Die Arbeit zeigt sowohl die Baugeschichte als auch den architektonischen Aufbau des Theaters von Epidauros auf. Hierfür sollen die einzelnen architektonischen Raumteile des Theaters schrittweise benannt und erläutert werden, um so auf Besonderheiten und eventuelle Abweichungen der Spielstätte vom normativen Leitbild in Athen hinzuweisen.
Um jedoch eben jene Baugeschichte, sowie die Architektur des Theaters von Epidauros nachvollziehen zu können, wird im Anschluss zunächst eine Erklärung des prototypischen, antik-griechischen Theaters vorangestellt werden, um so die gängigen Begrifflichkeit der typischen Theaterbauten einzuführen und evident zu machen.
Die Ursprünge und entscheidenden Impulse des abendländischen Theaters gehen von der griechischen Antike aus. Den Ausgangspunkt des antiken Theaters bildeten kultische Chorgesänge, Tänze und Festlichkeiten zu Ehren des Gottes Dionysos – unter anderem Gott des Weines, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase –, auch bekannt als Dionysien, die im Jahr 534 v. Chr. erstmals zu belegen sind.
Somit ist der Beginn der Theaterkultur sowohl als kulturelle, aber auch als sakral und religiös geprägte Prozession zu begreifen. Das Fest dauerte acht Tage an und fand zwischen den Frühlingsmonaten des März und April statt. Ein wichtiger Bestandteil der Dionysien war vor allem der rhetorische und künstlerische Wettstreit (Agon) mehrerer Tragödiendichter. Ursprünglich wurden einfache, freie, nicht selten gepflasterte Plätze als Spielstätten verwendet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Prototyp des griechischen Theaters
3. Das Theater von Epidauros
3.1 Das Koilon
3.2 Die Orchestra
3.3 Die Skenè
4. Résumé
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert die architektonische Entwicklung und den strukturellen Aufbau des antiken Theaters von Epidauros, indem sie es mit dem prototypischen Modell griechischer Theaterbauten vergleicht. Ziel ist es, die spezifischen baulichen Merkmale und die historische Bedeutung dieses bedeutenden hellenistischen Kultbaus nachvollziehbar zu machen.
- Ursprünge der griechischen Theaterkultur und Dionysoskult
- Architektonische Definition der drei Hauptkomponenten: Koilon, Orchestra und Skenè
- Baugeschichte und bauliche Besonderheiten des Theaters von Epidauros
- Vergleichende Analyse des Zuschauerraums und des Bühnenhauses
- Rolle des Theaters im Kontext der Panhellenischen Spiele
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Koilon
Die Ränge des Zuschauerraums des Theaters sind in der Länge und Breite identisch, wobei eine Differenzierung des ersten und zweiten Gürtels vorzunehmen ist. Nach dem lettischen Bauforscher Armin von Gerkan ist der obere Gürtel (DIAZOMA) der Zuschauerränge ein Zeugnis der Erweiterung der Sitzplätze von 6.200 auf zirka 12.300. Die unteren Ränge des Theaters bilden 34 Sitzreihen aus, der oberen Ränge hingegen 21 Reihen.
Während der untere Rang 13 Stufengänge und 12 Keile aufweist, zählt der obere Rang 23 Stufengänge und 22 Keile auf. Zwei Keile des oberen Gürtels entsprechen dabei einem Keil des unteren Gürtels. Die Ausnahme bildet dabei die beiden äußersten Abschnitte des oberen Ranges die nur einen Keil ausbilden (Abb. 3). Dies ist eine erste bemerkenswerte Unterscheidung des THEATER VON EPIDAUROS vom idealtypischen antik-griechischen Theater, das üblicherweise eine Gerade Anzahl an Keilen aufweist. Daher bildet der obere Teil des KOILONS keinen regelmäßigen Halbkreis, sondern eine leicht elliptische Form aus. Die Neigung der beiden Ränge ist mit jeweils 26,5 Grad hingegen wieder aufeinander abgestimmt und angepasst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historischen Ursprünge des griechischen Theaters ein und erläutert die Bedeutung als sakrale Stätte für den Dionysoskult sowie als Vorbild für spätere Theaterbauten.
2. Der Prototyp des griechischen Theaters: Hier werden die drei fundamentalen Bauelemente – Koilon, Orchestra und Skenè – als theoretisches Modell definiert, um eine Grundlage für die spätere Analyse von Epidauros zu schaffen.
3. Das Theater von Epidauros: Dieses zentrale Kapitel widmet sich der konkreten Untersuchung von Epidauros, wobei Koilon, Orchestra und Skenè detailliert hinsichtlich ihrer baulichen Struktur und Besonderheiten analysiert werden.
4. Résumé: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass sich das Theater von Epidauros als herausragendes Beispiel hellenistischer Baukunst in die Tradition der griechischen Theater einreiht.
Schlüsselwörter
Antikes Theater, Epidauros, Koilon, Orchestra, Skenè, hellenistische Architektur, Dionysos, Asklepieia, Panhellenische Spiele, Architekturgeschichte, Polyklet der Jüngere, Baugeschichte, antikes Griechenland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Architektur und Baugeschichte des antiken griechischen Theaters, wobei das Theater von Epidauros als exemplarisches Fallbeispiel dient.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Aufbau eines antiken Freilufttheaters, die historische Funktion der Anlage für Festspiele und der Vergleich zwischen einem idealtypischen Theatermodell und dem speziellen Bau in Epidauros.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen architektonischen Komponenten des Theaters von Epidauros zu identifizieren und dessen Einordnung in die hellenistische Theaterarchitektur zu belegen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse archäologischer Fachwerke, um bauliche Befunde und historische Kontexte sachgerecht zu rekonstruieren und zu vergleichen.
Was genau wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des prototypischen Theatermodells und die detaillierte architektonische Untersuchung der Segmente Koilon, Orchestra und Skenè des Theaters von Epidauros.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind das antike Theater, Epidauros, die architektonischen Hauptkomponenten (Koilon, Orchestra, Skenè) sowie die kulturelle Einbettung in die griechische Antike.
Warum weist das Koilon in Epidauros eine elliptische Form auf?
Die elliptische Form ist das Ergebnis einer baulichen Erweiterung des Zuschauerraums von ursprünglich 6.200 auf ca. 12.300 Plätze, was eine komplexere Anordnung der Keile und Stufengänge erforderlich machte.
Welche Rolle spielte die Skenè im antiken Schauspiel?
Die Skenè diente primär als Bühnenhaus für die Schauspieler zum Kostüm- und Maskenwechsel, fungierte aber auch als akustische Reflektionsebene für den Schall.
Ist der im Zentrum der Orchestra vermutete Altar archäologisch gesichert?
Nein, wie in vielen anderen griechischen Freilufttheatern gibt es auch in Epidauros keine direkten archäologischen Beweise für einen solchen Altar (Thymèle) im Mittelpunkt der Orchestra.
- Arbeit zitieren
- Hanno Dampf (Autor:in), 2015, Das Theater von Epidauros als Beispiel für das antike griechische Theater. Baugeschichte und architektonischer Aufbau, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/498924