Es fällt auf, dass in der Forschung der Begriff der Entgrenzung stets negativ konnotiert ist. Der Verlust der professionellen und angemessen distanzierten Ebene wird also stets als Fehler gewertet und entsprechend beurteilt. Fraglich bleibt jedoch, ob sich diese Ansicht in der Praxis halten lässt. Dementsprechend möchte ich untersuchen, ob die Entgrenzung im Lehrerdasein auch einen positiven Effekt auf den Unterricht haben kann. Im weiteren Rahmen soll darauf eingegangen werden, inwiefern und wie stark sich die Entgrenzung positiv auswirken kann und welche Bereiche des Unterrichts dadurch betroffen wären. Sollte es möglich sein, werde ich versuchen herauszuarbeiten, welche Aspekte und Arten der Entgrenzung einen positiven Effekt haben. Weiterhin möchte ich versuchen, Gründe und Umstände der besagten Auswirkungen der Entgrenzung von Professionalität zu finden.
Wichtig ist es, an dieser Stelle zu betonen, dass es sich um eine punktuelle Untersuchung handelt, die ausschließlich die Möglichkeit einer solchen Tatsache herauszufinden versucht. Im Rahmen dieser Arbeit können keine verallgemeinerbaren Ergebnisse gefunden werden, aber es können und sollen Anhaltspunkte für weiterführende Untersuchungen zutage kommen.
Zur Untersuchung dieser Fragestellung werde ich einige theoretische und empirische Inhalte zum Begriff der Lehrerprofessionalität und der Entgrenzung voranstellen und weiterhin darauf eingehen, wie Unterricht aufgebaut ist, um entsprechende Zusammenhänge nachzuweisen. Direkt darauf folgt die Fallinterpretation eines meiner Protokolle, in welchem ich auf relevante Stellen zur Entgrenzung der Lehrerprofessionalität und den jeweiligen Folgen eingehen werde. Am Ende der Arbeit folgt ein Fazit mit Beantwortung der vorangestellten Fragen.
Der Lehrerberuf als Profession wird in der Forschung schon seit längerem behandelt und untersucht. Unmittelbar damit in Verbindung steht die tägliche Entgrenzung von Lehrpersonal aus dieser professionellen Ebene, wie sie auch während des Praktikums beobachtbar war. Durch was und wie stark die Entgrenzung hervorgerufen wird, ist dabei höchst unterschiedlich und speziell, allerdings soll dies nicht Gegenstand dieser Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische und empirische Perspektiven
3. Fallinterpretation
3.1. Interpretation
3.2. Zusammenfassung
4. Fazit: Vergleich und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die sogenannte "Entgrenzung" in der Lehrerprofessionalität – das bewusste Verlassen professioneller Distanz – im Unterrichtsalltag auch positive Auswirkungen haben kann, anstatt sie lediglich als negatives Defizit zu betrachten.
- Definition und theoretische Einordnung von Lehrerprofessionalität und Entgrenzung.
- Analyse des Einflusses von Unterrichtsstörungen auf den Lernprozess.
- Detaillierte Fallinterpretation von Unterrichtsprotokollen im Fach Ethik.
- Vergleichende Diskussion zwischen wissenschaftlicher Literatur und beobachteter Praxis.
Auszug aus dem Buch
3.1. Interpretation
Im Folgenden werde ich ausgewählte Stellen eines Protokolls einer zwölften Klasse eines Gymnasiums im Unterrichtsfach Ethik interpretieren, die sich insbesondere auf Bereiche der Entgrenzung beziehen. Gegenstand der Unterrichtsstunde ist einerseits die Auswertung einer Klausur sowie die Wiederholung und Festigung der Inhalte aus der letzten Unterrichtsstunde.
Die erste Interaktionssequenz, welche ich interpretieren möchte, beginnt in Zeile 17 und endet in Zeile 20. Als erster Akt der Interaktion ist hier die Schülerfrage Soll S2 anfangen? von S3 zu sehen. Diese Frage wirkt ohne weiteren Hintergrund als durchaus ernst gemeint und steht im Bezug zum vorherig erteilten Arbeitsauftrag seitens der Lehrkraft, die eine Antwortreihenfolge für eine zuvor gestellte Aufgabe festgelegt hat.
