In der vorliegenden Arbeit stelle ich das Kindertheaterstück "Ein Känguru wie du" von Ulrich Hub vor, um am Ende der Arbeit exemplarisch eine Unterrichtseinheit zu entwickeln, die theaterpädagogische Methoden miteinbezieht. Anschließend stelle ich Theaterpädagogik in seiner ästhetischen und ganzheitlichen Dimension vor und ordne sie didaktisch anhand der Fachanforderungen Schleswig-Holsteins ein.
Die menschliche Kommunikation und das literarische Lesen haben sich durch das digitale Zeitalter drastisch verändert. Menschen lesen weniger, schneller und immer mehr digital. Ebenso geht das selbstbestimmte Lesen und das kulturelle Gedächtnis zurück. Dieses Verhalten führt zu Defiziten hinsichtlich der Lese- und Schreibkompetenz und zu Identitätsverlusten. Das Individuum geht im Social-Media-Strudel immer mehr verloren und eine Fülle an Möglichkeiten überfordern die jungen Menschen, ihre eigenen Talente zu entdecken. Immer mehr Menschen leben in einer virtuellen Simulation der Wirklichkeit, in einer perfekten Scheinwelt und verbringen übermäßig viel Zeit online. Um der veränderten Situation gerecht zu werden, muss sich auch der Deutschunterricht anpassen und seine Methoden überdenken, um die Schüler- und Schülerinnen zu selbstbestimmten, handlungsfähigen Subjekten zu erziehen und den Wechsel zwischen Medien und Wirklichkeit zu verarbeiten.
Hier setzt die Theaterpädagogik an, denn Theater bewegt sich in einem Feld zwischen Fiktion und Wirklichkeit und vermag im Spiel dort anzuknüpfen. Durch theaterpädagogisches Arbeiten erfahren Kinder- und Jugendliche ihre Handlungsfähigkeit und sie erkennen ihren Körper als Instrument und Produzent von Handlung. Sie erfahren sich selbst und andere außerhalb der digitalen Welt, schulen ihr Fremd- und Selbstverständnis und lernen die bildenden Künste sowie die Gattung Drama auf eine spielerische Art kennen, die nicht nur ganzheitlich, abwechslungsreich und nachhaltig den Lernprozess steuert, sondern überdies auch wieder Freude am literarischen Lesen und der Gattung Drama wecken kann. Theaterpädagogik ist heute eine notwendige Ergänzung zum fachanalytischen Unterricht, damit die SuS keine Konsumenten bleiben, sondern zu Beteiligten werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. „Ein Känguru wie du“ – Ein Kindertheaterstück von Ulrich Hub
1.1 Kinder- und Jugendtheaterstücke im Deutschunterricht
1.2. Ulrich Hubs „Ein Känguru wie du“ (2015)
2. Theaterpädagogik und das SAFARI-Modell Czernys
2.1. Theaterpädagogik – Was ist das?
2.2 Das Safari-Modell
2.3.1 Das Szenische Spiel
3. Theaterpädagogik als ganzheitliches Lernen
3.1 Lernen mit Kopf Herz und Hand
3.2 Mehrdimensionales Lernen nach Warwitz/Rudolf
3.3 Mehr-Kanal-Lernen
3.4 Körperlichkeit als Instrument
3.5 Unterbrechung des schulischen Alltags
4. Didaktische Einordung
4.1 Didaktische Ausgangslage in den Fachanforderungen und der modernen Didaktik
4.2. Kompetenzbereiche im Deutschunterricht der Sekundarstufe I
4.2.1 Förderung des Kompetenzbereichs Sprechen und Zuhören
4.2.2 Förderung des Kompetenzbereichs Sprache und Sprachgebrauch untersuchen
4.2.3 Förderung des Kompetenzbereichs Schreiben
4.2.4 Förderung des Kompetenzbereichs Lesen – mit Texten und Medien Umgehen
4.2.5 Sozial-, Selbst- und Methodenkompetenz
5. Unterrichtseinheit
6. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, theaterpädagogische Methoden als integralen Bestandteil des Deutschunterrichts zu etablieren, um Schülern einen handlungsorientierten und ganzheitlichen Zugang zum Drama „Ein Känguru wie du“ von Ulrich Hub zu ermöglichen und ihre Kompetenzen in einer digitalen Medienwelt zu stärken.
- Theaterpädagogik als ganzheitlicher Lernansatz
- Didaktische Einordnung in Fachanforderungen (Sekundarstufe I)
- Analyse und Erschließung des Dramas „Ein Känguru wie du“
- Entwicklung einer 11-stündigen Unterrichtseinheit
- Förderung von Sozial-, Selbst- und Medienkompetenz durch szenisches Spiel
Auszug aus dem Buch
1.2. Ulrich Hubs „Ein Känguru wie du“ (2015)
In Ulrich Hubs Kinderdrama „Ein Känguru wie du“ geht es um Freundschaft, Liebe, Träume, Erfolg und um das Anderssein. Pascha und Lucky, ein Panther und ein Tiger, die in einem Zirkus geboren wurden, bereiten sich mit ihrem Direktor auf einen großen Zirkuswettbewerb vor und wollen natürlich gewinnen. Doch Pascha und Lucky sind müde, sie wollen nicht mehr trainieren, sondern Urlaub machen, denn die Nummern funktionieren noch nicht so gut und sind sehr chaotisch. Als sie dann noch annehmen, dass ihr Direktor schwul sein könnte sind sie geschockt und reißen aus an den Strand, denn sie wollen am Strand schwimmen gehen. Dabei denken sie nicht daran, dass Menschen vor Raubkatzen Angst haben könnten oder, dass man Geld zum Essen braucht.
