Ziel der Arbeit ist, Lehrmaterialentwicklern, die über Grundkenntnisse des 4C/ID-Modells verfügen, anwendungsorientierte Unterstützung bei der Schulung von Master-Absolventen zu geben. Die Zielkompetenz der von den Trainern durchzuführenden Schulung ist: "Als Nachwuchswissenschaftler Studienergebnisse im Rahmen einer Konferenz vorstellen". Absolventen des Masterstudiengangs Biotechnologie arbeiten während des Studiums an Forschungsprojekten. Bei einer Nachwuchswissenschaftler-Konferenz sollen die Ergebnisse vor großem Auditorium präsentiert werden. Dazu bedarf es besonderer Fähigkeiten. Ein Experteninterview erbrachte, dass viele Nachwuchsforscher auf der Ebene des wissenschaftlichen Arbeitens sehr leistungsfähig seien, die Vermittlungs- und Selbstkompetenz oft defizitär. Das Phänomen tritt verstärkt auf bei praxisorientierten Studiengängen. Ziel ist, Nachwuchswissenschaftlern Fertigkeiten zu vermitteln, die sie brauchen, um einen Vortrag zu entwickeln, durchzuführen und zu evaluieren, der insgesamt ihrem wissenschaftlichen Niveau entspricht.
Das 4C/ID-Modell ist ein Handlungsleitfaden zur systematischen Entwicklung von Lernmaterial für das Erlernen komplexer Zielkompetenzen. Zentrale Charakteristika sind vier Komponenten, die in wechselseitiger Beziehung stehen. Zunächst sind dies die Lernaufgaben. Die Lebensnähe der Lernaufgaben dient der Motivation der Lernenden, verinnerlichtes Wissen zur Lösung komplexer Probleme heranzuziehen und zu transferieren. Lernaufgaben dienen dazu, beim Lernenden für non-rekurrente Teilfertigkeiten ein kognitives Schema aufzubauen. Für rekurrente Fertigkeiten sollte durch Regel-Aufbau ein Automatismus erreicht werden. Zweitens unterstützende Informationen: Diese sollen das Lernen nicht-rekurrenter Lernaufgaben fördern und eine Brücke zwischen Vorwissen und Lernaufgaben bilden. Just-In-Time-Informationen (JIT) drittens sind Informationen, die eine notwendige Voraussetzung für das Erlernen und Durchführen der rekurrenten Anteile der Lernaufgaben sind. Viertens: Part-Task-Practice, das heißt praktische Elemente, die dem Lernenden angeboten werden, um den Aufbau eines Regel-Netzwerkes für einzelne rekurrente Fähigkeiten zu fördern, die im Bedarfsfall automatisch abgerufen werden können (Automatisiertes Handeln). Das 4C/ID-Modell eignet sich für die zu schulende Zielgruppe, weil es analytisch ist und Problemlösungskompetenzen schult, die für die wissenschaftliche Karriere hilfreich sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Exkurs
2.1. Pfadabhängigkeit
2.2. Unterschied zwischen Didaktik und Instruktionsdesign
3. Hierarchische Kompetenzanalyse
4. Bildung von Aufgabenklassen
5. Entwicklung von Lernaufgaben
6. Prozedurale und unterstützende Informationen
7. Part-task Practice
8. Didaktische Szenarien
9. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein anwendungsorientiertes Konzept zur Schulung von Master-Absolventen für die Präsentation von Studienergebnissen auf wissenschaftlichen Konferenzen zu entwickeln, wobei das 4C/ID-Modell als zentraler Handlungsleitfaden fungiert.
- Analyse und Didaktisierung komplexer Kompetenzen für wissenschaftliche Vorträge
- Einsatz des 4C/ID-Modells als systematisches Instruktionsdesign
- Strukturierung von Lernaufgaben und Aufgabenklassen
- Methoden der Part-task Practice für automatisierte Fertigkeiten
- Vergleich und Anwendung didaktischer Szenarien wie Fallmethode und Famulatur
Auszug aus dem Buch
3. Hierarchische Kompetenzanalyse
Die Fertigkeiten-Hierarchie ist eine analytisch entwickelte, schematische Aufzeichnung der für eine Zielkompetenz erforderlichen Teilfertigkeiten und des entsprechenden Wissens und zeigt deren Beziehungen auf (van Merriënboer et al., 2013, S. 29). Beim Lernen komplexer Zielkompetenzen geht es darum zu lernen, wie einzelne Teilfertigkeiten miteinander zu verbinden sind, im Sinne eines echten Praxis-Nutzens. (van Merriënboer et al, 2002, S. 40). So wird neben den einzelnen Fertigkeiten auch die Fähigkeit gelernt, diese Teile in Beziehung zu setzen und die Fertigkeiten mit ganzheitlichem Blick einzusetzen. Man unterscheidet temporäre Beziehungen und konditionale Beziehungen. In der obersten Ebene, in einer waagerechten Linie von links nach rechts besteht zwischen den einzelnen Schritten eine zeitliche Beziehung, die eine Handlungsreihenfolge vorgibt. Die Abfolge kann exakt wie vorgegeben, nacheinander, gleichzeitig oder zeitlich austauschbar sein. Vertikal wird die konditionale Beziehung der Fertigkeiten untereinander aufgezeigt. Das heißt, dass die erfolgreich beherrschte unterste Fertigkeit Voraussetzung für den nächst höheren Lernschritt ist. Für die Entwicklung von Lernaufgaben ist die Hierarchie von besonderer Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition des Zieles, Master-Absolventen in einer Konferenzpräsentationsschulung zu unterstützen, sowie Vorstellung des 4C/ID-Modells und des Schulungsszenarios.
