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Zur Shop-Startseite › Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Bedeutung und Funktion der Mythen im Film Indiens

Analyse ausgewählter Beispiele

Titel: Bedeutung und Funktion der Mythen im Film Indiens

Diplomarbeit , 2005 , 139 Seiten , Note: sehr gut

Autor:in: Cornelia Wurzinger (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In der vorliegenden Arbeit sollen zwei Themengebiete vereint werden, die einen wichtigen Bestandteil der Kultur Indiens ausmachen: Auf der einen Seite die uralten Mythen des Landes, die vor allem aus dem Ramayana und Mahabharata stammen und fest im Kulturgut verankert sind, und auf der anderen Seite die populären Hindifilme, deren Stoffe mitunter bereits einen ganz ähnlichen Status besitzen und deren Helden und Geschichten selbst zu einer neuen Art der Mythologie geworden sind und bisweilen ins allgemeine Gedankengut übergehen. Der Kult um die Filmstars ist in Indien derart übermächtig und allgegenwärtig, dass dieser Vergleich durchaus gerechtfertigt scheint. Die Götter der Leinwand sind omnipräsent und überlebensgroß blicken sie den Menschen auf Indiens Straßen von riesigen Plakatwänden entgegen.

Die Mythologie Indiens soll als omnipräsente kulturelle Konstante gezeigt werden, die in der Gedankenwelt Indiens fest verankert ist. Im Film gibt es eine Reihe von Charakteristika, deren Einfluss aus der Welt der indischen Mythologie stammt. Diese Einflüsse sollen in Folge erläutert und an Filmbeispielen analysiert werden. Obwohl das Genre des mythologischen Films in den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts praktisch ausgestorben ist, wurden viele Merkmale des mythologischen Filmes in das populäre Kino übernommen.

Das mythologische Material soll als Einfluss auf die Geschichten, die Erzählweise, die Figurenzeichnung und als Schlüssel zum Verständnis und zur Interpretation gezeigt werden. Auch der Film Indiens, seine Stars und Sternchen als ganz neue Mythologie, sollen nicht unerwähnt bleiben. Schlussendlich wird am Beispiel der 1990er Jahre aufgezeigt, wie mythologisches Material durch ideologische Manipulation politisch verwendet werden kann. Dies soll an der populären Filmlandschaft Indiens jener Zeit erläutert werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Vorwort

1.2. Themengebiet

1.3 Der Zauber der Geschichten/The magic of stories

1.4 What is not in the Mahabharata is nowhere….

1.5 Die Bedeutung der Mythen

2. Der Hindi Film

2.1 Erzähltechnik/Narration

2.1.2 Einschub: Zur Erzähltechnik im Ramayana

2.2 Formale Aspekte

2.3 Zur Rezeption

2.3.1 Einschub: Rasa

3. Mythologische Figuren

3.1 Einleitung: Modellierung von Figuren und Schaffung von Stereotypen

3. 2 Der Held – The hero

3.2.1 Krishna, der Liebhaber

3.2.1.2 Filmbeispiel: Devdas (1955/2002)

3.2.1.3 Songs und Tanzsequenzen/Songs and dance scenes

3.2.2 Karna – der Antiheld

3.2.2.1 Politischer Hintergrund

3.2.2.2 Filmbeispiel: Deewaar (1975)

3.3 Weibliche Rollen im Hindifilm – Beti, Patni, Ma

3.3.1 Die Heldin – The heroine

3.3.1.2 Sita

3.3.1.2.1 Filmbeispiel: Awaara (1951)

3.3.1.2.2 Laxman-Rekha

3.3.2 Sita und ihr Alter Ego - Die Frau im New Cinema

3.3.2.1 Filmbeispiel: Bhumika (1977)

3.3.3 Der Vamp

3.3.3 Die Rolle der Mutter – Ma

3.3.2. Filmbeispiel: Mother India (1957)

4. Politische Dimension

4.1 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

4.2 Ideologische Auswirkungen auf die Filmlandschaft

4.3 Gegen den Strom

4.3.1 Filmbeispiel: Fire (1996)

4.4 Mythologische Namen

4.5 Die Rezeption des Ramayana in Filmen der 1990er Jahre

4.6 Rama – Gott und Superheld?

4.6.1 Filmbeispiel: Khalnayak (1993)

4.6.2 Filmbeispiel: Ram Lakhan (1989)

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen indischen Mythen und dem populären Hindi-Film, um zu analysieren, wie mythologische Archetypen, Erzählstrukturen und Wertesysteme in das moderne indische Kino einfließen und dort als kulturelle Konstanten wirken.

  • Analyse zentraler mythologischer Archetypen (Held, Heldin, Vamp, Mutterfigur) im Hindi-Film
  • Untersuchung der Bedeutung von indischen Epen wie Ramayana und Mahabharata für die Narration im Mainstream-Kino
  • Darstellung des Bollywood-Films als Medium zur Bewahrung und Neuinterpretation kultureller und religiöser Identität
  • Analyse der politischen Dimension des indischen Kinos, insbesondere unter dem Einfluss von Hindutva-Ideologien in den 1990er Jahren
  • Untersuchung der Rolle von Musik, Songs und Tanz als strukturelle und emotionale Elemente in der indischen Filmästhetik

Auszug aus dem Buch

3.2.1.2 Filmbeispiel: Devdas (1955/2002)

Devdas ist eine Figur des bengalischen Dichters Saratchandra Chattopadhyay, dessen gleichnamiger Roman im Jahr 1917 erschien. Devdas Liebe zu Parvati, die unglücklich enden muss, macht ihn zum Alkoholiker und er geht letztendlich an den Folgen seines exzessiven Lebenswandels zu Grunde.

