Diese Arbeit nähert sich der Armutsproblematik von Kindern an. Anfänglich erfolgt dazu eine Begriffsklärung der Armut und insbesondere der Kinderarmut. Darüber hinaus wird besonderer Wert darauf gelegt, die Ursachen und Folgen von Armut auf die Sozialisation von Kindern aufzugreifen, um die Vielschichtigkeit der Armutsauswirkungen zu verdeutlichen. Überdies wird das Phänomen Kinderarmut hinsichtlich der aktuellen Sozialpolitik im Ländervergleich zwischen Schweden und Deutschland betrachtet und letztlich die Handlungsanforderungen an die Sozialpolitik formuliert.
"Unsere Gesellschaft ist arm an Kindern, aber reich an armen Kindern." Dieses Zitat formulierte SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner anlässlich der Vorstellung des Deutschen Kinderreports 2007. Nicht nur in der EU auch in Deutschland leben immer mehr Menschen in Armut. Lange Zeit galt Kinderarmut in Deutschland als unbedeutendes Randphänomen, obwohl diese Problematik hierzulande keine Seltenheit darstellt. Im Gegenteil, in Deutschland ergab eine Längsschnittanalyse, dass in den Jahren 2000 bis 2010 rund 8,6 Prozent der deutschen Kinder Armutserfahrungen gemacht haben. Diesbezüglich lebten 6,9 Prozent dieser Kinder in Haushalten, welche mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen mussten.
Wirtschaftliche und soziale Umbruchprozesse, welche seit Anfang der neunziger Jahre ein Auseinanderdriften der Gesellschaft begünstigt haben, bewirkten im letzten Jahrzehnt zum Teil intensive wissenschaftliche und politische Diskurse hinsichtlich der Auswirkungen relativer Einkommensarmut auf die Kinder. So ist sich die Armutsforschung weitestgehend einig darüber, dass besonders die Kinderarmut in den letzten dreißig Jahren auf ein hohes Niveau angewachsen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung zum Thema Armut
3. Armutsgefährdung von in Deutschland lebenden Kindern- Zahlen und Fakten
4. Ursachen von Kinderarmut in Deutschland
5. Auswirkungen familiärer Armut auf die Entwicklung der Kinder
6. Kinderarmut im Vergleich der aktuellen Sozialpolitik zwischen Schweden und Deutschland
7. Sozial- und familienpolitische Handlungsaufforderung
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Problematik der Kinderarmut in Deutschland. Ziel der Untersuchung ist es, das Ausmaß der Armutsgefährdung darzustellen, die Ursachen zu beleuchten sowie die Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung zu analysieren, um daraus Handlungsempfehlungen für die aktuelle Sozialpolitik abzuleiten.
- Statistische Erfassung und Ausmaß der Kinderarmut in Deutschland
- Ursachenanalyse unter Berücksichtigung von Arbeitsmarkt- und Familienstrukturen
- Analyse der Auswirkungen von Armut auf die kindliche Entwicklung
- Ländervergleich der Sozialpolitik zwischen Schweden und Deutschland
- Diskussion politischer Interventionsmöglichkeiten und der Kindergrundsicherung
Auszug aus dem Buch
3. Armutsgefährdung von in Deutschland lebenden Kindern- Zahlen und Fakten
Nach der Erhebung LEBEN IN EUROPA (EU-SILC) 2013 ist derzeit fast jede sechste Person Deutschlands von Armut gefährdet. Dieses Ergebnis entspricht 16,1 Prozent der Bevölkerung oder fast 13 Millionen Menschen (vgl. Statistisches Bundesamt 2014:1).
Überdies führen seit geraumer Zeit statistische Erhebungen über die Zunahme der Kinderarmut zu vielfältigen Diskursen. In diesem Zusammenhang weisen lokale Armutsberichte insbesondere auf eine Erhöhung der Kinderzahl unter den Sozialhilfeempfängern hin (vgl. Beisenherz 2013: 28). So lebten beispielweise im Jahre 2003 circa 1,08 Millionen Kinder in Haushalten mit Sozialhilfebezug und schon Ende 2004 stieg diese Zahl auf 1,45 Millionen. Mit dem 2005 erlassenen „ Vierten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt (Hartz IV)“ verschärfte sich die Situation. Dies hatte 2009 eine Steigerung auf über 1,7 Millionen von Armut betroffenen Kindern zur Folge und bewirkt damit eine Gesamtanzahl in Deutschland von ca. 2,5 Millionen Kindern. Vergleichsweise äußert sich das Bild der relativen Einkommensarmut, welches bestätigt das Kinder öfter als Erwachsene von Armut betroffen sind.
