War der Aderlass wirklich ein wirksames Heilverfahren, das Aufschluss über das Krankheitsbild gab und unter anderem auch Schlaganfälle verhindern konnte, oder war es nur eine verantwortungslose und untaugliche Methode, die das Leben der Menschen gefährdete? Um diese Frage zu beantworten, ziehe ich die Schreibkalender des Grafen Preysings als Quellen hinzu.
Im Wandel der letzten Jahrhunderte hat die Medizin enorme Fortschritte gemacht. Im Barockzeitalter glaubten die Menschen, dass der Körper des Öfteren von verschmutztem Blut gereinigt werden müsse, um Krankheiten vorbeugen, erkennen oder auch heilen zu können. In diesem Zeitalter war der Aderlass die am häufigsten angewandte Methode, bei der man durch Ablassen des Blutes, durch bestimmte Merkmale, Krankheiten erkennen und eine Besserung herbeiführen konnte. Deshalb wandte man diese Methode auch nach Unfällen an und hoffte damit, Besserungen für den Verletzten erzielen zu können. Sie wurde allerdings zusätzlich auch zur gewöhnlichen Prophylaxe eingesetzt, damit Krankheiten vermieden werden konnten. Aus diesem Grund wurde man mindestens einmal im Jahr vor¬sorglich zur Ader ge-lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Aderlass als Heilverfahren
2.1 Die Anwendung des Aderlass in der frühen Neuzeit
2.2 Empfohlene Tage für den Aderlass
3. Zur Person des Grafen Johann Maximilian IV Emanuel von Preysing-Hohenaschau
3.1 An welchen Krankheiten litt der Graf Max IV Emanuel von Preysing
3.2 Selbstbeobachtung seines Körpers
4. Der Unfall des Johann Maximilian IV Emanuel Graf von Preysing mit dem Pferd
4.1 Der gesundheitliche Zustand des Grafen Preysings vor dem Reitunfall
4.2 Der gesundheitliche Zustand des Grafen Preysings nach dem Reitunfall
5. Die Aderlass-Therapie an Max IV Emanuel Graf von Preysing
5.1 Die Häufigkeit des „Aderlassens“ am Graf Max IV Emanuel von Preysing
5.2 Änderungen des gesundheitlichen Zustands des Grafen Preysings
6. Der Tod des Johann Maximilian IV Emanuel Graf von Preysing
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch, ob der Aderlass als medizinische Methode im Barockzeitalter tatsächlich ein wirksames Heilverfahren darstellte oder ob er eine gesundheitsgefährdende, untaugliche Praxis war. Anhand der historischen Schreibkalender des Grafen Johann Maximilian IV Emanuel von Preysing-Hohenaschau wird analysiert, wie diese Therapie zur Behandlung von Krankheiten und zur Vorbeugung von Schlaganfällen eingesetzt wurde und welche Auswirkungen dies auf den Gesundheitszustand des Grafen hatte.
- Historische Anwendung und Methoden des Aderlass
- Die Rolle von Kalendern und Mondphasen in der frühneuzeitlichen Medizin
- Biographische Analyse der Gesundheit und Krankheitsgeschichte des Grafen von Preysing
- Evaluation des Aderlass im Kontext der damaligen medizinischen Vorstellungen
Auszug aus dem Buch
3.2 Selbstbeobachtung seines Körpers
In den Schreibkalendern des Grafen Johann Maximilian IV Emanuel von Preysing, stand selten etwas ueber die eigene Person selbst. Im Zentrum standen seine Familienmitglieder oder die Kurfürsten am Hof, über die er teilweise ausführlich berichtete. Dennoch bezog sich Max IV manchmal bei Erkrankungen auch in knapperen Notizen auf sich selbst, wenn ihn z. B das Fieber quälte, oder bei der langfristigen Einnahme von „Medicin“, die in allen Fällen abführend wirken sollte. Im 1730 vermerkte er „hat mich das fieber angriffen“, und kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt nur mit dem eigenen körperlichen Belangen, wobei in den früheren Aufzeichnungen das Hauptaugenmerk nicht auf seiner eigenen Person lag, sondern auf den Besuch des Kurprinzen. In den nächsten Jahren haben sich die Zentrierung auf sein körperliches Wohlbefinden und die Aufzeichnungen dazu verstärkt. Denn je älter Preysing wurde, desto mehr kann man davon lesen, dass der Graf langfristig Medikamente einnahm, die verdauungsfördernd wirken sollten und auch der Besuch beim Bader zum jährlichen Ritual wurde. Mit diesen Mittelchen, u. a. durch Pillen, Tränken und Pulvern versuchte der Graf seine Gesundheit aufrechtzuerhalten. Während der Einnahme solcher Medikamente, hielt Graf Preysing all seine Beobachtungen ausführlich fest, denn wie sich unschwer erkennen lässt, beeinträchtigten die abführenden Medikamente erheblich seinen Tages- und Nachtablauf. Teilweise beeinträchtigten ihn die plötzlichen Wirkungen der Medikation auf der Jagd. Im Schreibkalender liest sich das so: „ Gestern Nachts habe 3 divorra pilluln iedoch ohne effect, d[en] morg[en] umb 7 Vhr 2 weittere d[er]ley pillulen ohne effect und umb 10 Uhr darauf ein halbes quintl präpar[ierten] weinstain eingenom[m]en. Biß halb[er] 3 Uhr hat die Medicin 6 mahl: auf der Jagd 3 mahl: und nachts noch 2: in allem 11 mahl operiert, worauf 3 tägige constipa[ti]on [Verstopfung] erfolgt ware“. Eine genaue Begriffserklärung des Wortes „operationes“ machte der Graf nicht. Jedoch lässt sich erahnen, dass damit die Wirkung oder ebenfalls die Abführung gemeint ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die medizinische Praxis des Aderlasses in der frühen Neuzeit ein und stellt die Forschungsfrage, ob es sich um ein wirksames Heilverfahren handelte.
