Diese Hausarbeit analysiert die innerdeutschen Beziehungen aus der Perspektive der didaktischen Themensetzungen in Staatsbürgerkundebüchern der Deutschen Demokratischen Republik. Dabei steht die Frage im Zentrum, ob sich die Darstellung der BRD in den Staatskundebüchern der DDR im Zeitraum von 1960 bis 1989 verändert hat. Um diese Frage zu beantworten, werden vier Staatsbürgerkundebüchern der zehnten Klasse aus den Jahren 1960, 1977, 1982 und 1989 miteinander verglichen. Neben einer Einführung über Allgemeines zur Staatsbürgerkunde wird auch eine grobe Zusammenfassung über die innerdeutschen Beziehungen von 1960 bis 1989 aufgelistet.
Im Zuge der Denazifizierung nach dem zweiten Weltkrieg wurde in der sowjetischen Besatzungszone die "Gegenwartskunde" in den Schulen eingeführt, um das "Gesetz zur Demokratisierung der Schule" vom 1.9.1946 voranzutreiben. Anfangs noch kein eigenständiges Fach, wurden die Inhalte zumeist im Geschichtsunterricht untergebracht und dies auch nur von ausgewählten Lehrkräften, die ideologisch als gefestigt begutachtet wurden. Mit der Gründung beider deutscher Staaten im Jahre 1949 verschob sich die inhaltliche Perspektive im ostdeutschen Teil von der Demokratisierung hin zum Bekenntnis zum Sozialismus unter der Führung der Sowjetunion. Einhergehend wurde ab 1950 die Gegenwartskunde nun ein obligatorisches und eigenständiges Fach, allerdings weiterhin ohne festgeschriebenen Lehrplan oder Unterrichtsbüchern. Dies sollte sich ab 1953/54 durch einen vorläufigen Lehrplan für die Klassen Sieben bis Zwölf mit dem Unterrichtsgegenstand des Marxismus- Leninismus ändern. Mit der dritten Parteikonferenz der SED am 30.3.1956 wurde abermals die politisch-ideologische Bildung und Erziehung an den Schulen betont, trotzdem sollte sich mehr spezialisiert werden, sodass im Jahre 1957 die "Staatsbürgerkunde" an Stelle der Gegenwartskunde trat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Allgemeines zur Staatsbürgerkunde
3. Die innerdeutschen Beziehungen
3.1 Positionen der BRD von 1949 bis 1966
3.2 Positionen der DDR von 1949 bis 1966
3.3 Positionen der BRD von 1966 bis 1969
3.4 Positionen der DDR von 1966 bis 1969
3.5 Positionen der BRD von 1969 bis 1989
3.6 Die Positionen der DDR von 1969 bis 1989
3.7 Zusammenfassung der Positionen
4. Analyse von Staatsbürgerkundebüchern der zehnten Klasse
4.1 Staatsbürgerkunde 1960
4.2 Staatsbürgerkunde 1977
4.3 Staatsbürgerkunde 1982
4.4 Staatsbürgerkunde 1989
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die didaktische Darstellung der Bundesrepublik Deutschland in den Staatsbürgerkundebüchern der DDR im Zeitraum von 1960 bis 1989 verändert hat. Ziel ist es, anhand eines diachronen Vergleichs von Lehrwerken der zehnten Klasse aufzuzeigen, wie politische Zäsuren der innerdeutschen Beziehungen in den Schulbüchern reflektiert wurden und welche ideologischen Vergleichskriterien dabei zur Anwendung kamen.
- Analyse der innerdeutschen Beziehungen im Zeitverlauf
- Entwicklung didaktischer Feindbilder in der DDR-Schulbildung
- Vergleich der Darstellung der BRD über drei Jahrzehnte
- Einfluss politischer Ereignisse wie des Grundlagenvertrags auf Lehrinhalte
Auszug aus dem Buch
4.1 Staatsbürgerkunde 1960
Bei diesem Buch handelt es sich nicht direkt um ein Schulbuch für die Schüler, sondern um eine Materialsammlung für die Lehrkräfte, da Schulbücher erst ab 1964 eingeführt wurden. Trotzdem sind dessen Inhalte erstmalig und einheitlich veröffentlichte Hilfsmittel, die einer Analyse dienlich sind. Inhalte, welche sich direkt auf die BRD beziehen, lassen sich unter Punkt Zwei: „Der Sozialismus-die Gesellschaftsordnung, die der Jugend Frieden, Freiheit und Glück sichert“, finden (VOLK UND WISSEN 1960: 16). Schon in der Einleitung ist ein interessanter Satz vermerkt: „Ein mächtiger Ansporn dazu ist auch das Bewußtsein, mit dieser Arbeit [Aufbau des Sozialismus, Anm. d. A.] den Friedensfreunden in Westdeutschland eine wichtige Hilfe zu leisten“ (VOLK UND WISSEN 1960: 16). Friedensfreunde ist ein Ausdruck, der mit gewissen Teilen der Westbevölkerung eine Verbindung und Zugehörigkeit suggeriert.
