In dieser Hausarbeit geht es um die Grundpositionen der Tierethik, dabei bezieht die Autorin den Menschen als Tier mit ein und benennt den Rest als nicht-menschliche Tiere. Im Folgenden steht der Ausdruck "Tiere" allgemein für "nicht-menschliche Tiere". Reicht je nach wissenschaftlichem Diskurs die Reichweite der Moral nur zum Menschen oder schließt sie auch unsere tierischen Mitbewohner mit ein? Was unterscheidet den Menschen von nicht-menschlichen Tieren und was haben sich im Laufe der Jahre für unterschiedliche Theorien dazu hinauskristallisiert? Im Weiteren werden die Unterschiede im moralischen Kreis thematisiert, um im Anschluss Ausrichtungen des Tierschutzes aufzuzeigen. Zum Abschluss werden zwei gegensätzliche Positionen in der Tierethik gegenübergestellt.
Die Mensch-Tier-Beziehung ist in unserem Leben allgegenwärtig und das seit vielen Jahrhunderten. Der Mensch hat seine Stellung zu den nicht-menschlichen Tieren seit der Antike immer wieder neu definiert, vor allem aber seine Sonderstellung. Das Weltbild war geprägt von männlicher Herrschaft über Tiere, Frauen und Sklaven, so wurde das Tier entweder moralisch ausgeklammert oder ihm wurde ein geringerer Stellenwert eingeräumt. Aber wie sieht es heute aus? Der technische Fortschritt hat nicht nur den menschlichen Lebensstandard verändert, sondern auch das der Haus- und Nutztiere. Das Haustier von heute ist vor allem eine Katze oder ein Hund und wird häufig wird auf einem Facebook- oder Instagramaccount dargestellt. Einige von ihnen sind sogar weltweit bekannt, wie die Katze von Karl Lagerfeld (Choupette Lagerfeld) oder Grumpy Cat mit circa 2,7 Millionen Followern. Sie haben ein umfassendes Angebot an Freizeitaktivitäten, sehr gute tierärztliche Versorgung, einen eigenen Psychotherapeuten und sind nicht selten ein Familienmitglied. Sofern Haustiere zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden sind oder gar den Rang von Familienmitgliedern einnehmen, gehören auch sie zu jenen Lebewesen, die wir in besonderer Weise umsorgen und weil sie so besonders sind, bekommen sie auch einen eigenen Namen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundpositionen der Tierethik
2.1 Der Anthropozentrismus
2.2 Der Pathozentrismus
3. Tierethik mit und ohne Abstufung
3.1 Hierarchismus
3.2 Egalitarismus
4. Indirekter Tierschutz
5. Direkter Tierschutz
5.1 Klassischer Tierschutz
5.2 Tierechte, Tierbefreiung
6. Theorien der Tierethik
6.1 Vernunftmoral von Kant
6.2 Theorie der Tierechte von Regan
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die moralische Stellung von nicht-menschlichen Tieren innerhalb der menschlichen Wertegemeinschaft und hinterfragt die ethische Legitimation ihrer Nutzung als bloße Ressourcen. Zentral ist dabei die Analyse unterschiedlicher tierethischer Positionen, um das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Interessen und dem ethischen Schutz von Lebewesen aufzuzeigen.
- Grundlegende Positionen der Tierethik (Anthropozentrismus vs. Pathozentrismus)
- Differenzierung zwischen indirektem und direktem Tierschutz
- Vergleichende Analyse von Vernunftmoral und Tierrechtstheorien
- Kritische Reflexion der gesellschaftlichen Nutztierhaltung
Auszug aus dem Buch
6.2 Theorie der Tierechte von Tom Regan
Tom Regan (1938-2017) war ein US-amerikanischer Philosoph, welcher im Jahre 1983 mit seinem Buch „The Case for Animal Right“ die Debatte über Tierrechte neuen Auftrieb gab. Sein Buch wird heute als Klassiker der Tierrechtsbewegung angesehen.
Er bildet den Gegenpol zu einem anderen bekannten Tierethiker: Peter Singer und seinen Präferenz-Utilitarismus.
