Harry G. Frankfurts einflussreiche Untersuchung über das sprachliche Phänomen Bullshit wird heutzutage umfassend diskutiert. Bullshit entpuppt sich als eine Art der Kommunikation, bei welcher der Wahrheitsgehalt der Inhalte nachlässig behandelt wird. Das Publikum wird daher getäuscht, da es glaubt, es nehme an einer ernsten und wahrhaftigen Diskussion teil. Frankfurt teilt nun zu Beginn seiner Untersuchung zwei Bemerkungen mit; erstens meint er, es gäbe noch keine Forschung zu Bullshit, weshalb er sich dafür entscheidet, dieses Unterfangen selbst in die Hand zu nehmen. Die Dringlichkeit einer solchen Untersuchung ergebe sich aus der heutigen Allgegenwart von Bullshit. Zweitens gesteht er ein, dass er nicht weiss, wie man den Begriff 'Bullshit' in andere Sprachen übersetzen kann. Ein Versuch, sich an fremdsprachige Literatur zu richten, bleibt bei ihm daher aus.
Das Vorhaben der vorliegenden Untersuchung besteht darin, dass aufgezeigt werden soll, dass schon vor Frankfurt in anderssprachigen Philosophien Untersuchungen zu diesem Phänomen unternommen wurden. Als Beispiel hierfür dient Adornos Theorie des Jargons. An dieser Theorie soll gezeigt werden, dass die wesentlichen Merkmale von Bullshit schon bei Adorno behandelt werden und er dabei noch zusätzlich auf weitere Punkte eingeht. Dies soll selbstverständlich nicht den Wert der Frankfurtschen Untersuchung aufheben, sondern es soll gezeigt werden, dass zu diesem Sprachphänomen schon wertvolle Untersuchungen existieren, welche für weitere Bullshit-Forschungen von Bedeutung sein könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Frankfurts Theorie von Bullshit
3. Adornos Theorie des Jargon
4. Vergleich der zwei Theorien
5. Schlussteil
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das Sprachphänomen "Bullshit" auf Basis der Theorie von Harry G. Frankfurt und setzt dieses in Bezug zu Theodor W. Adornos Theorie des Jargons. Ziel ist es aufzuzeigen, dass bereits vor Frankfurt philosophische Untersuchungen zu ähnlichen Phänomenen existierten, und den Jargon als eine spezifische Form des Bullshits zu identifizieren, um neue Perspektiven für die Forschung zu eröffnen.
- Analyse der Merkmale von Bullshit nach Frankfurt
- Untersuchung von Adornos Jargon-Theorie
- Vergleich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Theorien
- Erarbeitung der sozialen und sprachlichen Implikationen
- Beurteilung der Anwendbarkeit des Begriffs "Bullshit" auf historische und andere Diskurse
Auszug aus dem Buch
2. Frankfurts Theorie von Bullshit
Für den Begriff 'Bullshit' will Frankfurt keine klare Definition angeben. Nach ihm sei es nicht möglich, alle notwendigen und gemeinsam hinreichenden Bedingungen anzugeben, welche diesen Begriff erklären könnten. Dies läge daran, so Frankfurt, dass der Begriff einerseits in vielen verschiedenen Formen verwendet wird und andererseits, weil das Phänomen in unterschiedlichen Situationen und Kontexten sich verändert. Dennoch sollte es möglich sein, den Begriff sachlich angemessen zu umgrenzen, indem man den Sprachgebrauch überprüft und versucht, anhand von Beispielen seine Bedeutung zu erfassen. Das Kapitel ist nun so aufgebaut, dass zuerst die soziologischen Gründe angegeben werden, weshalb jemand Bullshit als ein Mittel verwendet. Dies wird mit einem Beispiel von Frankfurt veranschaulicht. Mithilfe dieses Beispiels werden daraufhin vier relevante Merkmale von Bullshit aufgezeigt. Anschliessend soll anhand dieser Merkmale eine Abgrenzung zu verwandten Begriffen erfolgen. Das Kapitel wird zum Schluss durch einige kritische Punkte abgerundet.