2. Der Aderlass als Heilverfahren: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen und die prophylaktische sowie therapeutische Bedeutung des Aderlasses in der frühneuzeitlichen Medizin.
2.1 Die Anwendung des Aderlass in der frühen Neuzeit: Hier wird die praktische Durchführung des Aderlasses im häuslichen Umfeld sowie die damit verbundenen Gefahren und Hilfsmittel beschrieben.
2.2 Empfohlene Tage für den Aderlass: Es wird die Bedeutung von Aderlass-Kalendern und Mondzyklen für die Bestimmung günstiger Zeitpunkte für diesen Eingriff untersucht.
3. Zur Person des Grafen Johann Maximilian IV Emanuel von Preysing-Hohenaschau: Dieses Kapitel bietet einen biographischen Überblick über das Leben, die Ausbildung und die politischen Ämter des Grafen.
3.1 An welchen Krankheiten litt der Graf Max IV Emanuel von Preysing: Hier werden die gesundheitlichen Beschwerden des Grafen, insbesondere Gicht, Rheuma und Schlaganfälle, analysiert.
3.2 Selbstbeobachtung seines Körpers: Dieses Kapitel analysiert die Aufzeichnungen des Grafen zu seinem eigenen Gesundheitszustand und seiner Selbstmedikation.
4. Der Unfall des Johann Maximilian IV Emanuel Graf von Preysing mit dem Pferd: Es wird der folgenschwere Reitunfall des Grafen und dessen unmittelbare sowie langfristige gesundheitliche Folgen thematisiert.
4.1 Der gesundheitliche Zustand des Grafen Preysings vor dem Reitunfall: Dieses Unterkapitel beschreibt die Gesundheit des Grafen vor dem Unfall, welche primär von leichten, alltäglichen Beschwerden geprägt war.
4.2 Der gesundheitliche Zustand des Grafen Preysings nach dem Reitunfall: Hier werden die gesundheitlichen Verschlechterungen und die eingeschränkte Belastbarkeit nach dem Unfall dargelegt.
5. Die Aderlass-Therapie an Max IV Emanuel Graf von Preysing: Das Kapitel untersucht konkret die Anwendung der Aderlass-Therapie beim Grafen als Reaktion auf seine gesundheitlichen Probleme.
5.1 Die Häufigkeit des „Aderlassens“ am Graf Max IV Emanuel von Preysing: Hier wird die Frequenz der Aderlass-Eingriffe in den Aufzeichnungen des Grafen quantitativ und qualitativ betrachtet.
5.2 Änderungen des gesundheitlichen Zustands des Grafen Preysings: Dieses Unterkapitel reflektiert, inwieweit der Aderlass und andere Behandlungen einen Einfluss auf den Gesundheitszustand hatten.
6. Der Tod des Johann Maximilian IV Emanuel Graf von Preysing: Es werden die letzten Jahre des Grafen, sein Tod durch einen zweiten Schlaganfall und die anschließenden Bestattungsrituale beschrieben.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet den Aderlass als medizinisch ineffektive und risikoreiche Methode.
Schlüsselwörter
Aderlass, Graf von Preysing, Frühneuzeit, Medizin, Schreibkalender, Gesundheit, Krankheit, Schlaganfall, Selbstmedikation, Vier-Säfte-Lehre, Barock, Historische Quellen, Prophylaxe, Heilkunde, Medizingeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der medizinischen Praxis des Aderlasses in der frühen Neuzeit am Beispiel des Grafen Johann Maximilian IV Emanuel von Preysing-Hohenaschau.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Medizingeschichte des Barock, die Bedeutung von Aderlass-Kalendern, die krankheitsbedingte Selbstbeobachtung eines Adligen sowie die kritische Reflexion der Wirksamkeit des Aderlasses.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob der Aderlass ein wirksames Heilverfahren darstellte oder ob es sich um eine gefährliche und untaugliche Methode handelte, die das Leben der Menschen eher gefährdete.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historische Quellenanalyse, insbesondere die Auswertung der handschriftlichen Schreibkalender des Grafen Preysing aus dem Zeitraum 1717 bis 1763.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Aderlass als Heilverfahren, das Leben des Grafen Preysing, sein Reitunfall, die spezifische Aderlass-Therapie an seiner Person sowie die Dokumentation seiner Gesundheit und letztlich sein Tod behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Aderlass, Medizingeschichte, Schreibkalender, Graf von Preysing, Frühneuzeit, Gesundheit, Krankheit, Schlaganfall und Vier-Säfte-Lehre.
Inwiefern beeinflusste der Aderlass das tägliche Leben des Grafen?
Der Aderlass war ein fest eingeplanter Teil seines Lebens, der teils als Prophylaxe, teils als Akutmaßnahme diente und dessen Durchführung oft durch Aderlass-Tafeln und Mondphasen bestimmt wurde.
Warum konnte der Aderlass das Leben des Grafen Preysing letztlich nicht retten?
Trotz der regelmäßigen Anwendung des Aderlasses erlitt der Graf einen zweiten Schlaganfall, woran er schließlich verstarb, was die These der Arbeit stützt, dass die Methode nicht die erhoffte präventive Wirkung entfaltete.
- Arbeit zitieren
- Katharina Kühn (Autor:in), 2015, Der Aderlass in den Tagebüchern des Grafen Preysing, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/504446