Die vorliegende Studie befasst sich mit Prüfungsangst bei mündlichen und schriftlichen Prüfungen und wurde im Rahmen eines empirischen Praktikums durchgeführt. Zur Überprüfung der ersten Hypothese, dass die State-Angst (Zustandsangst) bei mündlichen Prüfungen höher ist, wurde zur Datenerhebung der Stai-I einen Abend vor der Prüfung, bei einer Stichprobe von 15 Probanden, verwendet. Für die zweite Hypothese sollte der Unterschied von Post-event processing (Grübeln nach einem sozialem Ereignis) bei beiden Prüfungsarten anhand von 14 Probanden untersucht werden. Daten zum PEP wurde anhand des PEPQ von Rachman et al. (2000) am Abend nach der Klausur und sieben Tage später erhoben. Mit der dritten Hypothese sollte geprüft werden, ob das PEP bei fünf Probanden umso ausgeprägter ist, desto mehr die Diskrepanz zwischen erreichter und erwarteter Note bei mündlichen Prüfungen ins negative geht. Hypothese 1 und 2 zeigten keine signifikanten Ergebnisse und Hypothese 3 konnte nicht überprüft werden. Die Ergebnisse der Studie sind auf mangelnde Probandenzahl zurückzuführen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Theoretischer Hintergrund
1.1.1 Prüfungsangst
1.1.2 Trait- und State-Anst
1.1.3 Post-event processing
1.2 Design und Hypothesen
2. Methoden
2.1 Stichprobe
2.2 Material
2.3 Ablauf
3. Ergebnisse
3.1 Hypothese 1
3.2 Hypothese 2
3.3 Hypothese 3
3.4 Zusätzliche Analysen
4. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Studie untersucht den Zusammenhang zwischen der Prüfungsart (mündlich vs. schriftlich) und psychologischen Variablen wie der State-Angst sowie dem Post-event processing (PEP), um herauszufinden, inwieweit Prüfungsangst mit transdiagnostischen Prozessen verknüpft ist.
- Phänomenologie und theoretische Einordnung der Prüfungsangst
- Unterscheidung und Interaktion von Trait- und State-Angst
- Mechanismen des Post-event processing nach Prüfungssituationen
- Vergleich von mündlichen und schriftlichen Prüfungen hinsichtlich Angstausprägung
- Einfluss von Notendiskrepanzen auf das Nachdenken über Prüfungsergebnisse
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Prüfungsangst
Prüfungsängste entstehen laut des Arbeitsmodells von Fehm und Fydrich (2011) durch prädisponierende Faktoren, welche von auslösenden Faktoren „getriggert“ werden können. Außerdem gibt es die aufrechterhaltenden Faktoren, welche dazu beitragen, dass sich Probleme im Zusammenhang mit Prüfungsangst verstärken (Fehm & Fydrich, 2011). Zu den prädisponierenden Faktoren gehören die personenbezogenen Faktoren, die individuelle Lerngeschichte und die biologische Vulnerabilität. Durch die auslösenden Faktoren, wie zum Beispiel ein negatives Prüfungserlebnis oder eine problematische Lebenssituation, kann Prüfungsangst ausgelöst werden. Situative- und personenbezogene Variablen, sowie Bewältigungsstrategien in der Situation, umfassen die Aufrechterhaltenden Faktoren (Fehm & Fydrich, 2011).
Prüfungsangst wird definiert, als „eine anhaltende und deutlich spürbare Angst in Prüfungssituationen und/ oder während der Zeit der Prüfungsvorbereitung, die den Bedingungen der Prüfungsvorbereitung und der Prüfung selbst nicht angemessen ist.“ (Fehm & Fydrich, 2011). Charles Spielberger war eine bedeutende Person für die Prüfungsangstforschung. Laut ihm haben Individuen mit Prüfungsangst erlernte Gewohnheiten und Einstellungen, auch im Sinne von negativer Selbstwahrnehmung (Fehm & Fydrich, 2011). Das führt dazu, dass diese Personen in Prüfungssituationen Ängste und körperliche Reaktionen erleben, die auch ihre Wahrnehmung und Interpretation dieser Situationen beeinflussen (Fehm & Fydrich, 2011). Im Laufe der Zeit wurde erkannt, dass sich Prüfungsangst auf der emotionalen, kognitiven, physiologischen und der Verhaltensebene bemerkbar macht (Fehm & Fydrich, 2011). Zu der emotionalen Ebene gehören Gefühle der Angst, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Die kognitive Ebene umfasst katastrophisierende Gedanken, welche selbst abwertend sind und sich auch mit den Folgen einer schlechten Leistung beschäftigen. Zu der physiologischen Ebene werden Aktivierungs- und Stressreaktionen gezählt und zu der Verhaltensebene gehören Aufschiebe- und Vermeidungstendenzen (Fehm & Fydrich, 2011).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Phänomen der Prüfungsangst und stellt die Relevanz der Untersuchung von State-Angst und Post-event processing in verschiedenen Prüfungssituationen dar.