Hierbei erfährt man ebenfalls, dass S2 als erstes genannt wurde. An und für sich bleibt allerdings fraglich, wieso S3 überhaupt die erste Person ist, welche sich äußert, da laut Reihenfolge ohnehin S2 mit der Beantwortung der Aufgabe hätte beginnen müssen. Hierzu gibt das Protokoll allerdings keine Informationen her. Die Art und Weise der Fragestellung gibt keinerlei Aufschluss darüber, ob S3 die zuvor angekündigte Reihenfolge vergessen hat, nicht zugehört oder aufgepasst hat oder möglicherweise nochmal sichergehen möchte, ob er die Anweisung richtig verstanden hat. Von der Lehrkraft würde man an dieser Stelle eine Ja- oder Nein-Antwort erwarten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob Entgrenzung im Lehrerhandeln neben der meist negativen Konnotation auch positive, förderliche Effekte auf den Unterricht haben kann.
2. Theoretische und empirische Perspektiven: Dieses Kapitel erläutert zentrale Begriffe wie Professionalität und Entgrenzung anhand von Fachliteratur und diskutiert deren Bedeutung für das professionelle Handeln von Lehrkräften sowie die Entstehung von Unterrichtsstörungen.
3. Fallinterpretation: Hier werden ausgewählte Sequenzen aus Unterrichtsprotokollen einer zwölften Klasse im Fach Ethik detailliert analysiert, um spezifische Akte der Entgrenzung und deren Wirkung auf die Interaktion zwischen Lehrkraft und Schülern zu untersuchen.
4. Fazit: Vergleich und Diskussion: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Interpretation zusammen, vergleicht diese mit den theoretischen Ansätzen aus der Literatur und diskutiert, inwiefern eine methodisch eingesetzte Entgrenzung als professionelle Strategie betrachtet werden kann.
Schlüsselwörter
Lehrerprofessionalität, Entgrenzung, Unterrichtsstörungen, Fallinterpretation, Unterrichtsalltag, Pädagogik, Professionelles Handeln, Schülerinteraktion, Lehrerrolle, Unterrichtsziele, Professionalität, Unterrichtsklima, Empirische Forschung, Unterrichtsgestaltung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der "Entgrenzung" im Lehrerberuf, bei dem Lehrkräfte ihre professionelle Distanz aufgeben, und untersucht, ob dieses Verhalten auch positive Wirkungen auf den Unterricht haben kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Lehrerprofessionalität, die Analyse von Unterrichtsinteraktionen, der Umgang mit Unterrichtsstörungen sowie die Abgrenzung zwischen funktionaler und schädlicher Entgrenzung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob Entgrenzung im Lehrerdasein – entgegen der überwiegend negativen Forschungslage – einen positiven Effekt auf den Unterrichtsverlauf und die Erreichung von Unterrichtszielen haben kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine strukturtheoretische Perspektive auf Lehrerprofessionalität und führt eine Fallinterpretation von Unterrichtsprotokollen durch, die er mit theoretischen Modellen aus der Literatur vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe Professionalität und Entgrenzung sowie eine detaillierte Fallanalyse von Unterrichtsbeobachtungen in einer zwölften Klasse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lehrerprofessionalität, Entgrenzung, Unterrichtsstörungen, Fallinterpretation, pädagogische Interaktion und Unterrichtsziele.
Warum wird im Beispiel der Lehrer manchmal vulgär oder sarkastisch?
Der Autor interpretiert dies als "methodische Entgrenzung", durch die der Lehrer versucht, Unterrichtsstörungen aufzulockern, eine engere Beziehung zur Klasse aufzubauen oder von eigenen Fehlern abzulenken, ohne dabei das professionelle Gesamtziel zu gefährden.
Ist Entgrenzung nach Meinung des Autors grundsätzlich professionell?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Entgrenzung dann als professionell betrachtet werden kann, wenn sie bewusst, methodisch reflektiert und mit einem tiefen Verständnis für die spezifische Lerngruppe erfolgt.
- Arbeit zitieren
- Nico Bothe (Autor:in), 2019, Entgrenzung aus der Lehrerprofessionalität, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/536518