Diese Arbeit ist eine linguistische Diskursanalyse und legt den Fokus vor allem auf die beiden Antrittsreden von Michelle Bachelet, der ersten Präsidentin Chiles, von 2006 und 2014 sowie auf die Körpersprache und das dadurch transportierte Bild. Konzentrieren wird sich die Analyse der Antrittsreden vor allem auf zwei Diskursstränge, die bereits im Titel der Arbeit angeklungen sind und sich auf das erzeugte Wir-Gefühl beziehen, ein typisches Mittel in politischen Reden, und auf die Rolle der Frau, auf die sich natürlich auch Bachelet als erste Präsidentin ihres Landes stützt. Zunächst werden im ersten Teil die Diskursanalyse und das Vorgehen erläutert, bevor dann eine Vorstellung von Michelle Bachelet folgt und anschließend die Antrittsreden anhand von Textausschnitten passend zum jeweiligen Diskursstrang analysiert werden. Es folgt eine Abschlussdiskussion, die sich kritisch mit den einzelnen angesprochenen Themen auseinandersetzt und auch Stimmen einbindet, die sich während und nach der Amtszeit von Bachelet erhoben haben.
Der erste Diskursgegenstand, den die Arbeit untersuchen möchte, ist das erzeugte Wir-Gefühl in den Antrittsreden. Die Fragestellung dazu lautet: Inwieweit erzeugt Michelle Bachelets Sprache und Rhetorik ein Wir-Gefühl bei den Menschen? Wen schließt sie damit ein und wen aus? Der zweite Diskursgegenstand beleuchtet die Rolle der chilenischen Frau. Die Fragestellung dazu lautet: In welchem größeren Zusammenhang steht die Antrittsrede und wie können wir anhand der sprachlichen Analyse Rückschlüsse auf die Rolle der chilenischen Frau ziehen?
Chile ist bereits kein Dritte-Welt-Land mehr, sondern ein Schwellenland auf dem Weg zu einer eigenständigen starken Wirtschaftskraft. Die erste Frau an der Spitze Chiles könnte einen Weg in eine neue Zukunft darstellen, doch auch hier drohen Stolpersteine. Michelle Bachelet verfügt über eine internationale Vergangenheit. Die Frage ist einerseits, inwieweit sich der chilenische Durchschnittsbürger überhaupt mit ihr identifizieren kann, andererseits aber auch, was Bachelet auf der anderen Seite durch ihr international geprägtes Leben mitbringen kann, um das Land voranzubringen. Bachelet war von 2006 bis 2010 und von 2014 bis 2018 Präsidentin ihres Landes. Sie wäre auch 2010 wiedergewählt worden, aber in Chile ist es nicht erlaubt, zwei Amtszeiten direkt hintereinander anzutreten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Michelle Bachelet – zur Person
3. Linguistische Diskursanalyse
3.1. Körpersprachenanalyse
3.2. Sprechaktanalyse
3.2.1. 1. Diskursstrang – Die Rolle der chilenischen Frau
3.2.2. 2. Diskursstrang – Das erzeugte Wir-Gefühl
4. Abschlussdiskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels einer linguistischen Diskursanalyse die Antrittsreden der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet. Ziel der Arbeit ist es, zu analysieren, inwiefern Bachelets Rhetorik und Körpersprache ein Wir-Gefühl bei der Bevölkerung erzeugen und wie sich ihre Aussagen auf die gesellschaftliche Rolle der chilenischen Frau beziehen.
- Linguistische Diskursanalyse nach Jäger und Sprechakttheorie
- Analyse der nonverbalen Kommunikation und Körpersprache
- Untersuchung des Diskursstrangs zur Rolle der chilenischen Frau
- Untersuchung des Diskursstrangs zur Konstruktion eines nationalen Wir-Gefühls
- Kritische Reflexion der Diskrepanz zwischen politischer Rhetorik und sozio-ökonomischer Realität
Auszug aus dem Buch
3.1. Körpersprachenanalyse
Gegenüber der wörtlichen Ausdrucksweise ist die nonverbale Kommunikation, die mit dem höchsten Wahrheitsgehalt. Der erste Eindruck entscheidet darüber, ob uns jemand gefällt oder Abneigung in uns hervorruft. Dies geschieht innerhalb weniger Sekunden. Die Einflussfaktoren für den ersten Eindruck sind vor allem die Kleidung, Bewegungen, Mimik, Ausdrucksweise, Dialekt und Sprachgeschwindigkeit. Der optische Eindruckt ist so prägend, dass sofort ein unbewusstes Urteil über die soziale und finanzielle Kompetenz dieser Person. Die Mimik hat eine besondere Bedeutung, da im Gesicht die meisten Gefühlsregungen ablesbar sind. Gesagtes muss aber nicht zwangsläufig mit der Mimik einhergehen. Die Gestik einer Person unterstützt das Gesagte und lässt meist selbstbewusster wirken. Die Gestik ist allerdings auch kulturell und vom Temperament abhängig. Es ist auch möglich, (sich) ohne Gestik gelungen zu präsentieren. Über Blickkontakt ist es möglich, auch ohne Worte Kontakt zu Menschen aufzunehmen. Über den Blick kann man Ignoranz, Gleichgültigkeit aber auch Verständnis und Zuneigung ausdrücken. Auch die Körperhaltung sagt etwas über den Charakter aus und unterstützt den Sprechakt. Ein und derselbe Satz kann mit einer anderen Körperhaltung völlig unterschiedlich klingen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Antrittsreden von Michelle Bachelet ein und definiert die zentrale Fragestellung der linguistischen Diskursanalyse.