Frankfurt führt drei soziologische Gründe an, weshalb Bullshit heutzutage ein so verbreitetes Phänomen ist. Erstens wird in modernen Demokratien gefordert, dass die mündigen Bürgerinnen und Bürger ständig informiert sind und sich zu jedem Thema eine Meinung bilden können. Sei es in Talkshows über politische Themen, im Sportgeschäft über Wanderschuhe, oder über den neusten Hollywood-Krimi unter Bekannten, Teil des sozialen Gefüges besteht darin, sich über jene Dinge unterhalten zu können. Wer aufgrund mangelnder Informationen nicht daran teilnehmen kann, wird von der Gruppe oder der Gesellschaft ausgeschlossen. Bullshit ist folglich ein geeignetes Mittel, an der Diskussion teilzunehmen, ohne über alle Themen genau Bescheid zu wissen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Phänomen des Bullshits ein, stellt Adornos Theorie als Vergleichsgegenstand vor und erläutert den Aufbau der Untersuchung zur Bestätigung der Arbeitshypothese.
2. Frankfurts Theorie von Bullshit: Dieses Kapitel erläutert Frankfurts Ansatz, verzichtet auf eine starre Definition und arbeitet stattdessen anhand soziologischer Gründe und eines Politikbeispiels vier zentrale Merkmale des Bullshits heraus.
3. Adornos Theorie des Jargon: Hier wird Adornos Jargon-Begriff als Institutionalisierung analysiert, die unter Rückgriff auf Heidegger Sprache aushöhlt und als Täuschungsmittel zur sozialen Abgrenzung dient.
4. Vergleich der zwei Theorien: Dieses Kapitel stellt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Bullshit und Jargon gegenüber und kommt zu dem Schluss, dass der Jargon als eine spezifische Form des Bullshits betrachtet werden kann.
5. Schlussteil: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Arbeitshypothese und gibt Ausblicke für weiterführende philosophische Forschung zu verwandten Phänomenen.
Schlüsselwörter
Bullshit, Jargon, Harry G. Frankfurt, Theodor W. Adorno, Sprachphänomen, Täuschungsabsicht, Illokution, Kommunikation, Selbstdarstellung, Heidegger, Soziologische Aspekte, Wahrheit, Diskurs, Habitus, Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das sprachliche Phänomen "Bullshit" nach Harry G. Frankfurt und vergleicht dieses mit Theodor W. Adornos "Jargon der Eigentlichkeit", um Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Sprachphilosophie, die Soziologie der Kommunikation, die Analyse von Täuschungsmechanismen sowie die kritische Betrachtung von Selbstdarstellung in diskursiven Kontexten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu belegen, dass Adornos Jargon-Theorie als eine spezifische Form von Frankfurts Bullshit-Konzept verstanden werden kann und dass solche Analysen für die Bullshit-Forschung von großer Bedeutung sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende theoretische Untersuchung, bei der die Merkmale von Bullshit nach Frankfurt extrahiert und systematisch auf Adornos Jargon-Theorie angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Frankfurts Bullshit-Theorie, die Analyse von Adornos Jargon (unter Einbezug von Heidegger) sowie den direkten Vergleich beider Ansätze hinsichtlich ihrer Struktur und soziologischen Funktion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bullshit, Jargon, Täuschungsabsicht, Kommunikation, Selbstdarstellung, Illokution und Habitus geprägt.
Inwiefern ist der Jargon nach Adorno eine Form von Bullshit?
Beide Phänomene dienen dazu, Wirkung zu erzielen, anstatt sich um Wahrhaftigkeit zu bemühen, und funktionieren als Mittel zur sozialen Identitätsstiftung, bei denen der Effekt über den Inhalt gestellt wird.
Was unterscheidet den Jargon von Frankfurts Bullshit-Definition?
Der Jargon ist laut der Untersuchung starrer, da er stärker an eine spezifische Ideologie und einen exklusiven Habitus gebunden ist, während Frankfurts Bullshit als Phänomen freier und kontextunabhängiger agiert.
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- Omar Ibrahim (Author), 2018, Jargon und Bullshit. Ein Vergleich zwischen Theodor W. Adorno und Harry G. Frankfurt, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/515322