Was ist überhaupt das Ziel eines Schüleraustausches? Die Annahme, er solle die Sprachkenntnisse verbessern, ist ein mittlerweile überholter Mythos, da während eines Schüleraustausches viel zu wenig Zeit für eine weitreichende Sprachverbesserung besteht. Dennoch ist dieses Ziel bei den Schülern noch stark in den Köpfen vertreten. Sie werden von den Lehrern in der Vorbereitungsphase des Schüleraustausches nicht genug über das eigentliche Ziel aufgeklärt: die interkulturellen Kompetenzen der Schüler auszubilden. Dabei geht es nicht um eine Konfliktvermeidung während des Austausches, sondern vielmehr darum, bestehende Konflikte zu reflektieren und sich das Befremdliche der anderen Kultur einzugestehen.
Der Erwerb interkultureller Kompetenz wiederum dient dem übergeordneten Ziel der Europäischen Union: der Friedenssicherung. Denn durch interkulturelle Kompetenzen können Missverständnisse vermieden und für eine bessere Kommunikation zwischen den Kulturen gesorgt werden. Nicht nur für die Europäische Union ist dies von enormer Bedeutung. Durch die Globalisierung, vermehrte Migration und die immer größere Vernetzung der Welt durch die Medien, ist die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen infolge fehlender Reflektion der eigenen und Unwissenheit der anderen Kulturstandards immer größer geworden. So sollte es mittlerweile zur wünschenswerten Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Einzelnen gehören, interkulturelle Kompetenzen zu erlangen.
Verstärkt wird der Erwerb interkultureller Kompetenz auch im Lehrplan für Fremdsprachen verankert, sodass bereits im Gymnasium daraufhin ausbildet wird. Der Thüringer Lehrplan für Spanisch äußert sich zum Erwerb von interkultureller Kompetenz wie folgt: "Interkulturelle Kompetenz entwickelt der Schüler über den Erwerb und die Vertiefung von soziokulturellem Orientierungswissen, den Umgang mit Gemeinsamkeiten sowie kultureller Differenz".
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Interkulturelles Lernen und interkulturelle Kompetenz
2.1 Schüleraustausch und der Erwerb interkultureller Kompetenz
2.2 Vorbereitungsphase des Schüleraustausches
3. Der Cultural Assimilator – Entstehung
3.1 Aufbau der Cultural Assimilators
3.2 Ziele der Cultural Assimilators
3.3 Analyse eines Cultural Assimilators für die Eignung einer Schulklasse
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung von "Cultural Assimilator"-Übungen als Vorbereitungsinstrument für den Erwerb interkultureller Kompetenz bei Schülern, die an einem Austausch in ein spanischsprachiges Land teilnehmen. Es wird analysiert, wie diese Übungen, die primär aus dem Wirtschaftskontext stammen, durch didaktische Begleitung des Lehrers so modifiziert werden können, dass sie Ängste abbauen und sowohl kognitive als auch affektive und pragmatische Lernziele fördern.
- Bedeutung des interkulturellen Lernens im Schüleraustausch
- Herausforderungen der Vorbereitungsphase bei Austauschprogrammen
- Funktionsweise und Ziele von "Cultural Assimilators"
- Kritische Analyse eines konkreten "Cultural Assimilators" für den Schulkontext
- Notwendigkeit einer lehrergestützten Vermittlung interkultureller Kompetenzen
Auszug aus dem Buch
3.1 Aufbau der Cultural Assimilators
Die Cultural Assimilators sind wie folgt aufgebaut: Zunächst wird ein Konflikt zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen kurz und knapp in Form einer Geschichte beschrieben. Danach folgt eine Auswahl an möglichen Erklärungen für diesen Konflikt, aus welchen die Passendsten ausgewählt werden sollen. Der dritte Teil besteht aus Erläuterungen zu den Erklärungen und beinhaltet die Gründe für das jeweilige Verhalten bzw. Missverständnis. Die Erklärungen sind dann meist in mehrere Kulturstandards untergliedert, da diese oft verflochten sind und alle für die Erklärungen von Bedeutung sind. So wurde bei einem Cultural Assimilator über Argentinien laut Foellbach nach der Situation und den Erklärungsalternativen Kulturstandards wie Hierarchiorientierung, ambivalente nationale Identität, polychrones Zeitverständnis, Gegenwartsorientierung und Flexibilät näher erläutert (siehe auch Abbildung 3).
