Diese Arbeit soll beschreiben wie sich die gesetzliche Lage in Deutschland für börsennotierte Gesellschaften geändert hat und inwieweit die aktuellen Änderungen zur Verbesserung der Anlegersituation beitragen.
Zu diesem Zweck werden zunächst die aktuelle Rechtslage in Deutschland für Kapitalgesellschaften (KapGes) sowie die aktuellen rechtlichen Änderungen durch das ARUG II dargestellt. Im Anschluss erfolgt eine Würdigung der Entwicklungen unter Berücksichtigung der Kriterien Klarheit und Übersichtlichkeit, Verlässlichkeit und Ausgewogenheit sowie Mitwirkung der Anleger.
Vorstandsgehälter sind in Deutschland ein sensibles Thema und besonders die Offenlegung ihrer Höhe wird seit Jahren vielfach diskutiert. Als im Jahr 2015 aufgrund des Abgasskandales der VW Konzernchef Martin Winterkorn ins Licht der Öffentlichkeit rückte, wurden auch die Diskussionen über das Vorstandsgehalt laut: mit fast 16 Millionen Euro gehörte der ehemalige Vorstandschef zu den bestverdienendsten Managern in Deutschland.
Aber nicht nur die Höhe, sondern vor allem auch die Offenlegung, die erst dazu führt, dass solche Diskussionen entstehen, stellen insbesondere für die Anleger ein wichtiges Thema dar. Während es einerseits ein hohes Transparenz- und Informationsbedürfnis der Anleger gibt, besteht andererseits ein hohes Interesse der Vorstandsmitglieder daran, dass ihre Gehälter nicht veröffentlicht werden. So zeigte eine Studie der Universität Bonn, dass die Daten über die Vorstandsgehälter eher zurückgehalten werden, wenn diese höher ausfallen.
Um dem entgegenzuwirken, die Transparenz gegenüber den Anlegern zu verbessern und die Anleger zu schützen, wurde im Jahr 2005 das Vorstandsvergütungsoffenlegungsgesetz (VorstOG) beschlossen. Knapp 15 Jahre später gibt es nun eine neue Entwicklung im Bereich der Berichterstattung: Um die zweite EU-Aktionärsrechterichtlinie (2. ARRL) umzusetzen, hat der Bundestag einen Regierungsentwurf zum Gesetz zur Umsetzung der zweiten Aktionärsrechterichtlinie (ARUG II) erfasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Ziele und Funktionen
2.2 Regelungen in Deutschland
3 Analyse
3.1 Herleitung der Kriterien
3.2 Aktuelle Änderungen
3.3 Würdigung
4 Schlussteil
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der Berichterstattung über die Vorstandsvergütung börsennotierter Gesellschaften in Deutschland unter Berücksichtigung des Regierungsentwurfs zum ARUG II. Ziel der Arbeit ist es, die Entwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen zu beschreiben und kritisch zu analysieren, inwieweit diese Änderungen zur Verbesserung der Transparenz und der Mitwirkungssituation für Anleger beitragen.
- Entwicklung und Funktionen der Vorstandsvergütungsoffenlegung
- Analyse der gesetzlichen Änderungen durch das ARUG II
- Stärkung der Mitspracherechte („Say-on-Pay“) der Aktionäre
- Kritische Würdigung der Transparenz- und Kontrollinstrumente
- Bedeutung der EU-Aktionärsrechterichtlinie für den deutschen Rechtsrahmen
Auszug aus dem Buch
3.2 Aktuelle Änderungen
Betrachtet man den DCGK, der an die Regelungen des ARUG II angepasst wird, entsteht zunächst der Eindruck, dass der Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit eingeschränkt wird. Die Regierungskommission hat beschlossen, zukünftig auf die Mustertabellen aus Ziff. 4.2.5 Abs. 3 DCGK 2017 zu verzichten. „Diese Mustertabellen enthielten nachvollziehbare Transparenzkriterien, die (…) den Stakeholdern einen nachvollziehbaren Vergütungsbericht liefern.“ Deren Abschaffung führt somit dazu, dass die Vergleichbarkeit zwischen den Vergütungsberichten eingeschränkt wird und damit auch deren Transparenz.
