Die Gebrüder Löbbert begannen ihre Unternehmungen auf den verschiedensten Gebieten, etwa um 1980 in der Entsorgungswirtschaft, insbesondere auch in dem Bereich des gesicherten Entsorgens und Vernichtens von Informationsträgern. Außerdem befaßten sie sich mit der Entsorgung von Problem- und Sonderabfällen.
Mit der Wiedervereinigung ergriffen sie die Gelegenheit, sich ein Gebiet der Neuen Bundesländern über einen Vertrag mit der Treuhandanstalt als Betätigungsfeld anzueignen. Um größere Vorhaben finanzieren zu können, verfielen sie auf die Idee, aus der eigenen Aktiengesellschaft eine AG an der Börse unterzubringen. Hierbei halfen ihnen verschiedene Banken, so insbesondere die Sachsen-Landesbank in Leipzig. Dort kamen sie als eines der ersten börsennotierten Unternehmens gut an, der gewaltig angestiegene Börsenwert gestattete, weitere Vorhaben zu starten und neue Firmen zuzukaufen - mit Gewinn. Die Banken begnügten sich mit einer einfachen Überprüfung, die Wirtschaftsprüfer halfen ihnen dabei durch testierte Bilanzen. Schließlich ließ sich sogar eine Kapitalbeteiligungsgesellschaft blenden, auch deshalb, weil sich die Geldgeber insgesamt eine hohe Rendite von einem Unternehmen der Wachstumsbranche versprachen.
Von Bedeutung ist, dass die Firma weitgehend auf organisatorischen Improvisationen aufgebaut war und mehrheitlich von den Gebrüdern Löbbert dirigiert wurden. Der Aufsichtsrat übte seine kritischen Überwachungspflichten nur mässig aus. Dadurch war es möglich, über manipulierte Geschäfte die Bilanzen der beiden Aktiengesellschaft SERO und LÖSCH zu schönen. Gegen Mitte der neunziger Jahre wurde die Steuerbehörde stutzig, aber sie sah sich nicht in der Lage, die Vielzahl der aufgelaufenen Rechnungs-Unterlagen akribisch zu sichten und zu bewerten. Sie setzte daher im Laufe eines Jahres die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Kenntnis, die wiederum zwei Hausdurchsuchungen durchführte. Erst jetzt tauchte ein konkreterer Verdacht auf Bilanzfälschungen u.a. auf. Die leitenden Mitarbeiter kamen in Untersuchungshaft, die Buchhalter wurden verhört. Nach mehreren Jahren konnte dann Anklage erhoben und vor dem Landgericht Münster ein mehrjähriger Prozess absolviert werden.
Das besondere an dieser Unternehmensgeschichte ist die Verwertung zahlreicher Akten und Gerichtsprotokolle aus den Zeugenvernehmungen. Das Unternehmen wurde gewinnbringend von Finanzhaien verwertet, mit Zustimmung des Generalbevollmächtigten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: der Zusammenhang familiärer Chronik mit der Darstellung
1.1 Allgemeines zu Nutzungsrecht und Eigentum
1.2 Der Eigentumsübergang bei Erbschaft
1.3 Ein spezieller Erbfall (= familiäre Chronik)
2. Die Enteignung von Vermögen in Weißenfels (Teumner)
2.1 Die regionale Geschichte vom Weißenfelser Land
2.2 Gewerbe in Weißenfels
2.3 Die Weißenfelser
2.4 Weißenfels als Opfer des Krieges
2.5 Die Situation in der sowjetisch besetzten SZone und der DDR
2.6 Die Eignungen als Voraussetzung von Planwirtschaft
2.7 Die Wiedervereinigung beider deutscher Teilstaaten, die THA
2.8 Der Niedergang des Weißenfelser Gewerbes
3. Die Geschichte der Enteignung Teumner in Weißenfels
4. Der Gang nach der Verurteilung
5. Das Wohngebäude Naumburger Straße 20
6. Des Gebäude Große Kalandstraße 31, Weißenfels
7. Das landwirtschaftliche Grundstück in Gröben (Runthal)
8. Andere Erbanwartschaften und ihr Ende
9. Der Rückgängigmachen der Enteignung in der DDR
9.1 Allgemeines
9.2 Die Rehabilitation, der Wiederherstellversuch zu altem Rechtszustand
10. Der unvermeidliche Abriß Naumburger Straße 20
11. Das Verschwinden des (beweglichen) Privatvermögens
12. Die Unternehmens-„Entschädigung“
13. Das faule Projekt Gröben (s. Nr. 7)
14. Die Erkenntnis
15. Das Nachwort; Ermittlungen, das Persönliche
16. Die Quintessenz.
17. Andere Aktivitäten in der DDR nach der „Wende“
18. Die Löbbert-Geschichte, der Löbbert-Prozeß
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Hintergründe und die rechtliche Abwicklung der Enteignung von Privatvermögen in der DDR, illustriert am spezifischen Fallbeispiel der Spedition Teumner in Weißenfels sowie weiterer familiärer Erbfälle und industrieller Transformationen nach der Wiedervereinigung.