2. Theoretischer Exkurs: Erläuterung der Pfadabhängigkeit der Allgemeinen Didaktik im Vergleich zu ID-Modellen sowie Einbindung der Cognitive Load Theory als Bezugsrahmen.
3. Hierarchische Kompetenzanalyse: Detaillierte analytische Aufzeichnung der Teilfertigkeiten, die für die Zielkompetenz des wissenschaftlichen Vortragens notwendig sind.
4. Bildung von Aufgabenklassen: Festlegung des Rahmens für Lernaufgaben basierend auf dem Prinzip der vereinfachenden Annahmen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.
5. Entwicklung von Lernaufgaben: Konkretisierung der Lernaufgaben mittels Scaffolding, unterteilt in Imitations-, Vervollständigungs- und konventionelle Probleme.
6. Prozedurale und unterstützende Informationen: Unterscheidung zwischen theoretischem Input für komplexe Aufgaben und kurzfristig abrufbarer Hilfe für rekurrente Teilfertigkeiten.
7. Part-task Practice: Beschreibung des Trainings automatisierter Fertigkeiten, um Schnelligkeit und Korrektheit in Basisfertigkeiten zu gewährleisten.
8. Didaktische Szenarien: Diskussion der Fallmethode und Famulatur hinsichtlich ihrer Eignung für den Wissenserwerb und die Förderung der Problemlösungskompetenz.
9. Fazit: Verortung der entwickelten Konzepte im ADDIE-Phasenmodell sowie eine abschließende Bewertung der Stärken und Schwächen.
Schlüsselwörter
4C/ID-Modell, Instructional Design, Kompetenzanalyse, Lernaufgaben, Aufgabenklassen, Cognitive Load Theory, Didaktik, Wissenschaftskommunikation, Part-task Practice, Famulatur, Fallmethode, Fertigkeitenhierarchie, ADDIE-Modell, Präsentationstechnik, Instruktionsdesign.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwickelt ein didaktisches Konzept, um angehenden Wissenschaftlern dabei zu helfen, Forschungsergebnisse im Rahmen einer Konferenz professionell vorzutragen.
Welches wissenschaftliche Modell bildet das Fundament der Arbeit?
Als zentraler Handlungsleitfaden für das Instruktionsdesign dient das 4C/ID-Modell nach van Merriënboer.
Was ist das primäre Ziel der beschriebenen Schulung?
Das Ziel ist die Vermittlung von Fertigkeiten, mit denen Master-Absolventen einen Vortrag entwickeln, durchführen und evaluieren können, der ihrem wissenschaftlichen Niveau entspricht.
Welche Bedeutung hat die Hierarchische Kompetenzanalyse?
Sie dient dazu, die Zielkompetenz in Teilfertigkeiten zu zerlegen und deren zeitliche sowie konditionale Abhängigkeiten aufzuzeigen, was für die spätere Aufgabenentwicklung essenziell ist.
Wie werden Lernaufgaben methodisch gestaffelt?
Die Lernaufgaben folgen dem Scaffolding-Prinzip, bei dem die Unterstützung sukzessive abnimmt – vom Imitationsproblem bis zum konventionellen, völlig selbstständigen Problem.
Welche Rolle spielt die Part-task Practice im Entwurf?
Sie wird für rekurrente Teilfertigkeiten eingesetzt, bei denen ein hohes Maß an Automation erforderlich ist, um die kognitive Entlastung während des Vortragens zu fördern.
Was versteht man in diesem Kontext unter dem "Locked-in"-Effekt?
Dies ist ein theoretisches Konzept aus dem Bereich der Pfadabhängigkeit, das erklärt, warum sich etablierte Traditionen wie die Allgemeine Didaktik nur schwer durch moderne Instruktionsdesigns ergänzen oder ersetzen lassen.
Warum wird die Famulatur als didaktisches Szenario in Betracht gezogen?
Die Famulatur wird als "Meisterschüler-Modell" diskutiert, das eine enge persönliche Beziehung zwischen Mentor und Lernendem vorsieht, um Experten-Routinen durch Beobachtung und Reflektion zu verinnerlichen.
- Arbeit zitieren
- Maren Schulz (Autor:in), 2015, Förderung der Vermittlungskompetenz von Nachwuchswissenschaftlern mit dem 4C/ID-Modell. Schulung in der Präsentation von Studienergebnissen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/508774