1.1 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Grundlagen von Prüfungsangst, Trait- und State-Angst sowie das Konzept des Post-event processing im Kontext sozialer Ängste.
1.2 Design und Hypothesen: Hier werden das methodische Studiendesign sowie die drei aus der Forschung abgeleiteten Hypothesen zur State-Angst und zum Post-event processing formuliert.
2. Methoden: Dieser Abschnitt beschreibt das quantitative Studiendesign, die Stichprobenrekrutierung, die verwendeten Fragebögen und den Ablauf der Datenerhebung über vier Messzeitpunkte.
3. Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die statistische Auswertung der Hypothesen sowie zusätzliche Korrelationsanalysen zwischen den erhobenen Angstvariablen.
4. Diskussion: Das abschließende Kapitel interpretiert die (nicht signifikanten) Ergebnisse, reflektiert die Limitationen durch die geringe Stichprobengröße und gibt Ausblicke für zukünftige Studien.
Schlüsselwörter
Prüfungsangst, State-Angst, Trait-Angst, Post-event processing, PEP, mündliche Prüfung, schriftliche Prüfung, Notendiskrepanz, Leistungsangst, Sozialphobie, psychologische Forschung, Fragebogenstudie, Angststörungen, transdiagnostische Prozesse, Stressreaktionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung von Prüfungsangst, speziell im Hinblick darauf, wie sich diese bei mündlichen im Vergleich zu schriftlichen Prüfungen äußert und welche Rolle dabei das "Post-event processing" spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die psychologischen Konzepte der State- und Trait-Angst sowie das Phänomen des gedanklichen Grübelns nach sozialen Ereignissen, hier spezifisch auf Prüfungssituationen bezogen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu prüfen, ob die Art der Prüfung einen Einfluss auf die Stärke der State-Angst und das nachfolgende Grübeln (PEP) hat und ob Diskrepanzen zwischen erwarteter und erreichter Note diese Prozesse verstärken.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quantitative Fragebogenstudie durchgeführt, bei der Daten von Probanden zu vier verschiedenen Messzeitpunkten mittels standardisierter psychologischer Skalen erhoben wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der Hypothesen, die detaillierte Beschreibung der methodischen Durchführung sowie die statistische Auswertung der erhobenen Daten mittels SPSS.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Prüfungsangst, State-Angst, Post-event processing, Leistungsangst sowie der Vergleich von Prüfungsmodi (mündlich vs. schriftlich).
Warum konnte die dritte Hypothese nicht statistisch belegt werden?
Die Hypothese konnte nicht geprüft werden, da die Anzahl der Probanden, die eine mündliche Prüfung ablegten und eine negative Notendiskrepanz aufwiesen, zu gering war, um eine statistisch aussagekräftige Analyse durchzuführen.
Welchen Einfluss hat die Trait-Angst laut der Studie?
Die Studie konnte durch Korrelationsanalysen belegen, dass die Trait-Angst (die allgemeine Veranlagung zur Ängstlichkeit) einen signifikanten Einfluss auf die State-Angst (die akute Angst in der Situation) hat.
Wie bewertet die Autorin die Qualität der Datenerhebung?
Die Autorin hebt hervor, dass die verwendeten Fragebögen valide und reliabel sind und die Online-Erhebung eine hohe Objektivität sicherte, weist jedoch kritisch auf die hohe Abbruchquote aufgrund der vier Messzeitpunkte hin.
- Arbeit zitieren
- Johanna Giere (Autor:in), 2019, Prüfungsangst bei mündlichen und schriftlichen Prüfungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/513163