Die Arbeit hat sich mit der Frage beschäftigt, inwiefern sich Robert Brandoms Theorie innerhalb der Didaktik und ganz besonders der philosophischen Didaktik als fruchtbar aufweist. Anhand Ruckers Kompetenzen; Einsichts-, Urteils- und Partizipationsfähigkeit, welche als Ziele der bildungstheoretischen Didaktik angeführt werden können, wurde Brandoms Theorie beleuchtet. Hierfür werden zunächst einige begriffliche Erläuterungen zu Didaktik und Philosophie vorgenommen. Anschließend werden die drei Kernkompetenzen untersucht, indem zuerst die Gedanken von Rucker und anschließend jene von Brandom dargestellt werden. Es wird sich zeigen, dass die Theorie Brandoms die relevanten Punkte aufgreift und zusätzliche Einsichten freilegt, welche für die Entwicklung der drei Kernkompetenzen innerhalb der philosophischen Didaktik relevant sind. Dies bestärkt nicht nur die Fruchtbarkeit der Hypothese Ruckers sondern auch die Theorie von Brandom.
Robert Brandoms umfangreiches Werk versucht ein Sprachspiel innerhalb der menschlichen Kommunikation zu beschreiben. Im Gegensatz zum späten Wittgenstein untersucht Brandom jedoch nicht beliebige Sprachspiele sondern wohl das wichtigste Sprachspiel überhaupt. Es geht hierbei um die Rationalität und die Normativität selbst. Durch den Umstand, dass der Wert der Kommunikation im vergangenen Jahrhundert sowohl in der akademischen Philosophie wie auch in der Gesellschaft im Ganzen enorm zugenommen hat, verstärkt den Einfluss von Brandoms Philosophie zusätzlich. Es verwundert daher auch nicht, dass Brandoms Theorie einen großen Einfluss auf die Sprachphilosophie ausgeübt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Didaktik und Philosophie
2.1. Bildungsorientierte Didaktik
2.2. Philosophische Didaktik
3. Einsicht
3.1.Einsichtsfähigkeit in der philosophischen Didaktik
3.2. Brandom und Einsichtsfähigkeit
4. Urteilen
4.1. Urteilsfähigkeit in der philosophischen Didaktik
4.2. Brandom und Urteilsfähigkeit
5. Radikales Bedenken
5.1. Radikales Bedenken in der philosophischen Didaktik
5.2. Brandom und radikales Bedenken
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Robert Brandoms inferentialistischer Sprachphilosophie für die philosophische Didaktik, indem sie seine Theorie in das von Thomas Rucker entworfene Kompetenzmodell integriert und auf ihre Relevanz für die schulische Bildung prüft.
- Analyse des Zusammenhangs von Didaktik und Philosophie
- Untersuchung der Kernkompetenz der Einsichtsfähigkeit
- Erörterung der Bedeutung von Urteilsfähigkeit und Kontoführung
- Darstellung des radikalen Bedenkens zur Partizipationsfähigkeit
- Synthese von Brandoms Theorie mit bildungstheoretischen Ansätzen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Robert Brandoms umfangreiches Werk (bspw. 2000, 2002, 2016) versucht ein Sprachspiel innerhalb der menschlichen Kommunikation zu beschreiben. Im Gegensatz zum späten Wittgenstein (2014) untersucht Brandom jedoch nicht beliebige Sprachspiele sondern wohl das wichtigste Sprachspiel überhaupt (Brandom, 2016: 26). Es geht nämlich hierbei um nichts Geringeres als die Rationalität und die Normativität selbst. Das Sprachspiel vom Gründe-Geben und Nach-Gründen-Verlangen (Brandom, 2000: 37) erläutert, wie wir Menschen propositionale Aussagen verstehen und begreifen können und uns damit von Papageien und Robotern unterscheiden. Brandoms Theorie stellt sich daher selbst hohe Ansprüche und ist auch weitgehend auf Resonanz gestossen.
