Diese Hausarbeit intendiert in einer fundierten Gegenüberstellung der Tagelieder "Owê, sol aber mir iemer mê" Heinrichs von Morungen und "Sine klâwen durch die wolken sint geslagen" Wolframs von Eschenbach auf formal-struktureller, inhaltlicher und interpretatorischer Ebene, die Unterschiede und Besonderheiten der Ausgestaltung eines Tageliedes der beiden Autoren
insbesondere unter dem Aspekt der Figurenkonstellation, der Bildhaftigkeit und der Darstellung von Zeit aufzuzeigen.
Die Formal-Analyse erfolgt auf Grund der begrenzten Seitenzahlen nur knapp. Zunächst geht diese Arbeit auf Grundlegendes im Minnesangein. Im ersten Unterpunkt geht es sowohl um historische Ursprünge des Minnesangs im Konsens der heutigen Forschung, als auch um ein grundlegendes thematisches Verständnis der Bedeutung dieser Lyrikform. Im nächsten Unterpunkt geht es um die für Mediävisten essentielle Frage nach der allgemeinen Überlieferung der Texte in handschriftlicher Form.
Die Überlieferungsgeschichte der in dieser Hausarbeit thematisierten Autoren erfolgt gesondert und präziser in einem späteren
Arbeitsschritt. Anschließend schließt der theoretische Teil dieser Hausarbeit mit einer Erläuterung der gattungstheoretischen Hintergründe des Begriffs des Tageliedes und im Zuge der Fragestellung auch des Tageliedwechsels ab. Der Übergang von theoretischen Grundlagen hin zum analytischem Teil dieser Hausarbeit erfolgt insofern fließend, als dass im eben angesprochenen Teil bereits zwei Beispiele aus anderen Tageliedern Wolframs von Eschenbach und Heinrichs von Morungen zur Verdeutlichung einiger Sachverhalte herangezogen werden. In einem ausführlichen, analytischen Verfahren erfolgt dann die Bearbeitung der Tagelieder.
Die Analyse beginnt jeweils zunächst durch eine prägnante Darstellung des Forschungsstandes über Autor und Überlieferung seiner Werke. Anschließend Erfolgt jeweils eine analytische Darstellung des formalen Aufbaus und des Inhaltes, wobei der
Fokus klar auf die inhaltlichen Aspekte gerichtet ist. Im letzten Schritt erfolgt dann mit einigen Interpretationsansätzen der teils divergenten Thesen aus der Forschung die eigentliche Interpretation der Tagelieder. In einem letzten Schritt werden die Ergebnisse zusammengefasst und in Form eines Fazits gesichert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Minnesang
2.1. Thema, Tradition und Forschung
2.2. Handschriftliche Überlieferung
2.3. Tagelied und Tageliedwechsel
3. Owê, sol aber mir iemer mê
3.1. Autor und Überlieferung
3.2. Formal-Analyse
3.3. Inhalts-Analyse
3.4. Interpretation
4. Sine klâwen durch die wolken sint geslagen
4.1. Autor und Überlieferung
4.2. Formal-Analyse
4.3. Inhalts-Analyse
4.4. Interpretation
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht zwei spezifische mittelhochdeutsche Tagelieder von Heinrich von Morungen und Wolfram von Eschenbach. Dabei steht die Analyse formaler, struktureller und inhaltlicher Unterschiede im Vordergrund, insbesondere unter Berücksichtigung der individuellen Figurenkonstellationen und der Darstellung von Zeit und Raum.