Die Pflicht zur Angabe der individuellen Bezüge der aktiven, aber auch der ehemaligen Vorstandsmitglieder der letzten zehn Jahre, wie es auch bereits vorher im VorstOG verankert war, erhöht jedoch wiederum die Vergleichbarkeit zwischen den Jahren und stärkt den zu betrachtenden Grundsatz. Des Weiteren führt die Einführung formaler Vorgaben im Vergütungsbericht (siehe Anhang 1), wie z.B. die Angabe fester und variabler Vergütungsbestandteile, zu einer erhöhten Vergleichbarkeit und fördert die Transparenz somit maßgeblich.
Ein weiterer Hauptpunkt, der vor allem von Wirtschaftsprüfern scharf kritisiert wird, ist der gesetzlich integrierte Vermerk des Prüfers. Dieser signalisiert den Adressaten des Vergütungsberichts eine genaue Prüfung der Daten, allerdings dient er lediglich der Indikation, dass der Bericht einer formellen, aber nicht einer inhaltlichen Prüfung unterzogen wurde. Dadurch wird die Verlässlichkeit der vermittelten Informationen eingeschränkt, da sich die Adressaten erstens nicht der Bedeutung des Vermerks bewusst sein könnten und zweitens eine inhaltliche Prüfung schlichtweg nicht erfolgt und die Informationen somit nicht kontrolliert werden. Die Glaubwürdigkeit des Vermerks wird demnach stark eingeschränkt und der Grundsatz der Verlässlichkeit durchbrochen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Vorstandsvergütung in Deutschland ein und beschreibt das Spannungsfeld zwischen Transparenzbedürfnis und Vertraulichkeit sowie das Ziel der Arbeit.
2 Grundlagen: Hier werden die Ziele und Funktionen der Offenlegung (Kontrolle, Prävention, Information) erläutert und die historische sowie aktuelle regulatorische Ausgangslage in Deutschland dargestellt.
3 Analyse: Dieses Hauptkapitel untersucht anhand ausgewählter Kriterien die Neuerungen durch den Regierungsentwurf zum ARUG II und bewertet diese hinsichtlich Transparenz und Anlegerbeteiligung.
4 Schlussteil: Das letzte Kapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und reflektiert die Effektivität der neuen Vorschriften für die Situation der Anleger.
Schlüsselwörter
Vorstandsvergütung, Offenlegung, ARUG II, Transparenz, Aktionärsrechte, Hauptversammlung, Say-on-Pay, Corporate Governance, Vergütungsbericht, Anlegerschutz, VorstOG, Kapitalmarkt, Kontrolle, Berichterstattung, Aktiengesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Anforderungen an die Berichterstattung über Vorstandsvergütungen in börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland und analysiert, wie gesetzliche Anpassungen die Transparenz und Mitbestimmung stärken.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die gesetzliche Offenlegungspflicht, die Rolle der Aktionäre bei der Vergütungsabstimmung, die Funktion des Aufsichtsrats und die Auswirkungen von EU-Richtlinien auf das deutsche Recht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern die aktuellen gesetzlichen Änderungen, insbesondere das ARUG II, die Situation der Anleger im Hinblick auf Transparenz und Kontrollrechte verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische Arbeit, die auf der Auswertung von Gesetzestexten, Regierungsentwürfen, Standardsetzungsorganen wie dem DCGK und relevanter Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Herleitung relevanter Bewertungskriterien (wie Transparenz und Mitwirkung), untersucht die aktuellen Änderungen durch den Regierungsentwurf zum ARUG II und würdigt diese kritisch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Vorstandsvergütung, Transparenz, Say-on-Pay, ARUG II, Aktionärsrechte und Berichterstattung definieren.
Warum wird die Rolle des Abschlussprüfers im Kontext des Vergütungsberichts kritisiert?
Die Kritik richtet sich darauf, dass der Prüfungsvermerk lediglich eine formelle Prüfung signalisiert, ohne eine inhaltliche Korrektheit der Daten zu garantieren, was die Verlässlichkeit der Berichterstattung für Anleger mindert.
Welche Bedeutung hat das "Say-on-Pay"-Votum für Aktionäre?
Es ermöglicht den Aktionären, über die Vergütungspolitik und den Bericht abzustimmen; allerdings hat dieses Votum im Regierungsentwurf lediglich empfehlenden Charakter, was die rechtliche Bindungswirkung einschränkt.
- Quote paper
- Christina Schürmann (Author), 2019, Berichterstattung über die Vorstandsvergütung. Status quo und aktuelle Entwicklungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/514819