Cultural Assimilators können als Einzelarbeit oder in einer Gruppe durchgeführt werden und existieren bisher in Buchform und auch als PC-Lernprogramm. Es wird angenommen, dass ein Trainer nicht unbedingt notwendig ist, da die Expertise vom Cultural Assimilator selbst zu Verfügung gestellt wird. Dafür wurden bikulturelle Experten ausgewählt, welche einen längeren Zeitraum im jeweils anderen Land verbracht haben. Des Weiteren werden für jede Situation mindestens zwei Experten des jeweiligen Landes für die Erklärungen herangezogen, sodass eine gewisse Validität gegeben ist. Die kulturinadäquaten Antworten dagegen wurden von Laien gegeben und können somit in manchen Fällen dem Vorwissen der Schüler ähneln, was die Interpretationsmöglichkeiten sehr authentisch macht. Am Ende eines Cultural Assimilators gibt es oft weiterführende Literaturangaben, um sich noch intensiver über bestimmte Kulturstandards zu informieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht das Defizit einer unzureichenden Vorbereitung auf den Schüleraustausch und skizziert die Relevanz interkultureller Kompetenz als Bildungsziel.
2. Interkulturelles Lernen und interkulturelle Kompetenz: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe und analysiert die drei Ebenen (kognitiv, affektiv, pragmatisch) der Kompetenz sowie die Herausforderungen durch bestehende Kulturstandards.
2.1 Schüleraustausch und der Erwerb interkultureller Kompetenz: Es wird dargelegt, warum der Schüleraustausch trotz der "Laborsituation" in Schulen ein authentisches Umfeld für den Kompetenzerwerb bietet.
2.2 Vorbereitungsphase des Schüleraustausches: Der Autor kritisiert das Fehlen einer mentalen Vorbereitung und betont die Wichtigkeit der Angstreduktion durch gezielte Instruktionen vor dem Aufenthalt.
3. Der Cultural Assimilator – Entstehung: Dieser Abschnitt beschreibt die Ursprünge der Methode als Diagnosewerkzeug und deren Transfer in den Bereich des interkulturellen Trainings.
3.1 Aufbau der Cultural Assimilators: Es wird der strukturelle Ablauf von der Konfliktschilderung über Antwortalternativen bis hin zur fundierten Erklärung erläutert.
3.2 Ziele der Cultural Assimilators: Dieses Kapitel erläutert, wie durch die Übungen kognitive, affektive und pragmatische Lernziele adressiert werden können.
3.3 Analyse eines Cultural Assimilators für die Eignung einer Schulklasse: Der Autor bewertet kritisch ein konkretes Beispiel aus einem Lehrwerk und erörtert die Notwendigkeit lehrergestützter Didaktik.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine stärkere Verankerung der interkulturellen Vorbereitung im Lehrplan sowie eine methodische Entlastung durch den Lehrer.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Schüleraustausch, Interkulturelle Kompetenz, Cultural Assimilator, Critical Incidents, Kulturstandards, Interkulturelles Lernen, Fremdsprachenunterricht, Vorbereitung, Erziehungswissenschaft, Soziokulturelles Wissen, Handlungskompetenz, Pädagogik, Sprachvermittlung, Spanien, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie "Cultural Assimilator"-Übungen effektiv genutzt werden können, um Schüler optimal auf einen Schüleraustausch in ein spanischsprachiges Land vorzubereiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Didaktik des interkulturellen Lernens, der Vorbereitung auf Schüleraustauschprogramme und der Analyse von Methoden zur Vermittlung kultureller Standards.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob und wie Cultural-Assimilator-Übungen aus dem Wirtschaftskontext für Schüler modifiziert werden müssen, um deren interkulturelle Kompetenz gezielt zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Fachliteratur sowie einer kritischen Analyse eines spezifischen Lehrmaterials aus dem Spanischunterricht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen interkultureller Kompetenz, die Bedeutung der Vorbereitungsphase und führt eine detaillierte Eignungsprüfung von Cultural-Assimilator-Übungen für den Schulalltag durch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schüleraustausch, Interkulturelle Kompetenz, Cultural Assimilator, Critical Incidents und Kulturstandards sind die zentralen Begriffe.
Warum wird der Cultural Assimilator kritisch für Schulklassen bewertet?
Die Übungen stammen aus einem beruflichen Kontext für Fachkräfte; die Themen sind für Schüler teilweise realitätsfern und erfordern eine didaktische Anpassung durch den Lehrer, um Stereotypisierungen zu vermeiden.
Welche Rolle spielt der Lehrer bei der Vorbereitung?
Der Lehrer fungiert als unverzichtbarer Berater, der das Material semantisiert, Diskussionen moderiert, auf Fehlinterpretationen hinweist und die Übungen in einen passenden sozialen Kontext einbettet.
Welchen Einfluss hat das Spanischniveau auf die Übung?
Das in dem analysierten Beispiel verwendete sehr hohe Sprachniveau macht die Übung für Schüler unterhalb der Oberstufe (Niveau B2) schwer zugänglich, weshalb eine Vorbereitung und Anleitung durch Lehrkräfte essenziell ist.
- Arbeit zitieren
- S. A. Gallegos García (Autor:in), 2018, Der Erwerb interkultureller Kompetenz beim Schüleraustausch durch Cultural Assimilators, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/499073