2. Michelle Bachelet – zur Person: Dieses Kapitel bietet einen biografischen Abriss über den Werdegang von Michelle Bachelet, inklusive ihrer politischen Karriere und Erfahrungen im Exil.
3. Linguistische Diskursanalyse: Dieser Abschnitt erläutert die theoretischen Grundlagen der Diskursanalyse sowie der Sprechakttheorie, die als methodisches Instrument für die Untersuchung dienen.
3.1. Körpersprachenanalyse: Hier wird untersucht, wie nonverbale Kommunikation und die bewusste Inszenierung durch Kleidung und Gestik zur Legitimation und Wirkung Bachelets beitragen.
3.2. Sprechaktanalyse: In diesem Kapitel werden die ausgewählten Zitate aus den Antrittsreden im Hinblick auf ihre illokutionäre und perlokutionäre Kraft analysiert.
3.2.1. 1. Diskursstrang – Die Rolle der chilenischen Frau: Dieser Teil beleuchtet, wie Bachelet die Frauenrolle thematisiert und dabei versucht, die chilenischen Frauen zu motivieren und ihre Lage zu adressieren.
3.2.2. 2. Diskursstrang – Das erzeugte Wir-Gefühl: Hier liegt der Fokus darauf, wie Bachelet durch sprachliche Mittel versucht, ein inklusives Wir-Gefühl bei der chilenischen Bevölkerung zu schaffen.
4. Abschlussdiskussion: Das Kapitel reflektiert kritisch die Ergebnisse der Analyse und setzt sie in den Kontext der tatsächlichen politischen Erfolge und gesellschaftlichen Probleme Chiles.
Schlüsselwörter
Michelle Bachelet, Linguistische Diskursanalyse, Sprechakttheorie, Politische Rhetorik, Antrittsreden, Chile, Wir-Gefühl, Frauenrolle, Körpersprachenanalyse, Soziale Gerechtigkeit, Diskriminierung, Politische Kommunikation, Machtposition, Nichtverbale Kommunikation, Gleichberechtigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Antrittsreden von Michelle Bachelet aus linguistischer Sicht, um zu verstehen, wie sie durch Sprache und Rhetorik politische Ziele vermittelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Rolle der Frau in der chilenischen Gesellschaft sowie die Konstruktion eines nationalen Wir-Gefühls in politischen Reden.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab, zu ergründen, wie Bachelets rhetorische Strategien ein Wir-Gefühl erzeugen und welche Rückschlüsse die sprachliche Analyse auf die Rolle der chilenischen Frau zulässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische Diskursanalyse durchgeführt, ergänzt durch die Analyse von Körpersprache und die Anwendung der Sprechakttheorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in die Diskursanalyse, die Analyse der Körpersprache und die Untersuchung der beiden Diskursstränge anhand spezifischer Zitate aus den Reden von 2006 und 2014.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Diskursanalyse, Michelle Bachelet, Sprechakt, Chile, Wir-Gefühl und politische Rhetorik.
Inwiefern spielt die Herkunft von Michelle Bachelet eine Rolle in der Analyse?
Die Arbeit diskutiert kritisch, dass Bachelets internationale Prägung und ihr privilegierter Hintergrund möglicherweise eine Kluft zwischen ihrer theoretischen Rhetorik und der Lebensrealität der einfachen Bevölkerung erzeugen.
Wie bewertet die Autorin die Wirksamkeit der von Bachelet verwendeten Sprechakte?
Die Autorin stellt fest, dass Bachelet zwar erfolgreich positive Bilder und ein Wir-Gefühl konstruiert, jedoch in der praktischen Umsetzung und bei der Adressierung existentieller Probleme, etwa der Mapuche-Bevölkerung, Defizite bestehen bleiben.
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- Catharina Henning (Author), 2019, Linguistische Diskursanalyse der Antrittsreden von Michelle Bachelet unter dem Gesichtspunkt der chilenischen Frau und des erzeugten Wir-Gefühls, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/511614