In der vorliegenden Arbeit „Wer hat Schuld? Die Ursachen von Schulabsentismus“, sollen die verschiedenen Ursachen für Schulabsentismus erläutert werden und ferner soll versucht werden zu klären, wer die Schuld an diesem Phänomen trägt.
Schulabsentismus oder bekannter als „Schulschwänzen“, ist keine Modeerscheinung. Dennoch steht dieses Thema erst seit einiger Zeit vermehrt im Blickfeld der medialen Berichterstattung und der pädagogischen Fachdiskussion. Verschiedene Tageszeitungen veröffentlichten Artikel über die Problematik von Schulabsentismus. Dieses neuartige Interesse an diesem Thema könnte mit den Folgen zusammenhängen. Das Schwänzen der Schule kann zu einem fehlenden Schulabschluss und einer wirtschaftlichen Abhängigkeit führen. Diese möglichen Folgen bereiten in der Gesellschaft häufig Unmut. Während der Großteil der Gesellschaft regelmäßig Steuern einzahlt, zählt die Gruppierung von wirtschaftlich abhängigen Menschen nicht dazu. Ohne einen Schulabschluss ist es in Deutschland kaum möglich ein ausreichendes Gehalt zu beziehen, um nicht mehr auf Sozialleistungen angewiesen zu sein. Doch die Folgen wären nicht ohne die Ursachen vorhanden. Aus diesem Grund stehen die Ursachen von Schulabsentismus in dieser Arbeit im Fokus. Erst durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Ursachen, können präventive Gegenmaßnahmen entwickelt und verstanden werden.
Im weiteren Verlauf wird ein Überblick über die rechtlichen Grundlagen und eine Begriffsdefinition gegeben. Anschließend wird die Problematik bei der Erfassung von Schulabsentismus thematisiert. Den Hauptteil dieser Arbeit bildet das 5. Kapitel einschließlich aller Unterpunkte. In diesem Kapitel werden die Ursachen differenziert dargestellt. Den Schluss bildet das Fazit, welches die Fragestellung „Wer hat Schuld?“ beantworten soll.
In der vorliegenden Arbeit wird durchgängig die männliche Form verwendet. Im Sinne des Gleichbehandlungsgesetztes sind diese Bezeichnungen jedoch geschlechtsunspezifisch zu betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rechtliche Grundlagen
3. Begriffsdefinition „Schulabsentismus“
4. Problematik bei der Erfassung von Schulabsentismus
5. Ursachen
5.1. Individuelle Faktoren
5.2. Schulische Faktoren
5.3. Faktoren im Primärmilieu
5.4. Die Peer-Group
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Ursachen von Schulabsentismus und stellt die zentrale Frage nach der Verantwortung für dieses Phänomen. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf den verschiedenen Bedingungsfaktoren, um auf dieser Grundlage präventive Lösungsansätze zu diskutieren.
- Rechtliche Rahmenbedingungen der Schulpflicht in Hamburg
- Theoretische Definition und Abgrenzung von Schulabsentismus
- Analyse individueller und schulischer Einflussfaktoren
- Bedeutung des familiären Umfelds und der Peer-Group
- Verantwortung der Institution Schule und Präventionsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
5.1. Individuelle Faktoren
Als ersten individuellen Faktor beschreibt Ricking das Alter. „Die Ergebnisse zum Verhältnis von Alter und Absentismus sind disparat und lassen keine eindeutige Aussage zu.“ (Ricking 2003: 123). Durch die Auseinandersetzung von nationalen und internationalen Forschungsarbeiten, kommt Ricking jedoch zu dem Schluss, dass Schulabsentismus tendenziell mit zunehmendem Alter ansteigt. Das zeigt, dass Grundschulen am wenigsten und weiterführende Schulen am häufigsten in Kontakt mit dem Thema Schulabsentismus kommen (vgl. Ricking 2003: 124).
Als zweiten Faktor beschreibt Ricking das Geschlecht. Auch hierbei ist es schwierig eine deutliche Aussage zu treffen. Tendenziell wird in der Fachliteratur wie nach Hildeschmidt (1979) oder Schulz (1987) dem männlichen Geschlecht eine Domäne zugesprochen (vgl. Ricking 2003: 125).
