Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, die Verdienste von Jakob und Wilhelm Grimm für die Vereinheitlichung der deutschen Sprache zu schildern und zu beschreiben.
Die Brüder Wilhelm und Jakob Grimm gehören zu einer jungen Generation von Gelehrten, die neue Methoden und Theorien entwickeln, um Literatur und sprachliche Überlieferungen zu sammeln, aufzubereiten, zu systematisieren und kritisch zu betrachten. Ihre Interessen beschränkten sich nicht nur auf die Sammlung, Edition und Interpretation von Märchen, Sagen und mittelalterlicher Dichtung. Neben der Dichtung spielte für sie auch die historische Erschließung der Sprache eine entscheidende Rolle. Dasselbe betraf auch die Rekonstruktion alter Rechtsgepflogenheiten oder der Mythologie oder des religiösen Glaubens. Der Ausdruck von Sitten und Denkmustern spielte für sie relevante Rolle, weil er davon zeugte, wie die Welt von früheren Kulturen die Welt verstanden und interpretiert wurde.
Die Grimms suchten nach Zeugnissen aus der Zeit, in der das Volk noch nicht in verschiedene Schichten bzw. Klassen geteilt war, was bedeutete, dass jeder vollen Anteil an der eigenen völkischen Identität hatte. Die neuzeitliche Gesellschaft fanden sie dagegen als problematisch. Jakob und Wilhelm Grimm befassten sich mit einer Kultivierung der Sprache, die ihrer Meinung nach, von fremden und niederen Einflüssen gereinigt werden sollte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Stand der deutschen Sprache im 19. Jahrhundert
1.1 Entwicklung des Wortschatzes
1.2. Situation mit der Rechtschreibung
2.Die Brüder Grimm
2.1. Biographie von Jacob und Wilhelm Grimm
2.2 Wichtigste Werke der Brüder Grimm
2.3 Das Märchen
2.3.1.Geschichte des Märchens
2.3.2. Eigenschaften und Stil des Märchens
2.3.3. Die Bedeutung des Märchenerzählens
2.4.Ausgewählte Grimm’sche Märchen und deren Analyse
2.4.1.Rotkäppchen
2.4.2. Hänsel und Gretel
2.4.3. Dornröschen
2.4.4. Aschenputtel
2.4.5. Schneewittchen
3. Die deutsche Sprache im Zusammenhang mit dem Schaffen der Brüder Grimm
3.1 Lexikographisches Schaffen von Brüder Grimm
3.1.1. Gegenstand der Lexikographie
3.1.2 Das Wörterbuch von Grimm
3.2 Die Bedeutung der Grimm’schen Werke für die deutsche Sprache
3.2.1.Einheit in der Vielfalt
3.2.2.Fremdwörter in der deutschen Sprache
3.2.3.Sprachfreiheit als Ausdruck für ein emanzipatorisches Menschenbild
4.Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Wirken der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, wobei der Fokus auf ihrem Beitrag zur Vereinheitlichung der deutschen Sprache sowie ihrer literaturwissenschaftlichen Bedeutung liegt. Es wird analysiert, wie ihr Schaffen – insbesondere das Deutsche Wörterbuch und die Kinder- und Hausmärchen – zur Entwicklung der deutschen Sprachkultur beitrug und welche Rolle dabei ihr emanzipatorisches Menschenbild spielte.
- Historische Entwicklung der deutschen Sprache im 19. Jahrhundert
- Biografie und wissenschaftliches Selbstverständnis der Brüder Grimm
- Die Gattung Märchen: Geschichte, Merkmale und psychologische Interpretation
- Lexikographische Methoden und die Entstehungsgeschichte des Deutschen Wörterbuchs
- Die Bedeutung der Grimm'schen Werke für die nationale Identität und Sprachpflege
Auszug aus dem Buch
2.4.1.Rotkäppchen
Eine einzige Interpretation des Märchen „Rotkäppchen“ gibt es nicht. Zahlreiche Experten auf den Gebieten der Sprachwissenschaft, Psychologie und Soziologie, haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Grimm’sche Märchen zu analysieren und es auf ihre eigene Art und Weise zu interpretieren. Folgend sollen die wichtigsten Interpretationsversuche vorgestellt werden.
Den Anfang macht Erich Fromm, ein deutscher Psychoanalytiker, Soziologe und Philosoph. Für Fromm dient das Rotkäppchen als eine sehr gute Illustration für die Anschauungen Freunds und auch für die Variation des männlich-weiblichen Konfliktes. Er impliziert damit von Anfang an, dass seine Interpretation mit der von Freund übereinstimmt, gut zu der Freund-Frommschen Theorie passt und das es hierbei mehr um die psychoanalytischen Thesen geht, als um das Märchen selbst.57
Die Ungehorsamkeit der Mädchens wiederum, wird laut Fromm, mit einer Vergewaltigung bestraft. Dieses Abweichen vom geraden Weg der Tugend hatte allerdings schon die Mutter vorausgesehen. Ihre Ermahnung „Die Flasche nicht tu zerbrechen“ wertet Fromm als eine Warnung vor Defloration. Das bedeutet, dass der Psychoanalytiker an dieser Stelle die Flasche mit der unbefleckten Vagina vergleicht.
