Die Hausarbeit untersucht am Beispiel verschiedener, repräsentativ ausgewählter Staaten die Einstellungen der BürgerInnen zur Europäischen Union. Die Staaten werden nach geographischen Aspekten (zum Beispiel Mitteleuropa/Osteuropa), starken ideologischen Ausprägungen der Regierungsparteien (zum Beispiel rechtpopulistische Parteien) und der finanziellen Situation, die aufgrund von Rettungspaketen der Europäischen Union auch andere Länder als die finanziell Schwachen betreffen, kategorisiert.
Die teilweise skeptische Einstellung gegenüber der Europäischen Union und deren Leitprinzipien tritt in den letzten Jahren nicht nur in kleinen Gruppierungen und Parteien in Erscheinung, sondern gar in ganzen Mitgliedstaaten. Eine beliebte Umschreibung für diese Einstellung, die häufig in der Fachliteratur verwendet wird, ist der Begriff des Europaskeptizismus.
Der angestrebte Ausstieg Großbritanniens (Brexit) ist der erste Versuch eines Mitgliedstaates, basierend auf einer euroskeptischen Einstellung der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger und den jeweiligen Regierungsvertretern, die Europäische Union zu verlassen. In vielen weiteren EU-Mitgliedsstaaten werden euroskeptische Haltungen in der Gesellschaft und der Parteienlandschaft populärer. Insbesondere rechtspopulistische Parteien können Wahlerfolge und einen großen Mitgliederanstieg verzeichnen.
Besonders die Flüchtlingskrise und der Konflikt, der durch Differenzen der Staaten bezüglich der Migrations- und Asylpolitik verstärkt wurde, führten bei vielen Bürgerinnen und Bürgern zu Unzufriedenheit und zur besagten skeptischen Haltung gegenüber den Prinzipien und dem System der EU. Ein Beispiel für diesen Konflikt ist die aktuelle Debatte um die Seenotrettung im Mittelmeer vor der italienischen Küste. Die mangelnde Solidarität vieler europäischer Staaten trifft besonders die italienische Bevölkerung. Die hohe Wahlbeteiligung bei der Europawahl 2019, bei der mehr als 50% der Bürger ihre Stimme abgegeben haben, zeigt aber auch ein erhöhtes Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Zukunft Europas.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kriterien bezogene Auswahl der EU - Mitgliedsstaaten
2.1 Allgemeines
2.2 Deutschland und Frankreich
2.3 Polen
2.4 Ungarn
2.5 Griechenland
2.6 Italien
2.7 Großbritannien
3 Variablen zur Messung der Einstellung der Bevölkerung ausgewählter Länder zur Europäischen Union
3.1 Allgemeines
3.2 „My voice counts in the European Union”
3.3. “Membership of the European Union”
3.4 “Benefits of Membership”
3.5 “Role of European Parliament”
4 Ergebnisse und Diskussion
4.1 Darstellung der Ergebnisse
4.2 Diskussion der Ergebnisse
4.2.1 Allgemeines
4.2.2 Deutschland
4.2.3 Polen
4.2.4 Ungarn
4.2.5 Frankreich
4.2.6 Griechenland
4.2.6 Großbritannien
4.2.7. Italien
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger verschiedener EU-Mitgliedstaaten zur Europäischen Union. Ziel ist es, Ursachen für euroskeptische Tendenzen zu identifizieren, wobei insbesondere der Einfluss von geographischen Faktoren, der nationalen wirtschaftlichen Situation sowie der Ideologie der jeweiligen Regierungsparteien analysiert wird.
- Einfluss von rechtspopulistischen Regierungen auf die EU-Einstellung
- Wirtschaftliche Faktoren wie Verschuldung und Arbeitslosigkeit als Ursache für Skepsis
- Die Auswirkungen der Migrations- und Asylpolitik auf das Vertrauen in die EU
- Empirische Analyse basierend auf Eurobarometer-Daten
- Vergleich der Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Polen, Ungarn, Griechenland, Italien und Großbritannien
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Allgemeines
Die Ergebnisse zeigen unter anderem Einstellungsunterschiede bezüglich der geographischen Lage der untersuchten europäischen Staaten. Die durchschnittlich positivsten Werte weisen die mitteleuropäischen Länder Deutschland, Ungarn und Polen (Aufteilung der Regionen nach „The World Factbook“ , 2017; Abb. 7) auf. Die südeuropäischen Staaten der Untersuchung, Griechenland und Italien, schneiden eher unterdurchschnittlich ab, während Frankreich und Großbritannien (Westeuropa) nah am Wert des „EU Ø“ liegen.
