Das österreichische Volk hat laut der Bundes-Verfassung vom 19. Dezember 1945 die Macht, die Rechte der Republik zu definieren. Doch wer ist dieses Volk überhaupt und wie groß ist seine Macht? Wie gestaltet sich deren Ausübung und lässt sich ein Trend in Richtung "Caesarismus" oder Oligarchie feststellen?
Parlamentarismus, Parteien, Verbände und der Neokorporatismus stellen in Österreich die wichtigsten repräsentativen Elemente dar. Es ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dass das starke Verbandswesen und der damit einhergehende Neokorporatismus in Österreich kompromissfindend wirken und zwischen den Interessen von Staat, Wirtschaft und Bevölkerung vermittelt. Der wahre Garant der Rechtsstaatlichkeit findet sich allerdings im Parlament mit seinen Regeln des Parlamentarismus und dem Parteiensystem. Politische Parteien sorgen für die Integration von spezifischen Interessen in der politischen Arena, sie rekrutieren das politische Personal, das sich zur Wahl stellen darf und Verantwortung tragen muss. Am wichtigsten aber ist die legitimierende Funktion. Durch den offiziellen Rahmen wird bloße Machtanwendung allgemein akzeptiert und anerkannt.
Doch stehen diesen repräsentativen Elementen ausreichend starke plebiszitäre Elemente gegenüber, um im Falle Österreichs von einer sich im Gleichgewicht befindlichen Demokratie zu sprechen? Plebiszitäre Elemente, die die Verwirklichung von direkter Demokratie in modernen Systemen darstellen, zielen darauf ab, den Willen des Volkes ohne Zwischenschaltung der Volksvertreter umzusetzen. Neben den Wahlen des Nationalrats und der des Bundespräsidenten, gibt es für den Bürger des politischen Systems Österreichs noch andere Wege der Partizipation auf nationaler Ebene. Von gering bis ausschlaggebend, nach der gesetzlich festgelegten Relevanz ihres Resultats für die Politik gestaffelt, sind das die Demoskopie, also das Instrument der Volksbefragung, das Volksbegehren und die Volksabstimmung.
Inhaltsverzeichnis
Zur Thematik
Direkte demokratische Elemente in Österreich
Die Volksbefragung
Das Volksbegehren
Die Volksabstimmung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen repräsentativen und plebiszitären Elementen im österreichischen politischen System sowie die Wirksamkeit direktdemokratischer Instrumente bei der Einbindung des Volkes in politische Entscheidungsprozesse.
- Analyse der direktdemokratischen Instrumente (Volksbefragung, Volksbegehren, Volksabstimmung)
- Untersuchung der Machtverhältnisse zwischen Regierung, Parlament und Bevölkerung
- Bewertung der finanziellen und rechtlichen Hürden für politische Partizipation
- Diskussion über potenzielle Tendenzen zur "Oligarchisierung" im politischen Betrieb
- Evaluation von Lösungsansätzen zur Stärkung des Bürgerdialogs
Auszug aus dem Buch
Die Volksabstimmung
Die Volksabstimmung ist das stärkste der drei vorgestellten plebiszitären Elemente. Die spezifische Macht der Abstimmung liegt in der Verbindlichkeit ihres Ergebnisses und der damit einhergehenden Relevanz für die Gesetzgebung. Gemäß Artikel 43 der Bundes-Verfassung kann jeder Beschluss der ordentlichen Gesetzgebung, der nach Beendigung des Verfahrens beider Kammern, aber vor der Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten, auf Beschluss einer Mehrheit der Mitglieder des Nationalrats in Frage gestellt wird, Gegenstand einer Volksabstimmung sein. Die Volksabstimmung wird vom amtierenden Bundespräsidenten angeordnet und mit der unbedingten Mehrheit der gültig abgegebenen Stimmen entschieden.
Die wahlrechtlichen Voraussetzungen sind auch hier dieselben wie bei Nationalratswahlen. Resultierende Bundesgesetze und genehmigte Staatsverträge werden mit Berufung auf das Ergebnis der Volksabstimmung kundgemacht.
