Weshalb sollte Philosophie für junge Menschen wichtig sein? Was soll der Philosophie-/ Ethikunterricht leisten und was bedeutet es Philosophie bezogene Kompetenzen zu vermitteln? Welche Lebensformen sollten im Unterricht thematisiert werden und kann eine für alle wertvolle Auswahl getroffen werden? Sollte man dem Individuum selbst die Beantwortung der Moralfragen überlassen?
Das Philosophieren beginnt zunächst mit der Wichtigkeit, die ein Sachgegenstand für ein Individuum hat und kann ein erfolgreicher Versuch sein, das eigene Denken oder die eigenen Lebenserkenntnisse besser zu verstehen und zu reflektieren. Die Frage, was Philosophie leisten soll, ist aufgrund der Fülle von Ansichten nicht leicht in aller Kürze zu beantworten. Das didaktische Gewicht der Philosophie eröffnet ein ganzes Feld voller Fragen, wenn man nach den Bildungsinhalten fragt. Ist Philosophie möglicherweise tatsächlich eine „Kulturtechnik“ ?
Philosophie, wenn es als reguläres Fach an Schulen gelehrt wird, muss eine Zwecksetzung verfolgen, die ich in meinen weiteren Ausführungen beleuchten werde. Die Frage nach philosophischer Leistung könnte auch lauten: Wer soll was, wozu, wann und wie lehren/lernen? Die vorliegende Arbeit wird eine mögliche Antwort auf die Frage nach dem „was“ und dem „wie“ liefern und mit Hilfe von Gedankengerüsten ausgewählter Autoren und eigenen Ansichten einen Vorschlag unterbreiten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Philosophie in der Schule
1.2 Was soll vermittelt werden?
1.3 Kants Philosophiedidaktik und die Frage nach dem „was“
2. Persönlichkeitsbildung
2.1 Persönlichkeit und Identität
3. Wie soll vermittelt werden?
3.1 Die neosokratische Gesprächsgemeinschaft
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die didaktische Ausrichtung des Philosophieunterrichts, insbesondere die zentrale Forschungsfrage, was der Unterricht leisten soll und ob eine Charakterbildung der Schüler durch philosophische Methoden möglich ist.
- Didaktik der Philosophie als Kulturtechnik
- Möglichkeiten und Grenzen der Persönlichkeitsbildung
- Vermittlung von Methodenkompetenzen im Philosophieunterricht
- Kants didaktische Maximen für den Unterricht
- Neosokratische Gesprächsgemeinschaft als Methode
Auszug aus dem Buch
3.1 Die neosokratische Gesprächsgemeinschaft
Ein Vorschlag zur Frage „wie gelehrt werden soll“ liefern Leonard Nelson (1882 - 1927) und sein Schüler Gustav Heckmann (1898 - 1996). Sie entwickelten eine eigene sokratische Lehrpraxis in Form einer Gesprächsgemeinschaft. Alle Teilnehmer dieser neosokratischen Gesprächsgemeinschaft nehmen wie der Lehrende die Rolle der Hebamme ein; Expertenkenntnisse sind im neosokratischen Gespräch nicht gefragt. Die Teilnehmerzahl sollte sich auf zehn Personen beschränken. Im Unterschied zum antiken Sokrates, äußert sich der Lehrende möglichst nicht zu den geäußerten Inhalten. Die Themen der Gespräche sind dadurch auf ethische und erkenntnistheoretische Fragen eingeschränkt. Vorkenntnisse sind vom Lehrenden dennoch in jedem Falle zu erwarten, da dieser in seiner Unterstützerrolle der Kenntnis bedarf. Ferner muss er weiterführende Gedanken der Teilnehmer erkennen und akzentuieren können sowie Fragen und Antworten überschauen. Der Lehrer fordert einen Teilnehmer auf den zuvor artikulierten Gedanken eines Kommilitonen/Schülers zu wiederholen. Das Wiederholen der fremden Gedanken versetzt den Teilnehmer in die Rolle des Anderen. Der Urheber des Gedankens soll dann wiederum diese Äußerung prüfen. Dies soll zu einem längeren Dialog zwischen den Teilnehmern führen, bis alle sich verstanden haben.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Philosophieunterrichts ein und stellt die leitenden Fragen nach den Inhalten („was“) und den methodischen Ansätzen („wie“) des Lehrens.