Regan entwarf eine Konzeption moralischer Rechte für Tiere. Regan nimmt den Begriff Autonomie von Kant auf und erweitert ihn auf die nicht-menschlichen Tiere. In seiner Theorie geht es um Präferenzautonomie, eine Form der Selbstbestimmung, die nicht nur Personen, sondern alle Lebewesen mit Interessen und Wünschen haben können und die Handlungen in Gang setzen können, um diese Wünsche zu befriedigen und bezeichnet diese als „Subjekte-eines-Lebens“. Ihnen kommt ein inhärenter Wert zu, welcher ein absoluter, nicht relativer zu den Fähigkeiten ist und alle haben den gleichen Wert. Dazu zählen alle Menschen, geistig normal entwickelte Säugetiere und alle Vögel. Der inhärente Wert begründet ein moralisches Recht, den Anspruch zu haben, nicht instrumentalisiert zu werden, was zur Ablehnung aller Tiernutzungspraktiken führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische und aktuelle Mensch-Tier-Beziehung und grenzt den Fokus auf die Problematik der industriellen Nutztierhaltung ein.
2. Grundpositionen der Tierethik: Dieses Kapitel stellt mit dem Anthropozentrismus und dem Pathozentrismus die zwei gegensätzlichen ethischen Grundströmungen im Umgang mit Tieren gegenüber.
3. Tierethik mit und ohne Abstufung: Hier werden die Konzepte des Hierarchismus und des Egalitarismus erläutert, welche definieren, ob und in welchem Umfang Tiere moralisch zählbar sind.
4. Indirekter Tierschutz: Dieses Kapitel beschreibt den indirekten Tierschutz als Schutz von Tieren primär zur Wahrung menschlicher Moralvorstellungen ohne Eigenwert des Tieres.
5. Direkter Tierschutz: Es wird der Fokus auf Gesetzesgrundlagen und den moralischen Eigenwert von Tieren als fühlende Wesen gelegt, unterteilt in klassischen Schutz und die Tierrechtsbewegung.
6. Theorien der Tierethik: Dieses Kapitel analysiert historisch bedeutsame philosophische Ansätze, insbesondere Kants Vernunftmoral und Regans Theorie der Tierechte.
7. Fazit: Das Fazit fasst die aktuelle Diskrepanz zwischen moralischem Anspruch und der Praxis der Nutztierhaltung zusammen und fordert ein Umdenken.
Schlüsselwörter
Tierethik, Anthropozentrismus, Pathozentrismus, Hierarchismus, Egalitarismus, Tierrechte, Tierbefreiung, Nutztierhaltung, Speziesismus, Vernunftmoral, Tom Regan, Peter Singer, Immanuel Kant, moralischer Status, Utilitarismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der ethischen Einordnung von Tieren innerhalb der menschlichen Gesellschaft und hinterfragt, inwieweit nicht-menschliche Tiere Anspruch auf moralische Berücksichtigung haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der Status von Nutztieren, philosophische Theorien wie der Utilitarismus oder die Deontologie sowie rechtliche Rahmenbedingungen des Tierschutzes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Gegenüberstellung der moralischen Grundlagen, nach denen wir Tiere bewerten, und die kritische Beleuchtung der heutigen Nutzung von Tieren im Kontext von Wirtschaft und Recht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und dem Vergleich etablierter philosophischer Positionen zur Tierethik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse von Anthropozentrismus und Pathozentrismus, eine Differenzierung zwischen Tierschutz und Tierrechten sowie eine tiefere Betrachtung der Ansätze von Immanuel Kant und Tom Regan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Tierethik, Anthropozentrismus, Pathozentrismus, moralischer Status, Tierrechte, Utilitarismus und das Spannungsfeld zwischen Mensch und Nutztier.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Tom Regan von dem des Utilitarismus?
Regan vertritt eine starke egalitäre Position, die den inhärenten Wert des Individuums betont, während der Utilitarismus das Handeln an der Nutzenmaximierung für die Gesamtheit orientiert.
Was besagt Kants Verrohungsargument?
Das Argument besagt, dass der Mensch Tiere nicht um ihrer selbst willen schützen sollte, sondern nur, um zu verhindern, dass er durch Grausamkeit gegenüber Tieren seine eigene moralische Empfindsamkeit gegenüber anderen Menschen verliert.
- Quote paper
- Lydia Wicki (Author), 2019, Theorien der Tierethik. Nicht-menschliche Tiere als Teil unserer Wertegemeinschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/512344