Zusammenfassend kann man erkennen, dass Fromm in seiner Interpretation überall versucht, körperliche Symbole zu finden, was manchmal schon zwanghaft scheint. Außerdem ist für ihn das Märchen „Rotkäppchen“ ein Zeichen für den weiblichen Triumph gegenüber den Männer, ihren Hassobjekten. Diese These wird am Ende der Erzählung am sichtbarsten. Fromm schreibt: „Wieder, wie im babylonischen Mythos, müssen wir uns daran erinnern, dass die Überlegenheit der Frau in ihrer Fähigkeit besteht, Kinder zu gebären“58. Der Wolf wird bei seinem Versuch eine schwangere Frau zu spielen ins Lächerliche gezogen und dafür bestraft: Rotkäppchen legt Steine in den Bauch vom Wolf, die als Symbole der Sterilität gelten und führt somit zum Tod des betrügerischen Wolfs.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung umreißt die Absicht der Arbeit, die Leistungen der Brüder Grimm für die Vereinheitlichung und Kultivierung der deutschen Sprache im Kontext des 19. Jahrhunderts darzustellen.
1. Der Stand der deutschen Sprache im 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel beschreibt den Einfluss von Industrialisierung und technischem Fortschritt auf die deutsche Sprache, einschließlich der Notwendigkeit einer orthografischen Normierung.
2.Die Brüder Grimm: Der biographische Teil behandelt das Leben von Jacob und Wilhelm Grimm und gibt einen Überblick über ihre Märchensammlungen sowie die damit verbundene literaturwissenschaftliche Analyse.
3. Die deutsche Sprache im Zusammenhang mit dem Schaffen der Brüder Grimm: Der Hauptteil konzentriert sich auf die lexikographische Arbeit am Deutschen Wörterbuch und die Bedeutung der Werke für die deutsche Sprachkultur und Identität.
4.Zusammenfassung: Das letzte Kapitel resümiert das Lebenswerk der Brüder Grimm als bedeutenden Beitrag zur Germanistik und zur Entwicklung der modernen deutschen Sprache.
Schlüsselwörter
Brüder Grimm, deutsche Sprache, Sprachgeschichte, Märchen, Lexikographie, Wörterbuch, Sprachnormierung, Sprachpflege, Germanistik, Sprachkultur, Psychoanalyse, Identität, Volksmärchen, Sprachfreiheit, 19. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit beleuchtet das Wirken der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm und deren maßgeblichen Einfluss auf die deutsche Sprache und Germanistik im 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Sprachgeschichte des 19. Jahrhunderts, die Analyse der Gebrüder Grimm als Forscher, die Gattung Märchen sowie die aufwendige Entstehung des Deutschen Wörterbuchs.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Verdienste der Grimms bei der Vereinheitlichung der deutschen Sprache zu beschreiben und zu würdigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine historisch-vergleichende Literatur- und Quellenanalyse, ergänzt durch psychologische Interpretationsansätze von Märchenmotiven.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil widmet sich dem lexikographischen Schaffen, insbesondere dem Aufbau des Deutschen Wörterbuchs, und der Untersuchung der Märchen als kulturelles Erbe.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Zentrale Begriffe sind Sprachkultur, Germanistik, Lexikographie, Volksmärchen, Identitätsstiftung und Sprachnormierung.
Warum war das Projekt des Deutschen Wörterbuchs so bedeutend?
Es war ein monumentales wissenschaftliches Unternehmen, das erstmals den neuhochdeutschen Wortschatz systematisch erfasste und eine Grundlage für die moderne deutsche Lexikographie schuf.
Wie interpretieren die Autoren die Rolle der Märchen?
Märchen werden nicht nur als Kinderliteratur gesehen, sondern als Symbole für menschliche Entwicklungsstufen und als Mittel zur Vermittlung moralischer Werte interpretiert.
Welche Rolle spielte der politische Kontext für die Grimms?
Die Brüder Grimm verstanden Sprache als Ausdruck von Freiheit und Identität, was in ihrem liberalen Menschenbild und ihrem Ziel, die deutsche Sprache zu einen, zum Ausdruck kam.
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- Monika Krotoszynska (Autor:in), 2019, Vereinheitlichung der deutschen Sprache durch Jakob und Wilhelm Grimm, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/508169