Der Unterpunkt "g) Westdeutsche Jugend im Kampf“ gliedert sich nochmals in Unterkapitel. Das erste ist „Die Ausbeutung der Jugend durch die Bourgeoisie“ (VOLK UND WISSEN 1960: 51). Darin geht es um die angeblich hohe Jugendarbeitslosigkeit durch den Kapitalismus und die Ausbeutung der Jugend in Berufen mit „Lohnsklaverei“, welche zudem schwer und gesundheitsschädlich seien, wie beispielsweise ein Jungbergmann aus Witten berichtet. Beschulung sei in der Westzone nur unzureichend möglich, da es an Klassenräumen und Mitteln fehle. Einzig die Gewerkschaft versuche deren Umstände zu verbessern. Die prekären Verhältnisse zwängen Teile der Jugend in erneuten Militarismus (vgl. VOLK UND WISSEN 1960: 51ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Definition der Forschungsfrage, welche die Veränderung der Darstellung der BRD in DDR-Staatsbürgerkundebüchern zwischen 1960 und 1989 hinterfragt.
2. Allgemeines zur Staatsbürgerkunde: Historischer Überblick über die Entwicklung des Schulfachs in der DDR von der Nachkriegszeit bis zur Etablierung als ideologisch geprägtes Unterrichtsfach.
3. Die innerdeutschen Beziehungen: Zusammenfassung der politischen Zäsuren und der wechselseitigen Beziehungen zwischen der BRD und der DDR über mehrere Jahrzehnte.
4. Analyse von Staatsbürgerkundebüchern der zehnten Klasse: Detaillierte Untersuchung der vier ausgewählten Lehrwerke anhand induktiv-hermeneutischer Kriterien zur Aufdeckung inhaltlicher Verschiebungen.
5. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage unter Berücksichtigung der methodischen Anwendung von Vergleichskriterien.
Schlüsselwörter
Staatsbürgerkunde, DDR, BRD, innerdeutsche Beziehungen, Lehrbuchanalyse, Sozialismus, Imperialismus, Induktiv-hermeneutische Methode, Geschichtsdidaktik, Kalter Krieg, Deutschlandfrage, Grundlagenvertrag, Feindbild, SED, Wiedervereinigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Bundesrepublik Deutschland in den Staatsbürgerkundebüchern der DDR zwischen 1960 und 1989.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die innerdeutschen Beziehungen, die ideologische Positionierung der DDR gegenüber der BRD und deren didaktische Umsetzung im Schulunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, ob und wie sich die Darstellung des westdeutschen Staates in den Lehrbüchern der zehnten Klasse über drei Jahrzehnte verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine induktiv-hermeneutische Methode gewählt, um anhand von Vergleichskriterien eine diachrone Analyse der Lehrbuchinhalte durchzuführen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Überblick über die innerdeutschen Beziehungen und die konkrete Analyse der Staatsbürgerkundebücher aus den Jahren 1960, 1977, 1982 und 1989.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Staatsbürgerkunde, DDR, BRD, ideologische Abgrenzung, Imperialismuskritik und die deutsch-deutsche Geschichte.
Warum wurde das Jahr 1960 als Ausgangspunkt gewählt?
1960 markiert den Beginn des untersuchten Zeitraums und bietet mit der Materialsammlung für Lehrkräfte ein erstes aussagekräftiges Dokument für die frühe didaktische Auseinandersetzung.
Welche Rolle spielt der Grundlagenvertrag für die Analyse?
Der Grundlagenvertrag von 1972 stellt eine zentrale Zäsur dar, die sich in den Lehrbüchern in Form einer veränderten Rhetorik und einer Abkehr von früheren Feindbildern (oder deren Verstärkung) widerspiegelt.
Wie unterscheidet sich das Buch von 1960 von den späteren Ausgaben?
Das Buch von 1960 zeichnet sich durch einen besonders radikalen und emotionalen Duktus aus, während spätere Ausgaben, insbesondere nach der Entspannungspolitik, teilweise gemäßigter formuliert sind.
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- Florian Müller (Autor:in), 2017, Die Beziehung zwischen DDR und BRD anhand der Staatsbürgerkundebücher, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/500698