Der Begriff "Rattenlinie" bezeichnet im Spionagejargon einen präparierten Weg, über welchen Flüchtlinge oder auch Agenten verdeckt in ein Land hinein oder aus einem Land heraus geschleust werden. Diese organisierten Fluchthilfen entwickelten sich von der Hilfe einzelner Privatpersonen bis hin zu einem länderübergreifenden Fluchthilfenetzwerk, in welchem die einzelnen Parteien unterschiedlich motiviert waren.
Die Grundeigenschaften einer Ratte werden durch den Begriff "Rattenlinie" auf die Nationalsozialisten übertragen. Somit werden sie als ichbezogen, eigennützig, aggressiv, unbeherrscht und hinterhältig beschrieben. In der folgenden Arbeit werden die Besatzungszeit Deutschlands durch die Alliierten, Fluchtrouten und die dazugehörigen Fluchthelfer dargelegt. Des weiteren wird sich mit dem nationalsozialistischen Aspekt der katholischen Kirche, also den Beziehungen katholischer Kirchenmitglieder zum Nationalsozialismus, befassen. Hierbei wird auch der moralisch-ethische Aspekt untersucht. Anhand der Beispiele von Josef Mengele und Erich Priebke wird der Werdegang eines Kriegsverbrechers bis 1945 sowie dessen darauffolgende Flucht analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Die „Rattenlinie“ als letzte Fluchtmöglichkeit vor der Eigenverantwortung als Täter
2 Die Besatzungszeit Deutschlands durch die Alliierten
2.1 Fluchtrouten und Fluchthelfer
2.1.1 Rotes Kreuz als Fluchthilfeorgan
2.1.2 „Kap der letzten Hoffnung“
2.1.3 Mythos „ODESSA“
3 Beziehungen katholischer Kirchenmitglieder zum Nationalsozialismus
3.1 Moralisch-ethischer Aspekt
4 Fallbeispiele
4.1 Josef Mengele
4.1.1 Wissenschaftliche und parteiische Karriere bis 1943
4.1.2 „Todesengel von Auschwitz“ bis 1945
4.1.3 Flucht ab 1945
4.1.4 Charakteranalyse
4.2 Erich Priebke
4.2.1 Karriere bis 1943
4.2.2 Massaker in den ardeatinischen Höhlen
4.2.3 Flucht nach Argentinien und späterer Lebensverlauf
4.2.4 Priebkes Prozess ab 1995
4.2.5 Alternativlösung zur Flucht
4.3 Résumé
5 Die Gerechtigkeitsfrage - bezogen auf den Umgang mit Kriegsverbrechern in Deutschland nach 1945
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sogenannten „Rattenlinien“ – Fluchtwege, die es NS-Tätern ermöglichten, sich nach 1945 ihrer Verantwortung zu entziehen. Dabei wird insbesondere die Rolle der katholischen Kirche und einzelner Kirchenmitglieder bei der Fluchthilfe beleuchtet sowie anhand der Fallbeispiele Josef Mengele und Erich Priebke analysiert, wie diese Verbrecher untertauchen konnten und welche ethischen Fragen dies im Hinblick auf Gerechtigkeit und Aufarbeitung aufwirft.
- Strukturen und Netzwerke der „Rattenlinien“
- Rolle der katholischen Kirche als Fluchthelfer
- Biografische Analyse von Josef Mengele und Erich Priebke
- Internationale Fluchtrouten nach 1945
- Juristische Aufarbeitung und Gerechtigkeitsfrage nach dem Zweiten Weltkrieg
Auszug aus dem Buch
4.1.2 „Todesengel von Auschwitz“ bis 1945
Das ursprüngliche, seit Mai 1940 existierende, Auschwitz-Lager war eigentlich ein Konzentrationslager für überwiegend polnische Häftlinge. Es wurde nach dem Überfall auf die Sowjetunion am 22.6.1941 immer mehr zu einem Vernichtungslager ausgebaut und schließlich in 3 Gesamtkomplexe unterteilt. Anfang September 1941 gab es die ersten Massenmorde mit Zyklon B in provisorisch abgedichteten Arrestzellen überwiegend kranker und entkräfteter Häftlinge.
Ab dem 30. Mai 1943 wurde der Todesengel im Konzentrationslager Auschwitz als Wirtschafts-/Verwaltungshauptamt der SS, Amtsgruppe D III, Abteilung Sanitätswesen und Lagerhygiene, eingeteilt, da der Lagerarzt Benno Adolph an Scharlach erkrankte.
