Was war die Motivation Migliorinis und anderer Neopurusten? Wie sind sie methodisch vorgegangen? Welche Neologismen konnten sie durchsetzen und welche nicht? Wie lässt sich dies begründen?
Diese Arbeit soll einen Überblick über das Schaffen Migliorinis geben und dieses mit Bezug auf den historischen beziehungsweise sprachgeschichtlichen Kontext analysieren. Seine Schaffung von Neologismen steht hierbei im Vordergrund.
Der Teilbereich der faschistischen Sprachpolitik, welcher in dieser Arbeit behandelt wird, ist die Bekämpfung von "forestierismi" bzw. "esoterismi" und die damit verbundene Schaffung von Neologismen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kurzübersicht Migliorini
2.1 Historischer Kontext und Vorläufer faschistischer Sprachpolitik
3 Sprachpolitik im Faschismus
3.1 Neologismen zur Zeit des ventennio
4 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachpolitischen Bestrebungen während des italienischen Faschismus, mit besonderem Fokus auf die Rolle des Linguisten Bruno Migliorini und die Wirksamkeit der staatlich forcierten Neologismen zur Verdrängung fremdsprachlicher Einflüsse.
- Analyse des historischen Kontexts und der puristischen Wurzeln der faschistischen Sprachpolitik.
- Untersuchung der Rolle von Bruno Migliorini und seines Konzepts des Neopurismus.
- Bewertung der Effektivität faschistischer Sprachinterventionen anhand der Entwicklung von Neologismen.
- Kontrastierung von staatlicher Sprachlenkung mit der tatsächlichen sprachlichen Realität und Akzeptanz in der Bevölkerung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Neologismen zur Zeit des ventennio ihre Erfolg
Seit dem Anbeginn der menschlichen Kommunikation über die Sprache hat es immer Neologismen gegeben. Es ist allgemein bekannt, dass es in der Natur der Sprache liegt, sich ständig weiterzuentwickeln und zu verändern. Die Entstehung bzw. Schaffung von Neologismen ist unerlässlicher Bestandteil dessen. Eine andere Frage ist, ob und inwiefern Neologismen von Bestand sind. Einige werden schnell zum festen Bestandteil der Sprache und etablieren sich über ganze Zeiten und Epochen hinweg. Andere sind an bestimmte Momente und Ereignisse gebunden und verschwinden deshalb schnell wieder aus dem Sprachgebrauch, wie z.B. „vidiota“, „blablare“ und „menopausico“. Derzeit häufig im Gebrauch sind die Neologismen „femminicidio“ und „bioterrorismo“. Beide beschreiben aktuelle soziale bzw. politische Phänomene, welche nur so lange von Bedeutung sind, wie die Phänomene, die sie beschreiben.
Andere Gründe dafür, warum Neologismen sich nicht durchsetzen bzw. schnell überflüssig werden, kann z.B. die mangelhafte Praktikabilität im Alltag sein. Ein aktuelles Beispiel für eine Wortneuschöpfung, die eine realistische Chance darauf hat, sich dauerhaft zu etablieren, ist die des Drittklässlers Matteo, der das Adjektiv „petaloso“ zur Beschreibung von Blumen erfunden hat. Dieses Adjektiv, welches auf dem bereits existierenden Nomen „petalo“ basiert, wurde der Crusca vorgeschlagen, welche mit der Aufnahme in ihr Wörterbuch einverstanden war. Die bloße Eintragung in ein Wörterbuch geschieht unter Umständen recht schnell, doch die Etablierung eines neuen Begriffs ist mitunter ein komplexer und langwieriger Prozess.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der faschistischen Sprachpolitik ein, skizziert den Forschungsstand und erläutert die Zielsetzung der Untersuchung im Kontext von Bruno Migliorinis Arbeit.
2 Kurzübersicht Migliorini: Hier wird der biographische Hintergrund des Linguisten Bruno Migliorini dargestellt und sein theoretisches Konzept des Neopurismus als Alternative zum radikalen Purismus erläutert.
2.1 Historischer Kontext und Vorläufer faschistischer Sprachpolitik: Dieses Kapitel beleuchtet die Traditionen des Sprachpurismus im 19. Jahrhundert und wie diese als ideologische Basis für die spätere faschistische Sprachlenkung dienten.
3 Sprachpolitik im Faschismus: Es wird analysiert, wie das faschistische Regime versuchte, Sprache und Nation gleichzusetzen und durch institutionelle Eingriffe fremdsprachliche Einflüsse systematisch zu verdrängen.
3.1 Neologismen zur Zeit des ventennio: Die Untersuchung konzentriert sich hier auf die Wirksamkeit der von Faschisten und Linguisten eingeführten Neologismen und deren tatsächliche Integration in den Sprachgebrauch.
4 Fazit: Das Fazit zieht die Bilanz, dass die faschistischen Eingriffe in das Vokabular weitgehend wirkungslos blieben, da die Bevölkerung die erzwungenen Sprachänderungen kaum annahm.
Schlüsselwörter
Faschismus, Sprachpolitik, Bruno Migliorini, Neopurismus, Neologismen, Ventennio, Sprachwandel, Fremdwörter, Italienisch, Sprachlenkung, Purismus, Linguistik, Sprachideologie, Sprachkultur, Fremdwortverbot.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sprachpolitischen Maßnahmen des italienischen Faschismus und deren Erfolg bei der Etablierung eines einsprachigen, rein italienischen Vokabulars.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Rolle des Linguisten Bruno Migliorini, das Konzept des Neopurismus sowie die Analyse von Neologismen im historischen Kontext des italienischen Faschismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach der Motivation für die Sprachinterventionen und untersucht kritisch, welche Neologismen sich erfolgreich etablieren konnten und welche aufgrund mangelnder Akzeptanz scheiterten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine historisch-linguistische Analyse, ergänzt durch den Vergleich von Wörterbuchdaten aus verschiedenen Jahrzehnten, um die Nachhaltigkeit der sprachpolitischen Eingriffe zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die theoretischen Grundlagen des Purismus, die institutionelle Umsetzung der Sprachpolitik durch Institutionen wie die Accademia d'Italia und eine empirische Betrachtung der Erfolgsquote von Ersatzbegriffen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Faschismus, Sprachpolitik, Neopurismus, Neologismen, Sprachwandel, Purismus und die Person Bruno Migliorini.
Welche Bedeutung hatte der Neopurismus von Bruno Migliorini in diesem Kontext?
Der Neopurismus stellte einen moderateren Ansatz dar, der versuchte, die italienische Sprache zu reformieren, ohne in den extremen Fremdenhass der radikalen Faschisten zu verfallen.
Warum scheiterten viele Sprachkampagnen des Faschismus?
Viele Kampagnen scheiterten, weil sie an der Lebensrealität und den Sprachgewohnheiten der Bevölkerung vorbeigingen und als künstliche Eingriffe wahrgenommen wurden, die sich gegen bewährte Begriffe richteten.
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- Marco Pellegrino (Author), 2017, "Nuove parole" oder: Eine kritische Einordnung des Werkes Bruno Migliorinis in den historischen und sprachgeschichtlichen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/516718