Durch den Umstand, dass der Wert der Kommunikation im vergangenen Jahrhundert sowohl in der akademischen Philosophie wie auch in der Gesellschaft im Ganzen enorm zugenommen hat (Illouz, 2016: 33f), verstärkt den Einfluss von Brandoms Philosophie zusätzlich. Es verwundert daher auch nicht, dass Brandoms Theorie einen grossen Einfluss auf die Sprachphilosophie ausgeübt hat (vgl. bspw. Habermas, 2004, sowie Newen & Schrenk, 2013). Des Weiteren weist die Theorie auch einen explizit existenzialen Wert auf, indem sie die Frage aufgreift, wer wir sind und wie wir uns verstehen wollen (Brandom, 2000: 35).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt Brandoms Werk in den Kontext der Rationalität und Normativität und formuliert die Forschungsfrage nach der Bedeutung dieser Theorie für die philosophische Didaktik.
2. Didaktik und Philosophie: Dieses Kapitel klärt die Begriffe Didaktik und Philosophie sowie deren gegenseitige Abhängigkeit als Kulturtechniken zur Förderung menschlicher Autonomie.
3. Einsicht: Das Kapitel erörtert die Einsichtsfähigkeit als Kompetenz, wobei Brandoms Beitrag darin besteht, die inferentielle Verknüpfung von Wissen und Weltbildern aufzuzeigen.
4. Urteilen: Hier wird die Urteilsfähigkeit als Fähigkeit zum verantwortungsbewussten Abwägen im öffentlichen Diskurs behandelt, gestützt durch Brandoms Konzept der Kontoführung.
5. Radikales Bedenken: Das Kapitel analysiert radikales Bedenken als notwendige Bedingung für Partizipation, bei dem implizite Vorurteile durch Begriffliches explizit gemacht werden.
6. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Fruchtbarkeit von Brandoms Theorie für die Didaktik und weist auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten hin.
Schlüsselwörter
Robert Brandom, philosophische Didaktik, Inferentialismus, Gründe-Geben, Einsichtsfähigkeit, Urteilsfähigkeit, radikales Bedenken, Partizipation, Bildung, Autonomie, Sprachspiel, Normativität, Kontoführung, Diskurs, Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Sprachphilosophie von Robert Brandom einen wertvollen Beitrag zur philosophischen Didaktik leisten kann, insbesondere zur Förderung der drei Kernkompetenzen Bildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Didaktik und Philosophie als Kulturtechniken, sowie die detaillierte Analyse der Kompetenzen Einsicht, Urteilen und radikales Bedenken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Brandoms inferentialistische Theorie in Ruckers Modell der didaktischen Kompetenzen zu integrieren und aufzuzeigen, wie dies das Verständnis von Bildung vertiefen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit ist als philosophischer Essay konzipiert, der zentrale Begriffe aus der Didaktik mit den theoretischen Konstrukten von Robert Brandom systematisch vergleicht und aufeinander bezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der drei Kompetenzen, wobei jeweils zunächst der didaktische Standpunkt von Rucker erläutert und anschließend durch Brandoms Theorie reflektiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen Inferentialismus, Gründe-Geben, philosophische Didaktik, Autonomie sowie die Kernkompetenzen der Einsicht, des Urteilens und des radikalen Bedenkens.
Was versteht Brandom unter dem Spiel des Gründe-Gebens?
Es ist das grundlegende soziale Sprachspiel, in dem Aussagen als Gründe fungieren, für die wir Rechenschaft ablegen müssen, wodurch rationale Normativität entsteht.
Wie unterscheidet sich Brandoms Ansatz von der traditionellen Didaktik?
Brandom ergänzt die didaktische Perspektive durch einen präzisen inferentiellen Fokus, der zeigt, wie implizites Vorwissen durch Begriffliches explizit und damit für den öffentlichen Diskurs zugänglich gemacht wird.
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- Omar Ibrahim (Author), 2019, Robert Brandoms Theorie als philosophische Didaktik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/515316