Mengele war der leitende Lagerarzt für Zigeuner, dem SS-Standortarzt Eduard Wirths unterstellt, und formell für die medizinische Betreuung der Häftling zuständig. Eigentlich beinhaltete sein Aufgabenfeld aber den Vernichtungsprozess, also die Beaufsichtigung der Vergasung, die Hinrichtungen, oder je nach Absprache mit dem Krankenhaus das Abspritzen, also die Tötung durch Phenolinjektionen, und die Ausstellung der jeweiligen gefälschten Todesscheine. Auch die Selektion an der Rampe gehörte zu Mengeles Tätigkeitsfeld, wobei er diese entweder mit einer lässigen Handbewegung/-zeichen durchführte, oder dabei eine Opernarie pfiff, wohingegen sich die meisten anderen Ärzte Aufputschmittel oder Alkohol einflößen mussten, um diese entmenschlichende Arbeit moralisch verkraften zu können.
Unter anderem führte er Zwangssterilisationen, ohne jegliche Erfahrung auf dem Gebiet, durch, die Häftlinge wurden lediglich als Mittel zum Fortbildungszweck gesehen; wer die Eingriffe tatsächlich überlebt hatte, wurde vergast.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die „Rattenlinie“ als letzte Fluchtmöglichkeit vor der Eigenverantwortung als Täter: Einführung in den Begriff der Rattenlinien als Fluchtwege für NS-Täter und deren Motivation zur Flucht.
2 Die Besatzungszeit Deutschlands durch die Alliierten: Darstellung der Kapitulation Deutschlands und der chaotischen Zustände, die NS-Größen die Flucht ermöglichten.
3 Beziehungen katholischer Kirchenmitglieder zum Nationalsozialismus: Analyse der Rolle kirchlicher Einrichtungen und des Papsttums im Kontext der nationalsozialistischen Fluchthilfe.
4 Fallbeispiele: Detaillierte Betrachtung der Fluchtbiografien von Josef Mengele und Erich Priebke sowie deren Wirken im NS-Regime.
5 Die Gerechtigkeitsfrage - bezogen auf den Umgang mit Kriegsverbrechern in Deutschland nach 1945: Ethische Reflexion über die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen und die moralische Verantwortung der Justiz.
Schlüsselwörter
Rattenlinie, Nationalsozialismus, Fluchthilfe, Josef Mengele, Erich Priebke, Auschwitz, Alliierten, Kriegsverbrecher, Katholische Kirche, Gerechtigkeitsfrage, Nürnberger Prozesse, Fluchtrouten, Entnazifizierung, Zweiter Weltkrieg, Täterschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Fluchtnetzwerken für NS-Täter nach 1945, den sogenannten Rattenlinien, und untersucht, wie diese Verbrecher ihrer strafrechtlichen Verantwortung entgingen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Kernbereichen gehören die Strukturen der Fluchthilfe, die Rolle der katholischen Kirche und das Leben sowie das Untertauchen prominenter NS-Kriegsverbrecher.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Täter wie Mengele und Priebke fliehen konnten und welche moralischen und ethischen Fragen der Umgang mit diesen Tätern in der Nachkriegszeit aufwirft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Literaturanalyse und die Auswertung von Dokumentationen und biografischen Aufzeichnungen der behandelten Täter.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Fluchtstrukturen, die Rolle der Kirche und die spezifische biografische Analyse der Flucht von Josef Mengele und Erich Priebke.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rattenlinie, Fluchthilfe, NS-Täterschaft, juristische Aufarbeitung und die Rolle der katholischen Kirche in der Nachkriegszeit.
Welche Rolle spielte das Rote Kreuz bei der Flucht?
Das Rote Kreuz stellte in der unmittelbaren Nachkriegszeit teilweise Reisedokumente aus, die von flüchtenden Nationalsozialisten genutzt wurden, um sich falsche Identitäten zu verschaffen.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der katholischen Kirche?
Die Arbeit kritisiert die Rolle einiger kirchlicher Einrichtungen, die als Fluchthelfer fungierten oder durch ihre Verschwiegenheit die Fluchtwege für Kriegsverbrecher begünstigten.
Wie unterscheidet sich die Flucht von Josef Mengele von der von Erich Priebke?
Während Mengele über lange Zeit im Verborgenen blieb und unter ständiger Paranoia lebte, war Priebke in Argentinien in der deutschen Gemeinschaft integriert und lebte dort jahrelang unter seinem eigenen Namen, bis er in den 1990er Jahren an Italien ausgeliefert wurde.
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- Anonym (Author), 2017, "Die Rattenlinien" der Täter des Nationalsozialismus. Josef Mengele und Erich Priebke, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/507878