Die Arbeit dient dazu, ein Unterrichtsprojekt in der Jahrgangsstufe 11 vorzubereiten, durchzuführen und zu bewerten. Ganz konkret soll es dabei um die Bewertung der Schülerleistungen während der Presseschau gehen. Dazu sind ein instruktives Aufgaben-Setting und ein Bewertungsraster zu entwickeln und im Unterricht praktisch zu erproben. Zu klären sind zudem die konkrete Form der Auftragsausformulierung, das Design des Lernarrangements, der Offenheitsgrad der Aufgabenstellungen, die Kriterien und der Modus der Leistungsbewertung wie zum Beispiel die Frage, ob die Mitschüler in die Leistungsbewertung einbezogen werden sollen oder nicht.
Damals wie heute stellte sich den Politiklehrern die Schwierigkeit, geeignetes Material aus der Fülle der gedruckten Presseorgane auszuwählen und den Schülern das notwendige Rüstzeug zu einer selbstständigen Wissensaneignung in die Hand zu geben. In der Weimarer Republik behalfen sich die Pädagogen mit Pressespiegeln, die die Schüler mithilfe von Lexika zu sichten und textlich zu erschließen hatten. Diese Deutungsleistung auf dem Niveau des heutigen Anforderungsbereiches II stellt gegenüber dem ersten Schritt eine sichtbare Progression dar und ist auch heute noch Ziel der Presseschau im Politikunterricht der Gegenwart. Sie bildet die Grundlage für die Diskussion und begründete Stellungnahme im Anforderungsbereich III, die die Kernkompetenz des heutigen Politikunterrichts kennzeichnet: die Befähigung zum mündigen Handeln und Urteilen in der Demokratie.
Inhaltsverzeichnis
1. Theoretische Einführung
2. Vorhaben
3. Musterbeispiel
4. Reflexion
4.1 Einbettung in den Rahmenlehrplan
4.2 Lerngruppenanalyse
4.3 Probleme bei der Umsetzung
4.4 Anpassung der Bewertungskriterien
4.5 Alternativen
4.6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit zielt darauf ab, ein Unterrichtsprojekt zur regelmäßigen Presseschau in der gymnasialen Oberstufe (Jahrgangsstufe 11) vorzubereiten, durchzuführen und fachdidaktisch zu bewerten. Im Zentrum steht dabei die Entwicklung und praktische Erprobung eines transparenten Bewertungsrasters, das es Schülern ermöglicht, aktuelle politische Artikel mittels strukturierter Analysekriterien (insbesondere Effizienz und Legitimität) zu bewerten, ihre eigene Urteilsfähigkeit zu schärfen und diese in einer Diskussion vor der Lerngruppe zu vertreten.
- Entwicklung und Modifikation eines kriteriengestützten Bewertungsbogens für mündliche Schülerleistungen.
- Anwendung des Kategorienmodells der politischen Urteilsbildung nach Massing (Effizienz und Legitimität).
- Etablierung einer Diskussionskultur zur Förderung der politischen Urteilsfähigkeit und Mündigkeit.
- Reflexion über die Einbeziehung von Mitschülern in den Bewertungsprozess und das Spannungsfeld objektiver Leistungsbewertung.
- Analyse didaktischer Herausforderungen und Erarbeitung von Handlungsalternativen für den Politikunterricht.
Auszug aus dem Buch
3. Musterbeispiel
Etabliert werden soll bei den Schülern eine Handlungsroutine, die ihnen zunächst an einem Beispiel vorgemacht werden soll. Als Beispiel dient das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das der Bundestag vor der Sommerpause Ende Juni 2017 unter Federführung des Bundesjustizministers Heiko Maas verabschiedet hat und zum Jahreswechsel 2017/2018 vollständig in Kraft getreten ist. Die politische Entscheidung wurde von allen maßgeblichen Presseorganen thematisiert, hier soll – gewissermaßen als didaktische Reduktion – auf einen Text aus der Jugendplattform von Spiegel online mit dem Namen Bento zurückgegriffen werden. Diese journalistischen Texte zeichnen sich durch einfachen Satzbau, Markierungen und Hervorhebungen sowie die Verwendung einer jugendgerechten Sprache aus. Um die Aufgabenschwierigkeit zu erhöhen, könnte man auf einen entsprechenden Artikel anderer Leitmedien, z. B. überregionaler Tageszeitungen wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder der Süddeutschen Zeitung, zurückgreifen. Dieser wäre detaillierter, allerdings um den Preis höherer Zugangsvoraussetzungen im Hinblick auf das Textverständnis der Schüler.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretische Einführung: Dieses Kapitel verortet die Presseschau im historischen Kontext des Politikunterrichts und erläutert die Bedeutung der Medienarbeit für die Ausbildung mündiger Bürger, wobei das Modell der politischen Urteilsbildung nach Massing als theoretischer Rahmen eingeführt wird.
