Johan Daisne war ein von unterschiedlichen Einflüssen geprägter Filmemacher, Poet, Denker und Schriftsteller. Seine postnatalen Einflüsse stammen aus einem christlichen Elternhaus. Seine Eltern waren beide Lehrer, sein Vater, ein dichterischer Idealist und Naturgelehrter, publizierte zudem pädagogische und wissenschaftliche Schriften. Von seinem Vater ist außerdem bekannt, daß er russisch studierte, um die entsprechenden Meister in der Originalsprache lesen zu können. Ein Bezug zu Osteuropa ist bei Johan Daisne auch vorhanden. Er promoviert 1936 in slawischer Ökonomie und beginnt danach mit der Veröffentlichung russischer Erzählungen. Hierbei ist sein geliebtes klassisches Vorbild der ewig junge Poesjkin. (Bemerkung: Val, der junge Student berichtet von der Lebensanschauung Katajews).
In den Jugendjahren (1927) liegt Daisnes Hauptaugenmerk jedoch beim Film. Er beginnt Filmbeurteilungen zu schreiben und Fotos zu sammeln, die er später als Grundlage für sein „filmographisches Lexikon“ nutzt.
Die cinematographische Kunst dient Daisne richtungsweisend als Vorlage für seine magisch-realistischen Erzählungen. Filmproduktion und Filmtechnik boten sich ihm als Inspiration: „Er schrieb Bücher als wären es Filme und die Filme, die er nach seinen Romanen schuf, machen einen durchgehend natürlichen Eindruck; sie bestehen, genauso wie die verfilmten Romane, aus stets schnellen, aufeinanderfolgenden, wechselnden Szenen.“ (van Severen, aus: Boraewijk u.a.. Biografie, Bibliografie, Beschouwingen. Manteau. Brüssel. 1974; Übersetzung: der Autor).
Johan Daisnes künstlerischer Ausdruck wird zu einem großen Teil durch biographische Krisen motiviert. Der Tod seines Vaters oder seiner Tochter, sowie eigene schwere Krankheiten, veranlassen ihn zu schreiben. Daisne selbst betrachtet das Schreiben denn auch als Selbstreinigung. Ferner: „(Schreiben) ist sich heranführen an das Urbild das man von sich selbst in sich trägt.“ (Boraewijk u.a.. Biografie, Bibliografie, Beschouwingen. Manteau. Brüssel. 1974; Übersetzung: der Autor). Bei dieser Auffassung kommt Daisne der Psychologie bzw. der Psychoanalyse sehr nahe, die sich in des Autors moralischen und lebensbetrachtenden Konzeptionen an den Archetypen C.G. Jungs orientiert und durch Platos Paradeigmata beeinflußt wird.
Johan Daisnes schriftstellerische Darstellungsweise wird dem magischen Realismus zugeordnet. Der magische Realismus war jedoch für ihn weder eine Stilform noch eine Kompositionsanleitung.
Inhaltsverzeichnis
1. Teil: Johan Daisne
Über den Autor, seine Einflüsse, Motivationen, Theorien und Moralanschauungen
2. Teil: Die Fahrt ins Jenseits
1. Der Titel
2. Die drei Protagonisten, eine Anlehnung an Archetypen
3. Symbolik, Perspektive, Musik, Farbe und Licht, Zufall und Schicksal
3. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit analysiert Johan Daisnes Novelle "Die Fahrt ins Jenseits" (Original: "Trein der Traagheid") hinsichtlich ihrer philosophischen, psychologischen und symbolischen Dimensionen, um die Darstellung von Leben, Tod und Transzendenz im Werk zu untersuchen.
- Biographische und künstlerische Hintergründe des Autors Johan Daisne.
- Analyse der Protagonisten als archetypische Charaktere.
- Untersuchung der zentralen Symbolik und der mystischen Bildsprache.
- Beleuchtung der philosophischen Konzepte von Zufall und Schicksal im Kontext des Sterbens.
