- Grundlagen des Pygmalion-Effekts und der selbsterfüllenden Prophezeiung
- Einfluss von Führungskraft-Erwartungen auf das Mitarbeiterengagement
- Zusammenhang zwischen Zielsetzungstheorie und Personalführung
- Risiken (Dark Side) und Nutzen des Pygmalion-Effekts
- Bedeutung der Erwartungshaltung bei der Einarbeitung von Berufseinsteigern
Auszug aus dem Buch
3.1 DER URSPRUNG
Das erste Mal taucht der Name Pygmalion im Zusammenhang mit dem mythischen griechischen König und Bildhauer Pygmalion auf, der sich seine ideale Gefährtin in Form einer Statue aus Elfenbein schnitzte. Er verliebte sich in sein Werk und die Göttin Aphrodite erweckte die Statue anschließend zum Leben. Auf dieser Mythologie basierend entwickelte George Bernard Shaw im Jahr 1913 sein Bühnenstück „Pygmalion“. In diesem Bühnenstück möchte ein gewisser Professor Higgins aus dem armen Blumenmädchen Eliza Doolittle eine Dame der feinen Gesellschaft machen, was letztendlich auch gelingt. Am Ende des Stückes erklärt Eliza, dass der Unterschied zwischen einer Dame und einem Blumenmädchen nicht in ihrem Benehmen liegt, sondern darin, wie man sich ihr gegenüber benimmt und welches Verhalten man von ihr erwartet. (Livingston, 2009)
Entscheidend geprägt wurde der Begriff des Pygmalion-Effekts von Rosenthal, Professor für Sozialpsychologie an der Harvard University und Jacobson, Rektorin einer Grundschule in San Francisco (Chirayath, 2009; Rosenthal, 2002). Sie führten 1968 eine Studie im Rahmen eines US Vorschulprogramms durch. Grundschullehrer wurden unwissend dazu gebracht, zu glauben, dass bestimmte Schüler, welche eigentlich zufällig ausgewählt wurden, im Vergleich zu ihrer Peergruppe mit hoher Wahrscheinlichkeit akademisch „aufblühen“ werden (Rosenthal & Jacobson, 1968). Dabei stellte sich heraus, dass sich die Leistungen dieser „Aufblüher“ aufgrund der hohen Erwartungen der Lehrer tatsächlich verbesserten. Dieser Effekt bezieht sich auf eine selbsterfüllende Prophezeiung, worauf im nächsten Kapitel noch näher eingegangen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Erwartungs-Leistungs-Zusammenhangs und der Relevanz des Pygmalion-Effekts für die Personalführung.
2 Begriffsbestimmung: Definition der zentralen Konzepte Führung und Zielsetzung im arbeitspsychologischen Kontext.
3 Der Pygmalion-Effekt: Erläuterung des Ursprungs, der Funktionsweise selbsterfüllender Prophezeiungen und der praktischen Anwendung in Organisationen.
4 Arbeits- und organisationspsychologische Aspekte des Pygmalion-Effekts: Analyse der Verknüpfung von Arbeitszufriedenheit, Motivation und Zielsetzungstheorien.
5 Diskussion und Fazit: Kritische Auseinandersetzung mit der Validität des Effekts und Handlungsempfehlungen für die Praxis, insbesondere für Berufseinsteiger.
Schlüsselwörter
Pygmalion-Effekt, Personalführung, Selbsterfüllende Prophezeiung, Erwartungs-Leistungs-Zusammenhang, Zielsetzung, Arbeitsmotivation, Arbeitszufriedenheit, Mitarbeiterengagement, Führungskraft, Berufseinsteiger, Mentoring, Organisationspsychologie, Leistungssteigerung, Managementkonzept, Mitarbeiterbindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Erwartungshaltung von Führungskräften die Leistung und Entwicklung ihrer Mitarbeiter beeinflusst, wobei der Fokus auf dem sogenannten Pygmalion-Effekt liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verknüpft psychologische Konzepte der Erwartungsbildung mit Theorien zur Zielsetzung, Mitarbeiterzufriedenheit und der praktischen Personalführung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Wirkmechanismen des Pygmalion-Effekts zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Führungskräfte durch realistische und hohe Erwartungen sowie gezielte Zielsetzung die Leistungsfähigkeit und Karriereentwicklung ihrer Mitarbeiter fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse empirischer Studien und theoretischer Modelle, insbesondere im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Pygmalion-Effekts, seine Anwendung in Unternehmen sowie die Analyse mediierender Variablen wie Zielsetzung und Arbeitszufriedenheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Pygmalion-Effekt, Personalführung, selbsterfüllende Prophezeiung, Zielsetzungstheorie, Mitarbeiterengagement und Führungsverhalten.
Welche Rolle spielt die Zeitspanne beim Pygmalion-Effekt?
Der Zeitraum ist eine wichtige Moderatorvariable; bei kürzeren Zeiträumen, wie sie besonders bei Berufseinsteigern vorkommen, ist der Einfluss der Führungskraft auf die Leistungsentwicklung besonders stark ausgeprägt.
Wie kann das Risiko der „Dark Side of Pygmalion“ minimiert werden?
Führungskräfte sollten sich primär auf ihr eigenes Verhalten konzentrieren und sicherstellen, dass sie alle Mitarbeiter gleichermaßen fair behandeln, um negative selbsterfüllende Prophezeiungen zu vermeiden.
Warum wird ein Mentor-Protegé-Programm empfohlen?
Ein solches Programm ermöglicht es, gezielt erfahrenere Führungskräfte an Berufseinsteiger zu binden, um den positiven Pygmalion-Effekt von Beginn an zur Karriereförderung zu nutzen.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2018, Der Pygmalion-Effekt. Erwartungen und Zielsetzung in der Personalführung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/538062