Im Jahr 2008 rief Bundeskanzlerin Angela Merkel die „Bildungsrepublik Deutschland“ aus. Dies zeigt deutlich, wie wichtig Bildung in der heutigen Gesellschaft ist. Doch betrachtet man die Geschichte des Lebenslangen Lernens, so wird schnell klar, dass es ein weiter Weg war, welchen die Gesellschaft durchlaufen musste, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Das Konzept des Lebenslangen Lernens durchlief einen Prozess, von der Zeit der Aufklärung bis in die Gegenwart.
Doch wann begann der unaufhaltsame Siegeszug des Lebenslangen Lernens und wo genau ist er heute angekommen? In dieser Hausarbeit soll untersucht werden, in wie weit sich das Konzept des Lebenslangen Lernens verändert hat. Gibt es auffällige Unterschiede in der Zeit der Aufklärung hin zur Gegenwart? Haben sich die Grundgedanken verändert, folgt Lebenslanges Lernen noch immer den Thesen der Aufklärung oder haben die Veränderung der Gesellschaftsordnung und wandelnde Marktwirtschaft ihre Spuren im Konzept des Lebenslangen Lernens hinterlassen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was heißt Lebenslanges Lernen?
2. 1 Definitionen des Lebenslangen Lernens
2.2 Begriffsverwandtschaften des Lebenslangen Lernens
3. Das Konzept Lebenslanges Lernen in der Aufklärung und in der Spätmodernen
3.1 Der Beginn des Lebenslangen Lernens
3.1.1 Lebenslanges Lernen als humanistisches Konzept der Aufklärung
3.1.2 Bildungsidee „Lebenslanges Lernen“
3.2 Lebenslanges Lernen in der Spätmodernen
3.2.1 Lebenslanges Lernen als ökonomisches Konzept der freien Marktwirtschaft
3.2.2 Lebenslanges Lernen als Humankapitalinvestition
4. Vergleich der Konzepte des Lebenslangen Lernens in der Aufklärung und der Spätmodernen
5. Fazit
6. Literaturhinweise
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Transformation des Konzepts des Lebenslangen Lernens von der Epoche der Aufklärung bis zur heutigen Spätmoderne, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Verständnis von Bildung und ökonomischer Verwertbarkeit herauszuarbeiten.
- Historische Einordnung des Lebenslangen Lernens
- Wandel von humanistischen Idealen hin zur Humankapitaltheorie
- Einfluss ökonomischer Faktoren auf Bildungsprozesse
- Kritische Analyse der marktwirtschaftlichen Ausrichtung von Bildung
- Vergleich der bildungstheoretischen Ansätze
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Lebenslanges Lernen als humanistisches Konzept der Aufklärung
Die Aufklärung sorgte für enorme Veränderungen der damaligen Herrschaftsform und Gesellschaft. Die Bevölkerung in Deutschland und Europa löste sich von ihren alten Strukturen der Monarchie und Feudalherrschaft und entdeckte den Menschen als Individuum. Das Bürgertum stellte dem „Adel des Blutes“, den „Adel des Geistes“ entgegen (Lenz 2004, S. 13). „Seit den Anfängen organisierter Erwachsenenbildung Ende des 18. Jahrhunderts, ist es ihre Zielsetzung, Menschen bei ihrer Entwicklung zu mündigen, aufgeklärten und gesellschaftlich handlungsfähigen Persönlichkeiten zu unterstützen“, Lebenslanges Lernen ist somit den „Kernsätzen der Aufklärung“ verbunden (Zeuner 2010, S. 56). Weiter beschreibt Zeuner, „dass sich Erwachsenenbildung ursprünglich über einen theoretisch begründeten, auf Aufklärung und Emanzipation bezogenen Bildungsbegriff definierte“ (ebd., S. 59). Hier wird deutlich, dass sich Beginn des Lebenslangen Lernens und das Konzept, welchem diese folgten, in der Zeit der Aufklärung finden lässt. Das Konzept des freien Menschen, des freien Geistes und des mündigen Bürgers stehen an oberster Stelle und machen den Grundgedanken des Lebenslangen Lernens aus. Auch war es sehr wichtig, alle Menschen und Gruppen in diesen Bildungsprozess einzubeziehen, unabhängig von Stand oder Klasse (Strzelewicz 1968, S. 10). Der Pionier der Erwachsenenbildung in Deutschland