- Vergleichende Analyse der Tagelied-Konzeptionen bei Heinrich von Morungen und Wolfram von Eschenbach
- Untersuchung der gattungstheoretischen Einordnung (Tagelied vs. Tageliedwechsel)
- Rollenverhalten und Figurenkonstellationen im Kontext höfischer Normen
- Die Funktion bildhafter Metaphorik, insbesondere der Lichtmetaphorik und Personifizierung
- Die Bedeutung der Erinnerungsprozesse und der fiktionalen Distanz für die affektive Textwirkung
Auszug aus dem Buch
3.3. Inhalts-Analyse
Eines der profilierendsten Markenzeichen von Morungens Dichtung ist der zum Äußersten gesteigerte Preis der Minnedame. Kein anderer Minnesänger ist diesbezüglich auch nur annähernd mit Morungen vergleichbar: Bei ihm wird alles, was in der Rolle der hohen Herrin schon idealisiert ist, mit der Steigerung zum absoluten Höchstwert transzendiert. So fragt der Mann zu Beginn der ersten Strophe klagend, ob er jemals künftig wieder in der Nacht den Schein des weißen, wohlgestalteten Körpers seiner Geliebten wiedersehen wird:
„Owê, - Sol aber mir iemer mê geliuhten dur die naht noch wîzer danne ein snê ir lîp vil wol geslaht?" (Str. 1, V. 1-5)
Das visuelle Erlebnis als eines der markantesten Markenzeichen Morungens steht hier also als Ausgangspunkt für die Erfahrungen des Rollen-Ichs, da ihm das Leuchten des weißen Körpers als Glanz des Mondes erscheint. Die Funktionsweise der metaphorischen Betonung des Sichtbaren lässt für Bleumer deutlich am für ihn mehrfach paradoxen Tageliedwechsel bei Morungen anhand von Strophe 1 und 4 ermessen. Von der Hyperbel „noch wîzer danne ein snê“ (Str. 1, V. 4) hängt seiner Ansicht nach die gesamte Wirkung des Textes ab. Das reine Weiß des Schnees lässt sich in seiner Sichtbarkeit nicht steigern. Eben darin kann die Sprache das Bild übertreffen: Wenn etwas noch weißer als die Farbe Weiß ist, verdichtet sich die paradoxe Visualität in seiner Intensität nicht durch das, was sichtbar ist, sondern durch die Emergenz des implizierten Bildes des Gesagten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die höfisch-lyrische Kunstform des Minnesangs und Definition der für die Analyse relevanten Merkmale der höfischen Liebe.
2. Minnesang: Darstellung der historischen Grundlagen, Überlieferungsgeschichte sowie theoretische Abgrenzung der Gattungen Tagelied und Tageliedwechsel.
3. Owê, sol aber mir iemer mê: Analyse des Liedes von Heinrich von Morungen mit Fokus auf der Kombination von Tagelied und Wechsel sowie der zentralen Lichtmetaphorik.
4. Sine klâwen durch die wolken sint geslagen: Untersuchung des berühmten Tagelieds von Wolfram von Eschenbach, insbesondere der Rolle des Wächters und der Personifizierung des Tages als Ungeheuer.
5. Fazit: Zusammenfassender Vergleich beider Autoren, der ihre innovativen Ansätze und die unterschiedliche Gattungstradition hervorhebt.
Schlüsselwörter
Minnesang, Tagelied, Tageliedwechsel, Heinrich von Morungen, Wolfram von Eschenbach, Höfische Liebe, Hohe Minne, Literaturwissenschaft, Mittelhochdeutsch, Metaphorik, Rollenkonstellation, Wächterfigur, Gattungstheorie, Mittelalterliche Lyrik, Ästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit einer literaturwissenschaftlichen Gegenüberstellung zweier mittelhochdeutscher Tagelieder, um konzeptionelle Unterschiede zwischen den Dichtern Heinrich von Morungen und Wolfram von Eschenbach aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Gattung des Tageliedes, die Transformation dieser Gattung durch die Autoren, das höfische Wertesystem sowie die Analyse von Figurenkonstellationen und poetischen Metaphern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die formalen, inhaltlichen und interpretatorischen Besonderheiten der beiden Lieder herauszuarbeiten und zu erklären, wie beide Autoren das klassische Tagelied-Schema individuell weiterentwickelt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die sich auf Formal- und Inhaltsanalysen sowie den Vergleich mit dem Forschungsstand und literaturhistorischen Kontexten stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zum Minnesang und spezifische Sektionsanalysen zu den beiden Tageliedern, unterteilt in Autor, Überlieferung, Formal-Analyse, Inhalts-Analyse und Interpretation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Minnesang, Tagelied, Lichtmetaphorik, Gattungsinnovation und höfische Didaxe charakterisieren.
Wie unterscheidet sich Heinrich von Morungens Ansatz von dem Wolframs von Eschenbach?
Morungen integriert Elemente des Wechsels in sein Tagelied, wodurch eine Distanz zwischen den Liebenden entsteht, während Wolfram durch die Wächterfigur und eine narrative Struktur eine dramatische Spannung erzeugt.
Welche Rolle spielt der Tagesanbruch in diesen Gedichten?
Der Tagesanbruch fungiert als konstitutives Handlungselement, das bei Wolfram als bedrohliches Ungeheuer dargestellt wird und das Ende der geschützten Liebesnacht sowie den Konflikt mit gesellschaftlichen Normen markiert.
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- Anonym (Author), 2015, Konzeptionelle Unterschiede eines mittelhochdeutschen Tageliedes Heinrichs von Morungen und Wolframs von Eschenbach, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/515103