- Rechtliche und historische Analyse von Enteignungsprozessen im DDR-Regime
- Fallstudie zur Enteignung und versuchten Rehabilitation der Spedition Teumner
- Kritische Aufarbeitung der Rolle der Treuhandanstalt bei der Privatisierung
- Sozialgeschichtliche Auswirkungen des Systemwandels auf die Region Weißenfels
- Dokumentation bürokratischer Hürden bei Restitutionsansprüchen
Auszug aus dem Buch
2.4 Weißenfels als Opfer des Krieges.
Im Laufe der Jahrhunderte gibt es immer wieder militärische Aktionen verschiedenster Art, in denen Weißenfels in Mitleidenschaft gezogen wird. Besonders ramponiert wird die Stadt bei den Fehden innerhalb der Wettiner Dynastie und im dreißigjährigen Krieg. 1757 übernachtet Friedrich II. im Schloß Neu-Augustusburg anlässlich des Siebenjährigen Krieges. Durch den Marsch der Franzosen 1806 durch die Franzosen und Preußen wird die Bürgerschaft getroffen. Im zweiten Weltkrieg bleibt die Stadt nicht verschont, wenn auch das in der Nähe liegende Leuna-Werk als Arbeitsstätte vieler Weißenfelser mit mehr als 22 schweren Luftangriffen besonderes Angriffsziel ist. Am 28.03.1945 beschließt General Eisenhower, für die amerikanische Armee östlich des Rheins längs der Achse Erfurt-Leipzig vorzustoßen. Am 04.04.1945 erreichen die auf der Autobahn von Eisenach vorrückenden Panzer Gotha, Erfurt am 12.04. Truppen der 1. US-Armee überschreiten die Saale bei Naumburg. Einen Tag vorher erreichen sie das Kreisgebiet von Weißenfels, besetzen die Stadt aber erst am 14. April nach dem Zerstören von Brücken durch die Deutsche Wehrmacht.
Vom 12. bis 15. April 1945 kämpfen Einheiten der 69. Infanterie-Division im Raum um Weißenfels. Nördlich davon überquert bei Merseburg am 15.04.1945 das 23. US-Infanterie-Regiment die Saale ebenfalls Richtung Leipzig. An der Mulde bleibt jedoch auf höchsten Befehl die US-Armee stehen. Ab 02. Mai 1945 gibt es reihenweise Kapitulationen deutscher Wehrmachtseinheiten. In den einzelnen Orten gibt es amerikanische Militärkommandanten, die ab 02.Juli durch solche der neuen russischen Besatzung ersetzt werden. Die Sowjetisierung beginnt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: der Zusammenhang familiärer Chronik mit der Darstellung: Diese Einleitung verknüpft die familiäre Geschichte der Rabich/Teumner mit den allgemeinen Eigentumsverhältnissen und den rechtlichen Rahmenbedingungen von Enteignungen.
2. Die Enteignung von Vermögen in Weißenfels (Teumner): Das Kapitel beleuchtet die regionalgeschichtliche Einbettung Weißenfels', die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die politischen Umbrüche, die zu den Enteignungen führten.
3. Die Geschichte der Enteignung Teumner in Weißenfels: Hier wird der spezifische Verlauf der Enteignung der Spedition Teumner im politischen Kontext der frühen DDR-Jahre detailliert dargelegt.
4. Der Gang nach der Verurteilung: Das Kapitel schildert die persönlichen und rechtlichen Konsequenzen der Verurteilung für Elisabeth Teumner und den Kampf gegen das Unrecht.
5. Das Wohngebäude Naumburger Straße 20: Fokus auf der Schicksalsgeschichte einer Immobilie unter staatlicher Verwaltung und den damit verbundenen Verfallsprozessen.
6. Des Gebäude Große Kalandstraße 31, Weißenfels: Darstellung der administrativen Enteignung und Verwaltung einer weiteren Familienimmobilie durch den Treuhänder Bechstedt.
7. Das landwirtschaftliche Grundstück in Gröben (Runthal): Aufarbeitung der Enteignung landwirtschaftlicher Flächen und der Versuche zur rechtlichen Rückführung nach 1990.