Willy Strzelewicz, geht noch weiter, indem er der Entwicklung der Erwachsenenbildung wichtigen Anteil an der Umwälzung der damaligen Ordnungen zuspricht. Erwachsenenbildung „begann als Ausdruck revolutionierender Emanzipationsbestrebungen benachteiligter Gruppen und Schichten gegen herrschende konservative Mächte“ (Strzelewicz 1973, S. 174f). Der Wissenschaftler sieht die Erwachsenenbildung als eine treibende Kraft im Kampf der Aufklärung. Wissen und Bildung als Waffe gegen die Feudalherrschaft und Unterdrückung der untersten Schichten. Somit war Lebenslanges Lernen als humanistisches Konzept der Aufklärung eine neue, revolutionäre Idee.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Entwicklung des Lebenslangen Lernens ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der inhaltlichen Transformation des Konzepts.
2. Was heißt Lebenslanges Lernen?: Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene Definitionen sowie begriffsverwandte Termini wie Erwachsenen- und Weiterbildung.
3. Das Konzept Lebenslanges Lernen in der Aufklärung und in der Spätmodernen: Hier werden die historischen Ursprünge in der Aufklärung sowie der moderne Wandel hin zu ökonomischen Verwertungskonzepten detailliert analysiert.
4. Vergleich der Konzepte des Lebenslangen Lernens in der Aufklärung und der Spätmodernen: In diesem Kapitel werden die theoretischen Entwürfe gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der bildungspolitischen Ausrichtung aufzuzeigen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und bewertet die Verschiebung des Bildungsbegriffs hin zur Humankapitalinvestition.
6. Literaturhinweise: Dieses Kapitel enthält das vollständige Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Lebenslanges Lernen, Aufklärung, Spätmoderne, Erwachsenenbildung, Humankapital, Ökonomisierung, Emanzipation, Bildungsidee, Mündigkeit, Marktgesellschaft, Wissen, Kompetenzentwicklung, Sozialisation, Bildungsbegriff, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Wandlung des Konzepts des Lebenslangen Lernens vom Zeitalter der Aufklärung bis zur heutigen Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Entwicklung von Bildung als Instrument der Emanzipation hin zu einem Instrument der ökonomischen Verwertbarkeit im Rahmen der Humankapitaltheorie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob sich die Grundgedanken des Lebenslangen Lernens seit der Aufklärung durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen maßgeblich verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine literaturbasierte, bildungstheoretische Analyse, die verschiedene Fachpositionen zu den historischen und modernen Konzepten des Lernens gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des humanistischen Bildungskonzepts der Aufklärung und die kontrastierende Betrachtung des ökonomisierten Bildungsverständnisses in der Spätmoderne.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Lebenslanges Lernen, Aufklärung, Humankapital, Ökonomisierung, Emanzipation und Mündigkeit.
Wie unterscheidet sich das Bildungsverständnis der Aufklärung von dem der heutigen Zeit laut der Arbeit?
Während in der Aufklärung die Befreiung des Individuums und die Mündigkeit im Fokus standen, dominiert heute oft das Ziel der ökonomischen Verwertbarkeit von Wissen und Kompetenzen.
Welche Rolle spielt die Humankapitaltheorie in der heutigen Bildungsdebatte?
Laut der Arbeit reduziert die Humankapitaltheorie Bildung zunehmend auf die Steigerung der Produktivität und Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt, was von verschiedenen Pädagogen kritisch hinterfragt wird.
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- Cristian Claus (Author), 2015, Die Konzepte des Lebenslangen Lernens, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/511998