In der Geschichte der zweiten Republik gab es auf nationaler Ebene bisher zwei Volksabstimmungen. „Die am 5. November 1978 durchgeführte Volksabstimmung über ein Bundesgesetz zur friedlichen Nutzung der Kernenergie in Österreich, sowie die am 12. Juni 1994 abgehaltene Volksabstimmung betreffend den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union.“
Die Volksabstimmung zur friedlichen Nutzung der Kernenergie sollte zu einem Schlüsselmoment in der Historie der Bürgerbeteiligung werden. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von 50,5 Prozent stimmten die Österreicher*Innen gegen die Inbetriebnahme des bereits vollständig errichteten Atomkraftwerks Zwentendorf. Beachtlich ist in dieser Hinsicht, das es der Bevölkerung gelungen war durch ihre Protestmärsche die damalige SPÖ Regierung und allen voran Kanzler Kreisky, trotz derer absoluten Mehrheit im Nationalrat zu einer Volksabstimmung zu bewegen. So gelang es einer vom ökologischen Gedanken getriebener Mehrheit sich gegen die Interessen der Regierung durchzusetzen, obwohl bereits sieben Milliarden Schilling in das Projekt geflossen waren. Dies war allerdings nicht die einzige Richtung aus der die Bewegung ihre Stimmen bezog.
Zusammenfassung der Kapitel
Zur Thematik: Dieses Kapitel erläutert das notwendige Gleichgewicht zwischen repräsentativen und plebiszitären Elementen innerhalb einer Demokratie und führt in die österreichische Verfassungslage ein.
Direkte demokratische Elemente in Österreich: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die drei zentralen Instrumente der direkten Demokratie und analysiert deren jeweilige Funktionsweise und rechtliche Einordnung.
Die Volksbefragung: Hier wird das Instrument der Volksbefragung als unverbindliche Möglichkeit zur Meinungsbildung und politischen Profilierung der Regierung detailliert beschrieben.
Das Volksbegehren: Dieses Kapitel thematisiert die Hürden und Voraussetzungen für Volksbegehren sowie deren Rolle bei der Einwirkung auf den Gesetzgebungsprozess.
Die Volksabstimmung: Dieses Kapitel beleuchtet das verbindlichste plebiszitäre Element und analysiert anhand historischer Fallbeispiele dessen Einfluss auf die politische Machtstruktur.
Schlüsselwörter
Demokratie, Österreich, Volksbefragung, Volksbegehren, Volksabstimmung, Bundes-Verfassung, Nationalrat, Partizipation, Repräsentative Elemente, Plebiszitäre Elemente, Politik, Gesetzgebung, Macht, Bürgerbeteiligung, Elitenherrschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle und Wirksamkeit von plebiszitären Elementen wie Volksbefragungen, Volksbegehren und Volksabstimmungen im österreichischen politischen System.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die direkte Demokratie, die Machtbalance zwischen Parlament und Bevölkerung sowie die strukturellen Hürden bei der politischen Partizipation in Österreich.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob die bestehenden plebiszitären Elemente ausreichen, um ein Gleichgewicht zur repräsentativen Demokratie zu wahren, oder ob eine Tendenz zur "Oligarchisierung" vorliegt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analysierende Methode, wobei verfassungsrechtliche Grundlagen und historische Fallbeispiele der zweiten Republik herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der drei Instrumente (Volksbefragung, Volksbegehren, Volksabstimmung) und deren tatsächliche Auswirkung auf die politische Tagespolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Partizipation, Direkte Demokratie, Bundes-Verfassung, Elitenherrschaft und Gesetzgebung geprägt.
Welche Rolle spielt die finanzielle Hürde bei Volksbegehren?
Die Arbeit zeigt auf, dass hohe Kosten für Einbringung und Druckkostenbeiträge die Partizipation faktisch auf vermögende Einzelpersonen oder organisierte Verbände beschränken.
Welcher Einfluss wird der SPÖ-Regierung unter Kreisky zugeschrieben?
Die Arbeit analysiert, wie trotz absoluter Mehrheit der SPÖ durch zivilgesellschaftlichen Druck eine Volksabstimmung gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf erzwungen werden konnte.
Was ist der Kernvorschlag des Autors zur Verbesserung der Bürgerbeteiligung?
Der Autor schlägt eine Ausweitung des Bürgerdialogs durch die Einrichtung von Bürgeranlaufstellen nach dem Vorbild der Frauenservicestelle der 1980er Jahre vor.
Wie bewertet der Autor die politische Elite in Österreich?
Der Autor argumentiert, dass aufgrund der wenigen Anlässe für direkte Konsultation des Volkes das politische Umfeld stark durch eine geschlossene Kommunikation von Eliten geprägt ist.
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- Michael Tschackert (Author), 2019, Plebiszitäre Elemente im politischen System Österreichs. Wie groß ist die Macht des Volkes und gibt es einen Trend zum "Caesarismus"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/511424