In der vorliegenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, welchen Nutzen die Systemtheorie nach Luhmann für die professionelle Praxis der Sozialen Arbeit haben kann. Dabei wird im ersten Teil der Arbeit die für das Grundverständnis der Luhmannschen Systemtheorie wesentlichen Begriffe dargestellt, wobei hier hauptsächlich auf die Begriffe des Systems, der Umwelt, Autopoiesis und der Kommunikation eingegangen wird.
Darauf folgt ein kurzer Exkurs, der eine kleine Spur des Diskurses der Theorie der Sozialen Arbeit darstellt: bei der Frage, ob Soziale Arbeit als eigenständiges Funktionssystem gelten kann oder nicht. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendung der (Luhmannschen) Systemtheorie in der Praxis der Sozialen Arbeit. Dabei wir als Erstes der Kommunikationsbegriff Luhmanns in den praktischen Kontext gesetzt. Dann folgt eine Darstellung des Verhältnisses von der Systemtheorie und "dem Systemischen", da letzteres im Diskurs der Praxis den Begriff der Systemtheorie fast gänzlich abgelöst zu haben scheint. Daraufhin wird, als letzter Punkt des Hauptteils, die Arbeit mit Familien auf systemtheoretische Aspekte hin untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Bemerkungen
2. Die Luhmannsche Systemtheorie und ihre Anwendung in der Praxis
2.1 Die Luhmannsche Systemtheorie
2.1.1 System – Umwelt – Autopoiesis
2.1.2 Soziale Systeme – Person – Kommunikation
2.1.3 Exkurs: Funktionssystem Soziale Arbeit? – Code – Programme
2.2 Anwendung der Systemtheorie in der Praxis der Sozialen Arbeit
2.2.1 Kommunikation in der Sozialen Arbeit
2.2.2 Systemtheorie und die systemische Praxis
2.2.3 Systemtheorie und ihre Anwendung in der Arbeit mit Familien
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den praktischen Nutzen der Luhmannschen Systemtheorie für die professionelle Soziale Arbeit. Dabei wird analysiert, wie grundlegende systemtheoretische Konzepte ein tieferes Verständnis für Kommunikationsprozesse und Interaktionen ermöglichen und wie diese Erkenntnisse in der psychosozialen Beratung sowie in der Arbeit mit Familien Anwendung finden können.
- Grundlagen der Systemtheorie (System, Umwelt, Autopoiesis)
- Kommunikation als basale Operation sozialer Systeme
- Diskurs um die Soziale Arbeit als eigenständiges Funktionssystem
- Übertragung systemtheoretischer Modelle auf die Beratungspraxis
- Systemische Methoden in der Arbeit mit Familien
Auszug aus dem Buch
2.1.1 System – Umwelt – Autopoiesis
Luhmann unterscheidet in seiner Systemtheorie neben Maschinen zwischen Organismen, sozialen Systemen und psychischen Systemen (vgl. Luhmann 1984, S. 16). Bestimmend für sie sind die Operationen, die Letztelemente der Systeme (vgl. Luhmann 1995, S. 60). Die Operationsform der Organismen ist Leben, die des sozialen Systems Kommunikation und die des psychischen Systems Gedanken (vgl. Krause 1996, S. 20). Systeme darf man nicht als starre Objekte sehen, sondern dynamisch. Durch die spezifischen Operationen erzeugen sie die Differenz von System und Umwelt. Umwelt ist immer Umwelt des Systems, systemrelativ, beschreibbar als Außenseite einer Form, bei dem die Innenseite das System selbst ist (vgl. Luhmann 1995, S. 27). In der Luhmannschen Systemtheorie werden die Systeme als autopoietisch bezeichnet.
Das bedeutet, dass die Systeme „die Elemente aus denen sie bestehen, durch die Elemente aus denen sie bestehen, selbst produzieren und reproduzieren“ (Luhmann 1995, S. 56). Bei der Entstehung von Systemen ist Anschlussfähigkeit der zentrale Begriff. Die spezifischen Operationen werden gewissermaßen verkettet; die eine Operation erzeugt eine weitere Operation, und nur in dieser Form. Systeme sind operativ geschlossen. Einzig Leben erzeugt Leben (Organismus), einzig Kommunikation erzeugt Kommunikation (soziales System) und einzig Gedanken erzeugen Gedanken (psychisches System). Eine Bedingung für die Anschlussfähigkeit eines Systems ist die Möglichkeit, sich selbst zu beobachten. Hierfür kopieren die Systeme die eigens erzeugte Differenz System/ Umwelt in sich hinein. Durch dieses sogenannte ‚re-entry‘ ist es dem System möglich, die Differenz System/ Umwelt als Schema eigener Beobachtungen zu nutzen (vgl. Luhmann und Baecker 2006, S. 72).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Bemerkungen: Einführung in die Fragestellung nach dem Nutzen der Luhmannschen Systemtheorie für die Soziale Arbeit und Überblick über den geplanten Aufbau der Arbeit.
2. Die Luhmannsche Systemtheorie und ihre Anwendung in der Praxis: Detaillierte Darstellung der theoretischen Grundlagen (System, Umwelt, Kommunikation) sowie Diskussion der Anwendbarkeit und systemischer Methoden in der psychosozialen Praxis und Familienhilfe.
3. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass die Systemtheorie trotz der Herausforderung einer möglichen „Trivialisierung“ ein wertvolles Instrumentarium zur ganzheitlichen Beobachtung komplexer Praxisfelder bietet.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Niklas Luhmann, Soziale Arbeit, Kommunikation, Autopoiesis, Soziale Systeme, Systemische Praxis, Beratungsverständnis, Familie, Interaktion, Komplexitätsreduktion, Beobachtung, Differenz, Funktionssystem, Genogramm
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der Luhmannschen Systemtheorie im Kontext der Sozialen Arbeit und deren Nutzen für die professionelle Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Begriffe der Systemtheorie, die Rolle der Kommunikation, der Diskurs zur Sozialen Arbeit als Funktionssystem und die systemische Beratungspraxis.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welchen konkreten Nutzen die Systemtheorie nach Niklas Luhmann für die professionelle Praxis der Sozialen Arbeit stiften kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Hausarbeit, die den systemtheoretischen Diskurs aufarbeitet und auf praktische Anwendungsfelder wie die Familienberatung überträgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung (System, Umwelt, Autopoiesis) und deren Umsetzung in die Praxis, inklusive Kommunikation und spezieller Methoden wie dem Genogramm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Systemtheorie, Soziale Arbeit, Kommunikation, Autopoiesis, systemische Praxis und Interaktion.
Wie unterscheidet sich die systemische Sichtweise vom klassischen Verständnis in der Beratung?
Das systemische Verständnis löst sich von der Annahme, dass ein Helfer das Verhalten des Klienten direkt verursachen kann, und begreift Beratung als Anregung bzw. Perturbation für das autopoietische Klientensystem.
Warum wird die Familie als „untypisches“ System bei Luhmann beschrieben?
Die Familie wird als untypisch eingestuft, da sie im Gegensatz zu anderen sozialen Systemen die Person in all ihren Facetten fast komplett inkludiert.
- Arbeit zitieren
- Pascal Rude (Autor:in), 2018, Die Systemtheorie Luhmanns in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/509709