Auszug aus dem Buch
Die drei Protagonisten, eine Anlehnung an Archetypen
Die Handlung der Novelle wird von einem lyrischen Ich, das autobiographische Züge besitzt, rückblickend erzählt. Es wird als ein dicklicher Museumsangestellter im mittleren Alter, über 50, der sich ein wenig als Schriftsteller fühlt, vorgestellt und avanciert im Verlauf der Handlung zum „Reporter zwischen den beiden anderen“. (S. 37). Der Ablauf der Handlung wird durch die Rückfahrt des namenlosen Ich-Erzählers von seiner wöchentlichen Nebentätigkeit als Nachhilfslehrer für literarische Fächer in der Hauptstadt ermöglicht. Während jener Zugfahrt tritt, durch den ungewöhnlich tiefen Schlafzustand fast aller Passagiere - bis auf den der zwei anderen Hauptfiguren - eine suspekt wirkende Situation ein. Das zufällige Zusammentreffen, der drei, in ihrer Beschaffenheit unterschiedlichen, Hauptfiguren nimmt seinen Lauf.
Der Ich-Erzähler begegnet als erstem der weisen, edlen und mutigen Darstellungsform in persona eines bejahrten, liebenswürdigen und ledigen Hochschullehrers, genannt Prof. Herrnhuter. Er wird, wie der Name hinweisend zeigt („in des Herren Hut“ S.23), mit gottähnlichen Attributen ausgestattet: „Sein Bart war grau, und sogleich hatte ich das Gefühl, daß er ein sehr einnehmendes Wesen haben müßte, milde Vornehmheit und stille Weisheit.“ (S.19). Der Ich-Erzähler verspürt, durch das Verhalten Herrnhuters inspiriert, Bewunderung und ein Gefühl der psychologischen, idealen Assimilation: „ich wollte genau so sein und so handeln wie er...“ (S.22).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Teil: Johan Daisne: Dieser Abschnitt beleuchtet das Leben und die Einflüsse von Johan Daisne, wobei seine Verbindung zum Film und seine psychologisch motivierte Schreibweise im Mittelpunkt stehen.
2. Teil: Die Fahrt ins Jenseits: Eine detaillierte Untersuchung der Novelle, die sich mit der Titelbedeutung, der Charakterisierung der drei Hauptfiguren und der symbolischen Gestaltung sowie den Themen Zufall und Schicksal befasst.
3. Fazit: Ein abschließender Rückblick auf die Interpretation des Werkes, der Daisnes mystische Bildsprache und deren Bedeutung für die lebensweltliche Aussage würdigt.
Schlüsselwörter
Johan Daisne, Trein der Traagheid, Magischer Realismus, Symbolik, Archetypen, Transzendenz, Zwischenzustand, Leben und Tod, Psychologie, Ontologie, Mystik, Lebensweisheit, Erzählperspektive, Schicksal, Polarität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werk "Die Fahrt ins Jenseits" des Autors Johan Daisne unter Berücksichtigung von biografischen, psychologischen und philosophischen Aspekten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Darstellung von Leben und Tod, dem magischen Realismus, der Rolle der Symbolik und der archetypischen Anlage der Charaktere.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Das Ziel ist es, die mystische und transzendente Dimension der Novelle aufzudecken und zu erklären, wie Daisne diese Themen in seine Erzählung einwebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die das Werk durch den Vergleich mit philosophischen und psychologischen Konzepten, etwa nach C.G. Jung, interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Autor, die drei Hauptprotagonisten, die symbolische Bedeutung von Elementen wie Licht, Musik und Farbe sowie das Zusammenspiel von Zufall und Schicksal analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Magischer Realismus, Transzendenz, Archetypen, Polarität, Zwischenzustand und Selbsterkenntnis.
Welche Bedeutung hat das Zeichen auf der Zigarettenpackung?
Es stellt eine symbolische Darstellung des Zustandes der Protagonisten dar, wobei die ineinander verschobenen Dreiecke ein Dualsystem symbolisieren, das den Zwischenzustand zwischen Leben und Tod verdeutlicht.
Warum stirbt laut der Interpretation der junge Jurastudent Val?
Die Konzeptionswahl kann als Sinnbild für einen autobiographischen Entwicklungsprozess des Autors gesehen werden, der die Jugendlichkeit als abgeschlossene Lebensphase in die Handlung integriert.
- Quote paper
- Benjamin Pauwels (Author), 2000, Johan Daisne - 'Die Fahrt ins Jenseits' (Originaltitel 'Trein der Traagheid'), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/50037