Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Tabuwort morire. Wieso der Tod als Tabu angesehen wird und welche Folgen, dass für den Sprachgebrauch hat, soll im Folgenden erläutert werden.
Darüber hinaus wurde eine Wortliste für die Umschreibungen von morire erstellt (s. Anhang), deren Lexeme in semantische Kategorien eingeteilt worden sind. Da dieses Lexeminventar hauptsächlich aus Wörterbüchern stammt, nehme ich davon Abstand, näher auf den Sprachstil einzelner Lexeme einzugehen und sie verschiedenen Sprachebenen zuzuordnen. Die Untersuchungen von Radtke und Anders ergeben nämlich, dass die meisten Wörterbucheinträge Lexeme aus der höheren Sprachschicht enthalten.
Das gesammelte sprachliche Material ist auch nicht daraufhin untersucht worden, ob es noch gebraucht wird. Wenn manche Wörter also selten oder gar veraltet sind, so werden sie dennoch kritiklos in die Untersuchung aufgenommen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Der Tabubegriff und das Sprachtabu
2 Sprachliche Mittel zur Umschreibung von Tabubegriffen
2.1 Euphemismus und Dysphemismus
2.2 Metapher und Metonymie
3 Quellen
4 Semantische Kategorien
4.1 Weiterleben
4.1.1 Reise und Fortgehen
4.1.2 anderes Leben
4.1.3 anderer Ort
4.1.4 Gemeinschaft mit Gott und anderen Wesen
4.2 Vergeltung
4.3 Tod als Ende allen Seins
4.4 Biologische Vorstellung und körperlicher Zerfall
4.5 Verbildlichung des Toten im Grab , Bezugnahme auf Beerdigung
4.6 Tod als Schlaf und als Ruhe und Erlösung
4.7 Trennung von Körper und Seele
4.8 Sicht der Hinterbliebenen
4.9 Verschiedenes
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das italienische Tabuwort „morire“ (sterben), analysiert die Gründe für die Tabuisierung des Todes und dokumentiert das lexikalische Inventar der entsprechenden Umschreibungen in semantischen Kategorien.
- Der soziolinguistische Tabubegriff und dessen Übertragung auf den Tod.
- Methoden der sprachlichen Umschreibung (Euphemismus, Dysphemismus, Metapher, Metonymie).
- Klassifizierung von 136 Todesumschreibungen in neun semantische Kategorien.
- Die psychologischen und religiösen Hintergründe der verschiedenen Todeskonzepte.
- Vergleichende Analyse von Wörterbucheinträgen und authentischen Todesanzeigen.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Reise und Fortgehen
In diesen Bereich fallen alle jene Umschreibungen, die die Metapher des Sich Fortbewegens anwenden, aber keine genauen Angaben über den Zielort machen. andarsene, girsene, irsene, perire (von lat. PER- und –IRE „andare“) und dipartirsi beschreiben allein das Wegbewegen des Toten. Ebenso verhält übrigens sich das synchron nicht mehr transparente decedere, das sich etymologisch betrachtet aus lat. DE- und -CEDERE (muoversi) zusammensetzt und folglich in den Bereich der Fortbewegung aufgenommen werden muss.
Ob der Verstorbene in eine andere Welt aufgenommen wird, ist bei diesen Umschreibungen ungewiss. trapassare, partire da questo mondo, sloggiare da questo mondo, abbandonare il mondo, abbandonare questa terra, lasciare il mondo, lasciare questa terra lassen hingegen vermuten, dass sie aus der Vorstellung von einer “anderen” Welt entspringen, in die man nach dem Tode eintritt.
Die Metapher der Reise machen sich folgende Ausdrücke zu eigen: intraprendere il viaggio estremo, far l’ultimo viaggio, far fagotto, dare addio alla vita, dare addio alla terra, dare l’ultimo addio al mondo.
Im Gegensatz zum einfachen Fortbewegen impliziert eine Reise eigentlich ein Wiederkehren des Reisenden. Dieser Aspekt verstärkt im Bereich des Todes angewandt das euphemistische Moment der Umschreibung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik des Tabuwortes morire und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise bei der Erstellung des Lexeminventars.
1 Der Tabubegriff und das Sprachtabu: Erörterung der Herkunft und soziokulturellen Bedeutung von Tabus sowie deren spezifische Anwendung auf den Bereich des Todes.
2 Sprachliche Mittel zur Umschreibung von Tabubegriffen: Theoretische Abgrenzung von Euphemismen, Dysphemismen, Metaphern und Metonymien als Werkzeuge der Sprachverschleierung.
3 Quellen: Auflistung der verwendeten Wörterbücher und Erläuterung der Analyse von Todesanzeigen.
4 Semantische Kategorien: Detaillierte Analyse und Einordnung der 136 Umschreibungen in neun thematische Bereiche, vom Weiterleben bis zum körperlichen Zerfall.
Schlüsselwörter
morire, Sprachtabu, Euphemismus, Dysphemismus, Metapher, Metonymie, Todesanzeigen, Lexikologie, Linguistik, Jenseitsvorstellung, Sprachwandel, semantische Kategorien, Italienisch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der italienischen Sprache, den Tod zu umschreiben, um das zugrunde liegende Sprachtabu zu umgehen.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung des Tabubegriffs, linguistische Mittel der Umschreibung sowie die semantische Einteilung der Ausdrücke in neun Kategorien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines Lexeminventars von 136 Umschreibungen für morire und deren Einordnung in semantische Muster.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine onomasiologische und semantische Analyse durchgeführt, die auf der Auswertung von Wörterbüchern und 360 Todesanzeigen aus italienischen Zeitungen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einleitung zu Tabus und sprachlichen Mitteln sowie eine detaillierte Kategorisierung der gesammelten Umschreibungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Tabu, Euphemismus, Metapher, semantische Kategorien und die italienische Sprache.
Warum wird das Wort „morire“ als Tabu betrachtet?
Weil der Tod eine Domäne berührt, die mit Nicht-Verstandenem, Unbewältigtem und der allgemeinmenschlichen Angst vor dem Unbekannten verbunden ist.
Welche Rolle spielen Todesanzeigen für die Analyse?
Sie dienen als empirische Quelle für den aktuellen, realen Sprachgebrauch und verdeutlichen die Sichtweise der Hinterbliebenen auf den Verlust.
- Arbeit zitieren
- Heike Ewert (Autor:in), 2005, Sterben auf Italienisch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/50487