Den dritten Bedingungsfaktor betitelt Ricking mit der Schul- und Leistungsangst. Leistungsangst zählt als mögliche Ursache für Schulabsentismus. Das Notensystem, welches an den meisten Schulen in Hamburg genutzt wird, kann bei Schülern großen Druck auslösen. Um diesen Druck zu vermeiden, liegt es nahe, dass die Schüler sich durch absentes Verhalten dieser Situation versuchen zu entziehen. Problematisch in diesem Zusammenhang ist, dass die Schüler durch diesen Lösungsansatz nicht an ihren Ängsten arbeiten, sondern nur versuchen ihnen aus dem Weg zu gehen, indem sie die Schule schwänzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz des Themas Schulabsentismus, nennt die zugrunde liegende Fragestellung nach der Schuld und gibt einen Überblick über den strukturellen Aufbau der Arbeit.
2. Rechtliche Grundlagen: Das Kapitel stellt die gesetzlichen Bestimmungen zur Schulpflicht gemäß dem Hamburgischen Schulgesetz dar, einschließlich der Verantwortlichkeiten von Sorgeberechtigten und möglicher Konsequenzen bei Schulversäumnissen.
3. Begriffsdefinition „Schulabsentismus“: Hier erfolgt eine theoretische Herleitung des Begriffs durch die getrennte Definition von Schule und Absentismus sowie eine Abgrenzung zum Unterrichtsabsentismus.
4. Problematik bei der Erfassung von Schulabsentismus: Dieses Kapitel thematisiert die Schwierigkeiten, aufgrund fehlender einheitlicher Begriffsdefinitionen und variierender methodischer Zugänge vergleichbare Daten über Schulabsentismus zu gewinnen.
5. Ursachen: Dieser Hauptteil analysiert differenziert verschiedene Bedingungsfaktoren für schulisches Fehlverhalten, unterteilt in individuelle Merkmale, schulische Bedingungen, das Primärmilieu und den Einfluss der Peer-Group.
6. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Verantwortung breit gefächert ist, die Schule jedoch eine zentrale Rolle bei der Prävention spielt.
Schlüsselwörter
Schulabsentismus, Schulpflicht, Schulschwänzen, Leistungsangst, Schulversagen, Selbstkonzept, Primärmilieu, Peer-Group, Prävention, Erziehungswissenschaft, Hamburger Schulgesetz, Schulversäumnisse, Lernprozesse, Schulklima, pädagogische Intervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des Schulabsentismus, den verschiedenen Ursachen, die dazu führen, und der kritischen Auseinandersetzung mit der Frage nach der Verantwortlichkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die rechtlichen Grundlagen der Schulpflicht, theoretische Begriffsbestimmungen, methodische Herausforderungen bei der Erfassung sowie eine tiefgehende Analyse verschiedener Einflussfaktoren auf das Verhalten von Schülern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die vielfältigen Ursachen von Schulabsentismus differenziert darzustellen und zu untersuchen, wer für dieses Phänomen Verantwortung trägt, um daraus präventive Gegenmaßnahmen abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der aktuelle Forschungsarbeiten und das hamburgische Schulrecht herangezogen werden, um die Bedingungsfaktoren für Schulabsentismus systematisch zu kategorisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv der Analyse der Ursachen, wobei individuelle Faktoren, schulische Aspekte, Bedingungen im Primärmilieu und der Einfluss der Peer-Group nach dem Modell von Ricking betrachtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Schulabsentismus, Schulpflicht, Leistungsangst, das soziale Primärmilieu und die pädagogische Verantwortung der Schule.
Welche Rolle spielt das Notensystem bei der Entstehung von Schulabsentismus?
Das Notensystem wird als Leistungsdruck erzeugender Faktor identifiziert, der bei leistungsschwachen Schülern Ängste schüren und zu einem Vermeidungsverhalten (Schulschwänzen) führen kann.
Warum betont die Autorin die Bedeutung des Lehrverhaltens?
Lehrkräfte haben einen direkten Einfluss auf das Schulklima und die Registrierung von Fehlzeiten. Ihr Verhalten gegenüber den Schülern kann sowohl eine präventive als auch eine verstärkende Wirkung auf absentistisches Verhalten haben.
Welchen Stellenwert nimmt das Primärmilieu ein?
Das Primärmilieu ist von großer Bedeutung, da Faktoren wie Arbeitslosigkeit der Eltern, beengte Wohnverhältnisse oder eine geringe Wertschätzung der Schule durch die Eltern das Risiko für Schulabsentismus bei Kindern deutlich erhöhen können.
- Arbeit zitieren
- Sina Engelbrecht (Autor:in), 2017, Wer hat Schuld? Die Ursachen von Schulabsentismus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/510071