Die südeuropäischen Länder sind laut „Eurostat“ von hoher Verschuldung, schwankender Wirtschaftslage und starker Arbeitslosigkeit betroffen (Eurostat, 2018 S. 69ff. + S.83ff.). Diese Faktoren können sich negativ auf die Einstellung zur Europäischen Union auswirken, da durch den europäischen Zusammenschluss und dem Prinzip der Solidarität „alle Mitgliedstaaten [verpflichtet sind] den schwächeren zu helfen, ihre Probleme anzupacken und stärker zu werden“ (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, 2018) sowohl auf politischer als auch auf wirtschaftlicher Ebene. Die hohe Staatsverschuldung (Italien 132,2 % des BIP; Griechenland 181,1% des BIP [Eurostat, 2018]) der beiden Länder ist hier von zentraler Bedeutung. Die Bürger*innen unterstellen der EU oftmals dieses Prinzip zu vernachlässigen. Auch die Belastung durch eine ungerechte Verteilung der Flüchtlinge auf die Länder Südeuropas führt zu negativen Haltungen gegenüber der Institution EU (Epoch Times, 2019).
Die Bevölkerung der rechtspopulistisch- und euroskeptisch-regierten Länder weist keine klare Einstellungsstruktur auf. Die Umfragewerte der italienischen Bürgerinnen und Bürger zeigen tendenziell negative Einstellungswerte, während die Bevölkerung Polens und Ungarns trotz stark-euroskeptischer Regierungsparteien über dem durchschnittlichen EU-„Einstellungswert“ liegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Euroskeptizismus ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung vor dem Hintergrund aktueller politischer Herausforderungen wie dem Brexit und der Flüchtlingskrise.
2 Kriterien bezogene Auswahl der EU - Mitgliedsstaaten: Hier werden die Auswahlkriterien für die untersuchten Staaten – darunter geographische Lage, wirtschaftliche Situation und ideologische Ausrichtung der Regierungen – detailliert dargelegt.
3 Variablen zur Messung der Einstellung der Bevölkerung ausgewählter Länder zur Europäischen Union: Dieser Abschnitt beschreibt die vier zentralen Variablen des Eurobarometers, die zur empirischen Messung der Einstellung der Bürgerinnen und Bürger herangezogen werden.
4 Ergebnisse und Diskussion: Das Kapitel präsentiert die empirischen Daten zur Einstellung gegenüber der EU und analysiert diese unter Berücksichtigung länderspezifischer Besonderheiten und politischer Rahmenbedingungen.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach mangelnde Solidarität und Unterstützung als Hauptursachen für den Euroskeptizismus innerhalb der EU-Mitgliedstaaten ausgemacht werden.
Schlüsselwörter
Euroskeptizismus, Europäische Union, Eurobarometer, Rechtspopulismus, Brexit, Migration, Staatsverschuldung, Politische Einstellung, Bürgerbeteiligung, Solidarität, Europäisches Parlament, Wirtschaftskrise, Wahlverhalten, Politische Partizipation, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Einstellung der Bürgerinnen und Bürger ausgewählter EU-Mitgliedstaaten zur Europäischen Union und analysiert die Ursachen für euroskeptische Tendenzen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit beleuchtet Themen wie den Einfluss von rechtspopulistischen Parteien, wirtschaftliche Krisen, Migrationspolitik und das Vertrauen in europäische Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Ursachen zu ergründen, die eine skeptische Haltung gegenüber der EU begründen, und dabei zu prüfen, ob rechtspopulistische Regierungen die Einstellung ihrer Bevölkerung zur EU maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine quantitative Analyse basierend auf den Daten des Eurobarometers sowie eine komparative Betrachtung verschiedener europäischer Staaten.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Auswahlkriterien für die Länder, die Erläuterung der methodischen Variablen und die detaillierte Diskussion der Ergebnisse pro Land.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Zentrale Begriffe sind Euroskeptizismus, Europäische Union, Rechtspopulismus, politische Partizipation und sozioökonomische Faktoren.
Welche Rolle spielen die Länder Polen und Ungarn laut den Ergebnissen?
Überraschenderweise zeigen die Ergebnisse, dass trotz der euroskeptischen Rhetorik der jeweiligen Regierungen die Bevölkerung dieser Länder mehrheitlich eine positive Einstellung zur EU beibehält.
Warum ist Italien als Untersuchungsgegenstand besonders relevant?
Italien dient aufgrund der hohen Staatsverschuldung und der rechtspopulistischen Regierungskoalition als Beispiel für eine kritische Haltung gegenüber der EU, die durch ökonomische und migrationspolitische Probleme verstärkt wird.
- Quote paper
- Patrick Schulze (Author), 2019, Einstellungen der europäischen Bürgerinnen und Bürger zur EU. Welche Ursachen hat Euroskeptizismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/505197