8. Andere Erbanwartschaften und ihr Ende: Zusammenfassung weiterer, ähnlicher Fälle von Enteignungen und den gescheiterten Versuchen der Wiedererlangung von Eigentum.
9. Der Rückgängigmachen der Enteignung in der DDR: Historische und rechtliche Einordnung der Bemühungen zur Rückgängigmachung von Unrecht im Zuge der Wiedervereinigung.
10. Der unvermeidliche Abriß Naumburger Straße 20: Dokumentation des baulichen Niedergangs und der komplizierten Auseinandersetzung um den Abriss der Immobilie.
11. Das Verschwinden des (beweglichen) Privatvermögens: Detaillierte Darstellung des Verlusts an beweglichem Vermögen (Hausrat, Kunst) durch staatliche Konfiskation.
12. Die Unternehmens-„Entschädigung“: Analyse der komplexen und unbefriedigenden Prozesse zur Unternehmensentschädigung nach der Wende.
13. Das faule Projekt Gröben (s. Nr. 7): Darstellung der Schwierigkeiten bei der Verwertung des Grundstücks Gröben im Kontext von Gewerbegebietsplanungen.
14. Die Erkenntnis: Fazit des Autors über die Machtlosigkeit des Einzelnen gegenüber einer bürokratischen Verwaltung im Transformationsprozess.
15. Das Nachwort; Ermittlungen, das Persönliche: Methodische Beschreibung der Archivrecherchen und persönliche Reflexion der Erlebnisse.
16. Die Quintessenz.: Abschließende Betrachtung der Tortur durch Verwaltungsinstanzen und die Enttäuschung über das Ergebnis der Rehabilitation.
17. Andere Aktivitäten in der DDR nach der „Wende“: Bericht über eigene berufliche Versuche, im Umweltschutzbereich der ehemaligen DDR Fuß zu fassen.
18. Die Löbbert-Geschichte, der Löbbert-Prozeß: Darstellung der unternehmerischen Machenschaften der Gebrüder Löbbert und deren Auswirkungen auf die DDR-Wirtschaft.
Schlüsselwörter
Enteignung, DDR, Spedition Teumner, Weißenfels, Treuhandanstalt, Eigentumsverhältnisse, Restitution, Rehabilitation, Volkseigentum, Rechtsstaatlichkeit, Wiedervereinigung, Industriegeschichte, Sozialgeschichte, Immobilienverwaltung, Transformationsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert die Enteignung von Privatvermögen in der DDR am Beispiel der Spedition Teumner in Weißenfels und analysiert die schwierige rechtliche Aufarbeitung dieser Fälle nach der deutschen Wiedervereinigung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen Eigentumsrechte, Enteignungspolitik der DDR, die Rolle der Treuhandanstalt bei der Privatisierung, bürokratische Willkür sowie der Kampf um Entschädigung und Rehabilitation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die lückenlose Dokumentation und kritische Aufarbeitung des Schicksals des enteigneten Vermögens der Spedition Teumner sowie die Analyse der oft enttäuschenden Transformationsprozesse in den neuen Bundesländern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer akribischen Auswertung von Archivunterlagen, Korrespondenzen, offiziellen Dokumenten und einer persönlichen Erlebnis-Chronik des Verfassers.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den gesamten Prozess von der Enteignung 1952/53 über die Zeit der DDR-Verwaltung bis hin zu den Bemühungen um Rückgabe, Entschädigung und bauliche Sanierung nach 1990.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Enteignung, DDR, Restitution, Treuhandanstalt, Weißenfels, Unternehmensentschädigung und Rechtsaufarbeitung sind die prägenden Begriffe.
Welche Rolle spielt die Treuhandanstalt in diesem Dokument?
Die Treuhandanstalt wird kritisch als eine Behörde dargestellt, deren Handeln im Transformationsprozess oft undurchsichtig, ineffizient und zulasten der Alteigentümer sowie der ostdeutschen Industrie verlief.
Wie bewertet der Autor die Rehabilitation nach 1990?
Der Autor bewertet die Rehabilitation als einen langwierigen, bürokratisch geprägten und letztlich unbefriedigenden Prozess, der den Schaden nicht annähernd ausgleichen konnte.
Was war der "Fall Teumner"?
Der "Fall Teumner" beschreibt die gezielte wirtschaftliche und juristische Zerschlagung eines erfolgreichen Speditionsunternehmens in Weißenfels durch das DDR-Regime im Jahr 1953 unter dem Vorwand von "Wirtschaftsverbrechen".
- Arbeit zitieren
- Dr.-Ing. Adalbert Rabich (Autor:in), 2006, Enteignung in der DDR. Fallbeispiel einer Spedition in Weißenfels 1953, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/52914