1. Philosophie in der Schule: Dieses Kapitel betrachtet Philosophie als unverzichtbare Kulturtechnik und Bildungsprinzip, das die Autonomie von Schülern fördern soll.
1.2 Was soll vermittelt werden?: Hier wird untersucht, wie Philosophie Schülern praktische Orientierung bieten kann und welche Kompetenzen durch die Auseinandersetzung mit philosophischen Themen gestärkt werden.
1.3 Kants Philosophiedidaktik und die Frage nach dem „was“: Der Abschnitt erläutert Kants Forderung, nicht Gedanken, sondern das Denken selbst zu lehren, und verknüpft dies mit dem didaktischen Instrument des Rollentauschs.
2. Persönlichkeitsbildung: Es wird erörtert, ob und wie der Philosophieunterricht den Charakter von Heranwachsenden nachhaltig beeinflussen und zur Identitätsentwicklung beitragen kann.
2.1 Persönlichkeit und Identität: Das Kapitel analysiert psychologische Aspekte der Identitätsbildung und diskutiert die Möglichkeit, durch philosophische Diskurse die Selbstwahrnehmung als Subjekt zu stärken.
3. Wie soll vermittelt werden?: Dieser Teil fokussiert auf die Rolle des Lehrers als Prozesshelfer, der durch Impulsfragen und methodische Vielfalt eine bereichernde Lernumgebung schafft.
3.1 Die neosokratische Gesprächsgemeinschaft: Die Methode nach Nelson und Heckmann wird vorgestellt, bei der durch ein spezielles dialektisches Verfahren ein gleichberechtigter Austausch gefördert wird.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Resümee, dass die Philosophie durch die Vermittlung von Denkmethoden und die Förderung von Mündigkeit einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung leistet.
Schlüsselwörter
Philosophieunterricht, Didaktik, Persönlichkeitsbildung, Charakterbildung, Kulturtechnik, Selbstdenken, Autonomie, Identität, Neosokratisches Gespräch, Kompetenzorientierung, Argumentationskompetenz, Immanuel Kant, Mündigkeit, Wissensvermittlung, Diskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welchen Beitrag der Philosophieunterricht an Schulen zur Bildung von Schülern leisten kann und welche didaktischen Konzepte dabei zielführend sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Didaktik der Philosophie, der Charakter- und Persönlichkeitsbildung sowie der Frage nach der richtigen Vermittlungsmethodik im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, was der Philosophieunterricht leisten soll, insbesondere hinsichtlich der Vermittlung von Inhalten („was“) und der methodischen Gestaltung („wie“).
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Analyse fachdidaktischer Texte, darunter Ansätze von Ekkehard Martens und Immanuel Kant, sowie psychologische Perspektiven zur Identitätsentwicklung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das didaktische Potenzial der Philosophie als Kulturtechnik, diskutiert die Bedeutung der Persönlichkeitsbildung und stellt mit dem neosokratischen Gespräch ein konkretes Unterrichtsmodell vor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Philosophiedidaktik, Mündigkeit, Persönlichkeitsbildung, Autonomie und das neosokratische Gespräch.
Inwiefern spielt die Identitätsbildung eine Rolle bei Jugendlichen?
Die Arbeit verweist auf psychologische Erkenntnisse, wonach sich Identität in der Schulzeit maßgeblich herausbildet und Philosophie hierbei als Werkzeug zur Stärkung der Mündigkeit fungieren kann.
Warum wird das neosokratische Gespräch als Methode hervorgehoben?
Es wird hervorgehoben, weil es den Lehrenden in eine unterstützende Rolle versetzt und durch strukturierte Wiederholung und Prüfung von Gedanken den intersubjektiven Dialog und das Selbstdenken der Schüler fördert.
- Arbeit zitieren
- Margo Kaiser (Autor:in), 2019, Philosophie Didaktik. Ist Charakterbildung möglich?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/501890