Gesamtarmutsquote anhand von SOEP- Daten des 3. Armuts-und Reichtumsberichts von 12 Prozent im Jahr 1998 auf 18 Prozent im Jahr 2005. Im übereinstimmenden Zeitraum erhöhte sich die Kinderarmutsquote von 16 auf 26 Prozent (vgl. Kalbitz 2010: 7). Somit ist jedes siebte Kind von Armut betroffen und lebt in einer Familie, die weniger als 50 Prozent des finanziellen Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Zudem lebt die Hälfte aller in Deutschland weilenden Kinder in finanziell unsicheren Verhältnissen und 6,6 Prozent aller Kinder empfangen Sozialhilfe. Die letztere Prozentangabe ist die doppelte Menge des Bevölkerungsdurchschnitts (vgl. Arbeiterwohlfahrt 2008). Da Armut mehrdimensional zu betrachten und als materielle sowie immaterielle Problemlage zu verstehen ist, muss neben der Einkommenssituation der Familie die Lebenslage der Kinder Beachtung finden (vgl. Butterwegge 2000:76).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Kinderarmut als zunehmend relevantes Thema in Deutschland ein und skizziert den Rahmen der Untersuchung.
2. Begriffsklärung zum Thema Armut: Dieses Kapitel erläutert die Vielschichtigkeit des Armutsbegriffs sowie die Unterscheidung zwischen relativer und absoluter Armut.
3. Armutsgefährdung von in Deutschland lebenden Kindern- Zahlen und Fakten: Hier werden statistische Daten und Entwicklungen zur Armut von Kindern in Deutschland dargestellt und eingeordnet.
4. Ursachen von Kinderarmut in Deutschland: Das Kapitel analysiert arbeitsmarktbezogene und strukturelle Ursachen, die zur Armut von Familien und Kindern führen.
5. Auswirkungen familiärer Armut auf die Entwicklung der Kinder: Hier werden die negativen Folgen von Armut für die physische, psychische und bildungsbezogene Entwicklung von Kindern erörtert.
6. Kinderarmut im Vergleich der aktuellen Sozialpolitik zwischen Schweden und Deutschland: Ein Vergleich der sozialpolitischen Ansätze beider Länder zeigt Unterschiede in der Effektivität der Armutsbekämpfung auf.
7. Sozial- und familienpolitische Handlungsaufforderung: Dieses Kapitel diskutiert mögliche Reformansätze, wie die Kindergrundsicherung, zur Verbesserung der Lebenslage armutsbetroffener Kinder.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit präventiver politischer Maßnahmen zur Armutsreduktion.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Sozialpolitik, Armutsgefährdung, Deutschland, Relative Armut, Familienpolitik, Sozialstaat, Bildungsbenachteiligung, Kindergrundsicherung, Erwerbsarmut, Wohlfahrtsstaat, Kinderbetreuung, Arbeitsmarkt, Einkommensarmut
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Kinderarmut in Deutschland, beleuchtet deren Ursachen und Folgen und setzt sich kritisch mit den bestehenden sozialpolitischen Maßnahmen auseinander.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Armut, die statistische Verbreitung von Kinderarmut, die Ursachenforschung sowie die Analyse von Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung und der Vergleich mit dem schwedischen Sozialmodell.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Vielschichtigkeit der Kinderarmut darzustellen und Handlungsnotwendigkeiten für eine effektivere Sozialpolitik aufzuzeigen, um die Bildungschancen und die Teilhabe betroffener Kinder zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die empirische Daten, Statistiken (wie z.B. SOEP-Daten) und wissenschaftliche Diskurse zur Armutsforschung heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den Statistiken zu Armut, die Ursachen (wie prekäre Arbeitsverhältnisse und Wandel der Familienstrukturen) sowie die Folgen für die Gesundheit und Bildung der Kinder detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kinderarmut, Sozialpolitik, Armutsgefährdung, Kindergrundsicherung und Bildungschancen charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Sozialpolitik in Deutschland von der in Schweden im Kontext der Kinderarmut?
Während Deutschland stark auf traditionelle Familienmodelle und steuerliche Vorteile setzt, bietet Schweden eine flächendeckende Infrastruktur zur Kinderbetreuung an, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht und somit die Kinderarmut effektiver senkt.
Warum wird im Dokument eine Kindergrundsicherung gefordert?
Die Forderung basiert auf der Annahme, dass das aktuelle Fördersystem zu bürokratisch und ineffektiv ist; eine pauschalisierte Grundsicherung würde direkt den Kindern zugutekommen und ihre soziale und kulturelle Teilhabe unabhängig vom Einkommen der Eltern sicherstellen.
- Arbeit zitieren
- Ines Schrötter (Autor:in), 2016, Kinderarmut. Herausforderungen an die Sozialpolitik in Deutschland und Schweden, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/507218