Die Bedeutung dieses Werks lässt sich nicht zuletzt an der Tatsache ablesen, dass es mehrere Male verfilmt wurde – zuletzt erst im Jahr 2002. Die Figur wurde selbst zu einem Mythos und einer Schlüsselfigur des Hindifilms – zahlreiche Charaktere nahmen sich Devdas zum Vorbild und der Name selbst wurde zum Inbegriff eines melancholischen und unglücklichen Liebenden. Sein Leben ist gekennzeichnet von Selbstmitleid und der völligen Absage an die materielle Welt.

„Babu-ji said, leave the village. Everyone said, leave Paro. Paro said, leave drinking. Now you say leave the house.“

Devdas ist alles andere als eine konventionelle Heldenfigur. Er setzt keine aktiven Handlungen, um Einfluss zu nehmen auf die Ereignisse, die er fast ohne jegliches Interesse hinnimmt, sein Lebenswandel trägt destruktive Züge in sich. Der Film ist gekennzeichnet von einer „[…] air of fatalistic pessimism leading to an inability to act.“

Die Bedeutung von Schicksal und Zufall sind im Hindifilm ganz allgemein gesprochen viel zentraler als in westlichen Filmen, in denen der Mensch die Handlung im Grunde in eine bestimmte Richtung lenkt. Ein Hindu glaubt an sein Karma und dieser Glaube manifestiert sich in der Figur des Devdas. Seine Passivität und Schwäche sind ebenfalls ein Charakteristikum, das mit dieser Auffassung zusammenhängt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die kulturelle Bedeutung des indischen Kinos und dessen enge Verflechtung mit uralten Mythen des Landes.

2. Der Hindi Film: Dieses Kapitel erläutert die Besonderheiten der Erzähltechnik und Narration des populären Hindi-Films sowie dessen Rezeption als kollektive Phantasie.

3. Mythologische Figuren: Hier werden zentrale Archetypen wie der Held, der Antiheld, die Heldin und der Vamp anhand mythologischer Vorbilder und Filmbeispielen wie Devdas analysiert.

4. Politische Dimension: Das Kapitel untersucht die ideologischen Auswirkungen des politischen Klimas, insbesondere in den 1990er Jahren, auf die Themen und Darstellungsweisen im Hindi-Film.

5. Resümee: Das Resümee zieht ein Fazit über das Zusammenfließen von Mythologie und Film als prägendes Merkmal der indischen Populärkultur.

Schlüsselwörter

Bollywood, Indische Mythologie, Mahabharata, Ramayana, Hindi-Film, Archetypen, Held, Mutterfigur, Identität, Hindutva, Kultur, Erzähltradition, Rasa, Devdas, Politik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die tiefe Verwurzelung des populären Hindi-Films in der indischen Mythologie und untersucht, wie klassische Erzählmuster und Figuren aus dem Ramayana und Mahabharata die moderne Filmkultur beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der Figurenzeichnung (Held, Heldin, Vamp, Mutter), der spezifischen Ästhetik und Erzählstruktur des Hindi-Films sowie dem Einfluss soziopolitischer Veränderungen auf die indische Filmlandschaft.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Kino als modernes Medium die uralten Mythen Indiens weiterträgt und durch die ständige Wiederholung und Neuinterpretation dieser Stoffe eine neue, populäre Mythologie schafft.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine medien- und kulturanalythische Untersuchung, die auf der Analyse von Sekundärliteratur zur Filmtheorie sowie auf der detaillierten Betrachtung ausgewählter Filmbeispiele basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden konkret die Konstruktion von Rollenbildern, die Bedeutung musikalischer Elemente für die Handlung und die Rolle des Hindi-Films als Spiegel oder Verstärker nationaler Identität und Politik erörtert.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?

Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Bollywood, Mythen, Epen, kulturelle Identität, indischer Nationalismus, Rollenstereotypen und die mediale Transformation indischer Tradition.

Wie spielt die Figur des Devdas eine Rolle für das Verständnis des Hindi-Films?

Devdas dient als Paradebeispiel für den Antihelden, dessen Melancholie und Passivität tief im mythologischen Verständnis von Schicksal und Karma verwurzelt ist, und verdeutlicht die Abkehr vom klassischen, aktiven Heldenbild.

Welchen Einfluss hatte das politische Klima der 1990er Jahre auf Bollywood?

In den 1990er Jahren führte der Aufstieg hindunationalistischer Strömungen dazu, dass viele Filme konservativere Werte, eine stärkere Rückbesinnung auf traditionelle religiöse Symbole und eine klare Einteilung in Gut und Böse propagierten.

Ende der Leseprobe aus 139 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Bedeutung und Funktion der Mythen im Film Indiens
Untertitel
Analyse ausgewählter Beispiele
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften)
Note
sehr gut
Autor
Cornelia Wurzinger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
139
Katalognummer
V50292
ISBN (eBook)
9783638465380
ISBN (Buch)
9783638680189
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung Funktion Mythen Film Indiens Analyse Beispiele
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Cornelia Wurzinger (Autor:in), 2005, Bedeutung und Funktion der Mythen im Film Indiens, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/50292
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  139  Seiten
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