Zu welchen Ergebnissen kommt utilitaristisches Denken im Bezug auf Abtreibung? Diese Frage wird in dieser Arbeit anhand von Positionen Peter Singers im Wesentlichen beantwortet. Peter Singer ist nicht etwa der Sprecher aller Utilitaristen. Dafür ist die ethische ‚Schule‘ des Utilitarismus zu divers. Jedoch ist er zweifelsohne der prominenteste Vertreter im Bereich der Bioethik, an dessen Positionen sich viel gerieben und gestoßen wird.
Um die Positionen Singers zu verstehen, muss aber zunächst ein Grundstein gelegt werden. Dazu umreißt Raimund Lippok im ersten Kapitel den Utilitarismus in seinen fünf Wesensmerkmalen.
Inhaltsverzeichnis
1. Utilitarismus
1.1 Was ist ‚der‘ Utilitarismus?
1.2 Zentrale Prinzipien utilitaristischer Ethiken
1.2.1 Konsequentialismus
1.2.2 Eudämonismus
1.2.3 Aggregation
1.2.4 Maximierung
1.2.5 Universalismus
2. Utilitaristische Positionen
2.1 Über das Töten
2.2 Abtreibung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht utilitaristische Positionen im Kontext der Abtreibung, wobei sie sich primär auf die ethischen Argumentationsmuster von Peter Singer stützt, um zu ergründen, zu welchen Schlussfolgerungen ein utilitaristisches Denken in dieser bioethischen Debatte führt.
- Grundlagen und Definition des Utilitarismus
- Zentrale utilitaristische Prinzipien (Konsequentialismus, Eudämonismus, Aggregation, Maximierung, Universalismus)
- Peter Singers Personenbegriff und dessen Anwendung auf das Lebensrecht
- Kritische Analyse konservativer versus liberaler Abtreibungsargumente
- Das Spannungsfeld zwischen theoretischer Ethik und gesetzgeberischer Praxis
Auszug aus dem Buch
2.1 Über das Töten
Töten ist unmoralisch. Zu diesem Ergebnis kommt Singer, nachdem er verschiedene Argumentationsmuster durchspielt, die sich damit beschäftigen, ob man töten darf oder gar sollte oder nicht.
Zunächst ist festzuhalten, dass Tötungsverbote die Zivilisationsgeschichte prägen. Dem ‚common sense‘, dass menschliches Leben heilig sei, kann Singer aber nicht zustimmen. Singer spezifiziert menschliches Leben in zwei Kategorien: a) Mitglied der Spezies Homo Sapiens, das bedeutet jeder biologische, am Genmaterial erkennbare Mensch, und b) Person, wobei er sich in seinem Personenbegriff sowohl an Fletcher als auch (und viel mehr) an John Locke orientiert. Demnach ist eine Person „ein denkendes intelligentes Wesen, das Vernunft und Reflexion besitzt und sich als sich selbst denken kann, als dasselbe denkende Etwas in verschiedene Zeiten und an verschiedenen Orten“.
Kategorie a ist für Singer kein Kriterium, dass zu bestimmten ethischen Urteilen führt. Daraus lässt sich kein Tötungsverbot ableiten.
„Dem Leben eines Wesens bloß deshalb den Vorzug zu geben, weil das Lebewesen unserer Spezies angehört, würde uns in dieselbe Position bringen wie die Rassisten, die denen den Vorzug geben, die zu ihrer Rasse gehören.“
Mit Blick auf die Person ergeben sich allerdings vier Gründe, die, utilitaristisch argumentiert, gegen das Töten von Personen sprechen. Hier geht es aber nicht um Lebewesen oder Menschen im Allgemeinen, sondern nur um Personen im Speziellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Utilitarismus: Das Kapitel führt in die teleologische Ethik des Utilitarismus ein und erläutert dessen zentrale Wesensmerkmale, um ein Fundament für die ethische Analyse zu schaffen.
2. Utilitaristische Positionen: Hier werden die utilitaristischen Prinzipien, insbesondere Singers Konzepte zum Personenbegriff und zur Potentialität, auf die Tötungsproblematik und die Abtreibungsdebatte angewandt.
Schlüsselwörter
Utilitarismus, Peter Singer, Bioethik, Abtreibung, Konsequentialismus, Eudämonismus, Personenbegriff, Tötungsverbot, Präferenzutilitarismus, Autonomie, Speziezismus, Potentialität, Ethik, Lebensrecht, Moral
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Haltung des Utilitarismus zur Abtreibung, wobei der Fokus auf den bioethischen Positionen von Peter Singer liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die ethischen Prinzipien des Utilitarismus sowie deren Anwendung auf kontroverse Fragen wie das Töten und den Status von ungeborenem Leben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Schlussfolgerungen des utilitaristischen Denkens in Bezug auf die Abtreibung darzulegen und kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine ethische Diskursanalyse, die auf Literaturrecherche und der systematischen Anwendung utilitaristischer Prinzipien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die fünf zentralen Prinzipien utilitaristischer Ethiken definiert, gefolgt von einer Analyse, wie diese Prinzipien Singers Ansichten zum Personenstatus und zur Moralität von Abtreibungen stützen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Utilitarismus, Personenbegriff, Präferenzutilitarismus, Bioethik und die moralische Bewertung fötalen Lebens.
Wie unterscheidet Singer zwischen Mensch und Person?
Singer definiert "Mensch" als biologisches Mitglied der Spezies Homo Sapiens, während eine "Person" ein Wesen mit Vernunft, Reflexion und Selbstbewusstsein über die Zeit hinweg ist.
Warum lehnt Singer die "Heiligkeit des Lebens" ab?
Singer argumentiert, dass die bloße Zugehörigkeit zur biologischen Spezies kein ausreichendes Kriterium für moralische Vorrechte ist, da dies sonst den Vorwurf des Speziezismus begründen würde.
Wie bewertet Singer die Potentialität eines Fötus?
Singer verneint, dass ein Wesen, das potentiell eine Person werden kann, bereits die vollen Rechte einer Person besitzen muss, da er dies anhand von Analogien wie der Eichel versus Eiche verdeutlicht.
- Arbeit zitieren
- Raimund Lippok (Autor:in), 2019, Positionen des Utilitarismus zur Abtreibung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/499516