2. Vorhaben: Hier wird das konkrete Unterrichtsprojekt für die Jahrgangsstufe 11 vorgestellt, das darauf abzielt, Schüler zu einer selbstständigen Analyse und Präsentation aktueller Presseartikel anzuregen, um die politische Urteilsfähigkeit zu fördern.
3. Musterbeispiel: Dieses Kapitel demonstriert anhand des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes eine praktische Umsetzungsform der Presseschau, inklusive einer didaktischen Einordnung der Materialauswahl und methodischer Hinweise für den Unterricht.
4. Reflexion: Der Hauptteil des Kapitels analysiert die Erfahrungen aus der praktischen Umsetzung, beleuchtet Probleme wie die Auswahl geeigneter Texte sowie Schwierigkeiten bei der Selbstevaluation und entwickelt durch iterative Anpassungen ein optimiertes Bewertungsverfahren für die Zukunft.
Schlüsselwörter
Politikunterricht, Presseschau, Politische Urteilsbildung, Bewertungskriterien, Netzwerkdurchsetzungsgesetz, Kompetenzbereiche, Effizienz, Legitimität, Schülerevaluation, Handlungsorientierung, Demokratieerziehung, Urteilsfähigkeit, Didaktische Reduktion, Politische Beteiligung, Leistungsbewertung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Erprobung und Optimierung der Methode der regelmäßigen Presseschau im Politikunterricht der gymnasialen Oberstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Förderung der politischen Urteilsfähigkeit, der Umgang mit Medien im Unterricht und die Entwicklung transparenter Bewertungsstandards für mündliche Schülerleistungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung eines instruktiven Aufgabensettings und eines Bewertungsrasters, um Schülerleistungen in der Presseschau kriteriengestützt, nachvollziehbar und pädagogisch sinnvoll zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen praxisorientierten Ansatz der Aktionsforschung, bei dem ein Unterrichtsprojekt in einem Grundkurs durchgeführt, reflektiert und durch anschließende Anpassungen der Bewertungskriterien stetig verbessert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Einbettung in den Rahmenlehrplan, eine detaillierte Lerngruppenanalyse, die Reflexion aufgetretener Umsetzungsprobleme sowie die systematische Weiterentwicklung des Bewertungsbogens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Politische Bildung, Urteilsfähigkeit, Presseschau, Bewertungskriterien und Medienanalyse charakterisiert.
Warum wird das Netzwerkdurchsetzungsgesetz als Musterbeispiel genutzt?
Es dient als aktuelles und gesellschaftlich relevantes Beispiel, um den Schülern eine konkrete Handlungsroutine zur Analyse politischer Entscheidungen nach den Kriterien Effizienz und Legitimität zu vermitteln.
Wie gehen die Schüler mit der Einbeziehung in den Bewertungsprozess um?
Es zeigt sich, dass Schüler bei der Selbstevaluation zur Milde neigen, um Konflikte zu vermeiden, weshalb eine anonymisierte oder lehrergesteuerte, aber transparente Bewertung als notwendig erachtet wird.
Welchen Stellenwert nimmt die Distanz bei der Bewertung ein?
Der Autor schlussfolgert, dass eine zeitliche und räumliche Distanz zwischen der Leistungserbringung und der Notengebung die Objektivität steigert und typische Bewertungsfehler wie Halo-Effekte reduziert.
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- Dr. Christian Schwießelmann (Author), 2018, Wie können Politiklehrer die Presseschau ihrer Schüler bewerten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/506966