Johann Wolfgang von Goethe gilt als einer der bedeutendsten Repräsentanten der deutschsprachigen Dichtung. Seinen Werken in Literatur und Lyrik wird ein hoher Wert beigemessen und die Bezeichnung Land der Dichter und Denker ist ohne den Namen Goethes schwer vorstellbar. In Zeiten der Globalisierung, der Verschiebung von Ost und West, wie man die Welt bisher kannte, kommt noch nach circa 200 Jahren seiner Lebzeiten der Person Goethe noch immer eine besondere Bedeutung zu: Das Land der Dichter und Denker debattiert in Zeiten des hohen Flüchtlingszuzugs aus mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern über die Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland.
Stimmen, die sich gegen das Fremde und gegen Menschen aus dem unbekannten "Orient" mehren sich und postulieren die Überfremdung des "Abendlandes" und damit einhergehend den Untergang der eigenen christlichen Kultur. Eine Frage, die immer wieder auch medial nicht zu überhören ist, ist die nach der Zugehörigkeit des Islams zu Europa und damit auch zu Deutschland.
Ungeachtet der eigenen Geschichte und Goethes Beschäftigung mit der muslimischen Welt als anerkannter deutscher Nationaldichter, wird die Vereinbarkeit von Islam und deutscher Gesellschaft von immer mehr politisch rechten Stimmen in Frage gestellt. Hier an dieser Stelle ist Goethes Auseinandersetzung mit dem Orient, seine Offenheit und Toleranz gegenüber dem Islam heute mehr denn je ein Wegweiser.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Goethes Affinität zum Islam
2.1 Rezeption des Islams im 18./19. Jahrhundert
2.2 Goethes Islambeziehung im Kontext seiner Beziehung zur Religion
3. Goethes Synthese von Islam und Pantheismus
3.1 Naturverbundenheit: Goethes Überzeugung vom Pantheismus
3.2 Umdeutung islamischer Motive: Synthese von Islam und Pantheismus
3.2.1 Goethe: Ein „Brückenbauer“ oder sogar Muslim?
3.2.2 Poet – Prophet: Trennung zwischen Literatur und Religion
3.3 Goethes Pantheismus-Islam-Konstruktion in seinen literarischen Werken
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die tiefe Sympathie Johann Wolfgang von Goethes für den Islam und analysiert, wie er islamische Lehren und Motive nutzte, um seine eigene pantheistische Weltanschauung poetisch zu untermauern. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, welches Verständnis von Religion Goethe tatsächlich vertrat und wie er die Trennung zwischen poetischer Freiheit und religiösem Dogma in seinen Werken, insbesondere dem West-östlichen Divan, konstruierte.
- Goethes Rezeption des Islams im historischen Kontext des 18./19. Jahrhunderts
- Die Verbindung von Naturverbundenheit, Pantheismus und islamischem Monotheismus
- Die kritische Unterscheidung zwischen der Rolle des Poeten und der des Propheten
- Die poetische Umdeutung islamischer Motive als Ausdruck pantheistischer Religiosität
- Goethes Vorbildfunktion im interkulturellen Dialog zwischen Orient und Okzident
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Goethe: Ein „Brückenbauer“ oder sogar Muslim?
Als Goethe 1816 seine Gedichtsammlung West-östlicher Divan ankündigt, schreibt er:
Der Dichter betrachtet sich als einen Reisenden. Schon ist er im Orient angelangt. Er freut sich an Sitten, Gebräuchen, an Gegenständen, religiösen Gesinnungen und Meinungen, ja er lehnt den Verdacht nicht ab, daß er selbst ein Muselmann sei.33
Und über den Koran schreibt er in folgenden Versen:
Ob der Koran von Ewigkeit sey? Darnach frag’ ich nicht! [...] Daß er das Buch der Bücher sei Glaub’ ich aus Mosleminen-Pflicht.34
Diese Worte und Verse aus Goethes Feder klingen wie ein Bekenntnis zum Islam, weswegen ihn viele Muslime auch als einen ihresgleichen anerkennen wollen. In der Literatur ist man sich grundsätzlich über die Sympathie Goethes zum Islam einig – diese sei sowohl von positiver als auch von negativer Kritik getragen – hält es aber überzogen, Goethe für einen Muslim zu halten.35 Unbestreitbar ist dagegen seine „fast lebenslange Beschäftigung mit dem Islam“36, mit der besonderen Sympathie zur Gestalt des Propheten Mohammed.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, skizziert die historische Bedeutung Goethes und stellt die Forschungsfrage nach seinem persönlichen Religionsverständnis sowie seiner Affinität zum Islam.
2. Goethes Affinität zum Islam: Dieses Kapitel untersucht die damalige Rezeption des Islams und analysiert Goethes eigenes, kritisches Religionsverständnis in Abgrenzung zum christlichen Dogmatismus.
3. Goethes Synthese von Islam und Pantheismus: Hier wird dargelegt, wie Goethe islamische Aspekte in seine pantheistische Naturanschauung integrierte, wobei er explizit zwischen der Freiheit des Poeten und der Dogmatik des Propheten unterscheidet.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont Goethes Rolle als Brückenbauer zwischen den Kulturen, der islamische Mystik nutzte, um sein eigenes Weltbild zu bestätigen.
Schlüsselwörter
Goethe, Islam, Pantheismus, West-östlicher Divan, Naturfrömmigkeit, Monotheismus, Sufismus, interkultureller Dialog, Religion, Literatur, Prophet, Poet, Orient, Okzident, Religionsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis von Johann Wolfgang von Goethe zum Islam und untersucht, wie er islamische Lehren nutzte, um seine pantheistische Weltanschauung zu stützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt die historische Islamperspektive der Aufklärung, Goethes persönliche Religionskritik, die Synthese von Pantheismus und islamischem Monotheismus sowie die poetische Transformation religiöser Motive.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, welches Verständnis von Glauben Goethe hatte, warum er eine so ausgeprägte Sympathie für den Islam entwickelte und wie er diese poetisch in sein Werk integrierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung von Goethes Korrespondenz, seinen Werken (insb. West-östlicher Divan) und relevanter Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet Goethes Affinität zum Orient, seine pantheistische Naturauffassung und die methodische Unterscheidung zwischen der Freiheit des Poeten und dem Dogma des Propheten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Pantheismus, Sufismus, Naturfrömmigkeit, interkultureller Dialog sowie die Unterscheidung zwischen Poet und Prophet.
Wie unterscheidet Goethe zwischen dem Poeten und dem Propheten?
Goethe argumentiert, dass der Prophet an dogmatische Eintönigkeit gebunden ist, um Lehren zu verbreiten, während der Poet die Freiheit besitzt, Inhalte poetisch umzudeuten und den Genuss in den Mittelpunkt zu stellen.
Ist Goethe nach Ansicht des Autors ein konvertierter Muslim gewesen?
Nein, der Autor verdeutlicht, dass Goethe kein Muslim im klassischen Sinne war, sondern islamische Motive als Inspirationsquelle für seine eigene, pantheistisch geprägte Weltanschauung nutzte.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Goethes Synthese von Pantheismus und Islam, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/511797