Als die beiden ausgehungert auf das boxende Känguru Django treffen und dieser ihnen erzählt, dass sie eigentlich angsteinflößende Raubkatzen sein sollen, sind sie überrascht, denn Lucky ist sogar Vegetarier. Pascha und Lucky schließen den „coolen“ und starken Django schnell in ihr Herz. Das Känguru wiederum ist begeistert von der Zirkusnummer der beiden. Pascha und Lucky sind erstaunt, denn Django ist entgegen ihren Erwartungen schwul. Daraufhin möchten die braven Raubkatzen ihn mit dem Zirkusdirektor, den sie schwul glauben verkuppeln. Dieser ist zuerst begeistert über das boxende Känguru und möchte Django engagieren. Es stellt sich jedoch heraus, dass der Direktor nicht schwul ist, sondern erst homophob auf das Känguru reagiert und seinen Vertrag wieder zerreißt. Zum Schluss taucht dann auch noch eine sehr ungewöhnliche Prinzessin auf und alle verstehen, dass es egal ist was oder wen man mag, denn „Weibchen, Männchen, Ananas – es ist doch egal, was man lieber mag. Hauptsache, man mag überhaupt irgendwas“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Problematisierung des veränderten Leseverhaltens im digitalen Zeitalter und Begründung der Theaterpädagogik als notwendige Ergänzung zum fachanalytischen Unterricht.
1. „Ein Känguru wie du“ – Ein Kindertheaterstück von Ulrich Hub: Vorstellung des Dramas und Einordnung von Kinder- und Jugendtheaterstücken im Deutschunterricht.
2. Theaterpädagogik und das SAFARI-Modell Czernys: Definition der Theaterpädagogik und Erläuterung des SAFARI-Modells als methodische Grundlage.
3. Theaterpädagogik als ganzheitliches Lernen: Theoretische Herleitung von Ganzheitlichkeit, Mehrdimensionalität und Mehr-Kanal-Lernen im theaterpädagogischen Kontext.
4. Didaktische Einordung: Analyse der didaktischen Ausgangslage und konkrete Verknüpfung theaterpädagogischer Praxis mit den Kompetenzbereichen der Fachanforderungen.
5. Unterrichtseinheit: Darstellung einer 11-stündigen Unterrichtssequenz zur praktischen Erarbeitung des Dramas „Ein Känguru wie du“.
6. Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung der Chancen theaterpädagogischer Methoden und Anforderungen an die Lehrkräfte bei der Umsetzung.
Schlüsselwörter
Theaterpädagogik, Deutschunterricht, Ein Känguru wie du, Ulrich Hub, Szenisches Spiel, Ganzheitliches Lernen, SAFARI-Modell, Kompetenzorientierung, Literaturdidaktik, Schultheater, Handlungsorientierung, Medienkompetenz, Dramendidaktik, Unterrichtseinheit, Soziale Kompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz theaterpädagogischer Methoden im Deutschunterricht der Sekundarstufe I am Beispiel des Theaterstücks „Ein Känguru wie du“ von Ulrich Hub.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind ganzheitliches Lernen durch Theater, die didaktische Einordnung in moderne Fachanforderungen sowie die praktische Umsetzung von szenischen Verfahren zur Kompetenzförderung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, Lehrkräften konkrete Ansätze an die Hand zu geben, um durch theaterpädagogische Arbeit Schülern einen lebendigen und nachhaltigen Zugang zu literarischen Texten zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung genutzt?
Es wird eine literaturdidaktische Analyse durchgeführt, die theoretische Grundlagen des „Szenischen Spiels“ mit den offiziellen Fachanforderungen der Schule verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Theaterpädagogik (SAFARI-Modell, ganzheitliches Lernen) und eine praktische Ausarbeitung einer 11-stündigen Unterrichtseinheit zum Känguru-Drama.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Theaterpädagogik, Szenisches Spiel, Kompetenzorientierung, ganzheitliches Lernen und Handlungsorientierung.
Welche Rolle spielen Vorurteile und Identität in dem gewählten Drama?
Das Drama thematisiert durch Figuren wie den schwulen Känguru-Boxer Django das „Anderssein“ und zeigt auf, wie soziale Vorurteile durch Begegnung und spielerische Auseinandersetzung kritisch hinterfragt werden können.
Warum wird im Unterricht das Forumtheater nach Boal eingesetzt?
Das Forumtheater wird in der Unterrichtseinheit genutzt, um Schülern durch aktive Eingriffe in das Spiel die Veränderbarkeit von Situationen aufzuzeigen und ihnen soziale sowie politische Handlungskompetenzen zu vermitteln.
- Arbeit zitieren
- Jacqueline Schauer (Autor:in), 2019, Theaterpädagogik im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/511631